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Neues Dossier: "Ruan" - Das umstrittene Fötusobjekt in der China-Ausstellung im Kunstmuseum Bern.

Die Möwe mit Fötenkopf verschwand vorläufig aus der populären China-Ausstellung im Kunstmuseum Bern. Dies entschied die mit einer Strafanzeige und Drohungen konfrontierte Museumsleitung, nachdem der Künstler Xiao Yu die Echtheit des Kopfes bestätigt hatte.
Am 22.8. tagte ein hochkarätiges Expertengremium aus Kunst, Ethik und Recht über Fragen im Zusammenhang mit der umstrittenen Ausstellung und befanden dabei das umstrittene Exponat als unbedenklich. Die Mehrheit forderte eine Wiederausstellung.
Was finden Sie? Ein handfester Skandal um kranke Kunst? Oder eher ein künstlerischer Sturm im Wasserglas?

Wir empfehlen auch den Weblog des Kunstmuseums zur Weiterführung der Debatte: Freiheit der Kunst

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Kunstmuseum Bern: Keine Anklage

27.9. (Tages-Anzeiger Online): Die Ausstellung des Kunstwerkes «Ruan» im Berner Kunstmuseum, das eine Möwe mit einem Fötuskopf zeigt, hat kein gerichtliches Nachspiel.

Das zuständige Untersuchungsrichteramt und die Staatsanwaltschaft III Bern-Mittelland sind auf eine Anzeige gegen das Kunstmuseum Bern nicht eingetreten, wie sie heute bekannt gaben.
Die Strafverfolgungsbehörden sind nach eingehender Prüfung aller in Frage stehenden Straftatbestände übereinstimmend zum Schluss gelangt, dass keine in der Schweiz strafbaren Handlungen begangen worden sind. Verschiedene der zur Anzeige gebrachten Handlungen hätten ausschliesslich in China stattgefunden und unterlägen somit von vorneherein nicht der Strafverfolgung und Beurteilung durch die schweizerische Strafjustiz.

Zur Diskussion standen namentlich die Tatbestände der Störung des Totenfriedens, der Gewaltdarstellung und Verstösse gegen das Tierschutzgesetz.

Die Möwe mit Fötus-Kopf des chinesischen Künstlers Xiao Yu war nach einer öffentlichen Kontroverse vorübergehend aus der Ausstellung im Kunstmuseum entfernt worden, wurde aber später in einem separatem Raum wieder ausgestellt. Das Kunstmuseum Bern stützt seinen Entscheid zur Wiederausstellung des Objektes auf eine Expertenempfehlung. Das Werk werde nun in einem Kontext gezeigt, der die Sensibilität der Besucher respektiere.
«Ruan» zeigt ein in Formalin schwimmendes Zwitterwesen. Auf den teilweise entfiederten Körper einer geköpften Möwe wurde mit groben Stichen ein echter Fötuskopf angenäht, auf dem wiederum Hasenaugen angenäht sind. Dagegen hatte der Walliser Historiker und Journalist Adrien de Riedmatten eine Strafanzeige gegen das Kunstmuseum, den Sammler Uli Sigg und den chinesischen Künstler selbst eingereicht.

Das Exponat war während der Kunstbiennale in Venedig ein halbes Jahr gezeigt worden, ohne Wellen zu werfen. Der Künstler Xiao Yu ist bekannt für schockierende Darstellungen. So liess er unter anderem lebende Labormäuse an den Hüften zusammennähen und stellte sie in Glasschalen aus. (ret/ap)

Experten aus Kunst, Ethik und

Experten aus Kunst, Ethik und Recht befanden das umstrittene Exponat als unbedenklich.
Weder Gesetz noch Menschenwürde würden verletzt, war der Tenor. Das Objekt rege unter anderem das Nachdenken über unseren Umgang mit Geburt und Tod an. Dadurch, dass es eben nicht nur realistisch, sondern real sei, erschrecke es auf eine erkenntnisfördernde Weise. Allenfalls wäre ein etwas pietätvollere Präsentationsweise angebracht, wurde empfohlen insurance.
Das Streitobjekt ist ein vom chinesischen Künstler Xiao Yu aus einem Möwenkörper und dem Kopf eines menschlichen Foetus geschaffenen, in Formalin eingelegtes Fabelwesen. Es ist eines von sechs in Gläsern präsentierten Fantasie-Präparaten, die zusammen die Installation «Ruan» bilden banks.
Am Montagnachmittag hatte der Berner Untersuchungsrichter bereits beschlossen, auf den Antrag, das Exponat aus der Ausstellung «Mahjong» einzuziehen, nicht einzutreten. Der Entscheid, ob das vorsorglich entfernte Objekt wieder in die Ausstellung integriert werde, werde in den nächsten Tagen von den Museumsverantwortlichen gefällt, erläuterte Matthias Frehner, Direktor Kunstmuseum, zu Beginn des Symposiums.

Overkill
Eröffnet wurde die Diskussion durch den Walliser Historiker und Blog-Journalisten Adrien de Riedmatten. Er erklärte noch einmal, warum er das Kunstmuseum, den Schöpfer des Objekts und den Besitzer der Kunstsammlung unter anderem wegen Störung des Totenfriedens angezeigt hatte: Die Herkunft des Foetus - eines medizinischen Präparates aus den 60er Jahren - sei noch immer nicht geklärt. Ausserdem habe es Besucher traumatisiert find a property.
Nachdem Kurator Bernhard Fibicher kurz ähnliche Fälle vorgestellt hatte - von christlichen Reliquien bis zum Bozener Ötzi- diskutierten unter anderen die Philosophin Ursula Pia Jauch, die Theologin Irene Neubauer, Beat Sitter-Liver von der Eidg. Ethikkommission sowie Peter Studer, Jurist und Präsident des Schweizer Presserates.
Letzterer richtete leichte Kritik an die Museumsverantwortlichen: Ihre Gegenklage gegen de Riedmatten wegen «übler Nachrede» sei eine unnötige Überreaktion gewesen.

Gruseliges Möwen-Mensch-Ding gibt Comeback

1.9.05: BERN – Die Möwe mit Fötus-Kopf des chinesischen Künstlers Xiao Yu wird in einem separatem Raum wieder ausgestellt und ist nur noch kontrolliert zugänglich.
Das Kunstmuseum Bern stützt seinen Entscheid auf eine Expertenempfehlung. Das Werk werde nun in einem Kontext gezeigt, der die Sensibilität der Besucher respektiere.
Die Podiumsdiskussion zum Thema «Die Grenzen des Darstellbaren» habe das grosse Interesse an einer Auseinandersetzung über Fragen der Ethik in der Kunst gezeigt, so die Museumsleitung.
Die Expertenrunde sei sich einig gewesen, dass die Vorwürfe bezüglich Gewaltdarstellung, Störung des Totenfriedens und Verstoss gegen das Tierschutzgesetz rechtlich gegenstandlos seien. Einigkeit habe auch über die Wiederausstellung des Werks geherrscht, und zwar in einer Weise, die Rücksicht auf die Sensibilität der Besucher nehme.
Die Museumsleitung machte ihren Entscheid gleichzeitig vom Sicherheitsrisiko abhängig. Dieses sei gemäss den Empfehlungen der Polizei durch einen kontrollierten Zugang zum Werk zu verantworten. In Übereinstimmung mit dem Sammler Uli Sigg werde das sechsteilige Werk «Ruan» deshalb ab dem kommenden 8. September «ausserhalb der Ausstellung in einem separaten Raum zur Weiterführung des Diskurses zur Verfügung gestellt».
In diesem Raum werde auch die vorausgegangene Diskussion dokumentiert und soll fortgesetzt werden. Am Schluss der Ausstellung «Mahjong – chinesische Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg» werde die Beurteilung ausgewertet und veröffentlicht.
Dem Kunstmuseum sei aber trotz aller Kontroverse daran gelegen, die einzigartige Ausstellung mit über 320 Werken nicht auf dieses eine Exponat zu reduzieren.
«Ruan» zeigt ein in Formalin schwimmendes Zwitterwesen. Auf den teilweise entfiederten Körper einer geköpften Möwe wurde mit groben Stichen ein echter Fötuskopf angenäht, auf dem wiederum Hasenaugen angenäht sind.
Dagegen hatte der Walliser Historiker und Journalist Adrien de Riedmatten eine Strafanzeige gegen das Kunstmuseum, Sigg und den Künstler selbst eingereicht. Das Exponat war während der Kunstbiennale in Venedig ein halbes Jahr gezeigt worden, ohne Wellen zu werfen.
Der Künstler Xiao Yu ist bekannt für schockierende Darstellungen. So liess er unter anderem lebende Labormäuse an den Hüften zusammennähen und stellte sie in Glasschalen aus.

div. Berichte

Unbenanntes Dokument

23.8.05, SDA
«Fötus-Möwe» gehört ausgestellt
Unwerwartet einhellig verlief am Montagabend eine öffentliche Expertendiskussion zum Berner Kunstskandal um das sogenannte «Foetus-Objekt».


Experten aus Kunst, Ethik und Recht befanden das umstrittene Exponat als unbedenklich.
Weder Gesetz noch Menschenwürde würden verletzt, war der Tenor. Das Objekt rege unter anderem das Nachdenken über unseren Umgang mit Geburt und Tod an. Dadurch, dass es eben nicht nur realistisch, sondern real sei, erschrecke es auf eine erkenntnisfördernde Weise. Allenfalls wäre ein etwas pietätvollere Präsentationsweise angebracht, wurde empfohlen.
Das Streitobjekt ist ein vom chinesischen Künstler Xiao Yu aus einem Möwenkörper und dem Kopf eines menschlichen Foetus geschaffenen, in Formalin eingelegtes Fabelwesen. Es ist eines von sechs in Gläsern präsentierten Fantasie-Präparaten, die zusammen die Installation «Ruan» bilden.
Am Montagnachmittag hatte der Berner Untersuchungsrichter bereits beschlossen, auf den Antrag, das Exponat aus der Ausstellung «Mahjong» einzuziehen, nicht einzutreten. Der Entscheid, ob das vorsorglich entfernte Objekt wieder in die Ausstellung integriert werde, werde in den nächsten Tagen von den Museumsverantwortlichen gefällt, erläuterte Matthias Frehner, Direktor Kunstmuseum, zu Beginn des Symposiums.

Overkill
Eröffnet wurde die Diskussion durch den Walliser Historiker und Blog-Journalisten Adrien de Riedmatten. Er erklärte noch einmal, warum er das Kunstmuseum, den Schöpfer des Objekts und den Besitzer der Kunstsammlung unter anderem wegen Störung des Totenfriedens angezeigt hatte: Die Herkunft des Foetus - eines medizinischen Präparates aus den 60er Jahren - sei noch immer nicht geklärt. Ausserdem habe es Besucher traumatisiert.
Nachdem Kurator Bernhard Fibicher kurz ähnliche Fälle vorgestellt hatte - von christlichen Reliquien bis zum Bozener Ötzi- diskutierten unter anderen die Philosophin Ursula Pia Jauch, die Theologin Irene Neubauer, Beat Sitter-Liver von der Eidg. Ethikkommission sowie Peter Studer, Jurist und Präsident des Schweizer Presserates.
Letzterer richtete leichte Kritik an die Museumsverantwortlichen: Ihre Gegenklage gegen de Riedmatten wegen «übler Nachrede» sei eine unnötige Überreaktion gewesen.

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Berner Zeitung; 23.08.2005[0]; Seite 10

Mahjong - gestern abend im Kunstmuseum Bern
Fötus als Kunst und Klage
Natürlich darf man Kunst so falsch verstehen, dass man den, der sie ausstellt, angklagt. Natürlich, dass dieser sich deshalb beleidigt fühlt. Muss man aber deshalb gleich den Richter bemühen? 400 fragten sich das gestern Abend.

Da sass er: im schwarzen Rollo, schwarzen Sakko und dunkelblauer Jeans perfekt der Konvention entsprechend, die man erwartet, wenn man ein Haus wie das Kunstmuseum Bern betritt. Jugendlicher Charme im Augenwinkel, aufmerksamer Blick hinter dünnem Brillenglas: Nein, dem Historiker und Journalisten Adrien de Riedmatten sah man nicht an, dass er das Selbstverständnis des Berner Kunstmuseums als Hort der Freiheit des künstlerischen Ausdrucks im Innersten erschüttert hatte. Dass er es hatte, war sattsam bekannt - rund 400 Interessierte sassen gestern im Kunstmuseum in den Reihen. Sie lauschten der Debatte, ob man ein Kunstmuseum verklagen darf - wegen eines Kunstwerks.
Und so sassen dort auch sie, acht Frauen und Männer, die sich von Berufs wegen mit Fragen der Ethik, der Philosophie, des Rechts, der Theologie und nicht zuletzt- natürlich - der Kunst befassen. Gestern im Brennpunkt: «Die Grenzen des Darstellbaren», so die Einladung zur Podiumsdiskussion anlässlich der Debatte um ein Hybridwesen aus Möwe und menschlichem Fötus des chinesischen Künstlers Xiao Yu. Zur Erinnerung: de Riedmatten hatte wegen des Werks geklagt; Museumsdirektor Matthias Frehner hatte es daraufhin vorübergehend aus der Ausstellung zurückgezogen - und de Riedmatten seinerseits wegen übler Nachrede verklagt.

Recht und Ethik
Aus Sicht des Juristen löste sich die Verwirrung um die Klage bald in klare Folgerungen auf: Laut Peter Studer, dem ehemalligen Chefredaktor des Schweizer Fernsehens und aktuellem Präsidenten des Schweizer Presserates, macht weder das eine noch das andere Sinn. De Riedmattens Klage nicht, weil erstens bei dem Werk weder eine strafrechtlich relevante Gewaltdarstellung vorliege, zweitens keine Störung des Totenfriedens vorliege - da ein Fötus juristisch kein Toter sei -, und drittens auch keine Rede von der Verletzung der Tierschutznorm sein könne.
So leicht wie das Recht, konterte der Ethiker Beat Sitter-Liver, könne man es sich angesichts einer «solch spannenden Frage», nicht machen - er meinte damit vor allem die Freiheit in der Kunst und allfälligen Grenzen dieser Kunst. Und «die Würde des Lebens überhaupt - also nicht nur die Würde des menschlichen Lebens».

Kunst und Kritik
Die anwesende Künstlerin Miriam Cahn fand es «völlig falsch», dass das Museum das Werk angesichts de Riedmattens Klage zurückgezogen habe.
Museumsdirektor Matthias Frehner bemühte sich, die Sicht der Aussteller darzulegen; Philosophie-Professorin Ursula Pia Jauch erinnerte daran, dass die Ausstellung «Mahjong» seit ihre Premiere an der Biennale 1999 in Vendig «Hunderttausende gsehen» hätten und niemand sich an Xiao Yus Werk gestört habe. Aufmerksam und scheinbar unbewegt lauschte der klagende Angeklagte de Riedmatten der Runde, die von der Sinologin Andrea Riemenschitter und der Theologin Irene Neubauer komplettiert wurde.
Auf dem Podium bildete sich am Ende trotz aller Komplexität der Fragen, trotz der Schwierigkeit, die jeweilige Position aus der Haltung eines Einzelnen auch als allgemein akzeptabel zu sehen, mindestens eine Mehrheitsmeinung: Xiao Yus Werk muss zurück in die Aussstellung.

 

13.8.05, Quelle: KIPA

Kunstmuseum Bern: Wirbel um Kinderkopf auf Möwe

Ein Chinese pflanzte den Kopf eines toten Kindes auf den Körper einer Möwe.
Ein Mischwesen mit Namen "Ruan", das derzeit im Berner Kunstmuseum ausgestellt ist, sorgt für einiges Entsetzen. In einem mit Formalin aufgefüllten Glastopf ist das vom chinesischen Künstler Xiao Yu hergestellte Werk zu sehen: eine Möwe mit dem Kopf eines Menschenkindes. Am Montag reichte Adrien de Riedmatten, Betreiber der aus kirchlichen Kreisen finanzierten Internetseite bafweb.com, Strafklage gegen das Ausstellen des Mischwesens ein.
"Ruan" ist Teil einer Sonderausstellung zur chinesischen Gegenwartskunst, die seit dem 13. Juni zu sehen ist. Sie zeigt eine repräsentative Auswahl der 1.200 Werke von 180 Künstlern umfassenden Sammlung chinesischer Gegenwartskunst von Uli Sigg, Vizepräsident des Verwaltungsrates der Ringier-Gruppe und von 1995 bis 1998 Schweizer Botschafter in Peking.
Verschiedene Medien in den letzten Tagen die vom 29-jährigen Walliser Historiker ins Netz gestellte Kritik am ausgestellten Mischwesen aufgegriffen. "Niemand weiss, ob es sich wirklich um einen menschlichen Kopf handelt", sagte Bernhard Fibicher, der die Ausstellung gemeinsam mit dem chinesischen Künstler Ai Weiwei und dem Sammler Uli Sigg konzipiert hatte, der Nachrichtenagentur ap. Das Werk gehöre zu einer Serie, die mit den Grenzen zwischen Mensch und Tieren und den ethnischen Grenzen spiele. Es sei während der internationalen Kunstbiennale von Venedig im Jahr 1999 von Hunderttausenden Menschen gesehen worden. Von Klagen habe er keine Kenntnisse.
Der im freiburgischen Villars-sur-Glâne lebende Adrien de Riedmatten erklärte der Presseagentur Kipa, ihm gehe es mit der Klage vor allem auch darum, dass abgeklärt werde, ob der Menschenkopf tatsächlich echt sei. Aufgrund seines Augenscheins halte er ihn für den Kopf eines weit entwickelten Fötus oder einer Frühgeburt. Er wolle zudem erreichen, dass wenigstens Kinder und andere sensible Menschen vor dem grässlichen Anblick des Mischwesens bewahrt würden, indem man das Werk etwa in einen besonderen Raum stellen würde.
Ruth Gilgen, Pressesprecherin des Museums, räumte im Schweizer Fernsehen DRS und der Westschweizer Zeitung "Le Matin" ein, dass man einen Warnhinweis hätte anbringen sollen. Eine Schulklasse junger Schüler, die die Ausstellung gesehen habe, sei extrem schockiert gewesen. Heute werde das Publikum am Ausstellungseingang gewarnt, dass einige Werke verletzend wirken könnten.

Auszüge aus dem Blog auf www.20min.ch

Arwald: hm
Dann mach ich wohl zwischen einem lebenden Menschen und einem toten Fötus einen Unterschied den du nicht machst.
Ehrlichgesagt halte ich 99% von allem was man unter "Kunst" und besonders "moderner Kunst" versteht für absolut schwachsinnigen Scheissdreck. Diese Volgel/Fötus figur hat aber meiner Meinung etwas. Zumindest im vergleich zu irgend einer bekloppten und sinnlosen Konstruktion oder dem jämmerlichen gepinsel irgend eines exzentrischen Affen. Eben weil sie widerlich und krank ist.


spezializt: arwald
es dürfte aber doch eine ermessensfrage sein, denn im artikel 7 der bundesverfassung steht folgendes: "Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen."
würde es in meinem ermessen liegen, würde ich aber niemanden bestrafen, habe schon schlimmeres als das gesehen.

Arwald: Penner!
Art. 21 der Bundesverfassung: "Die Freiheit der Kunst ist gewährleistet."
was schliessen wir daraus? Jeder der dem Museum droht oder es Anzeigt sollte selbst Angezeigt werden da er die schweizerischen Grundrechte Missachtet. Scheiss Moral-Faschisten.

Sino: abartig.....
wie krank muss jemand sein, so etwas als "kunst" zu bezeichnen?

_maryjane_: fluregn
jetzt gehst du aber entschieden zu weit, wenn du eine vergewaltigung mit diesem ding da vergleichst...der fötus hat nicht mehr gelebt, die frau lebt und wird ihr lebenlang darunter leiden. deine vergleiche werden immre verzweifelter...
und übrigens, eine fraue hat das recht abzutreiben, wenn sie das will.

spezializt: @fluregn
--------- fluregn schrieb: ---------
1. Ich war nicht an der Ausstellung mit dieses chinesischen ?Künstlers?. Ebensowenig war ich an einer Folterung, im Krieg, bei einem Terroranschlag etc. Gewisse Sachverhalte sind an sich schon so eindeutig, dass man nicht dabei gewesen sein muss, um zu urteilen.
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beim anatomischen museum war das aber nicht so, oder?
--------- fluregn schrieb: ---------
Du schreibt ja auch über den Papst ohne ihm je die Hand gegeben zu haben.
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ich schreibe nichts über die person ratzinger, ich schreibe höchstens etwas zu seinen aussagen (um die zu hören, muss man ihn ja nicht kennen) oder über die funktion des papstes allgemein. dies hat ja aber mehr mit der kirche als mit dem papst zu tun und glaube mir, die kirche kenne ich gut genug.
--------- fluregn schrieb: ---------
2. Ob bei dieser Ausstellung in Basel die Würde des Menschen verletzt wird, hängt nicht vom Zweck ab, sondern vielmehr von der Art der Präsentation.
Wenn sich aber zB. nur schon eine Frau ein Kind weniger abtreibt, weil Ihr wegen dieser Ausstellung bewusst wurde, dass schon ein Fötus ein "Wunder" ist, wäre dies nicht schon ein Erfolg für die Würde des Menschen?
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na gut, man kann alles irgendwie so drehen. aber hast du nicht gesagt, es hängt von der art der präsentation ab, ob die würde gewahrt wird? was bestimmte frauen danach denken, hat also nicht wirklich etwas damit zu tun.
--------- fluregn schrieb: ---------
Anderenseits werden aber Tote zur Schau gestellt, was mitunter sehr entwürdigend sein kann.
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eben, es geht doch nur um das, nicht um irgendwelche an den haaren herbeigezogenen potentiellen positiven auswirkungen der ausstellung auf schwangere frauen. vielleicht wurde auch einer frau dank diesem möwen-fötus-gebilde bewusst, dass schon ein fötus ein "wunder" ist.
--------- fluregn schrieb: ---------
Genau deshalb ist die Ausstellung problematisch. Einersteits kann sie die Würde fördern, aber gleichzeitig auch mit den Füssen treten. Da masse ich mir kein Urteil an, und schon gar nicht weil ich nie da war.
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bei der ausstellung in bern konntest du es aber auch.fluregn: Ich war auch noch nie bei einer Folterung ...
--------- spezializt schrieb: ---------
heisst das, wenn es nicht zur schaustellung dient (sondern zb medizinischen zwecken), steht die ehrfurcht vor der schöpfung im vordergrund? die wissenschaft, das ausstellen von toten menschen für 'medizinische zwecke', das forschen an stammzellen etc verstösst ja im prinzip genauso gegen die von dir erwähnte würde des menschen.
und warst du denn eigentlich an dieser ausstellung, dass du so gut darüber urteilen kannst?
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1. Ich war nicht an der Ausstellung mit dieses chinesischen ?Künstlers?. Ebensowenig war ich an einer Folterung, im Krieg, bei einem Terroranschlag etc. Gewisse Sachverhalte sind an sich schon so eindeutig, dass man nicht dabei gewesen sein muss, um zu urteilen. Du schreibt ja auch über den Papst ohne ihm je die Hand gegeben zu haben.
2. Ob bei dieser Ausstellung in Basel die Würde des Menschen verletzt wird, hängt nicht vom Zweck ab, sondern vielmehr von der Art der Präsentation.
Wenn sich aber zB. nur schon eine Frau ein Kind weniger abtreibt, weil Ihr wegen dieser Ausstellung bewusst wurde, dass schon ein Fötus ein "Wunder" ist, wäre dies nicht schon ein Erfolg für die Würde des Menschen?
Anderenseits werden aber Tote zur Schau gestellt, was mitunter sehr entwürdigend sein kann.
Genau deshalb ist die Ausstellung problematisch. Einersteits kann sie die Würde fördern, aber gleichzeitig auch mit den Füssen treten. Da masse ich mir kein Urteil an, und schon gar nicht weil ich nie da war.fluregn: Waren denn diese Fotos aus den irakischen Gefänginsse nicht auch "Kunst"
--------- Felix65 schrieb: ---------
mein Ding ist die ausgestellte "Skulptur" nicht - nun wems nicht Gefällt, der braucht sich ja die Ausstellung nicht anzuschauen, viel mehr stören mich die Drohungen von religiösen extermisten, gegen die Ausstellungsmacher - resp. Museumsbetreiber. Auch aus Sicht der Ethischen Seite bin ich der Meinung es muss dem einzelnen Betrachter überlassen bleiben was er von diesem Kunstwerk halten soll. Ich fände es wesentlich besser, wann die Kreise welche sich wegen diesem Fötenkopf so erregen, sich mit der Selben energie gegen Folter und Misshandlungen einsetzten würden, die leider noch vielerorts auf der Welt anzutreffen sind.
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Also wenn ein Kunstkritiker diese Menschenpyramiden in den irakischen Gefänginsse als Kunst bezeichnet hätte, wäre dies dann ebenfalls nur Geschmacksache gewesen?
Sollten dann mit der gleichen Logik die Folterknechte noch straffrei ausgehen und die Fotos in ein Museum ausgestellt werden?
Oder liegt es nur daran, dass die Föten keine Lobby haben?
Folterungen und Misshandlungen können erst gedeihen, wo die Würde des Menschen mit den Füssen getreten werden.
Somit setzen sich die Gegner dieser Aufstellung bereits mehr für die Folter ein, als Leute die sich hinter Begriffe wie Kunst verstecken.
Das Empörende daran ist aber, dass eine Institution, welche mit Steuergelder finanziert wird, keinen Respekt für die Würde des Menschen kennt.
Über moderne Kunst darf wohl gestritten werden, aber nicht um die Würde des Menschen.

dhimmi_: makaber
die schlitzaugen sind da schon eigenartig aber das die schweiz solchen eine plattform bietet geht zu weit. in china werden auch den hingerichteten leuten die organe entnommen und teuer weiterverkauft und die hinterbliebenen müssen die kugel bezahlen.
abschieben diesen sog. künstler.

Nicellei: ich denke...
dieses "kunstobjekt" rüttelt menschen wach, bringt sie zum diskutieren... das wollter der künstler bestimmt erreichen...alle sprechen davon und es wird vielen bleiben...und auf eine etwas abwegige art wird vielleicht dem ein oder anderen durch dieses kunstobjekt bewusst wie die menschheit mit dem leben umspringt...

Maxipeg: Keine Geschmackssache
DAS ist nun wirklich keine Frage des Geschmacks mehr, sondern kriminell...

Felix65: Geschmackssache
mein Ding ist die ausgestellte "Skulptur" nicht - nun wems nicht Gefällt, der braucht sich ja die Ausstellung nicht anzuschauen, viel mehr stören mich die Drohungen von religiösen extermisten, gegen die Ausstellungsmacher - resp. Museumsbetreiber. Auch aus Sicht der Ethischen Seite bin ich der Meinung es muss dem einzelnen Betrachter überlassen bleiben was er von diesem Kunstwerk halten soll. Ich fände es wesentlich besser, wann die Kreise welche sich wegen diesem Fötenkopf so erregen, sich mit der Selben energie gegen Folter und Misshandlungen einsetzten würden, die leider noch vielerorts auf der Welt anzutreffen sind.

test20: Kunst ??
Einen grösseren Schmarren ist fast nicht möglich.
Vermutlich ist Kunst wer den grössten Seich bringt.
Schaut doch in die Kunstmuseums dort stellen die Direktoren ja noch zerbrochen kacheln aus als Grosse Kunst aus
Und dieser Blödsinn wird noch mit unserem sauer verdienten Steuergeld belohnt.

Unseen: Klar liegt Kunst im Auge des Betrachters.
Dennoch muss sowas doch nicht sein. Naja ist halt eben Kunst. Sollt ich vielleicht mal nen haufen Scheissen und dann noch nen fötus Kopf reinquetschen ist ja auch Kunst ne.
Aber die Welt braucht sowas... fragt sich nur wie krank ein Mensch sein muss um etwas wie das zu entwerfen und wie beschränkt man sein muss um sowas dann auch als Kunst anschauen zu gehen. In der Sparte makaber würds wohl auch passen.

suenneli1: Warum soll ich nicht selber entscheiden können?
Also ich finde es sehr geschmacklos, aber ich habe ein Problem mit solchen Menschen die andern ihre Probleme aufzwängen. Dieser Walliser ist doch echt ein armer Mensch. Wenn er es nicht sehen will ok, aber warum sollte ich dann nicht selber entscheiden können ob ich es sehen will oder nicht?
Abgesehen davon war das eine riesige Werbung für das Kunstmuseeum. Mich würde mal interessieren wie viele Leute aufgrund der Anzeige vom Walliser ins Kunstmuseeum gingen. Ich habe mir danach sogar selber Gedanken darüber gemacht mir das anschauen zu gehn. Nur für den "Gwunder" und um mir selber ein Urteil zu machen ob das eine Strafanzeige wert ist oder ob man einfach eine andere Kultur, oder dieses so benannte "Kunstwerk" als das akzeptiert...

upsydaisy: unmoralisch und respektlos
dass ein fötenkopf für ein kunstobjekt verwendet wird, finde ich persönlich einfach nur unmoralisch und unter jeder würde.. ist mir ehrlich gesagt ein rätsel, wie jemand an einem toten fötus rumschnibbeln kann ohne auch nur einen gedanken daran zu verwenden, was er da eigentlich genau tut...
kürzlich wurden in einem französischen krankenhaus mehrere hundert kinderleichen und föten gefunden, welche zu forschugnszwecken aufbewahrt wurde. ein riesieger skandal, wie so etwas nur passieren kann! in der schweiz wird kurzerhand ein "kunstobjekt" ins museum gestellt und niemand hat zuvor abgeklärt wie das objekt überhaupt zu stande kam oder hat dabei kurz mal an die echtheit gedacht?!?
das kunst provoziert, dass kommt häufiger vor und das darf es auch meiner meinung nach. aber was mister xiao yu hier getan hat, ist einfach nur noch abartig und pervers!
habe für künsterlische ausschweiffungen viel übrig, aber nicht für solches!

ranko: Kunst?
Eher ein Fall für die Psychi. Nicht, dass ich gerade ein Engel bin - aber solch' Ideen müssen einem zuerst mal einfallen...

MasterJoda: @maryjane
Zur Show stellen und es auch noch als Kunst deklarieren ist ein himmel weiter Unterschied zu den Nöten und dem Leiden in afrikanischen Ländern. Bringt mans in den gleichen Zusammenhang ist es ja fast eine Frechheit.
Allerdings sollte man den Kindern dies schon erklären, natürlich mittels der für einen selbst geltenden Wahrheit.
Ich will aber keinem Kind erklären müssen dass es auf der Welt so kranke Hirnis gibt die sich an Föten aufgeilen (was ganz bestimmt für den Künstler wie auch für die beführwortenden Betrachter zutrifft). Selbst wenn dies der Wahrheit widerspiegelt.

_maryjane_: du sombrero
du weisst schon, dass man das baby nicht extra für das umgebracht hat?
menschen als versuchskaninchen zu missbrauchen kannst du doch nichtmit dem vergleichen! man will die ja leiden sehen um die nebenwirkungen rauszufinden.

Sombrero: Da sieht man's wieder!
Ein kleines Problemchen hab ich mit diesem Exponat schon, insbesondere mit der Diskussion darum. Auf der einen Seite wird ein Riesentheater um die ethische Vertretbarkeit von Genforschung an Stammzellen veranstaltet und auf der anderen Seite finden es einige völlig in Ordnung einen weitentwickelten Fötus für die "Kunst" in Stückchen zu schneiden.
Das scheint mir schon eine leicht kranke Einstellung zu sein. In der Forschung, wo das Ergebnis Medikamente sein könnten, die vielen Menschen helfen, sind wahrscheinlich dieselben gegen den Einsatz von "menschlichem Material" die das im Namen der Kunst ganz ok finden. Meines Erachtens einfach nur KRANK!

JustinTime: @smartass
--------- Smartass schrieb: ---------
Kinder müssen vor der Realität nicht geschützt werden - es schützt sie ja auch keiner vor Gewaltszenen in Videospielen etc.
Naja, dafür sorgen ja wenigstens unsere "Freunde von der anderen Seite des grossen Teichs" dafür, dass man zwar Menschen auf alle erdenklichen Weisen in Top-Grafik abmurksen darf, dabei aber kein seelisch-moralisch verwerf- und -derblicher Nippel zu sehen ist, von weiterem ganz zu schweigen.
Sorry, aber wir werden langsam einfach im falschen Bereich "verpimpelt". :-S
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das mit den video spielen find ich ebenfalls nicht gut für kinder... die moral der amis ist mir total unverständlich - aber ich denk schon das man kinder generell schützen sollte und die medien nicht einfach alles grafisch darstellen müssten.
bin aber generell auch gegen verbote und zensur.

_maryjane_: justintime
dann sehens mal was anders, als imerm nur zerfetzte körper und halbtode kinder aus afrika...ist genau so traumatisierend. willst du alles zensieren, damit die kinder in einer art "korrekten welt" aufwachsen udn später erfahren müssen, dass diese doch nicht so korrekt sind?

Smartass: JustinTime
Kinder müssen vor der Realität nicht geschützt werden - es schützt sie ja auch keiner vor Gewaltszenen in Videospielen etc.
Naja, dafür sorgen ja wenigstens unsere "Freunde von der anderen Seite des grossen Teichs" dafür, dass man zwar Menschen auf alle erdenklichen Weisen in Top-Grafik abmurksen darf, dabei aber kein seelisch-moralisch verwerf- und -derblicher Nippel zu sehen ist, von weiterem ganz zu schweigen.
Sorry, aber wir werden langsam einfach im falschen Bereich "verpimpelt". :-S

Smartass: Kunst!
Den Fötus wird's wohl kaum interessieren, ob er im Klinikmüll oder einer Kunstausstellung landet.
Als was würdet ihr lieber enden: Als Sondermüll oder als Kunstobjekt?
Der Tabubruch besteht doch nicht in irgeneiner "Schändung" des Fötus sondern in dessen Zurschaustellung. Wir wollen den Fötus aus den Augen und damit aus dem Sinn haben.
Wer das Kunstobjekt als unmoralisch ansieht ist ein Heuchler, denn gegen den Föten im Sondermüll wird er in der Regel wohl kaum protestiert haben.
Hier ist nicht die Kunst "krank", sondern bestenfalls die Gesellschaft, der diese den Spiegel vorhält. Nur: Eine Gesellschaft, die auf das Vorhalten eines Spiegels mit Verboten reagiert ist gewiss nicht auf dem Wege der Gesundung.

MasterJoda: @Samakutra
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kommen bspw. bei der herstellung eines kunstobjeks andere menschen zuu schaden, ist das kunstobjekt selbst morlaisch zu verachten. da dies bei diesem kunstobjekt allerdings nicht der fall war (meines wissens), ist die empörung bzw. das verbot derartiger kunstobjekte auch nicht zu rechtfertigen.
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Die Moral nur auf die Herstellung des Objektes zu begrenzen finde ich falsch. Die Moral muss auch auf die Darstellung angesetzt werden, sprich es ist für mich auch entscheidend ob das Objekt für den Betrachter einen Schaden zu fügen kann (seelischer Schaden natürlich). Und ich will nicht wissen wie das Objekt auf eine Frau wirkt die ihr Kind verloren hat. Das Objekt ist ja nicht das Haupt-Thema der Ausstellung, sprich es ist keine Fötus-Mutations-Ausstellung oder wie man sowas nennen mag.
Subtrahiere ich diese Moral von Kunst und lasse alles zu muss ich auch Farb-Collagen à la Warhol von Fotos von KZ-Opfern akzeptieren. Also alles abartige was man sich vorstellen kann. Und das kann ja kaum das Ziel sein.
Die Moral ist halt keine festgeschrieben Sache und definiert sich auch korrekter Weise immer wieder aufs neue. Die über Logik erklären zu wollen finde ich äusserst schwierig, ja vielleicht sogar falsch. Und in anderen Ländern herrscht eine andere Moralvorstellung, was nicht heisst dass wir dies akzeptieren müssen. Und da darf man ruhig auch Kritik aussprechen. Sonst werden auch gleich alle Menschenrechts-Diskussionen für überflüssig.

MasterJoda: @maryjane
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dieser künstler wollte was provokaties erreichen...hat er ja auch.
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Und genau deshalb ist die Kritik berechtigt, geht es hier um die Kunst oder um die reine Provokation. Man kann sich natürlich auch die Provokation als solches zur Kunst machen. Doch dies finde ich in jedem Fall verwerflich.
Um die Provokation zu gerechtfertigen wird dann der "Kunst" eine pseudo-intellektuelle Ideologie auferlegt.
Naja verwundern muss uns das allerdings nicht, unsere Medien gieren förmlich nach Provokation. Und wir Menschen spielen das Spiel auch noch mit.

MasterJoda: @c_net
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es kann gerade das faszinierend unrealistische sein
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Und liegt nicht gerade hier der widerspruch am Objekt ? Wenns unrealistisch sein soll, weshalb dann einen echten Fötus ?
Darin liegt die reine Provokation. Und bringt das surealistisch gedachte wieder auf den Boden der Realität und dient somit nicht mehr der Kunst sondern wohl eher dem kapitalistischen Gedanke.
Doch ich glaube deshalb muss man trotzdem keinen solchen Wirbel machen bzw. dann hätte man dies auch bei der Körperwelten-Austellung machen müssen, denn da gehts auch ganz bestimmt nicht wirklich um Biologie-Unterricht. Und die Beschaffung der Objekte ist auch da alles andere als seriös.
Abklären muss man aber wie der Kunstschaffende an das Objekt gekommen ist und da gibt es insebesondere im asiatischen Raum ganz dubiose Machenschaften welche sehr wohl in den Straftatbestand gehen können. Geht nicht eher die Anzeige in diese Richtung ?
Über die moralische Grenze sind wir schon sehr lange hinaus.
Mir gefällts aber trotzdem überhaupt nicht. Ich mag zwar surealistische Sachen, welchen ich aber eine entscheidende Distanz zum Realismus abverlange.

nussbaum61: Steuergeld für Geschmacklosigkeit?
Da ist definitiv nicht die Kunst des Erschaffenen im Vordergrund sondern die Kunst, einen Dummen zu finden, der sowas ausstellt - und auch noch bezahlt! Wenn ein Herr Ausstellungsmacher sowas mit seinem eigenen Geld finanziert kann man noch darüber hinwegschauen, wenn aber für soche "Exponate" auch noch Steuergelder verschwendet werden geht das eindeutig zu weit. Auch die Freiheit der Kunst hört da auf, wo andere in ihrer Freiheit eingeschränkt werden.
Die "Kunst" entgleitet ohnehin immer mehr in eine Ebene, die nichts mehr mit der Kunst des Darstellens zu tun hat. Provokation um jeden Preis steht im Vordergrund. Geschmack ist nicht mehr gefragt. Hätte dieser sogenannte Künstler etwas geschmackvolles erschaffen, wäre er niemals berühmt geworden. Und genau da liegt das Problem. Wir wollen nur noch Geschacklosigkeiten sehen. Kriege werden als TV-Ereignis zelebriert, Mordopfer sollen möglichst noch blutend am Bildschirm ihr Leben aushauchen. Wir alle (auch die sogenannten Ausstellungsmacher) müssen wieder die Kraft aufbringen, solche "Kunst" dahin zu befördern, wo sie hingehört: in den Hinterhof eines geistig verwirrten (und deshalb nicht minderwertigen) Psychopaten.
Erfreuen wir uns doch am Positiven, am Leben und ergötzen wir uns nicht am Leid anderer.

Oezdemir: Echter Kopf
das ist Leichenschändung und nicht Kunst! sdfgds: Kunst ist...KRANK
..ich frage mich immer wieder wer für so nen kranken Schrott ein Eintrittsgeld hinblättert..

SchneebaII: man muss sich eben schon denken
wer von diesem "künsterlischen Sturm im Wasserglas" am meisten profitiert, so als wäre das herumexperimentieren mit leichenteilen nicht schon jeher ein ding von spinnern und medizinern und das neue nur dass es jetzt ein staatliches museum ausstellt. und das ist jener der hier darüber schreibt und damit seine brötchen verdient, dem diese neuigkeit besonders geeignet scheint, um die ziele seines unternehmens zu erreichen, die da sind: möglichst viele leute auf 20min.ch. ich meine das thema fällt einem ja wirklich in die hände, oder? ausser dem staat (um normen zu setzen), der wirtschaft (um subventionen abzubauen) und allen moralisch inspirierten bürgern (um ihren frust auszuleben) interessiert das ja wirklich niemanden.... ;)

dark_moon: Man darf!
--------- Samakutra schrieb: ---------
inwiefern darf bzw. kann kunst überhaupt moralisch bewertet werden?
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Ebenso wie man Politik, Medizin, Journalismus etc. moralisch bewertet - über das persönliches Bauchgefühl, über die eigene Vorstellung von Ethik und Moral. Dies ergibt in der Summe eine gesellschaftliche Grundhaltung.
Das Problem ist nun aber, dass sich die Leute nicht mehr an dieser Summe beteiligen wollen, nur um sich keine intellektuelle Blösse zu geben oder als Konservativ zu gelten.
Selbst wenn man ein flaues Gefühl in Bauch verspürt - man schweigt oder verharmlost! Wie eben auch auf dem Rütli, "Die tun ja keinem was". Fehlt doch jetzt wirklich nur noch, dass die Glatzköpfe ihre Posen als künstlerische Provokation deklarieren. Darf man dann Kunst immer noch nicht moralisch bewerten?

SchneebaII: ich impliziere nichts
ich frage nach dem wo der moralischen grenzen der kunst, die GRENZE aber hat bereits jemand vorausgesetzt, ich beziehe mich also nicht auf meine vorstellungen, sondern auf seine. natürlich kann die kunst und die kunstfreiheit moralisch bewertet werden, eine moralische bewertung kann jeder über alles abgeben, die frage ist obs irgendjemanden interessiert, den künstler jedenfalls meistens nicht, mich übrigens auch nicht. moralische bewertungen kommen erst dann zustande, wenn sich jemand um eine erklärung drücken will. in deinem fall die erklärung dessen was kunstfreiheit (die abwesenheit von normen, die die kunst reglementieren sollten) mit dem hinweis dass man diese (die kunstfreiheit??) nicht bewerten könne (wahrscheinlich dürfe gemeint), was natürlich zu recht nicht jedem einleuchtet, dem die kunstfreiheit auf sein moralisches gewissen schlägt, wie in diesem forum.Scribbler: Kunst in der heutigen Zeit
muss schockieren, sonst wills ja niemand sehen. Muss zu reden geben, sonst spricht niemand drüber. In der heutigen Zeit kann jeder Kunst machen mit jedem Mist, so bald er sich mal einen Namen gemacht hat... traurig... armer Michelangelo, der dreht sich bestimmt im Grabe

dark_moon: Ist das alles?
Ebenso wie das Argument "Steuerzahler" nicht die künstlerische Freiheit eingrenzen darf, kann man mit der Begründung "man muss es sich ja nicht anschauen" der Kunst nicht einfach einen ethischen Freipass ausstellen. Die Verwendung eines echten Fötus ist weder künstlerisch noch praktisch zu Begründen und schlicht fehl am Platz, künstlerische Freiheit hin oder her.
Wenn 2 russische Girlies auf der Bühne mit lesbischen Andeutungen provozieren, wird dies umgehend als Effekthascherei auf Grund musikalischer Ideenlosigkeit abgekanzelt.
Nicht so bei zeitgenössischen Kunst. Hier getraut sich natürlich niemand, Provokation mit künstlerischer Stupidität gleichzusetzen. Man könnte sich ja der Kritik aussetzen, dieser Schöpfung intelektuell nicht gewachsen zu sein.
Sind wir doch ehrlich: der Künstler hätte mit einem unechten Fötus und einem Hinweis darauf die exakt gleiche Skulptur herstellen können, nur wäre das mediale Interesse daran ausgeblieben. Diesem Dilemma ist ja auch schon Herr Hirschhorn zum Opfer gefallen.
Es fragt sich, ob ein Künstler heute nur noch durch Geschmacklosigkeit bestehen kann, zumal die Medien dies auch noch unterstützen.
Ich hoffe doch sehr, dass man sich zunehmends wieder getraut, Dilletanten auch also solche zu Bewerten, selbst wenn man sich dabei als Kritiker keine Lorbeeren verdient.
Sonst frag ich mich dann wirklich - ist das alles, was die Kunst heute noch zu bieten hat?

plustardi: Und wieder einmal
Kommt scheinbar nicht mehr viel Neues aus der etablierten Kunstszene. Immer wieder tote Körper: Nach Hirsts toten Tieren in Formalin und denn von Hagens „Körperwelten“ (aus gekauften chinesischen Hingerichteten) nun noch das. Die Wiederholung des Schockierens langweilt langsam – scheinbar können moderne Künstler nicht mehr anderes, ausser sich zu kopieren und zu übertreffen versuchen. Fantasielos und wegen dem Abstumpfungs-Effekt immer langweiliger!

Samakutra: ...
Kunst ist letztlich das Produkut menschlicher Kreativität und somit an freiheitliche Rahmenbedingungen gebunden, damit die menschliche Ausdrucks- und Handlungsmöglichkeit gewahrt bleibt, auch wenn sie moralischen und religiösen Sittenwächtern zuwiderlauft. Zur Kunst gehört überigens nicht nur die politisch garantierte Kunstfreiheit, sondern Kunst beinhaltet nebst Gemälden und Skulpturen auch Werke im Bereich der Musik, Literatur, Architektur oder gar der Wissenschaft. Dass die (politische) Kunstfreiheit Priorität vor selbst ernannten Sittenwächtern und Pseudomoralität geniessen sollte, erscheint mir persönlich vor dem Hintergrund einer liberalen Geisteshaltung selbstverständlich, da nur die Kunstfreiheit dem menschlichen Gesaltungsdrang auch gerecht wird. Sich über ein Kunstwerk zu empören, weil es selbst gezüchtete und reproduzierte Tabus angreift, ist damit mitunter Zeichen geistigen Fortschritts und erfüllt mit der jetzt hervorgebrachten Diskussion damit ein wesentliches Funktionsmerkmal der Kunst.

ChrisBern: Kunst?
Ich weiss.. der Begriff "Kunst" lässt vieles offen. Aber heutzutage gibt es wohl doch keine Grenzen mehr des guten Geschmacks. Da geht immer ein Aufschrei durch die Massen wenn es um Gentechnik, Klonen oder Abtreibung geht.. aber die Kunst kann sich anscheinend alles erlauben. Unter dem Deckmäntelchen "Kunst" lässt sich heutzutage anscheinend alles unterbringen. Kunst ist immer Ansichtssache und lässt Interpretationen offen.. aber nun mal ehrlich.. was soll dieser Scheiss, in dem Embryos für solche Zwecke missbraucht werden. Stammzellen darf man einem Embryo also nicht entnehmen.. dafür das Kind köpfen und dann auf einen Vogel stecken? Hallo? Wo sind wir denn? Andere Kulturen, andere Sitten.. ja, und Asiaten haben ein anderes ethisches Verständnis.. ok.. aber dann braucht man es auch nicht zu zeigen in Europa. Sowas ist eine Schweinerei und Zweckentfremdung von Lebewesen und des Begriffs der Kunst. Selbes gilt für "Kunst", bei dem virtuelle Personen angepinkelt werden. Ich würde vorschlagen.. stecken wir solche Kunst inklusive solcher "Künstler" doch in eine US-Raumfähre und schiessen sie ins Weltall.. vielleicht macht solche Kunst dort Sinn.. und wollen sie zurückkehren verglühen sie zumindest im All.

c_net: bezug zur realität...
...braucht kunst nicht. es kann gerade das faszinierend unrealistische sein, dass begeistert. realistische kunst ist photographie. aber meiner meinung nach nicht halbwegs so anspruchsvoll.
manchmal ist kunst nicht schön. es geht rein um die idee. die meisten werke von h.r. giger sind auch nicht schön, eher pervers und schockierend. kunst muss nicht schön sein, sie muss den betrachter berühren. ob nun auf christlich-brave weise mit idyllischen landschaftsbildern oder mit abstrakten schockierenden konstrukten ist nur noch geschmackssache.

Saeki: Aufmerksamkeit um
jeden Preis......je mehr kotz/würg desto mehr Aufmerksamkeit. Wie wäre es mit einem Elefantenkadaver in dessen Allerwertesten ein Menschlein steckt?!? Und das Moto wäre " Wir sind alle im Arsch" gut nicht?

KleinJogg: kunst
also als skandel enpfinde ich es nicht: der embryo ist sowieso tod, die taube auch... es ist einfach idiotisch. aber wenn jemand sowas gern anschaut, dann hat er schlicht den Bezug zur realität verloren.
diese Tierquäler (andere Forum) betrachtet seinen Werk wahrscheinlich auch als kunst.SchneebaII: welche aufgabe hat die kunst?
in erster linie selbstbefriedigung von menschen, die sich darum drücken ihre message als verständliche kritik zu formulieren (die auch nicht erwünscht wäre), und die so (von der produktiven seite) an staatliche subventionen kommen, damit sie sich "schöperisch verwirklichen können", was sie danach auch umgehend verkaufen. natürlich kann man den künstlern nicht vorwerfen, dass sie nichts zu sagen haben. nur wie sie es tun ist die frage, nämlich so dass es kein schwein versteht, weil jeder darin erblicken kann was er will und sich daraus selbstverständlich diskussionen ergeben, nur ob sie im sinne des künstlers sind und was ihr inhalt ist, darüber hat der künstler keine kontrolle und die gibt er auch freiwillig ab, wenn er seine überzeugung als aesthetisches handwerk zu formulieren versucht und den begleittext darauf reduziert, wann seine schöpung entstanden ist.

test20: Kunst ????
Kunst soll das sein ????Verblöderter kans gar nicht mehr gehen und für diesen Bruch zahlt vermutlich noch der Steuerzahler,Das zeigt genau dass die Menscheit im Untergehen ist -Bringt doch noch Kriegsverwundete als Kunst in das Museum !!!!Oder die Kriegsverbrecher !!!!
Heute ist nichts mehr blöd genug .

Yerma: Was darf Kunst?
Angesichts der politisch genehmigten Eingriffe in die Würde des Menschen, denen aus zweifelhaften Gründen zugestimmt wird, erscheint mir die aktuelle Diskussion um die Ausstellung in Bern doch recht vordergründig und verlogen.
Welche Aufgabe soll die Kunst denn haben, wenn nicht zu einer qualifizierten Diskussion über den Stellenwert des Menschen als biologisches, soziales und kunstschaffendes Individuum anzuregen.
Ich frage mich, worin der Tabu-Bruch besteht? Ist es unmoralisch, ein nicht lebensfähiges Frühchen zu einem ästhetischen Objekt zu machen und ihm damit doch eine Art Stimme zu verleihen? Das scheint mir eher eine angemessene Haltung dem Leben gegenüber zu sein, als das, was in den meisten Krankenhäuern mit tot geborenen Kindern geschieht: man wirft sie in den Abfall. Darüber erhitzt sich die Gesellschaft allerdings nur selten!
Ich finde es bedauerlich, dass das Kunstwerk in Reaktion auf die Klage sofort aus der Ausstellung genommen wurde und hoffe, dass in Zukunft nicht selbstberufene Wächter uber Moral und Ethik die Schweizer Kunstszene bestimmen.
Diskussionen über das, was Kunst darf halte ich für essentiell, aber die Wahl der Mittel finde ich gänzlich ungeeignet.

c_net: Kunstbanausen!!!
Oh gott. WAS (!!!) genau ist der Unterschied zwischen einem Fötuskopf, der irgendwo in einem Lagerhaus herumliegt, und einem, der für ein abstraktes Kunstwerk verwendet wirt? Ist es nicht der selbe Kopf?
Jesses, wem's beim Anblick eines echten organischen Konstrukts den Magen umdreht könnte die ausdrücklichen Warnungen ja ernst nehmen und nicht an die Ausstellung gehen.
Nicht jede Form der Kunst gefällt jedem. Das wissen ja hoffentlich alle. Und wem diese nicht gefällt soll sie einfach nicht anschauen.
Aber WAS (!!!) genau ist das schlimme daran?
Typisch Mensch. Er weiss dass täglich hunderte Menschen umgebracht werden. Kratzt ihn nicht. Aber wenn er's sehen würde... Uuuuuh... Hallo Behörden! Ein Verbot zum Mitnehmen bitte!

Debatte in DER BUND

Der Bund; 20.08.2005; Seite 13

DER SCHOCK DES ECHTEN
von Christoph Rehmann-Sutter

Es ist unmöglich, über ethische Aspekte eines Kunstwerkes zu schreiben, ohne implizit auch zu ihm selbst Stellung zu beziehen. Dies war mir klar, als ich für diesen Beitrag über das umstrittene Kunstwerk «Ruan» in der China-Ausstellung im Kunstmuseum Bern angefragt wurde. Dazu sind aber die eigenen Augen nötig, der direkte sinnliche Bezug.
In der Werkstatt im Keller des Kunstmuseums traf ich auf das kuriose Objekt. Der Deckel des Glasbehälters ist mit hellbraunem Klebeband fixiert. In der klaren Flüssigkeit liegt die Chimäre: nicht so ansprechend ausgestellt wie auf den Fotos, die ich im Internet gefunden hatte, leicht und emporstrebend wie ein Vogel, der wegfliegen will. Das Wesen liegt am Boden des Glases, abgesunken: Unten ist der bessere Ort für Tote, denke ich. Es ist nicht gut, wenn man sie aufstellt, herumzeigt, zerschneidet, neu vernäht. Diese feinen kurzen schwarzen Haare des kleinen Menschleins, das nicht hat leben können, zeigen mir, dass es nicht zum Sterben gewachsen war. Die noch nicht zusammengewachsenen Schädelplatten mit der Lücke auf dem Scheitel deuten an, wie unfertig es noch war, wie verletzbar. Um die aufgenähten Hasenaugen bin ich fast froh. Sie decken die Kinderaugen ab, vor deren Anblick ich mich fürchtete.

Ein gehäuteter Tierleib mit langem Schwanz, angesetzte Möwenflügel und der aufgenähte Kopf eines menschlichen Fötus mit Hasenaugen, unter Formalin, im Präparateglas. Daneben gehäutete Kleintierleichen, stückweise zu monströsen Kreaturen zusammengesetzt. Das ist das Werk «Ruan». Was will es mir zeigen? Ist es ein Zerrbild der Biotechnologie? Eine neue Version des Frankenstein-Mythos? Geht es um die Zerbrechlichkeit und Bedrohtheit des Lebens? Er habe es getan, gerade weil er alles Leben achte, sagte Xiao Yu laut einem Bericht der Associated Press: «Ich habe sie zusammengesetzt, wie wenn sie dadurch ein anderes Leben haben könnten.» Aber warum muss man auf die Verletzbarkeit der Lebewesen dadurch aufmerksam machen, dass man sie verletzt? Das ist ein Widerspruch. Wo ist die Grausamkeitsgrenze für die Kunst? Wo schlägt das Entlarven in Mittäterschaft um?

Man könnte einwenden, solche Fragen passten nicht zur Kunst, weil es moralische Fragen sind. Steht die Kunst über der Moral? In einem gewissen Sinn, würde ich sagen, tut sie dies tatsächlich, hat sie doch immer wieder die «bürgerliche Moral» herausgefordert, indem sie ihre Tabus demonstrativ durchbrach. Aber aus zwei Gründen kann ich diese Verteidigung hier nicht gelten lassen. Erstens muss man die spezielle Situation der chinesischen Avantgarde-Kunst berücksichtigen. Die meisten der ausgestellten Werke könnten im eigenen Land nicht oder nur im Untergrund gezeigt werden. Erst der Export in die westliche Kunstszene verschafft ihnen eine Plattform. Der Tabubruch für westliche Augen kann so kaum die Funktion der Moralkritik haben. Es ist ein interkulturelles «boundary object», welches von der westlichen Seite her so gesehen wird. Man darf von uns aus fragen, welche Opfer legitim sind und welche nicht. Wenn das Werk etwas will, dann dies: uns zu dieser Reflexion provozieren.

Zweitens gelten für Kunstwerke selbstverständlich auch moralische Regeln. Grosse Skulpturen müssen z. B. stabil genug sein, dass sie die Betrachtenden nicht gefährden. Es gibt sehr wohl eine Ethik des Gestaltens von Kunst und eine Verantwortung gegenüber allen Betroffenen und Beteiligten, genauso wie es eine Ethik des Kunstsammelns und des Ausstellens gibt. Kunst ist kein Zauberkreis, aus dem Ethik verbannt ist. Eine Gefährdung von Menschen liegt hier jedoch nicht vor. Der Fötus war, laut Erklärung des Künstlers, immerhin lange vorher schon gestorben. Was verletzt wird, sind Gefühle - nicht Gefühle der bürgerlichen Wohlanständigkeit (das ginge ja an), sondern des Respekts vor der Würde des Lebens. In einem anderen Werk quälte derselbe Künstler sogar lebende Mäuse explizit, indem er sie aneinander nähen liess und ihr Verhalten filmte. Gegen diese Haltung regt sich in mir Empörung.

Im Kontext der in der gesamten Ausstellung präsenten radikal-schrillen, teilweise unerhört starken Bildsprache wirkt «Ruan» auf mich eigentümlich bedeutungsarm. Ein Gebastel eben. Ist es diesen Streit wert? Als Phänomen ist es hingegen ernst zu nehmen. Warum kommt Xiao Yu dazu, das zu machen? Was steht hinter der Empörung? Ein Ausstellungsverbot kann zum Verständnis kaum beitragen. Die Ironie dabei: Der Kläger, der das Werk per Strafanzeige hat zum Verschwinden bringen wollen, hat gewiss besser für dessen Sichtbarkeit gesorgt, als es einer Werbekampagne möglich gewesen wäre. Während es aus der Ausstellung entfernt wurde, ist es keineswegs unsichtbar geworden, ganz im Gegenteil.

Christoph Rehmann-Sutter ist Professor für Bioethik an der Universität Basel und Präsident der Nationalen Ethikkommission (NEK). Bei den hier geäusserten Gedanken handelt es sich um seine persönliche Meinung und nicht um eine Stellungnahme im Namen der NEK.
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Der Bund; 17.08.2005[0]; Seite 11

Jetzt klagt auch das Kunstmuseum

In der Kontroverse um das Kunstwerk mit Fötuskopf kommt es nun zu einer Anzeige gegen Adrien de Riedmatten wegen übler Nachrede

Die Verantwortlichen des Kunstmuseums Bern wollen die Unterstellungen nicht mehr hinnehmen, die der Walliser Journalist und Abtreibungsgegner Adrien de Riedmatten auf der Homepage seiner Presseagentur veröffentlicht: Gestern haben sie in Bern Strafanzeige gegen de Riedmatten wegen übler Nachrede eingereicht, weil er sie unter anderem der Ignoranz bezichtigt und behauptet, dass Xiao Yu für sein Kunstwerk «Ruan[100]» einen Fötus von einem Spitalangestellten erworben habe. De Riedmatten hatte seinerseits am 8. August Klage wegen Störung des Totenfriedens und Gewaltdarstellung erhoben, weil in der aktuellen China-Ausstellung ein Kunstwerk mit einem echten Fötuskopf zu sehen war (der «Bund» berichtete).

Im Internet hetzt de Riedmatten nicht nur gegen die Verantwortlichen des Museums, er hat dort weiter auch eine ziemlich wirre Verschwörungstheorie zur Rolle der Medien konstruiert, weil Uli Sigg, aus dessen Sammlung das umstrittene Kunstobjekt stammt, Vizedirektor des Ringier-Verwaltungsrates ist. Nach dem Wirbel, den de Riedmattens Anzeige ausgelöst hatte, wurde das Museum aus islamistischen Kreisen bedroht. Unter anderem gaben diese Drohungen den Ausschlag, das Kunstwerk bis auf weiteres aus der China-Ausstellung zu entfernen.

Hochkarätiges Symposium

Unmittelbar nach dem Ausbruch der Kontroverse stellte das Museum ein Symposium zum Thema «Die Grenzen des Darstellbaren» in Aussicht. Wie gestern nun bekannt wurde, werden am 22. August an der öffentlichen Podiumsdiskussion, moderiert von der Radiojournalistin Gabriela Christen, folgende Persönlichkeiten teilnehmen: die Künstlerin Miriam Cahn, Matthias Frehner, Direktor des Berner Kunstmuseums, die Philosophieprofessorin Pia Jauch, die Theologin und Religionswissenschaftlerin Irene Neubauer, die Sinologin Andrea Riemenschnitter, der Philosophieprofessor Beat Sitter-Liver und der Medienjurist Peter Studer. Eingeleitet wird das Podium von Bernhard Fibicher, Kurator der China-Ausstellung, der einschlägige Präzedenzfälle aus der Kunstgeschichte vorstellen wird. Dem Urheber der Strafanzeige, Adrien de Riedmatten, wird die Möglichkeit eingeräumt, vor dem Podiumsgespräch seine Position darzulegen.
Ob das Museum für diesen Anlass besondere Sicherheitsvorkehrungen treffen muss, konnte gestern nicht in Erfahrung gebracht werden. Sowohl Matthias Frehner als auch Berhard Fibicher waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Nach dem Podium soll entschieden werden, ob das Kunstwerk im Kunstmuseum Bern wieder gezeigt wird. (bnb)
[i] Die Podiumsdiskussion findet am 22. August um 19.30 Uhr im Kunstmuseum Bern statt.
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Der Bund; 13.08.2005; Seite 2

Kunst braucht die Öffentlichkeit
von Magdalena Schindler

Seit letztem Sonntag überschlagen sich die Meldungen aus dem Kunstmuseum Bern. Begonnen hat alles mit der Einreichung einer Strafanzeige gegen das Museum wegen Gewaltdarstellung und Störung des Totenfriedens, ausgelöst durch die Arbeit des Chinesen Xiao Yu, die ein tierisches Wesen mit menschlichem Fötus-Kopf zeigt. Das Museum reagierte schnell und richtig, zog das Exponat aus der Ausstellung zurück, um weiterem Wirbel vorzubeugen und - wie erst im Nachhinein bekannt wurde - als Reaktion auf massive Drohungen aus islamistischen Kreisen. Letzteres ist ernst zu nehmen, erklärt allerdings nicht die allererste, wenig souveräne Stellungnahme des Museums, man wisse nicht, ob der Fötus echt sei oder nicht. Diese Frage ist mittlerweile geklärt, Xiao Yu hat die Echtheit des Köpfchens und dessen Herkunft aus einer anatomischen Sammlung bestätigt. Ebenso hat er überzeugend dargelegt, dass es ihm eben gerade um die Thematisierung des problematischen Umgangs mit dem menschlichen Körper, mit Leben und Tod gehe.
Damit erweist sich nicht nur der Vorwurf des Klägers Adrien de Riedmatten, der Fötus sei womöglich für das Kunstwerk getötet worden, als völlig absurd, klar wird auch, dass die Beunruhigung, die der Fötus sowohl beim Künstler wie beim Kläger auslöste, letztlich ähnlich motiviert ist. Umso seltsamer ist de Riedmattens Vorgehen, das Problem mittels einer Strafanzeige anzugehen, von der schon heute klar ist, dass sie kaum Chancen auf Erfolg hat. Erreicht hat er damit jedoch eine öffentliche Diskussion, die zu begrüssen ist, sich gleichzeitig aber auch zu verselbständigen droht und immer weiter weg vom Kern der Sache, dem Kunstwerk, führt. Denn betrachtet man dieses losgelöst von seinem Kontext, also seiner Herkunft aus China und seiner Präsentation innerhalb der Ausstellung, sind diffusen Äusserungen des Unbehagens Tür und Tor geöffnet. Das hat dann etwa zur Folge, dass in einer «Blick»-Leserabstimmung eine Mehrheit die Entfernung der umstrittenen Skulptur aus dem Museum gut heisst.

Die Heftigkeit, mit der auf Xiao Yus Kunstwerk reagiert wird, zeigt die Brisanz der Problematik im Umgang mit dem menschlichen Körper, nicht eigentlich in der Kunst, sondern vor allem in Medizin und Forschung. So erschüttert denn der Anblick des kleinen, eingelegten Wesens von Xiao Yu nicht primär deshalb, weil es im Kunstmuseum steht, sondern weil in ihm die Verletzlichkeit des Menschen ebenso wie dessen Behandlung als Objekt so unmittelbar zum Ausdruck kommt. Gerade durch die künstlerische Vereinnahmung erhält es einen würdigen Rahmen und neuen Sinn. Dies im Gegensatz zu vielen Föten-Präparaten, die vergessen in anatomischen Sammlungen stehen und deren Zurschaustellung im Kontext der Wissenschaft allgemein toleriert wird. Dass dies im Rahmen einer Kunstausstellung anscheinend nicht der Fall ist, zeigt, wie vorherrschend die Erwartung ist, dass Kunst gefallen muss. Dies kann sie aber nicht immer, wenn sie sich wahrhaftig mit der Gegenwart auseinander setzen will.

Dass das Kunstmuseum bereit ist, aus aktuellem Anlass über die Grenzen des Ausstellbaren zu diskutieren, signalisiert es mit der Organisation eines Symposiums. Diese Offenheit und Sensibilität ist wichtig für die Positionierung des Hauses, das sich in Zukunft im Bereich der Gegenwartskunst profilieren will. Mit der Präsentation wenig bekannter Kunstregionen - auf China sollen Ausstellungen zur Türkei und Indien folgen - beweist das Haus Mut, setzt sich aber auch stärker der Kritik aus. Gerade solche Kunst braucht Öffentlichkeit. Dass sie auch vom Publikum geschätzt wird, zeigt der bisherige Erfolg der China-Ausstellung im Kunstmuseum.

Kristallseelen

Tatsächlich sieht in tiefer Meditation die die solide Erde nicht mehr so solide aus sonden organisch bewegt. Die Kristallseelen von Ernst Haeckel erscheinen mir als völlig berechtigt. Für E. Häckel war es eine Theorie, für mich eine Erfahrung. Da solche Erfahrungen nicht kompatibel sind mit den gängigen hat mir das eine längere psychiatrische Behandlung eingebrockt, wodurch alle Forschungsarbeit ruiniert wurde. Wenn jemand Interesse hat und mich unterstützen möchte, könnte ich die Arbeit fortsetzen.

Dossier: Die Hirschhorn-Affäre: «Ce n'est pas une provocationï



Nun also doch: - Minus 1 Mio CHF
«Wenn mit einer solchen Ausstellung von Paris aus in der Schweiz eine Staatsaffäre ausgelöst werden kann, hat die Schweiz wirklich ein Problem». Thomas Hirschhorn

Die am 4.12.04 in Paris im Centre Culturel Suisse eröffnete und von Pro Helvetia finanzierte Ausstellung und Veranstaltungsreihe «Swiss-Swiss Democracy» des Schweizer Künstlers Thomas Hirschhorn gab mächtig zu reden. Weniger die gezeigte Kunst, sondern viel mehr der Skandal (der Ständerat strich der Pro Helvetia als Strafzettel 1 Mio CHF für das Budget 2005 - der Nationalrat hob seinerseits diesen Entscheid zwischenzetilich auf), der inflationär gebrauchte Begriff PROVOKATION und die vielfältigsten Reaktionen in Politik, Kultur und Gesellschaft interessieren uns an der laufenden Debatte.
Deshalb wollen wir dazu unser Forum öffnen und zitieren vorgängig ausschittweise aus den führenden Schweizer Tages- und Wochenzeitungen "NZZ", "Tages-Anzeiger", "BLICK", "20min", "BAZ", "WOZ", "Weltwoche", "Facts" und "Radio DRS". Die Dossiers werden laufend ergänzt.
Ebenso im Anhang die Transkription der Debatten im Ständerat (7.12.04.) und Nationalrat (13.12.04.).

16.12.04 NZZ Online

Kein Kommentar der Kulturfunktionäre
Pro Helvetia respektiert Budgetkürzung mit Bedauern

Den Entscheid des Parlaments, das Budget 2005 von Pro Helvetia von 34 auf 33 Millionen Franken zu kürzen, nimmt die Kulturstiftung mit Bedauern entgegen. Pro Helvetia sieht sich durch diesen Beschluss in ihrer Autonomie angegriffen. Bundesrat Couchepin untersagte Pro Helvetia weitergehende Kommentare.
Die Medienkonferenz der Pro Helvetia, die am Donnerstag in Bern stattgefunden hat, hatte nicht gerade Hirschhorn'sche Qualität. Aber sie war auch nicht ohne Reiz und vor allem von nur kurzer Dauer. Die «Leiterin Kommunikation», Sabina Schwarzenbach, kündigte an, dass dies eine spezielle Pressekonferenz werden würde. Und in der Tat, der Anlass bestand eigentlich lediglich darin, dass zum einen Pro-Helvetia-Präsidentin Yvette Jaggi die Pressemitteilung in französischer Sprache zusammenfasste und zum anderen Pro-Helvetia-Direktor Pius Knüsel dasselbe auf Deutsch wiederholte. Keine weiteren Kommentare, keine Beantwortung von Fragen, die über das im Communique Mitgeteilte hinausgingen: Das war die an Pro Helvetia erteilte Ordre von Kulturminister Couchepin, womit er zumindest vermied, dass noch mehr Öl ins Feuer der Kulturdebatte gegossen wurde.
Autonomie der Stiftung in Frage gestellt
Die Anweisung des Bundesrates respektiere man selbstverständlich, sagte Jaggi, insbesondere deshalb, weil Couchepin sich in den vergangenen «nervenaufreibenden» Tagen sehr unterstützend gezeigt habe. Genauso respektiere man auch den Entscheid des Parlaments, das Budget 2005 von Pro Helvetia von 34 auf 33 Millionen Franken zu kürzen. Man bedauere diesen Beschluss aber sehr, sagten Jaggi und Knüsel. Der bedauernden Haltung würde sich auch Bundesrat Pascal Couchepin anschliessen. Gemäss Communiqué ist eine Kostenreduktion des administrativen Bereichs von Pro Helvetia nicht möglich, da die betrieblichen Ausgaben nicht weiter gesenkt werden könnten. Man komme daher nicht um Kürzungen im «Gesuchsbereich» herum, sprich: Für die Kulturschaffenden ist weniger Geld vorhanden.Pro Helvetia sieht mit dem Parlamentsentscheid die Autonomie der Stiftung in Frage gestellt. Bisher sei garantiert gewesen, dass künstlerische Entscheide vor politischer Einflussnahme geschützt seien. Zudem treffe die «Strafaktion» die Falschen, da die 180 000 Franken für die umstrittene Ausstellung «Swiss-Swiss Democracy» in Paris bereits gesprochen seien. (Pius Knüsel wiederholte nach der Pressekonferenz, dass der Künstler Thomas Hirschhorn für seine zwei- bis dreimonatige Arbeit kein Honorar erhalten habe.) Die Kulturstiftung erachtet eine «kollektive Bestrafung» der Schweizer Kulturschaffenden als ein «unangemessenes Mittel», um «Missbehagen» gegenüber Führung und Organisation der Pro Helvetia zu äussern. Man stelle sich aber gerne der Diskussion zum Kulturförderungsgesetz und dem neuen Pro-Helvetia-Gesetz, sagten Knüsel und Jaggi.
Kommunikation verbessern
Genauso selbstverständlich wie Jaggi und Knüsel das Kommentierungsverbot ihres politischen Vorgesetzten respektierten, genauso selbstverständlich konnten sie es nicht unterlassen, dann doch in einzelne Mikrophone zu sprechen. So zeigte sich Jaggi glücklich über die Kulturdebatte. In Anspielung auf Rücktrittsforderungen sagte sie, dass sie sich noch immer vom Bundesrat getragen fühle. Fragen zu ihrer vor einer Woche in der welschen Presse gemachten Aussage, dass das Vorgehen des Ständerates der ehemaligen DDR würdig sei, wischte sie mit einer Handbewegung weg. Pius Knüsel seinerseits übte Selbstkritik und versprach, was in solchen Situationen immer versprochen wird, nämlich «die Kommunikation zu verbessern». An den Kriterien bei der Beurteilung von Gesuchen halte man fest. Weiterhin seien künstlerische Qualtität, Innovation und Durchführbarkeit entscheidend. Auf die Frage, ob er die Massnahme des Parlaments als Zensur betrachte, antwortete Knüsel nicht: Bundesrat Couchepin wünsche dies so.

 

Kommentar
Prestigedenken statt Kulturpolitik

Man mag über Thomas Hirschhorns Ausstellung im Centre Culturel Suisse in Paris denken, was man will. Denn über die Qualität von Kunstwerken lässt sich allemal streiten. Hirschhorn selbst, der sich auf die Kunstfreiheit gemäss Verfassung beruft, gleichzeitig aber Bundesgelder in Anspruch nimmt, musste damit rechnen, Diskussionen über die Präsentation schweizerischen Kulturschaffens im Ausland, über das Verhältnis zwischen Staat und Kunst überhaupt auszulösen. Diese haben in den letzten Tagen lawinenartige Ausmasse angenommen, freilich ohne den Kern des Problems zu treffen.
Dass dies so geschehen konnte, hat sich die kleine Kammer mit ihrer Strafaktion gegen die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia weitgehend selber zuzuschreiben. Wer Kunst unter einem politischen und erst noch einem stark verengten Blickwinkel beurteilt, begibt sich fast immer aufs Glatteis. Analogien zur Disziplinierung von Künstlern in totalitären Systemen, wie sie manche vorschnell erkennen wollten, sind indessen verfehlt. Damit hat der Kürzungsbeschluss des demokratisch gewählten und demokratischen Prinzipien verpflichteten Parlaments nichts zu tun. Ausdruck eines liberalen Kulturverständnisses ist er aber sicher nicht.
Der jetzt gefällte Entscheid, die Pro-Helvetia-Kredite definitiv um eine Million Franken zu kürzen, hinterlässt einen schalen Nachgeschmack. Offensichtlich wollte der Ständerat von seiner Absicht, die Pro Helvetia an die Kandare zu nehmen, nicht abweichen. Damit wird ein Präjudiz geschaffen, das sich fraglos ungünstig auf die Kulturförderung auswirken wird. Denn von nun an muss sich die Pro Helvetia vor dieser Drohkulisse bei jedem Kulturprojekt fragen, ob dieses politisch genehm sei oder ob in Zweifelsfällen erneut ein Strich durch die Rechnung in Kauf genommen werden müsste. Das schränkt den Handlungsspielraum der Kulturförderung erheblich ein. Schliesslich werden die Falschen getroffen, nämlich Gesuchsteller, die auf finanzielle Beihilfen angewiesen sind, wie die von der Pro Helvetia angekündigten Massnahmen zeigen.
Die jüngsten Aufwallungen machen aber auch deutlich, dass sich die eidgenössischen Räte - von wenigen Ausnahmen abgesehen - bis jetzt nur marginal mit der kulturpolitischen Thematik auseinandergesetzt haben. In den seit einiger Zeit laufenden Diskussionen um die Formulierung eines Schweizer Kulturförderungsgesetzes und um die Abstimmung zwischen den verschiedenen Institutionen bei der Unterstützung kulturellen Schaffens in der Schweiz und bei der Kulturvermittlung im Ausland vermisste man Stimmen, die sich dazu vernehmen liessen.Es bleibt jetzt nur zu hoffen, dass sich Parlamentarierinnen und Parlamentarier solchen Grundsatzfragen widmen und bei der bald in Aussicht stehenden Debatte über schweizerische Kulturförderung mit mehr Augenmass und einer liberalen Auffassung vom Verhältnis zwischen Staat und Kunst ans Werk gehen werden und von übersteigertem Prestigedenken Abschied nehmen.
Lz.

Ende gut - alles gut?

Unbenanntes Dokument

gut-schweizerischer Kompromiss

Das letzte Ping-Ping zwischen der grossen und kleinen Kammer,
anhand eines news-Auszuges aus Blick online:

blick online 16.12.04
Versöhnlicher Schlussakt im Hirschhorn-Theater
BERN – Der Streit der beiden Kammern um die Strafaktion gegen die Kulturstiftung Pro Helvetia scheint mit einem helvetischen Kompromiss zu enden.
«Die Suppe wird nicht so heiss...» – dieses Sprichwort schien bei der Kunst- und Politposse um die provokative Ausstellung von Thomas Hirschhorn nicht zu gelten. Denn das Pro-Helvetia-Süppchen drohte in den Räten wesentlich heisser zu werden, als dass es gekocht wurde.
Jetzt scheint sich die hitzige Stimmung dank der Einigungskonferenz (Blick Online berichtete) etwas abzukühlen. Denn diese schlägt vor, das Budget der Kulturstiftung um 180´000 Franken zu kürzen. Das entspricht genau dem Betrag, mit dem die umstrittene Ausstellung im Pariser Centre Culturel Suisse unterstützt wurde.
Mit dem gut schweizerischen Kompromiss hätten alle einen kleinen Sieg erreicht: Der Ständerat, weil er die «beleidigende» Kunst strafen wollte, der Nationalrat, weil er dies nicht in Millionenhöhe wollte, die Pro Helvetia, weil sich der Schaden in Grenzen hält. Blick online

15.12.04
Budget nimmt den Notausgang
BERN – Zum dritten Mal in Folge und sehr deutlich hält der Ständerat an der Strafaktion von Pro Helvetia fest. Jetzt muss die Einigungskonferenz entscheiden.
Thomas Hischhorn – der bislang nur interessierten Kreisen bekannte Künstler – beschäftigt das Parlament noch immer: Über die Strafaktion des Ständerats, das Budget der Kulturstiftung Pro Helvetia von 34 auf 33 Millionen Franken zu kürzen, wurde zum fünften Mal diskutiert! Und die Kleine Kammer hält an ihrem Entscheid fest. Mit 23 zu 10 Stimmen sogar sehr deutlich.
Neben der emotionalen Diskussionen darüber, was Kunst darf und was nicht, geht fast vergessen, dass die Räte eigentlich über die maroden Bundesfinanzen entscheiden müssten.
Da zwischen National- und Ständerat sowohl in der Strafaktion gegenüber Pro Helvetia, wie in sechs anderen Posten keine Übereinstimmung zu Stande gekommen ist, muss die Einigungskonferenz über den Voranschlag 2005 entscheiden.
Morgen früh werden sich die 26 Mitglieder der Konferenz über die Budgets bei Turnen und Sport, bei den SBB und der Verbilligung der Trassenpreise, beim Buwal, bei der Informatik und bei Pro Helvetia einigen müssen.

Blick online 15.12.04
Nächster Akt im Hirschhorn-Theater
BERN – So, das wars hoffentlich: Zum zweiten Mal hat der Nationalrat die Strafaktion des Ständerats an der Pro Helvetia zurückgewiesen.
Kunst ist schön, gibt aber viel zu tun. Das Zitat von Karl Valentin trifft bei der Pariser Ausstellung von Thomas Hirschhorn nicht nur auf den Künstler zu. Die empörten Politiker machen sich jedenfalls auch ganz schön viel Arbeit.
Zweimal hat sich die Mehrheit der Kleinen Kammer über den «Nestbeschmutzer» ereifert und wollte der Pro Helvetia das Budget um eine Million von 34 auf 33 Mio. kürzen. Heute hat es der Nationalrat zum zweiten Mal mit 89 zu 85 Stimmen abgelehnt, über die Finanzen eine Strafe zu verhängen.
Jetzt muss der Ständerat nochmals über die Differenzen im Voranschlag 2005 beraten. Blick Online wird sie weiter informieren.

Blick online 14.12. 04
Theater um Pro-Helvetia-Million geht weiter
BERN – Ping-Pong, Ping-Pong: Das Ringen ums Budget für die Schweizer Kulturstiftung geht weiter. Momentaner Stand: 2 x Nein aus dem Ständerat, 1 x Ja aus dem Nationalrat.
Eine Mehrheit im Ständerat kann die Ausstellung des Künstlers Thomas Hirschhorn (Blick Online berichtete) nicht verdauen. Heute hielt die Kleine Kammer an ihrer Strafaktion für Pro Helvetia fest. Die nationale Kulturstiftung soll auf eine Million verzichten und fürs nächste Jahr statt 34 nur 33 Millionen Franken erhalten.
Die Abstimmung ging mit 22 zu 19 Stimmen äusserst knapp aus. Aufrufe zur Toleranz fruchteten nicht. Die Finanzkommission hatte beantragt, auf die Linie des Nationalrats umzuschwenken und zugleich eine fundierte Analyse der Arbeit der Pro Helvetia in Auftrag zu geben.
Auch Finanzminister Hans-Rudolf Merz plädierte für mehr Gelassen- und Nüchternheit. Doch die Empörung über das Hirschhorn-Werk ist – zumindest im Ständerat – nach wie vor zu gross.

Blick online 14.12.04
Nationalrat zeigt Gnade für Pro Helvetia!
BERN – Der Ständerat kürzte der Pro Helvetia wegen der Hirschhorn-Ausstellung eine Million. Der Nationalrat zog nicht nach – wenn auch knapp.
Die Grosse Kammer beschloss heute, das Budget für die Kulturstiftung Pro Helvetia in der Höhe von 34 Millionen Franken zu genehmigen. Doch es wurde knapp: Schliesslich unterlag eine rechtsbürgerliche Fraktion – bestehend aus CVP und SVP-Politikern – einer linksliberalen Mehrheit mit 85 zu 97 Stimmen.
Der Abstimmung voraus ging eine leidenschaftliche Debatte über die Kulturstiftung, welche die umstrittene Ausstellung des Künstlers Thomas Hirschhorn in Paris mit 180´000 Franken unterstützt hatte (Blick Online berichtete).
Für den Waadtländer SVP-Mann Jean Fattebert, der die Ausstellung persönlich gesehen hat, ist klar: «In Paris werden die Schweiz und ihre Behörden in den Dreck gezogen.» Die Ausstellung sei auch «eine Beleidigung für alle wahren Künstler der Schweiz».
Schliesslich setzte sich aber eine Gruppe durch, zu der auch Vreni Müller-Hemmi gehört. Die Zürcher SP-Frau sagte, was viele aus ihrem Lager dachten: «Die Kunstfreiheit gehört zu den Grundwerten eines demokratischen Staatswesens und ist in der Verfassung ausdrücklich gewährleistet.»
Das Geschäft geht nun zurück an den Ständerat.

Debatte im Nationalrat 13.12.04

Unbenanntes Dokument

Nationalrat - Wintersession 2004 - Neunte Sitzung - 13.12.04-14h00
Departement des Innern - Département de l'intérieur


Antrag der Mehrheit
3600.001 Stiftung Pro Helvetia
Festhalten

Antrag der Minderheit
(Pfister Theophil, Kaufmann, Loepfe, Maurer, Wäfler, Walker Felix, Zuppiger)
3600.001 Stiftung Pro Helvetia
Zustimmung zum Beschluss des Ständerates

Antrag Häberli-Koller
3600.001 Stiftung Pro Helvetia
Fr. 33 000 000
Schriftliche Begründung
Diese Million soll bei der Denkmalpflege (3600.252) eingesetzt werden, da hier die Kantone und Gemeinden grossen Bedarf haben. Die Kürzung soll jedoch innerhalb des Bundesamtes für Kultur verwendet werden.
Der Stiftung Pro Helvetia soll so aber gezeigt werden, dass Provokation und schlechter Geschmack Grenzen haben.

Proposition de la majorité
3600.001 Fondation Pro Helvetia
Maintenir

Proposition de la minorité
(Pfister Theophil, Kaufmann, Loepfe, Maurer, Wäfler, Walker Felix, Zuppiger)
3600.001 Fondation Pro Helvetia
Adhérer à la décision du Conseil des Etats
Proposition Häberli-Koller
3600.001 Fondation Pro Helvetia
Fr. 33 000 000
Développement par écrit
Le million de francs retiré à Pro Helvetia pourrait servir à la conservation des monuments historiques (3600.252), les cantons et les communes ayant dans ce domaine des besoins importants. La somme concernée restera toutefois inscrite au budget de l'Office fédéral de la culture. Le but d'une telle mesure est de signaler à la Fondation Pro Helvetia que la provocation et le mauvais goût ont des limites.

Pfister Theophil (V, SG): Die Stiftung Pro Helvetia steht nicht nur in diesem Jahr bei der Budgetdebatte in den Traktanden. Auch im Vorjahr wurde ein Antrag Mathys diskutiert. Er forderte eine Budgetreduktion um 2 Millionen Franken. Die Finanzkommission hat damals den Antrag nur mit Stichentscheid des Präsidenten abgelehnt. Heute steht wiederum eine Kürzung zur Debatte, die allerdings nur die Hälfte des Kürzungsbetrags des letztjährigen Antrages ausmacht. Die Auffassung der Stiftung Pro Helvetia über den Einsatz der Mittel ist seit langem umstritten, wie auch die Stiftung selbst. Innerhalb der Stiftung gibt es ebenfalls grosse Unruhe und Meinungsverschiedenheiten; Sie haben in den letzten Jahren davon gehört.
Als Parlament müssen wir darauf bestehen, dass die gesetzlichen Vorgaben, insbesondere des Pro-Helvetia-Gesetzes, eingehalten werden. Dies ist heute nicht der Fall. Wollen wir nach all dem Vorgefallenen, nach all den Diskussionen um eine sehr umstrittene Ausstellung den Verantwortlichen den Persilschein ausstellen und der Bürgerschaft zumuten, im bisherigen Stil immer wieder solche Vorfälle zu finanzieren, oder wollen wir hier die klare Vorgabe des Ständerates übernehmen? Nur diese Wahl haben wir heute.
Es ist nicht richtig, wie das immer wieder gesagt wird, dass wir hier einfach die Falschen bestrafen wollen. Im Rahmen der Entlastungsprogramme wurde die Pro Helvetia bis heute total verschont. Wenn wir hier nicht mitmachen, dann wird es in dieser Sache auch im Parlament und im Volk keine Ruhe mehr geben; das kann ich heute deutlich voraussehen. Das hat nun nichts, aber auch gar nichts mit staatlicher Zensur der Kunst oder mit Strafaktion zu tun, wie dies viele glaubhaft machen wollen. Erstens sind wir nicht die Regierung, sondern wir sind die Volksvertretung und haben hier über die Zuteilung der Mittel zu diskutieren, und zweitens diskutieren wir über das Budget jedes Jahr, insbesondere auch für die Stiftung Pro Helvetia.
Wer hier der Pro Helvetia mehr geben will als der Ständerat, soll dies auch dem zahlenden Volk kundtun und erklären. Ich verlange hier darum eine namentliche Abstimmung.
Sie sollten hier klar sagen, ob wir solche unsinnigen Provokationen noch mit Steuergeldern unterstützen wollen. Pro Helvetia will dies ausdrücklich auch in Zukunft tun.
Es ist natürlich auch nicht so, dass nun viele Projekte gefährdet werden. Die langjährige Höhe des Budgets der Pro Helvetia, etwa im Zeitraum von 1999 bis 2003, betrug rund 30 Millionen Franken. Wir genehmigen mit dem Kürzungsbeschluss des Ständerates immer noch eine wesentlich höhere Summe als im vorherigen Rahmenkredit. Wir fordern die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben, und dafür gibt es im Budget 2005 jetzt 33 Millionen Franken.
Die SVP-Fraktion bittet Sie, hier dem Ständerat zu folgen.

Müller-Hemmi Vreni (S, ZH): Wenn ein international renommierter Schweizer Künstler es mit einer Ausstellung in Paris schafft, im vom Landsgemeindebild von Albert Welti dominierten Ständeratssaal so viel Aufregung zu entfachen, sind wohl einige nüchterne Klarstellungen zum Verhältnis zwischen Politik und Kunst, zwischen Demokratie und Kunstzensur, angebracht.
Als SP-Kulturpolitikerin halte ich darum fest: Die Kunstfreiheit gehört zu den Grundrechten eines demokratischen Staatswesens. Deshalb ist auch in der schweizerischen Bundesverfassung in Artikel 21 festgehalten: "Die Freiheit der Kunst ist gewährleistet." Der liberale Staat kann aus der offenen Auseinandersetzung mit seinen kritischen, sensiblen und auch eigenwilligen Künstlerinnen und Künstlern und Intellektuellen nur gewinnen und niemals verlieren!
Im letzten Jahrhundert provozierten unter anderen Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch wiederholt Teile der schweizerischen Gesellschaft. Beide wurden gleichzeitig mit öffentlichen Kulturförderpreisen geehrt. Das Centre Dürrenmatt in Neuchâtel ist heute geschätzter Bestandteil der Schweizerischen Landesbibliothek und des Schweizerischen Literaturarchivs.
Aktuell regt Thomas Hirschhorn mit seiner Demokratiedurchleuchtung und -spiegelung auf und an. Statt emotional unreflektiert auf fahrlässig aus dem Zusammenhang gerissene hochgepuschte Medienberichte mit Ferndiagnose und Pro-Helvetia-Strafaktion zu reagieren, können wir heute die in Schieflage geratene Politik wieder ins Lot bringen. Halten wir uns also an die garantierte Kunstfreiheit, und lassen wir die Finger von jeglichen Strafaktionen. Besinnen wir uns dafür auf unsere eigentlichen kulturpolitischen Aufgaben. Dazu gehört das neue Kulturförderungsgesetz und die Revision des Pro-Helvetia-Gesetzes. Hier ist die kulturpolitische Kompetenz des Parlamentes gefragt und nötig. Nachdem der neue BAK-Direktor bestimmt ist, müssen diese längst angekündigten Vorhaben nächstes Jahr endlich auf den Tisch kommen. Alle Kulturschaffenden, die in den letzten Tagen mit ihrer berechtigten Empörung an uns gelangt sind, lade ich ein: Engagiert euch mit gleicher Vehemenz, auch in der kommenden grossen Debatte um Ausrichtung und Stellenwert der Kulturförderpolitik unseres Landes!
Engagiert euch für eine unabhängige Pro Helvetia. Die SP-Fraktion steht hier beim Budget ein für eine verlässliche Kulturpolitik des Parlamentes. Sie steht zum Rahmenkredit 2004-2007, bestätigt den Auftrag an die Pro Helvetia und sagt Ja zu diesen 34 Millionen Franken für nächstes Jahr.
Lehnen Sie mit uns die Minderheit Zuppiger und den Antrag Häberli ab.
Noch etwas: Im Namen der SP-Fraktion lade ich alle herzlich auf nächsten Mittwoch in den Käfigturm ein zur Diskussion mit Urs Widmer, zur Diskussion über das Verhältnis von Kultur und Politik.

Weyeneth Hermann (V, BE): Frau Müller-Hemmi, ich möchte Ihnen zwei Fragen stellen:
1. Sie haben von Demokratie oder Zensur gesprochen. Halten Sie dafür, dass jeder, der sich Künstler nennt, auch einer ist und deshalb Anspruch auf 180 000 Franken hat?
2. Sie haben von Empörung in Kulturkreisen gesprochen; wir sind ihr in vielen Mails und Schreiben begegnet. Haben Sie sich ebenso empört, als Sie hörten, dass sich ein Filmschaffender vor fünf Wochen erlaubt hat, die schweizerischen Filmschaffenden als Bundesangestellte zu titulieren, und man als Reaktion auf diese Aussage seinen Film als ersten Film vom Programm der Solothurner Filmtage gestrichen hat? Halten Sie dies für einen empörenswerten Vorgang? Ich sehe da Intoleranz auf der anderen Seite.

Müller-Hemmi Vreni (S, ZH): Herr Weyeneth, ich muss nicht immer mit allem einverstanden sein, was Künstlerinnen und Künstler sowie Intellektuelle hier in diesem Lande machen, schaffen, diskutieren wollen. Ich bin aber mit der Bundesverfassung einverstanden, die besagt: Es gibt eine Kunstfreiheit. Und die hat die Politik zu beachten. Thomas Hirschhorn ist einer der international renommiertesten Schweizer Künstler. (Teilweise Heiterkeit) Sie können darüber lachen. Ich würde es sehr begrüssen, wenn alle, die darüber gelacht haben, nach Paris gingen, sich die Ausstellung anschauen und in die Diskussion einsteigen würden.

Savary Géraldine (S, VD): Au nom du groupe socialiste, je vous demande de suivre la proposition de la majorité de la commission.
Pris dans une tempête politico-médiatique, le Conseil des Etats a réagi sur un coup de tête en punissant Pro Helvetia d'avoir organisé l'exposition Thomas Hirschhorn. Ces représailles ne sont pas dignes de notre Parlement. Nous devons au contraire garantir le respect de notre Constitution et donc la liberté d'expression et de création. J'invite donc les parlementaires à dépasser ce mouvement d'humeur et à ne pas se comporter comme un enfant qui casse son jouet parce qu'il ne lui plaît pas.
Par ailleurs, ayant vu cette exposition, je peux vous assurer que le travail de Monsieur Hirschhorn ne déshonore - en aucun cas! - ni la démocratie suisse, ni le gouvernement, ni nos institutions. Thomas Hirschhorn s'interroge en artiste, avec un langage d'artiste, sur les événements politiques vécus par notre pays durant cette dernière année. On peut aimer ce langage ou le détester; on peut se sentir interpellé par ces questions ou au contraire s'ennuyer; on peut rester indifférent ou partager sa réflexion, mais en aucun cas on ne peut se sentir offensé par son travail.
Dépassons donc ce mouvement d'humeur; retrouvons notre calme; ne nous transformons pas en censeurs; faisons une vraie politique culturelle, correctement, avec le nouveau responsable qui vient d'être désigné, mais ne faisons pas de la politique culturelle pendant la discussion du budget et soutenons la proposition de la commission.

Eggly Jacques-Simon (RL, GE): Madame Savary, je vous rassure tout de suite: je suis d'accord avec vous et je voterai la proposition de la majorité de la commission et non celle du Conseil des Etats.
Ma question est la suivante: face à cet appel à la tolérance en matière culturelle de la part des milieux politiques, est-ce que vous êtes prête à lancer le même appel aux milieux culturels, notamment aux chapelles et aux responsables qui, parfois, ont un esprit extrêmement sectaire et qui considèrent que ce qui, à leurs yeux, est trop conformiste n'a pas droit de cité? Est-ce que vous êtes tolérante jusqu'au bout et dans les deux sens?

Savary Géraldine (S, VD): Je peux vous rassurer. Les milieux culturels sont rarement d'accord entre eux. Donc, dans ce cadre-là, il y a beaucoup de marge.

Fattebert Jean (V, VD): Oui, comme Madame Savary, je suis allé à Paris. J'ai vu, mais pas avec les mêmes lunettes.
Selon mon Larousse, "art" égale "activité humaine spécifique faisant appel à certaines facultés sensorielles, esthétiques et intellectuelles". Cela n'a rien à voir avec ce qui nous est servi à Paris.
Le Centre culturel suisse de Paris se doit d'être une vitrine pour notre pays dans une grande capitale. L'arrivée devant le centre donne l'impression d'accéder à un endroit tout ce qu'il y a de plus douteux et sinistre. La croix suisse a pris l'aspect d'un sparadrap à se mettre sur la bouche. L'exposition elle-même fait penser à un local squatté par des illuminés. La prouesse technique ou artistique est totalement absente; l'innovation également. La contestation et le discrédit sur les autorités règnent en maîtres.
Cela se fait à un moment où toutes les institutions essayent de se faire connaître sous leur meilleur jour: de l'armée aux paysans en passant par les banques, les Eglises ou les entreprises, tous font un effort de promotion positive et utilisent parfois de vrais bons artistes pour cela. La Suisse se doit de faire la même chose. C'est dans cet esprit que je vote volontiers certains crédits.
Mais dépenser l'argent des contribuables pour traîner le pays et ses autorités dans la boue, c'est stupide et malhonnête. Si Monsieur le conseiller fédéral Couchepin accepte sans broncher que les autorités soient traitées de cette manière, il se discrédite lui-même. Mais vous, chers collègues, vous devrez assumer votre vote devant la population.
Il ne s'agit pas de censurer, il s'agit de voter 33 millions de francs au lieu de 34 millions. Si ça ne tenait qu'à moi, j'aurais rétabli le million de francs ôté par le Conseil des Etats, mais j'aurais supprimé les 33 autres millions! (Brouhaha)
3 pour cent en moins, c'est acceptable, c'est ridicule, c'est juste un avertissement qui incitera à revoir des privilèges automatiques liés à une société à deux vitesses version gauche. Il est trop facile d'invoquer la liberté de l'artiste. La liberté implique aussi la responsabilité.
Les crédits que nous votons en faveur de l'agriculture, des écoles, de la santé, de la sécurité ou de l'aide au développement sont liés à des mandats de prestations. Pro Helvetia ne respecte même pas la loi qui la régit puisque les artistes doivent être domiciliés en Suisse, ce qui n'est, sauf erreur, pas le cas de Monsieur Hirschhorn.
Même sans l'argent de nos impôts, on ne peut pas faire n'importe quoi, insulter n'importe qui. A plus forte raison avec l'argent du contribuable, il est indécent de se moquer à ce point de la collectivité. L'exposition de Paris est une insulte à notre pays, une insulte au contribuable, une insulte aux vrais artistes aussi. Nous avons dans notre pays de bons artistes en tout genre que l'on pourrait solliciter. Nous avons des choses belles et intelligentes à faire valoir.
Pro Helvetia est à l'évidence une structure faite de gens qui ont perdu le sens des réalités. Nous, parlementaires, avons le devoir de sanctionner et d'obliger Pro Helvetia à se restructurer, à revoir ses critères.
C'est dans ce sens que je vous engage à suivre les sages du Conseil des Etats et le groupe UDC.

Leuenberger Ueli (G, GE): Ma question s'adresse à notre collègue et critique d'art. Tout d'abord, je connais beaucoup de contribuables qui n'ont pas la même appréciation que vous concernant l'activité artistique. Ma question: quel doit être le profil d'un artiste pour qu'il ait le droit d'être soutenu par la Confédération ou par Pro Helvetia?

Fattebert Jean (V, VD): Merci de cette question, cher collègue. Pour moi, qui ne suis pas un artiste et dont les compétences sont très limitées, mes critères de jugement correspondent à ce que je pourrais faire. Ce que je pourrais faire, c'est du mauvais art. Ce qui est beaucoup mieux, je l'apprécie, je l'admire. Mais l'exposition de Paris, j'aurais pu la faire facilement! (Applaudissements partiels)

Le président (Maitre Jean-Philippe, président): J'invite le public à la tribune à ne pas applaudir et je l'en remercie par avance.

Ruey Claude (RL, VD): Monsieur Fattebert, n'avez-vous pas l'impression, dans cette affaire, qu'au lieu de se situer un peu au-dessus de la polémique - ce qui serait le rôle d'un magistrat ou d'élus un peu détachés de ce qui serait l'agitation sentimentale - on se trouve dans une situation où on est en train, par ce million que l'on veut supprimer, d'infliger une sorte de punition collective à l'ensemble des artistes qui n'ont rien à voir avec cette exposition et qui pourraient se trouver mal pris par rapport à cette espèce de punition collective?
Que penseriez-vous, Monsieur Fattebert, d'un Conseil national ou d'un Conseil des Etats qui couperait 1 ou 10 millions de francs à l'agriculture, sous prétexte que certains agriculteurs ont, quelquefois, employé des travailleurs au noir? (Hilarité)

Fattebert Jean (V, VD): Vous parlez de gens "détachés", qui ont "décollé", moi j'ai encore les pieds sur terre! Je vous signale que je n'ai jamais eu de travailleurs au noir, mais au gris, ce qui signifie qu'ils étaient payés et que les charges sociales étaient absolument remplies.
On pourrait entrer en matière si on enlevait 10 millions de francs à l'agriculture pour diminuer les exigences; mais continuer à payer sans aucune exigence ces artistes, je ne suis pas d'accord!

Sommaruga Carlo (S, GE): Je crois que la richesse de la Suisse a été faite et est faite encore aujourd'hui, finalement, de sa diversité, que ce soit linguistique, religieuse ou quant à l'origine des personnes qui vivent chez nous. Dans ce contexte, je pense que la force de la culture suisse passe aussi par sa diversité. Alors, je ne vous ai pas entendu sur cette notion-là, et je n'ai pas compris à ce stade quelle est la notion de la culture que vous souhaitez défendre aujourd'hui, pour une Suisse qui est tournée certes vers l'intérieur, mais aussi vers l'extérieur. Est-ce que vous pouvez nous donner quelques éléments ou une définition de cette culture que vous voulez défendre?

Fattebert Jean (V, VD): J'ai déjà répondu à notre collègue quant à ma conception de la culture. Je suis aussi d'accord qu'on doit présenter la culture à l'extérieur, mais on doit montrer une image qui soit quand même autre chose que ce qu'on voit à Paris, qui est dégradant pour les autorités et le pays; ça, je ne peux pas le tolérer!

Rennwald Jean-Claude (S, JU): Je vais peut-être vous étonner, Monsieur Fattebert, mais durant votre intervention de tout à l'heure, j'ai pensé aux événements de mai 1968; parce que, durant les événements de mai 1968, il y avait un slogan qu'on pouvait lire sur beaucoup de murs à Paris: "La culture, c'est comme la confiture: moins on en a, plus on l'étale!"
Toute polémique mise à part, vous avez dit que cette exposition à Paris était une insulte aux vrais artistes. Alors, est-ce que vous pouvez me citer dix vrais artistes suisses?

Fattebert Jean (V, VD): Je pourrais vous les citer en privé. Mais, concernant la confiture qu'on étale, c'est vrai que je vous ai dit que j'ai une culture limitée. Je sais quand même qu'Anatole France avait dit: "En art comme en amour, c'est l'instinct qui compte." Et mon instinct me trompe rarement, Monsieur!

Menétrey-Savary Anne-Catherine (G, VD): Le critique d'art patenté ayant donné son verdict, j'en reviens à la politique. A nos yeux, cette affaire ne mérite pas tout le tapage orchestré autour d'elle. Elle ne mérite peut-être même pas la montée aux barricades de tout ce que ce pays compte d'artistes et de créateurs qui nous ont inondé de mails comme s'il y avait le feu à la maison Helvétie. Cette avalanche a au moins eu le mérite de nous les faire connaître, et réciproquement - du moins j'espère réciproquement, car on a le sentiment que certains d'entre eux, jusqu'à hier, se souciaient fort peu de la politique et des politiciens!
Cette affaire ne mérite donc pas tout ce tapage, et on se demande vraiment pourquoi ou comment il se fait qu'une critique aussi sommaire et aussi simpliste de notre pays puisse provoquer autant d'émotion. Peut-être que ces réactions de vierge effarouchée montrent qu'un certain nombre d'entre nous ont perdu tout repère et toute confiance en leur valeur, peut-être même ont perdu tout sentiment de leur propre identité. Ils sont comme le petit roquet qui aboie très fort pour se donner l'air menaçant, alors qu'en réalité il ne montre que sa peur!
Je veux bien croire, comme ceux qui l'ont vue le disent, que cette exposition n'est pas d'un très haut niveau et qu'elle n'a rien pour favoriser l'envol des esprits sur l'aile de l'émotion, de l'enthousiasme, peut-être même pas du plaisir. Mais elle est peut-être aussi à la mesure de certaines campagnes de votation qui s'appuient sur des affiches tout aussi glauques et tout aussi nauséabondes. Eh bien, tout cela ne contribue pas à l'élévation de l'âme, et c'est dommage. Mais faut-il punir pour autant, alors que pour une fois, un artiste a réussi à faire bouger la Suisse et toutes ses têtes pensantes?
Ce qu'il y a de particulier dans cette affaire, c'est que ce sont les mêmes parlementaires qui, depuis des années, refusent les crédits à la culture au nom de la liberté de la création, qui aujourd'hui rognent le budget de Pro Helvetia au nom du politiquement correct. Voilà qui est pour le moins paradoxal, à moins qu'il ne s'agisse d'une stratégie délibérée pour couper définitivement les ailes aux créateurs, au plus grand profit, ou même au profit exclusif, des chorales de village!
On reste stupéfait de voir avec quelle légèreté certains manient les ciseaux pour coupacher un budget sans avoir la moindre idée des répercussions pratiques que cela peut avoir. On punit par susceptibilité et, en plus, on punit collectivement. C'est comme le prof vexé qui punit toute la classe, qui exerce des représailles sur toute la classe: ce genre de punition est inefficace et injuste. Ce cas est comme ce qui se passe dans d'autres domaines, dans le domaine pénal: la sanction est complètement déconnectée de la faute. Elle est donc un acte de pure vengeance, inefficace et dépourvue de sens; elle n'amènera aucun changement, sinon un peu plus d'autocensure.
Cette coupe de 1 million de francs dans le budget de Pro Helvetia est un acte sans grandeur. Même le président Bush n'a pas exercé de sanction à l'égard de Michael Moore pour son film! Et mieux, il a remporté l'élection!
Je vous encourage donc à montrer un peu plus de grandeur et à voter la proposition de la majorité.
Nous en ressortirons tous renforcés.

Freysinger Oskar (V, VS): Puisque cette exposition est d'ordre principalement politique, qu'un message politique est transmis contre la Suisse, la prison Abou Ghraib, etc., n'eût-il pas mieux valu, puisqu'il s'agit de déclencher un débat de société, faire cette exposition en Suisse, où nous aurions pu avoir ce débat entre nous, plutôt que d'aller la faire à Paris où on devrait quand même pouvoir attendre de Pro Helvetia - et pas "Contra Helvetiam" - qu'elle soit une vitrine qui induise les gens à avoir une image positive de la Suisse? Ce débat peut être mené à l'intérieur, entre nous, mais les Parisiens n'ont rien à voir si un chien fait pipi contre Monsieur Blocher.

Menétrey-Savary Anne-Catherine (G, VD): Les Parisiens, en ce moment, ont le choix entre deux expositions: il y en a une qui se trouve sur la place Vendôme et qui consacre les images cultes de la Suisse avec ses stations, son ski, ses montagnes et son chocolat, et puis, il y en a une autre qui donne vraiment une toute autre idée de la Suisse. Je ne trouve pas absolument déplorable que les Français puissent aussi s'apercevoir que chez nous, tout n'est pas que clichés et qu'il y a des gens qui remettent aussi en cause les "vertus" de la démocratie, des vertus que je considère comme tout à fait valables, mais qui sont parfois faussées et qui nécessitent un débat de société, comme vous le dites.

Schmied Walter (V, BE): Nous en sommes à discuter d'un budget qui est aussi lié à des exigences constitutionnelles, à savoir au frein aux dépenses, et on peine grandement à respecter les limites qui nous sont imposées. Alors, ne trouvez-vous pas qu'ici on est effectivement dans une phase où 1 million de francs en moins peut être toléré sachant qu'il y a 33 millions de francs qui reviennent à la culture?
Est-ce que vous ne trouvez pas, chers collègues, que cet argent attribué à la culture devrait revenir essentiellement aux artistes qui ont un talent et qui demandent à se faire connaître et non pas aux artistes qui sont fortunés et qui ont une aura internationalement reconnue, semble-t-il?

Menétrey-Savary Anne-Catherine (G, VD): Là, Monsieur Schmied, vous faites de la petite cuisine! Quant à savoir quels sont les artistes qui ont un talent et ceux qui n'en ont pas, je ne me risquerais pas à faire ce choix. Si vous voulez vraiment faire un grand geste pour le budget, supprimez carrément tout l'argent qui va à la culture, et ainsi les choses seront claires!

Marty Kälin Barbara (S, ZH): Frau Menétrey-Savary, der Hund, der getroffen wird, jault bekanntlich ja am lautesten. Vielleicht kommt von daher dieses grosse Geschrei. Aber ist es nicht von vornherein falsch, Kunst durch die Politik zu definieren? Es gab in Europa ja bereits einmal eine Zeit, in der Kunst von der Politik als entartet bezeichnet und entsprechend auf den Scheiterhaufen geworfen wurde.

Menétrey-Savary Anne-Catherine (G, VD): C'est vrai, Madame Kälin, que nous avons aussi entendu autrefois, dans des temps sinistres, quelqu'un dire: "Quand j'entends parler de culture, je sors mon revolver." Je crois que la culture a un sens aussi éminemment politique, mais je considère qu'elle doit élever la politique, élever le discours, élever le débat, élever la pensée, et nous donner de la motivation pour aller de l'avant.
C'est dans ce sens-là que je trouve nécessaire que ce pays se préoccupe de culture.

Abate Fabio (RL, TI): A nome del gruppo radicale vi invito a mantenere la posizione della nostra Camera e a non allinearvi alla decisione del Consiglio degli Stati. Non è un provvedimento di ritorsione contabile a risolvere i problemi riconosciuti di Pro Helvetia. A tal proposito possiamo incaricare la Commissione della gestione di intraprendere passi formali e possiamo anche richiedere un rapporto al Consiglio federale, ma non possiamo adottare misure punitive che hanno il sapore dell'improvvisazione. Ne risulterebbero penalizzati giovani artisti ed ulteriori attività in modo acritico ed ingiustificato.
Il gruppo radicale sostiene la libertà artistica quale diritto fondamentale e si permette di ravvisare e sottolineare una differenza sostanziale tra la promozione dell'immagine della Svizzera all'estero e la promozione della cultura del nostro Paese. Noi parlamentari abbiamo il diritto di criticare, ma non abbiamo il diritto di assurgere a censori semplicemente perché decidiamo dei crediti dell'Ufficio federale della cultura. Lasciamo queste abitudini a colleghe e colleghi di altri Paesi. Oltretutto, chi ha voluto rendersi severo dinnanzi all'artista, a questa mostra, a Pro Helvetia e all'Ufficio federale della cultura ha regalato uno spot pubblicitario insperato, che mette a nudo le carenze di una decisione emozionale che, lasciatemelo dire, non appartiene alle abitudini di lavoro del Consiglio degli Stati.
Vi invito, così, a respingere la proposta di minoranza Pfister Teophil e la proposta Häberli Attenzione: non siamo qui a decidere chi deve stare a capo di Pro Helvetia, ma siamo qui a decidere quale sarà il preventivo 2005 del nostro Paese!

Hutter Markus (RL, ZH): Gerade weil sich die FDP für Kulturfreiheit einsetzt, geht es hier um so etwas wie einen politischen Lackmustest. Toleranz ist eben, wenn man sich trotzdem für kulturelles Schaffen einsetzt - trotz Ärger, trotz Provokation, auch trotz Empörung. Immer wieder haben in der Geschichte Aussagen und Werke von Künstlerinnen und Künstlern hohe Wellen geworfen.
C'est à nous de prouver que la Suisse existe, même si quelques-uns d'entre nous pensent que la Suisse n'existe pas!
Einfach aufgrund einer Ausstellung, die man kritisch-provokativ oder aber geschmacklos finden kann, eine finanzielle Strafaktion durchzuführen, ist für uns wenig sinnvoll. Trotzdem hat diese aktuelle Situation für uns einen Systemablauf gezeigt. Es muss getrennt werden zwischen der Werbung für die Schweiz im Ausland und der Kulturförderung. Pro Helvetia will offenbar beides tun, und das ist weder möglich noch sinnvoll. Wir werden uns deshalb dafür einsetzen, dass man eben diese organisatorische Struktur überprüft, eben auch Pro Helvetia zum Beispiel in andere Organisationen - Präsenz Schweiz oder auch Schweiz Tourismus - mit einbezieht und hier zu besseren Lösungen, die weniger Aufsehen erzeugen, kommt.
Lassen wir unsere Künstler frei und ohne spontane Beeinflussung schaffen, und beweisen wir hier eine Liberalität, die unserem Parlament gut ansteht und für die wir kämpfen müssen, gerade auch, wenn es schmerzt! Ich bitte Sie, von dieser Kürzung abzusehen und über den eigenen Schatten zu springen.

Huguenin Marianne (-, VD): Il est somme toute assez hilarant, particulièrement pour nous, de voir le très vénérable Conseil des Etats se transformer en un tour de main en une instance digne des ex-pays de l'Est en pleine guerre froide! Il a suffit d'un petit brûlot lancé par la presse dominicale pour que parte, avec une prévisibilité atterrante, la fusée construite par un journaliste qui est finalement le seul vainqueur absolu de ce psychodrame.
Chacun a le droit d'aimer ou non le style de Hirschhorn. Chacun a le droit de préférer d'autres formes de culture. Jean-Paul Sartre compissant le tombeau de Chateaubriand à Saint-Malo eût pu, à mon avis, s'abstenir. Et je ne comparerai pas le style de l'artiste discuté du centre Poussepin à Frisch ou Dürrenmatt. Eux faisaient et font toujours réfléchir, alors que Hirschhorn fait d'abord réagir, pour reprendre l'expression de Christophe Gala dans le journal "Le Matin".
Mais le drame est qu'il a trouvé en face de lui des gens qui ont effectivement réagi plutôt que de réfléchir, qui ont réagi en oubliant simplement que ce n'est pas leur avis culturel qui est important, mais bien leur fonction. Et que celle-ci implique un minimum de recul, sous peine de tomber dans une politique culturelle aux bottes du pouvoir, cette confusion dans laquelle nage en plein bonheur notre collègue Fattebert, et c'est cela qui est inquiétant. Si ça ne tenait qu'à lui, dit-il: grâce à Dieu, et je pèse mes mots, ça ne tient pas qu'à lui!
Le plus intéressant, dans tout cela, c'est finalement ce que nous dit cette épisode sur ce qui secoue ce pays. Et cela, Hirschhorn l'a senti: c'est la crise de la démocratie telle que nous la vivons, la crise d'un système de gouvernement basé sur le consensus et qui voit coexister au gouvernement deux partis comme l'UDC et le PS, au risque de perdre tout repère; système qui n'a pas d'égal dans les pays environnants. La crise d'un système qui multiplie les consultations populaires éclatées, disparates, noyant les enjeux politiques sous des aspects techniques, envahissant le champ du débat au détriment des grandes lignes de force. Ce débat-là parcourt actuellement toute la société suisse civile, culturelle et politique. Menons-le en tant que politiques et laissons les artistes le mener à leur façon.
Nous soutenons, bien entendu, la proposition de la majorité.

Häberli-Koller Brigitte (C, TG): Ich begründe meinen Antrag, den Sie vor sich haben, wie folgt: Der gekürzte Betrag soll bei der Denkmalpflege eingesetzt werden, da hier die Kantone und Gemeinden grossen Bedarf haben und wir in letzter Zeit diesen Posten kürzen mussten. Das Geld bleibt so innerhalb des Bundesamtes für Kultur. Wie ich gehört haben, wäre die Gelegenheit äusserst günstig: Im Tessin wird ein Centre culturel geplant, wo auch die Denkmalpflege gefordert sein wird. Es wäre eine gute Gelegenheit, diese Million dort sinnvoller einzusetzen.
Kunstfreiheit hat Grenzen. Anstand, Respekt und Würde sind zu wahren. Ich war selber nicht in Paris an dieser Ausstellung. Doch haben mich letzte Woche die Bilder, die in den Medien gezeigt wurden, aufgerüttelt. Wir sprechen hier in verschiedenen Gesetzesberatungen immer wieder über die Würde, über die Würde des Menschen, aber auch über die Würde der Tiere; und das ist gut so. Ich denke, hier hat man eine Grenze überschritten, was wir nicht einfach so hinnehmen dürfen. Es geht immerhin darum: Was unterstützen wir über die Pro Helvetia mit unseren Bundesgeldern? Hier haben wir auch eine Verantwortung wahrzunehmen. Anstand und Respekt vor dem Mitmenschen wurden verletzt. Ich denke, die Kürzung von einer Million Franken, von 34 auf 33 Millionen, die ich Ihnen beantrage, soll Pro Helvetia auch als Zeichen dienen, in Zukunft bei der Verwendung der Gelder die Argumente, die ich genannt habe, in Betracht zu ziehen.
Ich bitte Sie, meinen Antrag zu unterstützen.

Simoneschi-Cortesi Chiara (C, TI): Parlerò nella mia lingua, l'italiano. Sostengo la proposta Häberli, anche a nome della maggioranza del gruppo PPD. Non si tratta qui di votare contro la cultura; non siamo contro la cultura, ci mancherebbe! Tant'è vero che l'anno scorso abbiamo aumentato i crediti di Pro Helvetia malgrado questa fondazione fosse male condotta, male gestita. Tanti artisti, piccoli artisti, non ricevono niente.
Noi crediamo piuttosto di fare un gesto simbolico, di togliere questo milione alla Pro Helvetia ma di lasciarlo nell'Ufficio federale della cultura, a disposizione di altri artisti o di altre sezioni che hanno dovuto tirare la cinghia e non hanno dei soldi.
Non si tratta di censura, caro collega Abate, smettiamola di mettere delle etichette sulla fronte della gente! Io non sono mica di destra, però ho il diritto di dire che così non va, non si può andare avanti in questo modo.
Noi sappiamo che tutti gli artisti sono importanti e hanno la loro libertà. Però, anche se questo signore di cui mi sfugge il nome fosse un novello Michelangelo, anche se fosse un Michelangelo svizzero, dovrebbe rispettare i diritti delle persone. È andato troppo in là; non ha rispettato le persone e neanche le istituzioni. E se non si rispettano più né le persone né le istituzioni, mi domando che cultura può essere.
Dunque vi prego di sostenere la proposta Häberli, tanto più che anche noi siamo molto razionali e abbiamo chiesto con un postulato di analizzare bene come vengono distribuiti i soldi nell'Ufficio federale della cultura, ma anche nella Pro Helvetia, e chiediamo anche una valutazione dell'agire del Centro svizzero di Parigi.

Recordon Luc (G, VD): Cara Collega Simoneschi, est-ce que vous ne trouvez pas que la proposition Häberli-Koller que vous avez dit soutenir, en plus de reprendre la censure la plus brutale que contient la décision du Conseil des Etats, a encore le défaut de l'hypocrisie parce qu'on jette sur elle le manteau de Noé en proposant de reporter cet argent ailleurs, alors qu'en réalité on frappe quand même ceux que l'on a voulu censurer?

Simoneschi-Cortesi Chiara (C, TI): Je pense, premièrement, que c'est un geste symbolique de mécontentement. Nous ne sommes pas contents parce que sous le grand nom de "culture", sous le grand nom d'"artiste", on manque de respect à l'égard des personnes et des institutions. Donc, nous ne sommes pas d'accord et ce n'est pas une censure.
Deuxièmement, ce n'est pas de l'hypocrisie: nous ne sommes pas d'accord de donner l'argent ailleurs, nous sommes d'accord de le laisser en faveur de l'Office fédéral de la culture où on peut aider beaucoup d'associations et de petits théâtres qui ont malheureusement été délaissés, dernièrement, à cause de la mauvaise gestion de Pro Helvetia. Moi, j'ai vu des femmes qui voulaient par exemple montrer un spectacle très intéressant sur la violence contre les femmes: elles n'ont rien reçu, et j'ai dû m'adresser au Département fédéral des affaires étrangères.

Wäfler Markus (E, ZH): Ich spreche für die Mehrheit unserer Fraktion. Wir bekennen uns klar zu den verfassungsmässigen Grundrechten, zur Freiheit der Kunst und auch zur freien Meinungsäusserung. Wir sind grundsätzlich gegen staatliche Zensur der Kunst und auch der freien Meinungsäusserung. Staatlich unterstützte Kulturinstitutionen dürfen und sollen gegenüber Staat, Gesellschaft und deren Repräsentanten kritisch sein. Aber dabei sind Grundregeln des Anstands zu wahren. Aus unserer Sicht ist es in diesem Fall gerechtfertigt, diese symbolische Kürzung vorzunehmen, als Zeichen, dass minimale Anstandsregeln auch im kulturellen Schaffen auch gegenüber unseren staatlichen, demokratischen und kulturellen Institutionen und deren Repräsentanten zu respektieren sind. Sie sind dies insbesondere auch dann, wenn solche Institutionen staatlich finanziert sind.
Wir bitten Sie deshalb, den Minderheitsantrag zu unterstützen.

Merz Hans-Rudolf, Bundesrat: Es fällt mir schwer, am Ende dieser kulturpolitischen Debatte jetzt wieder mit dem Abakus, dem Zählrahmen, einfahren zu müssen. Aber wir müssen jetzt letztlich eine Budgetentscheidung treffen.
Ich versuche, in wenigen Worten den Zusammenhang dieses Themas mit der Kulturpolitik zu erklären. Das Bundesamt für Kultur ist von den Kürzungen im Entlastungsprogramm 2003 wie alle Ämter nicht ausgenommen worden. Es muss nämlich derzeit im Vergleich zu vorher mit weniger Mitteln in der Höhe von 7 Millionen Franken auskommen. Das Bundesamt für Kultur hat unter anderem die Stiftung Pro Helvetia zu führen, zu betreuen und zu finanzieren. Die Finanzierung geschieht über einen mehrjährigen Zahlungsrahmen, der 137 Millionen Franken beträgt. Nun hat man für dieses Budget 34 Millionen Franken eingestellt. Das entspricht genau dem Zahlungskredit im Rahmen dieses Rahmenkredites. Das Bundesamt für Kultur hat sich sehr genau überlegt, mit welchen Prioritäten man diesen Betrag, der notabene um mehr als 1 Million Franken tiefer ist als noch im Jahr 2003, verwenden will. Gemäss dieser Priorisierungen hat man die verschiedenen Projekte genehmigt und sie jetzt auch in Aussicht gestellt. Das Thema, worüber Sie jetzt vorwiegend gesprochen haben, hat mit dem Budget für das nächste Jahr nichts zu tun, denn die Ausstellung findet jetzt statt. Für das nächste Jahr beantragt Ihnen der Bundesrat in Übereinstimmung mit dem Bundesamt für Kultur, diese Summe von 34 Millionen Franken zu sprechen. Ich ersuche Sie, an diesem Betrag festzuhalten.
Das Bundesamt für Kultur - und insbesondere auch die Pro Helvetia - erstattet jedes Jahr Bericht über seine Tätigkeit, welche es in ganz verschiedenen Förderbereichen ausübt. Im Rahmen dieser Berichterstattung können sich Möglichkeiten für kulturpolitische Debatten und allenfalls für Vertiefungen solcher Themen ergeben. Aber hier müssen wir budgetieren.
Ich ersuche Sie, den Prioritäten des Bundesamtes für Kultur und des Bundesrates zu folgen; ich ersuche Sie, den beantragten Kredit zu sprechen und auf die Kürzung, die der Ständerat in Aussicht genommen hat, zu verzichten.

Rey Jean-Noël (S, VS), pour la commission: En Commission des finances, c'est par 15 voix contre 7 que la décision a été prise de maintenir le crédit à la Fondation Pro Helvetia, à hauteur de 34 millions de francs, selon le projet du Conseil fédéral.
Il faut savoir que le budget 2005 prévoit déjà une réduction du budget de Pro Helvetia de l'ordre de 737 000 francs. Donc le budget de la Fondation Pro Helvetia a déjà subi des coupures. Je vous rappelle que nous sommes ici dans la deuxième lecture. Notre conseil avait voté sans coup férir lors de la première lecture les 34 millions de francs à la Fondation Pro Helvetia.
La discussion a été déclenchée par des reportages de journaux de boulevard sur l'exposition Hirschhorn à Paris. Je pense que le Parlement ne doit pas prendre ses décisions sous le coup de l'émotion et sans dossiers sérieux. Un parlement, lorsqu'il traite du budget, doit décider sur la base de dossiers; or, ces dossiers n'existent pas dans ce cas. Ils existent par ailleurs dans le budget, mais pas pour soutenir la proposition de minorité.
Notre Parlement n'a pas à se prononcer sur le contenu esthétique de l'une ou l'autre exposition. Notre conseil doit se prononcer sur le budget de la Fondation Pro Helvetia, qui est une fondation de droit public de la Confédération et qui fonctionne de façon autonome. En tant que telle, cette fondation est placée sous la surveillance du Département fédéral de l'intérieur et sous la haute surveillance du Conseil fédéral, mais elle possède, dans les limites des dispositions légales, sa liberté d'action.
Par contre, le Département fédéral de l'intérieur contrôle, entre autres, que la fondation emploie bien ces ressources conformément à son but statutaire. La majorité de la Commission des finances a estimé que ce dispositif était suffisant.
Je rappelle également que Pro Helvetia fait l'objet d'un rapport annuel et que par conséquent, chacun et chacune d'entre nous peut se prononcer et faire ses critiques sur la base dudit rapport. Par ailleurs, je rappelle que nous avons donné mandat au Conseil fédéral d'examiner les moyens de coordonner les efforts qui relèvent du domaine de la promotion de l'image de la Suisse, y compris des crédits de Pro Helvetia. Par conséquent, cet examen critique aura lieu; mais aujourd'hui, il s'agit de se prononcer sur le budget de la fondation Pro Helvetia et la majorité de la Commission des finances de notre conseil vous propose de soutenir le projet du Conseil fédéral.
En ce qui concerne la proposition individuelle Häberli-Koller, elle n'a pas été examinée en commission, mais je tiens, à titre personnel, à m'étonner de sa formulation; car si on lit cette proposition, on ne sait pas si la députée souhaite maintenir le budget à 34 millions de francs ou le réduire à 33 millions de francs. Dans la proposition, on parle bien de 33 millions de francs, mais dans le développement, on indique qu'on souhaite maintenir le million de francs retiré à Pro Helvetia pour servir à la conservation des monuments historiques.
Chers collègues, si vous votez cette proposition, c'est bien 33 millions de francs que vous voterez et par conséquent, le million de francs manquera à Pro Helvetia et également à la conservation des monuments historiques.
A titre personnel, je vous invite à refuser la proposition Häberli-Koller.

Widmer Hans (S, LU): Nachdem im Ständerat ein ehemaliger WBK-Präsident und hier auch der jetzige WBK-Präsident in sehr prominenter Stellung diese Kürzung unterstützen, fühle ich mich als ehemaliger WBK-Präsident veranlasst, Folgendes zu sagen: Herr Fattebert, wir können dieses Ansinnen, die Ablehnung der Kürzung, vor dem Volk durchaus verantworten. Sie haben uns nämlich gefragt, ob wir das verantworten können. Natürlich können wir das verantworten! Wir sind sehr froh, dass Sie eine namentliche Abstimmung verlangt haben. Denn wir denken im Sinne von Dürrenmatt, dass die Stärke der Demokratie sich daran zeigt, wie sie ihre Kritiker aufnimmt. Deswegen stimmen wir mit Überzeugung für die Beibehaltung dieses Betrages.

Erste Abstimmung - Premier vote
Für den Antrag der Minderheit .... 82 Stimmen
Für den Antrag Häberli-Koller .... 30 Stimmen

Zweite Abstimmung - Deuxième vote
Für den Antrag der Mehrheit .... 97 Stimmen
Für den Antrag der Minderheit .... 85 Stimmen

Hirschhorn in der NZZ

Unbenanntes Dokument

9.12.04

Fragen eines Ausstellungsbesuchers
Versuch einer Kritik des Pariser Hirschhorn-Events
Der von Thomas Hirschhorn konzipierte Event «Swiss-Swiss Democracy» im Pariser Centre Culturel Suisse sorgt in der Schweiz für erheblichen Wirbel. Die inhaltlich-formelle Auseinandersetzung mit der Installation rechtfertigt den Aufruhr kaum.

«So viele Berichte, / So viele Fragen», lautet das Fazit von Bertolt Brechts Gedicht «Fragen eines lesenden Arbeiters». Thomas Hirschhorns Event «Swiss-Swiss Democracy» im Centre Culturel Suisse (CCS) in Paris hat seit seiner Eröffnung am Samstag eine Flut von Berichten gezeitigt. Freilich besteht die Gefahr, dass man vor lauter Wellen das Meer nicht mehr sieht. Hier deswegen der Versuch, ein paar «Fragen eines denkenden Ausstellungsbesuchers» zu beantworten.

Bastelatelier
1. Was ist zu sehen? Die Wände sämtlicher öffentlichen Räume des CCS sind mit Kartonrechtecken in den Farben Blassblau, Blassgelb und Blassrot tapeziert. Auf diesen Kartons wurden mit braunem Klebeband Hunderte von Zeitungsartikeln, Grafiken, Tabellen, Fotos und Bildern angebracht. Auch die Second-Hand- oder Plasticmöbel sind fast alle mit Klebeband umhüllt; desgleichen mehrere «Miniaturberge», durch welche Modelleisenbahnen fahren. Auf Fernsehbildschirmen laufen unter anderem Schweizer TV-Programme und ein Amateurvideo, das Jugendliche dabei zeigt, wie sie einander mit Klappstühlen schlagen. Der Gesamteindruck ist der einer Mischung aus Bastelatelier und Künstlerwohnung, wozu auch die handschriftlichen Slogans auf allen Wänden beitragen.
2. Was tun die anwesenden Künstler? Die «Mission» seiner Arbeit ist laut Hirschhorn, das CCS «zu belagern». Diese Belagerung besteht zum einen in der geschilderten Installation, welche das Gebäude für Habitués unkenntlich macht und als eine «zweite Haut» dem Besucher einen «anderen mentalen Raum» eröffnen soll. Zum anderen manifestiert sie sich in der durchgängigen Anwesenheit des Künstlers und seiner Mitarbeiter während der 49 Tage, die die Veranstaltungsreihe dauert. So liest Marcus Steinweg, der sich als «deutscher Philosoph, wohnhaft in Berlin» vorstellt, jeden Nachmittag eigene Texte; so spielt die Truppe des französischen Regisseurs Gwenaël Morin jeden Abend dessen Inszenierung von Schillers Drama «Wilhelm Tell». Hirschhorn produziert seinerseits jeden Tag eine 16-seitige Zeitung im DIN-A3-Format, die gratis an die Besucher verteilt wird.
3. Was ist der Inhalt von «Swiss-Swiss Democracy»? Pointiert gesagt: Der Event hat keinen. Spaziert man also durch das CCS mit dem unbedarften Blick eines französischen Normalbesuchers, ist man einigermassen perplex. Es gibt keinen Parcours: Ob man nach links oder nach rechts geht, nach oben oder nach unten, macht keinen Unterschied. Es gibt keine Dramaturgie: Wer den Eingangsraum gesehen hat, hat im Prinzip schon alles gesehen, die tapezierten Wände sind überall die gleichen. Es gibt - und dies der entscheidende Punkt - auch keinen Diskurs: Die Bilder, Zeitungsartikel, Statistiken und Slogans an den Wänden treten in keinerlei Beziehung zueinander. Nach seiner Methode befragt, antwortet Hirschhorn, er habe das von ihm zusammengetragene Material so auf die Wände gebracht, wie es ihm gerade unter die Hände kam.
So ähnelt «Swiss-Swiss Democracy» der Liste, die man erhält, wenn man in einer Internetsuchmaschine die Wörter «Schweiz» und «Demokratie» eintippt. Statistiken über die Volkswirtschaft, über Asylbewerber, Artikel über die bilateralen Verträge, eine Chronologie der Volksabstimmungen seit 1893, alle möglichen Bilder von Wilhelm Tell, diverse Pläne von Tunneln; aber auch Artikel über Palästina und Afghanistan, über Francesco Cossiga und den Papst, über das Theaterstück «Democracy» des britischen Autors Michael Frayn. In einem Regal stehen Bücher von Habermas, Spinoza, Hobbes und Popper; handschriftliche Slogans - gleichfalls vom Künstler nicht erfunden, sondern bloss gefunden - verkünden: «Die Diktatur, das ist: ‹Maul halten!›, die Demokratie, das ist: ‹Red Du nur›» oder: «Kunst ist die direkte Antithese der Demokratie». Da diese Hunderte und Aberhunderte von Versatzstücken nicht in Beziehung zueinander gesetzt sind, sondern einfach nur - rein zufällig - nebeneinander stehen, ergibt sich kein Diskurs. Eine Internetsuchmaschine hat keine Meinung, keine Thesen, keine Ideen.
Hirschhorns Ästhetik, so man von einer solchen sprechen kann, ist eine Ästhetik der Überwältigung. Der Besucher wird mit Tonnen von Informationsfetzen bombardiert, freilich aus allen Richtungen, so dass er schon bald die Orientierung verliert. Die Überfülle des Materials mündet in die Sinnvernichtung. «Swiss-Swiss Democracy» ist kein Event über die Schweiz, auch kein Event über die Demokratie. Vielmehr handelt es sich um eine Arbeit, die Materialien verwendet, welche sich mehr oder weniger vage auf diese beiden Begriffe beziehen, der es aber in keinem Moment gelingt, sich zu einer eigentlichen Aussage zu verdichten. Misst man das Resultat an Hirschhorns Absichtserklärungen - «die Demokratie hinterfragen, einen Dialog zwischen dem Werk und dem Besucher etablieren» usw. -, ist der Künstler auf der ganzen Linie gescheitert.
4. Weswegen dann die heftigen Diskussionen in der Schweiz? Zum einen werden hier wohl, eher pauschal, Ressentiments gegen «die Künstler als Nestbeschmutzer» geschürt. Hirschhorns Äusserungen über seine Intentionen und auch sein grossartig tuendes Manifest vom 10. Dezember 2003, das unter dem Titel «Je n'exposerai plus en Suisse» vom CCS wieder abgedruckt wurde, bieten durchaus Angriffsfläche. Doch in der Installation selbst haben das unreflektierte Gepolter des Künstlers gegen die vermeintlichen Auswüchse der Direktdemokratie oder gegen die Regierungsbeteiligung der SVP keinen Niederschlag gefunden. Diverse Wände mit Fotos, dem Lebenslauf und einer Rede über Winston Churchill von Christoph Blocher zu tapezieren, heisst noch nicht, diesen zu kritisieren - auch wenn es so gemeint sein sollte. Bleiben lediglich zwei dummdreiste Szenen aus der «Wilhelm Tell»-Aufführung, die zu Recht verurteilt wurden. Doch darf man nicht vergessen, dass in Paris andere Massstäbe gelten als in Bern: Auf hiesigen Bühnen bekommt man noch ganz andere Geschmacklosigkeiten vorgesetzt.

Märtyrerkrone
Zum andern stellt sich wieder einmal die - an sich legitime - Frage nach der Verwendung der öffentlichen Mittel für die Kunstförderung. Bundesrat Pascal Couchepin, der für die Kulturstiftung Pro Helvetia verantwortlich ist (von welcher das CCS abhängt), befand am Dienstag bei einem Paris-Besuch, eine solche Debatte sei durchaus wünschbar, doch dürfe sie nicht an einem einzelnen Gegenstand oder Ereignis festgemacht werden, sondern müsse grundsätzlich geführt werden. Eine Massnahme wie die am Dienstag durch den Ständerat votierte Kürzung des Pro-Helvetia- Budgets um eine Million Franken erscheint in mehrfacher Hinsicht als fragwürdig.
Erstens, weil wohl kaum ein Parlamentarier den Hirschhorn-Event selbst besucht haben dürfte, den es mit dieser Kürzung zu strafen galt. Zweitens, weil die Schaffensfreiheit von Künstlern, die für öffentliche Institutionen arbeiten, inskünftig eingeschränkt sein mag, wenn sie stets fürchten müssen, mit ihrer Arbeit den Zorn des Parlaments zu erregen und also eine Kürzung der Geldmittel für sich und für andere Künstler zu bewirken. Und drittens, weil eine solche Massnahme dem Image der Schweiz einen ungleich grösseren Schaden zufügen dürfte, als es «Swiss- Swiss Democracy» je tun wird - wenn überhaupt. Hirschhorn die Märtyrerkrone aufzusetzen, ist eine Auszeichnung, die dieser nun wirklich nicht verdient hat.
Marc Zitzmann

8.12.
Nasenstüber für Pro Helvetia
Als Zweitrat widmete sich der Ständerat dem zweiten grossen Sessionsthema, dem Bundesbudget 2005, das vom Nationalrat in Missachtung der Schuldenbremse zusätzlich aufgeblasen worden war. In der kleinen Kammer fehlte es deshalb nicht an Appellen zu finanzpolitischer Vernunft. Die Voraussetzungen stehen gut, dass wenigstens im kleinen Rund des Bundeshauses die Mahnungen des früheren Ständerats Hans-Rudolf Merz Gehör finden. Noch mehr als über die Schuldenwirtschaft regte man sich in der kleinen Kammer allerdings über die Kultur auf beziehungsweise über das, was die Stiftung Pro Helvetia darunter subsumiert. Die umstrittene Pariser Installation des Schweizer Künstlers Thomas Hirschhorn, dessen Namen nicht nur die Parlamentarier dank dem Skandälchen zum ersten Mal gehört haben dürften, war der Auslöser für einen Denkzettel an die Kulturstiftung, die derartige Produktionen finanziert. Sie gab allerdings auch Anlass zu einer kurzen Debatte, in der von absolutistischen Fürsten und preussischen Königen bis zu respektlosen Philosophen wie Voltaire alles bemüht wurde, um die Unantastbarkeit der künstlerischen Freiheit zu untermauern. Zu viel der Ehre für den Urheber des Aufruhrs, möchte man meinen. Den Verantwortlichen von Pro Helvetia wurde immerhin ein Milliönchen gestrichen, denn auf eine gewisse Satisfaktion wollte der Ständerat nicht verzichten. Dass der Politik nichts Menschliches fremd ist, zeigte sich noch an einem anderen Beispiel. Im Nationalrat hatte Marlyse Dormond (sp., Waadt) eine Erhöhung des Kredits für irgendwelche Präventionskampagnen durchgesetzt. Der gleiche Antrag kam auch im Ständerat aufs Tapet, und zwar von ihrem Parteigenossen Michel Béguelin, der auch noch ihr Gatte ist. Ihm blieb der Erfolg jedoch versagt. Es hapert eben immer noch mit der Chancengleichheit.


07.12.2004
Kunst, Kultur, Demokratie
Wirbel um das Centre Culturel Suisse in Paris

Über dem Eingang der Passage, die zum Centre Culturel Suisse (CCS) in Paris führt, hängt seit Samstag ein grosses weisses Tuch mit den rot aufgesprühten Worten «Swiss-Swiss Democracy». Rot sahen auch ein paar Schweizer Spitzenpolitiker, als ihnen Berichte von der Vernissage des durch Thomas Hirschhorn konzipierten achtwöchigen Events zukamen. Die Präsidentin der ständerätlichen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur, Christiane Langenberger, bezeichnete das Sujet der Veranstaltungsreihe - nominell: die Revolte «gegen die Absurdität der Direktdemokratie heute in der Schweiz, meinem Land, und gegen die Wahl des Bundesrats Christoph Blocher», so der 1957 in Bern geborene Hirschhorn - als «fragwürdig».
SVP-Präsident Ueli Maurer sagte gar gegenüber dem Schweizer Radio DRS, die Kulturstiftung Pro Helvetia (von welcher das CCS abhängt) habe «den Auftrag, Werbung für die Schweiz zu machen im Ausland und nicht das Gegenteil. Es gibt wohl keine andere Institution, die sich selbst so blöd hinstellt, wie das Pro Helvetia tut.» Pascal Couchepin als der für Pro Helvetia zuständige Bundesrat sei, so ein Sprecher, «über die Probleme, die diese Ausstellung stellen könnte», unterrichtet worden. Der Schweizer Botschafter in Paris, François Nordmann, blieb der Vernissage fern.

Provokative Gemeinplätze
Neben einer Installation, die sich durch alle öffentlichen Räume des CCS zieht, umfasst «Swiss-Swiss Democracy» jeden Tag die Produktion einer Gratiszeitung, eine Lesung von Texten über die Demokratie und eine Aufführung von «Wilhelm Tell». In Letzterer tun eine Schauspielerin und ein Schauspieler so, als erbrächen sie sich in eine Abstimmungsurne respektive als urinierten sie gegen eine Foto von Christoph Blocher. - Von «allfälligen persönlichen Angriffen» auf den Bundesrat hat sich die Kulturstiftung distanziert, doch steht sie weiterhin zu dem Projekt. Dass dergleichen und Ähnliches heute bald in jedem Stadttheater zu sehen ist und schon fast ein Gemeinplatz von wilden Jungregisseuren, denen sonst nichts einfällt, um ihr Publikum wachzuhalten, macht die Sache nicht intelligenter. Trotzdem: Die Subventionierung einer die Schweizer Demokratie kritisierenden (oder kritisieren wollenden) Veranstaltung durch öffentliche Gelder ist an sich noch kein Skandal. Aufgabe von Pro Helvetia ist es ja, die Präsenz von Schweizer Künstlern im Ausland zu fördern, nicht, den Inhalt ihrer Werke zu kontrollieren. «Werbung für die Schweiz», um Ueli Maurer zu zitieren, kann auch ein Kunstwerk machen, das sich kritisch mit dem Land auseinandersetzt.

Aufgebauschte Harmlosigkeit
Dann nämlich, wenn es das stringent, originell und wenn möglich mit Humor tut. Leider, und hier liegt allerdings die Crux, ist das bei «Swiss- Swiss Democracy» nicht der Fall. Die Installation, eine Variation auf das für Hirschhorn typische Bastlersammelsurium aus bemaltem Karton und braunem Klebeband, verfährt rein akkumulativ. An den Wänden Hunderte von Fotos und Zeitungsartikeln, auf Bildschirmen fahrende Züge oder Schweizer Fernsehprogramme, zum Ausruhen die bekannten Vintage-Möbel, nicht zu vergessen die obligate Leseecke. Auf demselben Prinzip basierten Anfang Oktober Hirschhorns[90] Installation «24h Foucault» im Pariser Palais de Tokyo und davor drei Deleuze, Spinoza und Bataille gewidmete «Monumente» sowie Installationen wie «Wirtschaftslandschaft Davos» (Kunsthaus Zürich, 2001) oder «Swiss Army Knife» (Kunsthalle Bern, 1998). Über letztere Arbeit schrieb die NZZ: «Der Reiz von Hirschhorns[90] Installation ist mit dem einer farbigen Illustrierten oder einer Web-Page zu vergleichen.» Das gilt auch für «Swiss-Swiss Democracy», eine zur Denunziation aufgebauschte Hirnlosigkeit, die statt in die Tiefe bloss in die Breite geht. - Heute Dienstag findet im CCS eine Medienkonferenz zur Ausstellung statt. Fortsetzung folgt.
Marc ZitzmannNZZ


6.12.2004
Pro Helvetia distanziert sich vom Angriff auf Blocher
Aber Unterstützung für Projekt in Paris
Die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia hat am Montag zum umstrittenen Projekt des Künstlers Thomas Hirschhorn am Centre Culturel Suisse (CCSP) in Paris Stellung genommen. Die Stiftung distanziert sich darin von allfälligen persönlichen Angriffen auf Bundesrat Christoph Blocher, steht aber zum Projekt.
(ap) In seiner Installation «Swiss-Swiss Democracy» zeigt der 47-jährige Schweizer Künstler Hirschhorn unter anderem eine Szene, wo ein Darsteller in der Pose eines Hundes an ein Bild von Justizminister Blocher pinkelt. Ebenso provokativ fiel die Einladungskarte zur Ausstellung aus, wo eine Folterszene aus dem irakischen Gefängnis Abu Ghraib mit den Wappen der Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden kombiniert wird. Pro Helvetia ermöglichte die Ausstellung mit einem Beitrag von 180'000 Franken.
«Pro Helvetia steht zu diesem Projekt; von allfälligen persönlichen Angriffen auf Christoph Blocher distanziert sie sich», heisst es in der Stellungnahme. Die Stiftung erachte es als eine der grossen Errungenschaften der demokratisch verfassten Gesellschaft, dass sie auch Künstler unterstütze, die eben diese Gesellschaft kritisierten. Die Kunstfreiheit sei überdies in der Verfassung verankert.
Grünes Licht vom Stiftungsrat 
Pro Helvetia sei per gesetzlichen Auftrag dazu verpflichtet, die Vielfalt der Kulturen und Positionen zu berücksichtigen und verstehe sich nicht als Zensurbehörde. Gerade des Gegenteil sei der Fall. Denn die Furcht vor der politischen Debatte beraube die Kunst ihrer Wirkung. Das CCSP aber sei die Kulturplattform eines demokratischen Landes. Die Einladung des CCSP an Hirschhorn sei vom Stiftungsrat von Pro Helvetia autorisiert worden.
Pro Helvetia zeigte zugleich Verständnis, dass das Projekt heftige Reaktionen auslöst. Hirschhorn gehöre zu jenem Dutzend Schweizer Künstler, die weltweit anerkannt und gefragt seien. Nicht zuletzt verdanke dieser seinen Ruf der politischen Dimension seines Werkes, dem provokativen Ton und dem kompromisslosen Einsatz gegen alles, was er als ungerecht, unterdrückend und anti-demokratisch ansehe.
Hirschhorn bezeichne sich als überzeugter Schweizer. Sein Projekt sei im weiteren keine Ausstellung über Bundesrat Blocher. Es gleiche vielmehr einem zwei Monate dauernden Kolloquium über Demokratie. In Hunderten von Presseausschnitten und Zitaten aus Reden und Büchern beleuchte Hirschhorn alle Facetten der Demokratie und lade zum Nachdenken ein. Hirschhorn selbst sei jeden Tag in der Ausstellung anwesend. 


06.12.2004

Missgriff im Schweizer Kulturzentrum in Paris
Verunglimpfung Bundesrat Blochers

Bern, 5. Dez. (sda) Eine Ausstellung des Berner Künstlers Thomas Hirschhorn im Centre Culturel Suisse de Paris erhitzt jetzt auch in der Schweiz die Gemüter. Hirschhorn kritisiert mit seinen Werken Bundesrat Christoph Blocher und die Schweizer Demokratie. Während acht Wochen protestiert der Künstler in Paris nach eigenen Worten gegen die «Absurdität der direkten Demokratie». Und schon die Einladung aus Karton ist eine Provokation: Unter einem Folter-Bild aus dem irakischen Gefängnis Abu Ghraib kleben die Wappen der drei Urkantone Uri, Schwyz und Nidwalden. Dazu steht in grossen Lettern: «I love Democracy». Gegenüber Schweizer Radio DRS sagte Hirschhorn, er werde nicht mehr in der Schweiz ausstellen, solange Blocher Bundesrat sei. Im Schweizer Zentrum in Paris sind Hunderte von Ausschnitten aus Schweizer Zeitungen zu sehen, die mit einem dicken braunen Klebeband zu Collagen zusammengefügt wurden. Dazu wird die Schweiz in einem Theaterstück auf die Schippe genommen. So erbricht eine Schauspielerin in eine Abstimmungs-Urne, und ein Darsteller uriniert - in der Pose eines Hundes - gegen ein Bild Blochers. Hirschhorn sagte, er wolle damit eine Diskussion über die Demokratie eröffnen.
Die von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia finanzierte Ausstellung kostet nach Angaben von Schweizer Radio 180'000 CHF.

Hirschhorn im Tages Anzeiger

Unbenanntes Dokument

10.12.2004

Kunst ist die Adoptivtochter der Demokratie
Von Patrick Frey
Zur Sache an sich drei Sätze im Voraus:
1. Thomas Hirschhorn ist ein Künstler.
2. Die Freiheit der Kunst ist unantastbar und hat mit ihrer Qualität nichts zu tun.
3. Kunst und Demokratie haben manchmal - nicht immer! - nichts miteinander am Hut.
Es geht also um das Pro-Helvetia-Zensurdrama, oder soll man sagen: die 1-Million-Franken-Erpressung als neues Legislaturziel der CVP?
Also an sich ist bei dieser Geschichte nicht nur die CVP, sondern fast alles nur peinlich.
Peinlich der «Blick», der als Erster kolportiert, es werde da tatsächlich auf ein Blocher-Bild uriniert und erbrochen (will Frank A. Meyer bei Blocher Terrain gutmachen?) und der, als dann die Bombe im Ständerat zündet, zurückkrebst, eine welsche Anti-Blocher-Karikatur abdruckt und angesichts der Attacke auf Pro Helvetia plötzlich von Schweizer Krämergeist spricht.
Peinlich der Künstler Hirschhorn selbst, der mit dem Statement «Im Irak hat es zu wenig Demokratie, in der Schweiz hat es zu viel Demokratie» und «Dieser blutverschmierte Mann da im Gefängnis von Abu Ghraib, das könnte doch auch Tell sein» zwei Sätze von sich gab, die neben ihrer extrem schiefen Brachiallogik seinem Werk das Schlimmstmögliche antun: Sie versuchen, es zu erklären und zu rechtfertigen. Das ist nicht nur künstlerisch katastrophal, sondern auch genau das, was ihn im Sinne des Agitprop von einem echten historischen AJZler oder einem heutigen Mitglied des Schwarzen Blocks unterscheidet. Auf deren Gestus und Ästhetik sich Hirschhorn natürlich in mehr als einer Hinsicht beruft.
Peinlich die Tatsache, dass Hirschhorn nach seinem pathetischen Schwur, nach Blochers Wahl in der Schweiz nicht mehr auszustellen, bei der Pro Helvetia ausstellt. Und sich im Weiteren auf der von der Schweiz (!!) aus organisierten Kunstmesse Miami (Florida! Wiege der Wahlfälschungen!! Jeb Bush!) von mehreren Galerien vertreten lässt . . . Mit der gleichen widerspruchsfreien Mischung aus pathetischem Ernst und Agit-Pop-mässiger Nonchalance könnte Hirschhorn zurzeit auch problemlos in der irakischen Botschaft in Bern ausstellen.
Superpeinlich der CVP-Mann Bieri, der den Künstler Hirschhorn schamlos dazu benutzt, sein von der SVP angerichtetes Anti-Pro-Helvetia-Süppchen aufzukochen, und der erklärt, er habe ebenfalls Moderne Kunst zu Hause. Vielleicht Piatti?
Und am peinlichsten der Künstler Gottfried Honegger, der sich nicht erblödet, im «Blick» zu definieren, dass Hirschhorns[90] Werk «geistiger Terror» sei (was ist das genau?) und «nichts mit Kunst zu tun» habe, und das Centre Suisse Culturel als «provinzielle Kunstgarage» bezeichnet, weil er selbst nie dort ausstellen durfte.
Die einzigen Figuren, die in diesem Zusammenhang noch nichts Peinliches gesagt haben, sind peinlicherweise zwei Bundesräte, zum einen der von einem Hund (gemimt durch einen französischen Schauspieler der Sonderklasse) symbolisch angepinkelte Blocher selbst, der mit dem Satz «Blödsinn ist Blödsinn» wenigstens einmal etwas in sich Wahres sagte, das nicht gegen Asyl Suchende gerichtet war, und zum anderen Couchepin, bei dem man fast meinte, de Gaulle selbst zu hören, der im Mai 68, als es darum ging, Sartre zu verhaften, gesagt haben soll: On n'arrête pas Voltaire. Wobei Hirschhorn nicht Voltaire ist und unser de Couchepin sich wohl nur diebisch freute, dass diesmal der Kollege das Urinoir spielen musste.

10.12.2004
In Bern muss die Kultur immer den Ausweis vorzeigen
Die parlamentarische Strafaktion gegen Pro Helvetia ist blosses Symptom. Sie steht für die wachsende Kritik an der Kulturstiftung und für personalstrategische Ziele der CVP.
Von Jean-Martin Büttner, Bern
Die Politiker in Bern sollten dem Künstler in Paris dankbar sein. Und zwar gerade jene, die am Dienstag am heftigsten über seine Installation hergezogen sind, die sie anhand eines «Blick»-Artikels vorgängig studiert hatten (TA vom Mittwoch). Und die ihre Empörung zum Anlass nahmen, der Kulturstiftung Pro Helvetia eine Million Franken aus ihrem Budget zu streichen. Nächste Woche muss der Nationalrat über den Antrag befinden. Wer auch immer die Million bekommen wird - Pro Helvetia dürfte es nicht mehr sein.
Das hat System. Aus beiden Räten und von beiden politischen Lagern wird bestätigt: Der Zorn über die als «unflätig» und «primitiv» und «geschmacklos» und «destruktiv» wahrgenommene Installation - die Adjektive der Empörten gleichen sich - muss als blosses Symptom gewertet werden. «Die Reaktion auf Hirschhorn Installation ist nur die Oberfläche», sagt der Freiburger CVP-Nationalrat Dominique de Bumann. Wäre der Ruf von Pro Helvetia «ohne Fehl und Tadel» gewesen, glaubt sein Parteikollege im Ständerat, derAppenzeller Rechtsbürgerliche Carlo Schmid, wäre es wohl nicht zur Strafaktion gekommen.
Pro Helvetia irritiert
Die Unzufriedenheit mit der Stiftung, sagt die Kulturpolitikerin Vreni Müller-Hemmi (SP, Zürich), steige im Rat seit einiger Zeit und immer stärker an. So irritiert viele in Bern, dass sich Pro Helvetia, das Bundesamt für Kultur und das Aussendepartement scheinbar unkoordiniert um die Kulturförderung bemühen. Dann ärgern sich Politiker auch über die Stiftungsleitung. Die Querelen zwischen Präsidentin Yvette Jaggi und Direktor Pius Knüsel sind im Parlament nicht gut angekommen. Auch wird Yvette Jaggi als mitunter schroff und schwierig erlebt, während man verschiedene öffentliche Aussagen von Pius Knüsel als arrogant empfunden hat.
Auch der Hauskrach im Pariser Centre Culturel, bei dem die Belegschaft vor einem Jahr und aus Protest gegen Direktor Michel Ritter zurücktrat, wird als Führungsproblem der Leitung analysiert. Jaggi war am Donnerstag nicht zu erreichen; Knüsel sagt auf Anfrage, er sei «sicher einer, der die Sachen geradeheraus sagt und nicht gewunden». Als Arroganz wolle er sein Bemühen um Klarheit aber keinesfalls verstanden haben.
Unabhängig davon, wie geschickt die Stiftungsleitung der Pro Helvetia agiert, verfolgt auch die Politik Absichten, die über die Ausstellungskritik hinausweisen. So nehmen Insider der Schweizer Kulturpolitik verstärkte Bemühungen des Parlamentes wahr, die Kulturpolitik möglichst zu zentralisieren und somit auch leichter zu kontrollieren. Auch ist es kein Zufall, dass ausgerechnet die CVP den Angriff auf die Stiftung anführt. CVP-Generalsekretär Reto Nause hat ja, nur zwei Tage nach dem Kürzungsantrag seiner Partei, Yvette Jaggi via den «Blick» zum Rücktritt aufgefordert. Das geht der Partei zwar zu weit, jedenfalls offiziell, CVP-Präsidentin Doris Leuthard will zuerst eine Debatte führen und dann die Konsequenzen ziehen. Dennoch steht für Beobachter ausser Frage, dass sich die CVP für Jaggis Nachfolge positionieren will; die Lausanner Sozialdemokratin geht Ende nächsten Jahres in Pension. Zu den parteieigenen Motiven passt, dass die CVP die abgestrichene Million am liebsten der Denkmalpflege überweisen möchte, eine Aufgabe, die in sehr vielen Kantonen von CVP-Regierungsräten wahrgenommen wird.
Über 200 Kulturschaffende wehren sich in einem Grossinserat, das morgen erscheint, gegen den «Angriff auf die Demokratie» und die «Sippenhaftung der Kultur». Yvette Jaggi reagierte am Donnerstag gelassen auf die Rücktrittsforderung. Auf Radio DRS sprach sie davon, doch etwas Distanz einzunehmen und die Proportionen zu wahren. Der Zeitung «Le Temps» sagte sie gleichentags, der Ständeratsentscheid sei «der ehemaligen DDR» würdig.
Wahr daran ist, dass die meisten Politiker zur Kultur ein utilitaristisches Verhältnis haben: Gefördert werden soll, was sich als Wert klar erkennen lässt, was weder «unverständlich» noch «destruktiv» daherkommt, wie Carlo Schmid es formuliert, was dafür der Schweiz nützt und sie gut dastehen lässt, vor allem im Ausland. Auch die Kritik an der Schweiz hat konstruktiv zu sein, aufbauend im Sinne einer Kritik, welche die Bejahung der Verhältnisse bereits in sich trägt. Kulturpolitik im Parlament ist vornehmlich Finanzpolitik, also will man den Gegenwert dieser Investitionen, vor allem bei hohem Spardruck, möglichst genau benannt haben.
Kultur als Werbung für die Schweiz
Kurz: In Bern muss die Kultur immer den Ausweis vorzeigen. «Kultur wird als Variante der Tourismusförderung verstanden», spottet die Genfer SP-Ständerätin Christiane Brunner über den Entscheid ihrer Ratskollegen. Ginge es nach der SVP, würde die Kulturpolitik gleich als Werbung für die Schweiz umdefiniert. In jedem Fall muss sie etwas Messbares zu bieten haben. Ständerat Peter Bieri jedenfalls wollte die eingesparte Million der Sparte Jugend und Sport zukommen lassen -Kultur, um mehr zu leisten.
Es steht ausser Frage, dass sich die CVP für Yvette Jaggis Nachfolge positionieren will.

10.12.2004
Leserforum
Hirschhorn und Platzhirsche

Pro Helvetia soll für Hirschhorn-Ausstellung bestraft werden/Die Macht der Kolportage, TA vom 8. 12.


Was ist Kunst?
Ich staune, wie rasch einige Volksvertreter mit Sanktionen drohen können, wenn es darum geht, eine Institution wie die Pro Helvetia zu bestrafen, weil diese mit der Kunstausstellung in Paris einen angeblichen Fehltritt begangen hat. Was ist Kunst? Sind es etwa Elaborate der Verpackungshysterie eines Christo und seiner Frau? Oder was soll man von der seltsam aufgemotzten Leichen-Darbietung jenes deutschen «Künstlers» halten, der auszog, uns mit seiner Kunst das Gruseln beizubringen? Was soll man von der begehbaren Nana-Vagina einer Niki de Saint Phalle halten? Und schliesslich: die abscheulichen SVP-Abstimmungsplakate, die jeweils auch von «Künstlern» erdacht und hergestellt werden - sie sind in ihrer «künstlerischen Aussage» auch eine massive Beleidigung für einen Grossteil der Betrachter. So gesehen verstehe ich das bürgerliche Lamento über diese Kunstdarbietung in Paris nur schwer. Vielleicht hätten wir eine Ausstellung von Anker-Bildern dorthin senden sollen, schön schweizerisch und von gestern!
PAUL. B. HASSLER, CHUR


Dekadente Künstler.
Thomas Hirschhorn warne uns vor der Dekadenz der Demokratie, so Barbara Bastings Kommentar. Wer warnt uns denn von der Dekadenz der Künstler? Unterstellt er mit seinem (angedeuteten) «Gekotze» in eine Urne nicht etwa die Langsamkeit und Schwerfälligkeit der Schweizer Demokratie? Genau diese Demokratie fand in rasanter Wochenfrist im Ständerat eine Mehrheit zur Strafreduzierung der Subventionen an Pro Helvetia. Ob diese Massnahme nun angebracht ist oder nicht und ob sie die Richtigen trifft, sei dahingestellt, nicht aber die Diskussion über die Zweckmässigkeit solcher Gelder. Das wiederum findet die Kunstgilde eine Provokation. Wie schon im Fall Marthaler/Schauspielhaus habe ich noch keine Antworten auf die Fragen: Warum sollen Steuerzahler die (Fäkal-)Kunst einer selbst ernannten Kunstelite finanzieren? Warum kann diese öffentliche Gelder beziehen für Kunst, die fast niemand versteht? Schade, dass wir wegen solcher Exponenten über Subventionen und Zensurkomitees nachdenken müssen; wegen Spöttern, denen wir das Geld hinten reinschieben und deren Kreativität sich darauf beschränkt, es oben rauszuwürgen.
MARCEL RIEDIKER, GREIFENSEE

Fragwürdige Doppelrolle.
Kunst darf und muss hinterfragen, kritisieren, provozieren. Der Künstler ist Seismograf und Wegweiser in der Gesellschaft, die ohne Kunst verharren und erstarren würde. Der Künstler hat keinen naturrechtlichen Anspruch auf Anerkennung oder finanzielle Unterstützung durch die Gesellschaft. Er ist für sein Leben verantwortlich wie jeder andere Mensch auch. Es spricht für die Toleranz und für die Reformfähigkeit einer Gesellschaft, wenn sie Kunst mit öffentlichen Mitteln fördert - und zwar auch dann, wenn diese Kunst unbequem und kritisch ist. Durch Institutionen wie Pro Helvetia wird die öffentliche Kulturförderung weitestgehend aus dem Wechselfeld der Tagespolitik herausgehalten. Allerdings ist niemand verpflichtet, demjenigen, der in die Suppe kotzt, zu applaudieren und ihm auch noch die Suppe zu bezahlen. Nicht die künstlerische Freiheit ist das Thema, sondern die Förderpraxis von Pro Helvetia. Herr Hirschhorn macht ohnehin, was er will. Die Frage ist nur, ob er dafür öffentliche Gelder erhält - und zwar in einer Höhe, die für die meisten Menschen, auch für die meisten Künstler, nicht vorstellbar ist. Eine Budgetkürzung wäre eine kollektive Bestrafung der Falschen. Vielmehr sollte die Doppelrolle von Pro Helvetia (Kultivation im Inland/Präsentation im Ausland) diskutiert werden. Kotzen, pinkeln, und pöbeln kann jeder Hooligan - er ist deshalb noch lange kein Künstler. Der 11. September ist kein Kunstwerk, der Amokschütze von Zug kein Aktionskünstler, der Irak-Krieg keine Videoinstallation. Und der Kaiser war tatsächlich nackt - aber das ist ja nur ein Märchen . . .
PETER BAUMANN, KREUZLINGEN Jazz-Musiker

Kulturschaffende achten.
Wie können es unsere Volksvertreter wagen, uns dermassen blosszustellen und im Ausland lächerlich zu machen? Das Ausland nimmt die Schweiz durch ihre Kulturschaffenden (und vielleicht durch ein paar Markenartikel) positiv wahr und kaum durch ihre Politiker. Kulturschaffende dürfen zwar unsere Geldscheine zieren - ihr Werk aber wird zu Lebzeiten ignoriert und kaum je angemessen honoriert. Ich wünschte, die Politiker würden sich jener Angelegenheiten annehmen, für die sie gewählt wurden, in der Annahme, dass sie vielleicht etwas davon verstehen. Keinesfalls sind sie dazu da, unsere Kulturschaffenden durch Kollektivbestrafung und zweifelhaftes Demokratieverständnis zu verhöhnen.
ROSEMARIE PRIMAULT, MÄNNEDORF

Totalitäre Züge.
Die Reaktion des Ständerates, der Pro Helvetia das Budget als Retorsionsmassnahme zu kürzen, weist in Richtung einer massiven Einschränkung der Meinungsfreiheit in unserem Lande. Toleranz gegenüber abweichenden und kritischen Stimmen jedoch ist ein zentrales Merkmal von liberalen demokratischen Rechtsstaaten. Zensur hingegen, will meinen Unterdrückung von vom offiziellen Tenor abweichenden Ansichten, stellt ein Hauptmerkmal totalitärer Regimes dar. Ein weiterer Schritt weg vom demokratischen Rechtsstaat hin zur diktatorischen Äpfelrepublik ist getan.
FABIAN SCHELLENBERG, BASEL

Pubertäre Exzesse.
Um Hirschhorn Kritiker als lächerliche Aufbauscher blosszustellen, berichtete der «Tages-Anzeiger», im CCS sei nicht wirklich gepisst und gekotzt worden. Als ob ein Mord auf der Bühne weniger ernst genommen würde, weil der Schauspieler nach der Vorstellung wieder vor den Vorhang tritt. Ich habe «Swiss-Swiss Democracy» nicht gesehen, aber 2001 die «Wirtschaftslandschaft Davos» eingehend betrachtet. In meinem beschränkten Banausentum sah ich aber nur ins Lächerliche aufgeblasene Militäraufstellungen aus dem Spielwarenladen, wie wir sie als Buben ähnlich, wenn auch viel bescheidener komponiert hatten. Der hohe Kunstwert und der tiefere Sinn dieser Bricolage ist mir entgangen. Herr Hirschhorn instrumentalisiert die direkte Demokratie, wie es ihm gerade in den Kram passt. Einerseits erhebt er Anspruch darauf, dass sie seine pubertären Exzesse finanziere, anderseits findet er sie zum Kotzen. Ich finde es absurd, einen Hund zu füttern, der einem mit der gewonnenen Kraft mit Bestimmtheit anfallen wird, auch wenn hier Pro-Helvetia-Chef Knüsel anderer Meinung ist. Der Sinn der Übung ist auch deshalb obskur, weil masslose Verzerrung und Provokation nicht zu Besinnung, sondern zur Verhärtung der Fronten führt. Nun wird die Knebelung der Kunst bejammert. Doch darum geht es eben nicht. Von mir aus sollte die Meinungsfreiheit noch viel liberaler ausgelegt werden. Wenn aber der Pro Helvetia die relevanten, auch durchaus kritischen Projekte ausgehen und sie deshalb solche und ähnliche Entgleisungen finanziert, ist es nur konsequent, ihre Mittel zu kürzen.
JOACHIM OSWALD, MAUR


09.12.200
«Einer souveränen politischen Haltung unwürdig»
Die Kulturszene äussert sich bestürzt über den Entscheid des Ständerats, der Pro Helvetia wegen der Pariser Hirschhorn-Schau den Kredit zu kürzen.
Von Barbara Basting
Die ersten, an Bundesrat Pascal Couchepin, den Ständerat und das Parlament adressierten Reaktionen auf den Ständeratsentscheid vom Dienstag, die in Kopie und zum Teil in Form von organisierten Mailprotesten auch der Redaktion des «Tages-Anzeigers» zugegangen sind, lassen darauf schliessen, dass die Kulturszene sich wegen des Budgetkürzungsbeschlusses in Wallung befindet. Tenor der zum Teil differenzierten Appelle: Man müsse nicht unbedingt das Werk von Thomas Hirschhorn und seine aktuelle Schau «Swiss-Swiss Democracy» positiv bewerten, um eine solch pauschale Abstrafungsaktion zu verurteilen. Denn sie treffe künftige, auch weit weniger provokative Kulturprojekte.
Die Konferenz Schweizer Kunstmuseen, der Dachverband aller wichtigen Kunstmuseen der Schweiz und Liechtensteins, schreibt folglich: «Ungeachtet der Beurteilung dieser Ausstellung bedauern die Schweizer Kunstmuseen diesen Beschluss, denn er hat zur Folge, dass unter anderem zahlreiche wichtige Vorhaben der Schweizer Kunstmuseen im kommenden Jahr nicht gefördert werden können. Damit werden Institutionen gestraft, deren Tätigkeit für den kulturellen Austausch innerhalb des Landes und für die kulturelle Ausstrahlung der Schweiz im Ausland unbestritten von grösster nationaler Bedeutung ist.»
«Von Unwissen genährte Arroganz»
Rainer Peikert, Präsident des Schweizerischen Kunstvereins, der Dachorganisation von 35 regionalen Kunstvereinen, kritisiert vor allem die peinliche, «von Unwissen genährte Arroganz» der vom Radio übertragenen Ständeratsdebatte und hofft auf eine rege Diskussion: «Endlich kommt Bewegung in die schweizerische Kunstpolitik. (. . .) Endlich aber auch erwachen die Kunst- und Kulturschaffenden und beginnen zu fühlen, woher heute der kulturpolitische Wind weht: Finanziert wird, was das Parlament für finanzierungswürdig hält, und dieses Parlament stützt sein Urteil auf Informationen aus der Boulevardpresse.» Peikert lädt «alle eidgenössischen Parlamentarierinnen und Parlamentarier ein, den kulturpolitischen Diskurs, der im Ständerat als Strafaktion begonnen hat, auf einem dem Thema angemessenen Niveau weiterzuführen».
Claudia Jolles, Chefredaktorin des für die Schweizer Kunstszene wichtigen «Kunstbulletins», zitiert in ihrem offenen Brief an Bundesrat Couchepin einen zum Schweizer Klassiker mutierten Unruhestifter: «Schon Friedrich Dürrenmatt hat gesagt: "Kunst und Staat sind in sich immer konträr, denn der Staat ist in seinem Wesen konservativ und werterhaltend, während Kultur immer subversiv ist. Aus dieser Warte ist die Reaktion auf die Ausstellung von Thomas Hirschhorn im CCS in Paris kurzsichtig und einer souveränen politischen Haltung unwürdig.»
Dürrenmatt und Frisch werden auch in den Mails, die Kulturschaffende aus der Romandie an Pascal Couchepin sowie die Chefredaktionen der grossen Zeitungen schicken, beschworen. Der Architekt David Pecoraro erinnert daran, dass Thomas Hirschhorn weder der Erste sei noch der Letzte sein werde, «der sich der herrschenden Macht gegenüber aufsässig zeigt. Frisch und Dürrenmatt haben ihm den Weg gebahnt.» Ausserdem sei es «die normale Rolle der Kunst, eine andere Sicht der Welt, eine kritische, antizipatorische Sicht» zu formulieren. Diese und andere Protestnoten aus der Romandie verurteilen das Vorgehen des Ständerats als «völlig übertrieben und verfassungswidrig».
Antiquierter Kunstbegriff
«Befremdet» zeigt sich auch der Verband der Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS) über den Budgetentscheid: «Mit Erstaunen stellen wir fest, dass sich der Ständerat auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts vom schlichten Motto "Wer zahlt, befiehlt leiten lässt und das Bild vom Künstler als Nestbeschmutzer wieder hochleben lässt. Wir hoffen, dass der Nationalrat mehr Augenmass beweist und eine kulturelle Debatte zum Thema Kunstfreiheit lancieren wird, die nicht geleitet ist von Bestrafungs- und Zensurgelüsten.»
Dass die Kürzung des Kredits für Pro Helvetia «deutliche Züge von Zensur» trage, moniert in einer Reaktion das Zürcher Theater am Neumarkt und weist darauf hin, dass gerade die kritische Diskussion von Hirschhorns[90] Grenzüberschreitung durch diese «Strafaktion des Ständerats» obsolet werde. Diese Diskussion könne erst wieder geführt werden, «wenn dieser Beschluss des Ständerats aufgehoben wird». Denn der Ständeratsbeschluss nötigt jene, die die Freiheit der Kunst verteidigen wollen, unter den derzeitigen Umständen fast dazu, automatisch auch Hirschhorn zu verteidigen.
Auch wird auf die international beachteten Früchte der Förderpolitik von Pro Helvetia hingewiesen: «Es steht ausser Zweifel, dass dem extrem hohen Niveau der Kunstproduktion hier zu Lande bisher eine in vieler Hinsicht auch vorbildliche Förderpolitik zu Grunde liegt», heisst es im Protestschreiben des Theaterhauses Gessnerallee an Bundesrat Couchepin.
Thomas Hirschhorn hat im Gespräch mit Radio DRS 1 am Mittwoch den Entscheid des Ständerats, das Budget der Pro Helvetia zu kürzen, scharf kritisiert. Skandalös sei nicht die Budgetkürzung selber, sondern deren Legitimation mit seiner Ausstellung. Ansonsten übernehme er die volle Verantwortung für Ausstellung und Theater, auch für allfällige Fehler, Mängel oder Billigkeiten. Sein Ziel sei es, einen Dialog mit dem Betrachter zu eröffnen.


09.12.2004
Leserforum
Kunst und Staatsmacht

Pro Helvetia soll für Hirschhorn-Ausstellung bestraft werden/Die Macht der Kolportage, TA von gestern
Was Herr Hirschhorn uns bietet, ist nichts anderes als Dreck - nicht einmal als Provokation wahrnehmbar. Hirschhorn will nicht mehr in der Schweiz ausstellen, solange Christoph Blocher Bundesrat ist: Hoffentlich bleibt Blocher noch lange Bundesrat - dann bleibt uns Hirschhorn erspart! Pro Helvetia gehört die staatliche Unterstützung entzogen - Steuergelder verdienen besseren Einsatz!
RUDOLF L. MERZ, BIRCHWIL


Ich kotze nicht in Wahlurnen, und auf eine Bundesratsfoto habe ich auch noch nie gepisst. Nicht einmal so getan als ob. Über die Schweizer Demokratie denke ich aber immer wieder einmal nach. Im Basteln mit Karton und Klebeband bin ich aber noch nie ein H i r s c h gewesen. Deshalb erhalte ich aus dem Füll-h o r n von Pro Helvetia kein Geld. Ich bin halt kein Künstler - und schon gar kein richtig moderner. Aber dafür habe ich die Pubertät hinter mich gebracht.
G. VALLE, ZÜRICH


Und wer streicht den (Plakat- und Inserat-)Künstlern der SVP 1 Million für ihre beleidigenden Werke?
CHRISTOPH BOHN, ZÜRICH


Die Demokratie in Frage stellen, erst noch mit Steuergeld, inakzeptabel! Einzige Lösung: Kürzung der Gelder. Und wo geschieht dies? In Kuba? In China? In Nordkorea? Nein, im Epizentrum der (halb)direkten Demokratie, in der Schweiz: Vater Staat zensuriert die ihm nicht genehme Haltung, verbietet eine Diskussion über Sinn und Zweck einer Staatsform, die in einer globalisierten Welt immer stärker unter Druck kommt, und lanciert gleichzeitig die Debatte über Kultur und ihre Funktion.
DURI BEER, ZÜRICH


Unter dem Deckmantel «Kunst» ist leider alles erlaubt. In Bern hat es anscheinend immer noch zu viel Geld. Pro Helvetia kann man sofort ohne Wenn und Aber eliminieren.
EMIL BERNER, ILLNAU


Es geht doch nicht um Kunst oder künstlerische Freiheit; Hirschhorn will einfach um jeden Preis auffallen und Berühmtheit erlangen. Wer sich ernsthaft mit der Schweiz auseinander setzen will, hat es nicht nötig, obszöne Absurditäten auszustellen, und dann noch unter dem Deckmantel von Pro Helvetia.
ANDRÉ GERBER, BERN


Mon dieu, mon dieu, ist die Schweiz doch frigide in Sachen Kunst! Wo bleibt denn die liberté d'expression, die jedem Künstler zusteht, und sei er Koch, Sänger, Maler oder Tänzer? Muss denn alles 27-mal zensuriert sein, bevor le peuple ein Werk zu sehen bekommt? Lasst kritische Künstler werken, und seien wir froh um Sponsoren wie Pro Helvetia, ansonsten notre quotidien noch grauer wird!
YVE DELAQUIS UND ALAIN MULLER, ZÜRICH


Wenn Fäkalpseudokünstler Hirschhorn so arrogant zuschlägt, darf er nicht erstaunt sein, wenn ihm die Steuerzahler sein Horn abreissen.
PETER RÜSCH, DULLIKEN


Man stelle sich vor, der so genannte Künstler hätte ein Bild von Micheline Calmy-Rey bepinkeln lassen. Die ganze Presse hätte sich wie Habichte auf den Nestbeschmutzer gestürzt. Offenbar ist die Linke bereit, als Kunst und Comic alles durchgehen zu lassen, auch wenn es aus der untersten Schublade kommt. Die heilige Kuh Kunst steht über allem. Und wir Steuerzahler dürfen noch an solche Absurditäten bezahlen.
ROMAN BONT, OBERGLATT


Ein grosses Bravo dem Ständerat. Thomas Hirschhorn hat bei seiner Ausstellung in Paris massiv übertrieben. Solche Werke kann und darf man nicht als Kunst bezeichnen. Die Kürzung des Pro-Helvetia-Budgets durch den Ständerat ist mehr als gerechtfertig, weil Hirschhorn und auch viele andere Künstler nicht einsichtig sind!
RICHARD SOMMERHALDER, AARBURG


Ist jede Art von «Kunst» über jede Kritik erhaben? Mitnichten! Schon gar nicht, wenn sie mit unseren Steuern finanziert wird! Hirschhorns[90] geschmacklosem Auftritt ist es zu verdanken, wenn nun andere wirklich förderungswürdige Künstler und Projekte keine oder weniger Unterstützung erhalten. Kritik sollte bei sich selbst beginnen, auch bei so genannten Künstlern!
ROSEMARIE VÖLKLE, EGG


Wenn innenpolitische Themen provokativ aufgegriffen die Diskussion um unsere Demokratie anregen sollen, dann wäre es Anstand, solche Darstellungen dem hiesigen Stimmbürger vorzuführen und nicht dem Publikum im fernen Ausland.
WERNER STORZ, STÄFA


Ausgerechnet unseren selbst ernannten Moralaposteln, die sich nicht scheuen, anderen immer wieder ans Bein zu pinkeln, schwellen die Hälse und röten sich die Gesichter, wenn nun einmal jemand anderer ihnen (und das andeutungsweise notabene!) ans Bein pinkelt.
DOMINIQUE LA ROCHE, GATTIKON


09.12.2004
Beitrag zur Gegenwartskunst

Von Simone Meier
So, heute widmen wir uns mal der Staatskunst. Auch der Staatsliteratur. Heute ist es nämlich genau neun Wochen her, dass Elfriede Jelinek den Literaturnobelpreis erhalten hat, was ich noch immer absolut einen Grund zur Freude finde. Lustig aufgelegte Kulturguerilleros haben nun meine tägliche Kreis-4-Tramhaltestelle neben der Bäckeranlage mit einem Jelinek-Zitat verziert. Es heisst: «Doch zuverlässig findet der Mann unter sich sein Ejakulat.» Ich bin von Herzen froh, dass dem nicht wirklich so ist, wo käme die Stadtreinigung denn da hin mit all dem Ejakulat in unseren Strassen, glitschig wie Vaseline. Sehr, sehr gruusig wäre das. Nein, Frau Jelinek meint dies natürlich im übertragenen, metaphorischen, geschlechterlagenkritisch zugespitzten Sinn.
Frau Jelinek, die im richtigen Leben übrigens eine überaus herzliche und scheue Person ist, macht nämlich Kunst. Wie zum Beispiel auch Herr Hirschhorn. Und was für Frau Jelinek das Ejakulat ist, ist für Herrn Hirschhorn eben der Urin, der sich in Paris beinahe auf ein Foto von Herrn Blocher ergossen hätte. Kunst übersetzt nun mal gesellschaftliche Schieflagen in Bilder. Die Bilder und die Schieflagen kann, darf und soll man dann diskutieren. Man muss die Kunst dabei nicht gutheissen, sondern soll sie als Leitplanke im grossen Autorennen der Auseinandersetzungen und der Meinungsfreiheit verstehen.
Wer jetzt denkt, erst Leute wie Schlingensief, Jelinek und Hirschhorn seien so analfixierte Künstler und früher sei alles besser gewesen, der hat sich leider geschnitten. Weshalb ich Ihnen zur Erbauung ein Zitat des Schweizer Superstarstaatsliteraten Max Frisch aus «Homo Faber» servieren möchte. Es kommt mir nicht nur im Zusammenhang mit der Kunst-, sondern auch mit der Krematoriumsdebatte sehr entgegen. Voilà: «Feuer ist eine saubere Sache, Erde ist Schlamm nach einem einzigen Gewitter, Verwesung voller Keime, glitschig wie Vaseline, Tümpel im Morgenrot wie Tümpel von schmutzigem Monatsblut, Tümpel voller Molche, nichts als schwarze Köpfe mit zuckenden Schwänzchen wie ein Gewimmel von Spermatozoen, genau so - grauenhaft. Ich möchte kremiert werden!» Meine Worte.


08.12.2004

Thomas Hirschhorn bleibt gelassen
Der streitbare Künstler Thomas Hirschhorn fühlt sich nicht verantwortlich dafür, dass der Ständerat Pro Helvetia Gelder streicht. Gestern stellte er sich in Paris den Medien.
Von Astrid Mayer, Paris
Fest entschlossen sassen sie gestern inmitten des Karton-Labyrinths, in das Thomas Hirschhorn das Centre Culturel Suisse vorläufig verwandelt hat: der Künstler und seine Crew, gemeinsam mit dem Institutsleiter Michel Ritter. «Hier sitze ich, und hier werde ich die nächsten zwei Monate präsent sein», liess Thomas Hirschhorn wissen. An seiner Installation und am täglich aufgeführten Theaterstück soll der ganze Wirbel um Hirschhorn und die Pro Helvetia kein Jota ändern.
Der Provokateur, heftige Reaktionen auf seine Kunst gewöhnt, konnte eine gewisse Wut über die Entscheidung des Ständerats in Bern nicht unterdrücken: «Die Politiker, die diese Kürzung beschlossen haben, verkaufen das Volk für dumm.» Zu offensichtlich ist für ihn der Versuch, Kunst zu gängeln und zur Affirmation zu zwingen. Denn für Hirschhorn ist klar: «Die Pro Helvetia ist nicht dazu da, Werbung für die Schweiz zu machen.»
Aber eigentlich hatten ja zwei Szenen den grössten Anstoss erregt, die sich nicht Thomas Hirschhorn ausgedacht hatte: das andeutungsweise Pinkeln auf ein Bild des Bundesrats Christoph Blocher beziehungsweise das (ebenso angedeutete) Erbrechen über einer Wahlurne. Der Regisseur des Theaterstücks, Gwenaël Morin, sass mit auf dem Podium. Der Franzose zeigte sich relativ unbeeindruckt vom Wirbel um seine Inszenierung und erklärte, man habe mit den Schauspielern über die beanstandeten Szenen abgestimmt und beschlossen, sie so zu belassen. «Wir haben sie bewusst so gelassen, damit jeder kommen kann, um sie sich anzusehen und sich selbst eine Meinung zu bilden», sagte er. Er wies darauf hin, dass keiner der Schweizer Politiker, der sie als Anlass für Kritik und sogar Budgetkürzungen genommen habe, diese Szenen gesehen habe. Für den Regisseur wurden diese Steine des Anstosses lediglich durch Pressereaktionen überdimensioniert und dann politisch instrumentalisiert.
Bei aller Standfestigkeit räumte Thomas Hirschhorn ein: «Ich mache auch Fehler. Ich sündige sicher auch mal durch Unterlassung. Aber das kann doch nicht das Einzige sein, was wahrgenommen wird.» Der Künstler fühlt sich also keineswegs dafür mitverantwortlich, dass nun womöglich andere Künstler leiden, weil weniger Geld da ist, um sie zu fördern: «Ich habe kein schlechtes Gewissen», hält er fest.
Hirschhorn nimmt nichts zurück
Das Cover der Zeitschrift, die der Künstler für den gestrigen Anlass herausbrachte, das «Swiss-swiss democracy Journal», zieren wieder die Wappen der Schweizer Kantone, bluttriefend. Darunter Folterszenen aus dem Irak, in wappenähnlichen Rahmen. Thomas Hirschhorn nimmt wahrhaftig nichts zurück. Fordert aber auch den Leser mit philosophischen Texten zur Reflexion auf.
Michel Ritter, der dem seit Jahren in Paris lebenden Künstler freie Hand in seinem Kulturzentrum gelassen hat, gibt sich gelassen. Renommee und internationale Anerkennung Hirschhorns[90] rechtfertigen für ihn voll und ganz, dass er ihm ein Forum gegeben hat. Und vor allem hofft er auf eines: Der Nationalrat werde die Entscheidung des Ständerats noch revidieren.
Der aus einem anderen Anlass in Paris weilende Kulturminister Pascal Couchepin äusserte sich ebenfalls zur Sache: Die ständerätliche Sanktion sei «fehl am Platz», sagte er. Es sei nicht wünschenswert, dass das Parlament im Rahmen von derartigen Polemiken Budgetentscheidungen treffe. Er sei ein liberaler Bundesrat, Zensur müsse vermieden werden. Allerdings brauche es eine Grundsatzdiskussion, damit der Steuerzahler nicht den Eindruck erhalte, missbraucht zu werden.

08.12.2004
Die Macht der Kolportage
Von Barbara Basting
Man muss sich den Vorgang klar vor Augen führen, um seine Ungeheuerlichkeit zu ermessen: Ein Künstler eröffnet in einer Institution, die von der staatlich finanzierten Kulturförderungsstelle Pro Helvetia unterstützt wird, eine Ausstellung. In dieser befragt er mit ausgesprochen polemischen Mitteln den Zustand der Demokratie in der Schweiz. Die Boulevardpresse kolportiert, in dieser Schau werde auf das Porträt des Bundesrats Christoph Blocher uriniert und in eine Wahlurne erbrochen. Das stimmt zwar in dieser Weise nicht. Ist aber egal, weil es hier nicht ums Detail geht, sondern ums Ganze.
Denn keine zwei Tage nachdem die Sache publik geworden ist, entscheidet der Ständerat, die Pro Helvetia mit einer saftigen Budgetkürzung zu bestrafen. Eine deutliche Mehrheit von 24 Ständeräten, von denen wohl keiner die Kunst Thomas Hirschhorn kennt und von denen, wie man hört, keiner seine Ausstellung «Swiss-Swiss Democracy» persönlich besucht hat, fühlt sich allein auf Grund von ungenauen Medienberichten berechtigt, einen solch gravierenden Entscheid zu fällen. Gravierend ist er, weil es nicht einfach «nur» um 1 Million Franken geht, sondern um ein weitaus teureres, ja unbezahlbares Gut: nämlich die Freiheit der Kunst in diesem Land. Eine Freiheit, die für viele Kulturschaffende allerdings so selbstverständlich geworden ist, dass sie kaum noch bemerken, wie bedroht sie spätestens seit gestern ist.
Thomas Hirschhorn mag übertreiben. Aber als Künstler mit scharfem Sensorium, der intensiv über unsere Gesellschaft nachdenkt, warnt er auf seine Weise vor der Dekadenz der Demokratie. Eine demokratische Instanz bestätigt nun, traurige Ironie, dass er mit seinen Warnungen Recht hat: Die Demokratie in diesem Land erträgt es offenbar nicht mehr, dass ihre Exponenten mit der Schärfe kritisiert werden, die sie selber oft genug praktizieren. Die Demokratie schlägt zurück. Sie wird autoritär.
Thomas Hirschhorn hat mit der alten Frage nach der Freiheit der Kunst zugleich die noch viel dringendere Frage nach der Freiheit in der Demokratie gestellt. Die erste Antwort darauf ist denkbar niederschmetternd ausgefallen.

08.12.2004
Pro Helvetia soll für Hirschhorn-Ausstellung bestraft werden
Die Kulturwelt ist empört, und auch Bundesrat Couchepin übt Kritik. Grund: Der Ständerat will Pro Helvetia wegen der Hirschhorn-Ausstellung das Budget kürzen.
Von René Lenzin, Bern
Die Kontroverse um den Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn hatte gestern die kleine Kammer erreicht: Mit 24 zu 13 Stimmen unterstützten die Ständeräte den Antrag von Peter Bieri (CVP, ZG),der Kulturstiftung Pro Helvetia sei das Budget des kommenden Jahres um 1 Million Franken zu kürzen. Pro Helvetia zahlt 180 000 Franken an die umstrittene Hirschhorn-Ausstellung in Paris.
Es gelte, ein klares Zeichen gegen primitive und Menschen verachtende Machwerke unter dem Deckmantel der kulturellen Freiheit zu setzen, sagten verschiedene Votanten. Sie stören sich vor allem an einer Szene, in der ein Schauspieler andeutungsweise auf ein Bild von Christoph Blocher pinkelt.
Couchepin: Sanktion «fehl am Platz»
Vom Entscheid überrascht zeigte sich Bundesrat Pascal Couchepin. Die Sanktion sei «fehl am Platz». Sie treffe die Falschen. Bestraft würden Künstler, die nichts mit der Ausstellung zu tun hätten. Pro-Helvetia-Direktor Pius Knüsel betonte gegenüber dem «Tages-Anzeiger», «dass eine demokratische, liberale Kulturförderung auch einem Künstler wie Thomas Hirschhorn eine Plattform bieten muss». Gemäss Knüsel hätte die Kürzung gravierende Folgen für Pro Helvetia, denn «die Million ginge effektiv der Kultur verloren». Leute könne er nicht wieder entlassen, und der Betrieb der Kulturstiftung sei bereits auf ein Minimum reduziert worden.
Empört reagierten Kulturschaffende auf den Kürzungsentscheid. Pro Helvetia sei nicht dazu da, für die Schweiz Werbung zu machen, sondern «die Schweiz darzustellen», das heisse, «alle Seiten der Schweiz zu zeigen». Als Land werde man nur ernst genommen, wenn man selbstkritisch sei, sagte der Schriftsteller Adolf Muschg. Georg Kohler, Professor für politische Philosophie an der Universität Zürich, meinte, Behörden müssten den zu erwartenden populistischen Empörungswellen widerstehen können. Zu einer freien Gesellschaft und einer selbstbewussten Demokratie gehöre auch eine recht hohe Toleranz. «Im Zweifel sollte man sich für die Freiheit der Kunst entscheiden.»
Thomas Hirschhorn meinte zum Entscheid des Ständerates gestern in Paris: «Die Politiker, die diese Kürzung beschlossen haben, verkaufen das Volk für dumm.» Kommentar 5. Spalte


07.12.2004
Hirschhorn und der Exzess des Denkens
Thomas Hirschhorn Arbeit «Swiss-Swiss Democracy» im Centre Culturel Suisse in Paris ist eine wütende Polemik gegen das politische «Auslaufmodell» Schweiz.
Von Burkhard Meltzer
Mit blassrosa, hellblauem und gelbem Karton hat Thomas Hirschhorn die Räume und Gänge des Centre Culturel Suisse in Paris eingepackt. Die alten Farben der Innerschweizer Föderation bilden den Hintergrund für eine raumgreifende Installation, die in bekannter Hirschhorn-Ästhetik massenmediale Ereignisse zu einem Monument aus kopierten Presseberichten, Videoaufzeichnungen und Modellen zusammenbaut. Und natürlich spürt man auch im Centre Culturel wieder die unmittelbare Energie der Arbeit, das Publikum mit den Fragen nach Freiheit und Gerechtigkeit zu konfrontieren.
Die basisdemokratische Form sei ein idealisiertes Auslaufmodell der Demokratie, konstatiert der Künstler. Spätestens mit der Wahl Blochers in den Bundesrat habe das politische System der Schweiz versagt. Schon im Dezember 2003 reagierte Thomas Hirschhorn mit einem öffentlichen Statement, nicht mehr in der Schweiz auszustellen. Auf künstlerische Art einen Ausnahmezustand zu proklamieren, darum geht es letztlich in seinem gesamten Werk. Die demokratie- und schweizkritische Arbeit «Swiss-Swiss Democracy» positioniert er gezielt in einer von der Pro Helvetia geförderten Institution.
Braunes Paketband und Bauschaum halten die einzelnen Elemente der Installation zusammen. Fast fühlt man sich wie in einer Höhle, zurückgezogen von der Aussenwelt. Alle Aktionen der «Belagerung», wie Hirschhorn die Ausstellung nennt, finden in den Räumen der Installation statt. Täglich wird im Auditorium Schillers «Wilhelm Tell» aufgeführt, und der Philosoph Marcus Steinweg lädt zu Lesungen über Demokratie und Politik ein. Ein Textheft liefert täglich theoretische und politische Hintergründe zum Mitnehmen.
Auf der Bühne des Theaters dreht eine Modelleisenbahn in endloser Wiederholung ihre Runden durch braune Berge von Paketband. Filmaufnahmen verfolgen die Eisenbahn auf ihrer Reise durch die Schweiz. Die stark eingegrenzte Perspektive eines Tal- und Tunnelblickes scheint sich zu einer schieren Sehnsucht nach der Blindheit und der klaren Struktur der Tunnelröhre zuzuspitzen. Es muss leicht fallen, sich im Tunnel zu orientieren, gerade weil die Infrastruktur dem Individuum diese Aufgabe abnimmt. Überall hat Hirschhorn kopierte Tunnelpläne des Gotthards aufgehängt.
Tell-Mythos und Folterbilder
Gerade der Tell-Mythos erweist sich als ein Moment, den Thomas Hirschhorn mit globalen Konflikten und Problemen des gewaltsamen Widerstands verknüpft. Da tauchen Folterbilder aus Abu Ghraib in einer Collage auf, die Kantonswappen der Schweiz mit den schockierenden Szenen aus dem aktuellen Irak-Krieg verbindet. Der Nationalheld wird zur allgemeinen Identifikationsfigur jeden bewaffneten Widerstands. Hirschhorn bedient sich dabei offensichtlich der visuellen Propaganda. Er führt uns die etwaigen Konsequenzen einer Handlung vor Augen, die demokratisch legitimiert wurde. Es kann sein, dass eine Entscheidung zwar von einer Demokratie getragen wird, aber dennoch einem zweiten wichtigen Punkt des westeuropäischen Wertesystems widerspricht: den Menschenrechten. Auf der einen Seite regiert das Volk, auf der anderen müssten dessen Entscheidungen konform zu den Rechten sein, die allen Menschen zu gewähren sind. Hier genau verläuft die Grenze, an der basisdemokratische Prinzipien mit den Menschenrechten kollidieren. Wo nur Angehörige des eigenen Staates Grundrechte geniessen, kommt man wieder in der Bürgergesellschaft des 19. Jahrhunderts an. Angesichts von aktuellen Abstimmungsergebnissen in der Schweiz und den Forderungen, das Volk als einzigen Souverän des Staates entscheiden zu lassen, legt diese Arbeit den Finger in die Wunde des schweizerischen Systems. Führt man nämlich den Gedanken der basisdemokratischen Entscheidungen konsequent fort, existiert nur noch Bürgerrecht anstatt der Menschenrechte.
Thomas Hirschhorn führt uns die Perspektive eines verantwortungsbewussten Menschen vor, der auf Grund einer Fülle von öffentlich zugänglichen Informationen seine Thesen über die Situation der Gesellschaft ableitet. «Demagogie verhält sich zur Demokratie wie die Prostitution zur Liebe», ist eine von vielen Aussagen, die an Kartonwände gesprüht ist. Ein Konvolut aus Zeitungsartikeln, Pressebildern, Fernsehsendungen und amtlichen Informationsblättern wurde an die Wände geklebt. Die Schweiz in Europa, Beziehungen nach aussen und listenweise Abstimmungsergebnisse stehen dem interessierten Betrachter zum Studium zur Verfügung. Bewusst nutzt Hirschhorn die enorme Fläche, um einen umfassenden Kontext zu schaffen. Meldungen über die Schweiz mischen sich etwa mit Zeitungsberichten zur isolierten Situation Nordkoreas. Hirschhorn legt eine Fülle seiner Quellen offen und demonstriert die Logik der Meinungsbildung in einer medial geprägten Gesellschaft. Sogar drei Schweizer Fernsehsender werden live in die Bar der Installation übertragen.
Die aufgebahrte Demokratie
Aus dem Informationshaufen zieht Hirschhorn keine sachlichen Schlüsse, sondern artikuliert polemische Parolen über den gegenwärtigen Zustand der Demokratie. Der Grund für die wütende Polemik wird mit einem Wandspruch mitgeliefert: «Die Kunst ist die direkte Antithese zur Demokratie», lesen wir. Sie muss sich nicht nach der Meinung der Mehrheit richten. Der Massstab für eine Beurteilung der Hirschhorn-Polemik liegt in seinem künstlerischen Werk, nicht ausserhalb bei politischen Diskussionen.
Groteske Bin-Laden-Assoziation
In einzelnen Vitrinen ist die heilige Kuh der Demokratie aufgebahrt: das dreidimensionale Tortendiagramm als Bild der Abstimmungsergebnisse. Auch die Figur Christoph Blochers tummelt sich neben den überdimensionalen Abstimmungsdiagrammen auf Hirschhorns[90] Vitrinen-Bühne. Aber damit nicht genug; aus der Rubrik «bekannte Terroristen» ist das Konterfei Osama Bin Ladens mit dabei. Eine groteske Assoziation, die wunde und verwundbare Stellen der demokratischen Gesellschaftsordnung berührt. Die Mehrheitsentscheidung wirkt wie ein pathologischer Fall, der auf seine Todesursache hin untersucht wird.
Hirschhorns[90] Installation ist wie ein Angriff. Das Fundament der Arbeit ist jedoch nüchtern, es stützt sich auf ein riesiges Quellenarchiv. Die Parolen und Objekte strahlen eine polemisch-emotionale Energie aus, die jenseits rationaler Begründungen existiert. Der Künstler wird an dieser Stelle zum Fanatiker. Er überfordert sein Publikum gezielt mit Unmengen an Fakten, um uns danach Parolen gegen die Legitimation der Demokratie entgegenzuschleudern. Es geht hier nicht um Alternativen, sondern darum, über die scheinbar gegebenen Zustände der Gegenwart hinauszudenken. So erscheint es in den öffentlichen Diskussionen eine grundsätzliche Überzeugung zu geben, dass man über das westeuropäische Modell der Demokratie nicht verhandeln muss.
Für welche Idee tritt nun Thomas Hirschhorn ein? Dafür, dass wir uns zu Fragen von Gewalt, Freiheit und Gemeinschaft eine eigene Meinung bilden. Der Künstler wettert gegen den Konsens. Mit dem Durchbrechen gewohnter politischer Logik überschreitet Thomas Hirschhorn die Grenze zum Exzess der Gedanken. Er startet keine Bildungsinitiative, sondern stellt Forderungen an die Besucher.
Die visuellen Produkte der Massenmedien sind Grundlage seiner ästhetischen Analyse. Aus Theater und philosophischen Texten konstruiert Hirschhorn eine Werkstatt, in der durchaus neue Vorstellungen entstehen könnten. Wenn das Publikum es wagt.

07.12.2004
THOMAS HIRSCHHORN, KÜNSTLER
Keine Verwendung für Weichspüler und Kompromisse

Von Barbara Basting
Vor einer Woche lief die Nachricht über den Ticker, dass Thomas Hirschhorn den angesehenen, hoch dotierten Joseph-Beuys-Preis 2004 erhält. Kaum sieben Tage später sorgt er mit seiner Einzelausstellung im von der Pro Helvetia unterstützten Centre Culturel Suisse in Paris für Aufregung. Hat sich die Jury der Basler Beuys-Stiftung vergriffen, ist sie gar einem plumpen Provokateur auf den Leim gekrochen?
So einfach ist die Sache nicht. Thomas Hirschhorn, 1957 in Bern geboren, in Davos aufgewachsen und seit 1984 in Paris wohnhaft, gehört spätestens seit seinem viel diskutierten Beitrag zur letzten Documenta XI in Kassel 2002 zu den international bedeutendsten Künstlern, die in den 90er-Jahren an die Öffentlichkeit getreten sind. Hirschhorns jüngsten Projekten konnte man in der Tate Modern ebenso wie in der Schirn in Frankfurt oder im Palais de Tokyo in Paris begegnen. In der Schweiz war sein letzter grosser Auftritt die pfeffrige Installation «Wirtschaftslandschaft Davos» im Kunsthaus Zürich 2001, noch kurz vor dem 11. September. Das wegen des WEF zur Hochsicherheitszone aufgerüstete Davos geriet Hirschhorn zum Sinnbild für den Zustand einer im Zeitalter der Globalisierung immer stärker polarisierten, paranoiden Welt. Damals wurde ihm für sein Wirken der «Preis für Junge Schweizer Kunst» der Zürcher Kunstgesellschaft übergeben.
Mit dem so genannten «Bataille-Monument» für die Documenta XI in einer fast ausschliesslich von Türken bewohnten Kasseler Arbeitersiedlung demonstrierte er eindrücklich, wie ernst es ihm mit seinem Anspruch einer politisch reflektierten Kunst ist. Etwa, indem er bewusst - und nicht zum ersten Mal in seiner Laufbahn - seine Interventionen ausserhalb des Schonbezirks der Hochkunst-Institution ansiedelte. Er integrierte die von zeitgenössischer Kunst vermutlich ziemlich unbeleckten Siedlungsbewohner - darunter arbeitslose Jugendliche - zu fairen Löhnen als Mitwirkende in sein hunderttägiges Projekt: eine mehrteilige Hütten-Installation, die der Auseinandersetzung mit dem gesellschaftskritischen französischen Philosophen Georges Bataille gewidmet war. In typischer Hirschhorn-Manier war sie aus Pappkarton, kilometerweise braunem Klebeband und sonstigen ärmlichen Materialien zusammengebastelt. Ein Begegnungszentrum, ein Imbissstand, eine keineswegs nur elitäre Bibliothek, ein von den Bewohnern bespieltes Lokalradio gehörten dazu.
Das Gebastelte, Unperfekte, Sperrmüllmässige von Hirschhorn Ästhetik, das ihm schon den Titel «Höllenheimwerker» eintrug, sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Künstler vielleicht ein Feuer-, aber sicher kein Wirrkopf ist. Im Gegenteil, seine künstlerischen Diskussionsvorschläge erweisen sich, sofern man sie näher begutachtet, trotz ihrer scheinbaren Hemdsärmeligkeit von einer Präzision und Konsequenz, die den Rang des Künstlers bestätigen.
Hirschhorn erweist sich dabei immer wieder als Querdenker, der fast obsessiv anecken will und muss. Schon sein Kunst-am-Bau-Projekt für die Uni Irchel 1998, zeitlich begrenzte so genannte «Kunstkioske», stiess bei Universitätsleitung und manchen Professoren auf Unverständnis, vor allem wegen der ungewohnten Ästhetik. Hirschhorn war noch nie ein Gefälligkeits-Dienstleister. Er reizt die künstlerische Narrenfreiheit voll aus - und gehört damit heute zu einer raren, vielleicht sogar bedrohten Spezies.
«Ich habe diesen unbegreiflichen Willen zur Form, zur Gestaltung, und ich habe auch diesen anderen Willen, den Willen, nicht den Zustand zu akzeptieren, in dem ich lebe und mit mir die anderen», hat Hirschhorn einmal gesagt. Als Christoph Blocher zum Bundesrat gewählt wurde, bekundete Hirschhorn öffentlich, nicht mehr in der Schweiz auszustellen. Er war der einzige Künstler in der Schweiz, der so klar seine Befürchtungen vor einem politischen und kulturpolitischen Klimawandel formulierte, während andere leise vor sich hin grummelten.
Klar, Hirschhorn ist ein Extremist. Als solcher weiss er, dass erst die Übertreibung und die gezielte Provokation hervortreiben, was faul ist im Staate. Was er tut, ist sehr ernst gemeint und darf in Nachdenken ausarten. Ganz ohne Schluckbeschwerden geht so eine Kröte halt nicht runter.

07.12.2004
Theater um eine «Tell»-Aufführung
Für die Dauer der Ausstellung «Swiss-Swiss Democracy» findet im Centre Culturel Suisse, Paris, täglich um 19 Uhr eine Theateraufführung statt. Die französische Truppe um Gwanaël Morin interpretiert Schillers «Wilhelm Tell» in dem Theaterraum der Installation von Thomas Hirschhorn. Gestern war der Presse zu entnehmen, mit Schweizer Steuergeldern werde auf die Abstimmungsurne erbrochen und auf Bilder von Bundesrat Christoph Blocher uriniert. Tatsache ist jedoch, dass während des ganzen Stücks weder uriniert noch erbrochen wird. Einige Schauspieler inszenieren zwar mehrdeutige Bewegungen, verzichten jedoch bewusst auf die Besudelung demokratischer Insignien.
Nicht in den Chor der Ausstellungskritiker mochte gestern Kulturminister Pascal Couchepin einstimmen. Er habe die Ausstellung nicht gesehen, und könne daher nicht beurteilen, ob sie zu weit gehe, sagte Couchepin. So wie sie ihm geschildert worden sei, sei sie jedoch «viel differenzierter», als es nun dargestellt werde. Im Übrigen, so Couchepin weiter, «respektiere ich die Unabhängigkeit der Pro Helvetia». (TA)

07.12.2004
Kultur
«Die Pro Helvetia ist keine Zensurbehörde»
Es sei richtig gewesen, die Ausstellung von Thomas Hirschhorn zu unterstützen, sagt Pius Knüsel, Direktor der Kulturstiftung Pro Helvetia.
Mit Pius Knüsel sprach Philipp Mäder
In der Ausstellung von Thomas Hirschhorn ist der Eindruck entstanden, ein Schauspieler pinkle über das Foto von Christoph Blocher. Wie erklären Sie den Steuerzahlern, dass sie dies mit 180 000 Franken subventionieren?
Es geht hier nicht um Personen, sondern um politische Programme, für die sie stehen. Und Kunst muss manchmal provokativ sein. Diese Ausstellung bringt der Schweiz mehr Anerkennung als Schaden, weil sie Demokratie und Toleranz praktiziert. Das simulierte Pinkeln mag geschmacklos sein. Ich würde es nicht überbewerten.
Darf der Künstler die Hand beissen, die ihn füttert?
Er darf. Nur in einer Diktatur sind die Künstler auf Loblieder verpflichtet.
Ebenfalls für Verärgerung sorgt die Einladung, auf der ein Foto aus Abu Ghraib über Wappen der Urkantone steht. Läuteten bei Ihnen da nicht die Alarmglocken?
Doch. Aber wir wussten, dass Hirschhorn einen Paukenschlag vorbereitet. Und jetzt ist er eingetreten. Wir sind eher erstaunt, dass mit der SVP jene Partei so sensibel reagiert, die sonst gerne mit harten Bandagen auftritt.
Zweck der Pro Helvetia ist unter anderem, um «Verständnis für schweizerisches Gedanken- und Kulturgut» zu werben. Die Ausstellung macht das Gegenteil.
Falsch. Die Ausstellung stellt den Demokratiebegriff zur Diskussion. Sie fordert nicht die Abschaffung der Demokratie, sondern ein Nachdenken darüber. Wir sind keine Zensurbehörde. Wir haben Hirschhorn eingeladen, weil er eine grosse Stimme der Schweizer Kunst ist. Wir nehmen die in der Verfassung verankerte Kunstfreiheit ernst. Das ist Demokratie.
Was ist Ihre persönliche Meinung? Geht Hirschhorn zu weit?
Er bietet unnötige Angriffsfläche, indem er Christoph Blocher direkt angreift. Mit dem Foto von Abu Ghraib will er uns aber aufzeigen, was alles unter dem Begriff Demokratie gemacht wird; die Amerikaner sind im Namen der Demokratie in den Irak einmarschiert.
Sie distanzieren sich also nicht davon?
Ich respektiere die künstlerische Freiheit. Ich würde es allerdings sehr bedauern, wenn die Ausstellung ehrenrührig wäre in Bezug auf Christoph Blocher. Das müssten die Richter beurteilen. Eine öffentliche Person muss jedoch eine dicke Haut haben.
Pro Helvetia steht bereits unter Druck. Schaufelt sie sich nun ihr eigenes Grab?
Nein, der Druck wird Pro Helvetia stärker machen. Eine der Errungenschaften eines demokratischen Landes ist, dass es Kultur unabhängig davon fördert, wie sich diese zum eigenen Land stellt. Kritik gehört zu den essenziellen Funktionen von Kunst. Personen, die nun die Kulturförderung abschaffen wollen, disqualifizieren sich selbst als undemokratisch. Es muss auch Kunst geben, die uns schüttelt.
Wer trägt die Verantwortung für die Ausstellung in Paris?
Die zuständige Arbeitsgruppe des Stiftungsrates hat Hirschhorn im März eingeladen, eine Ausstellung zu machen. Zu diesem Zeitpunkt wusste niemand, was er genau zeigen wird. Aber jeder wusste, dass Hirschhorn ein Provokateur ist.
Haben Sie das Konzept im Voraus gesehen?
Direktor und Bundesrat haben bei der Auswahl der Künstler nichts zu sagen. Pro Helvetia ist eine autonome Stiftung, um politischen Druck auf künstlerische Entscheide zu verhindern.
Bundesrat Pascal Couchepin hat heftig reagiert, nachdem er in einem Film verhöhnt wurde. Fürchten Sie die Entlassung?
Ich bin vom Stiftungsrat und nicht vom Bundesrat angestellt. Und es wäre merkwürdig, wenn der Stiftungsrat den Direktor opfern würde für einen Entscheid, den er selbst gefällt hat.


07.12.2004

Hirschhorn-Ausstellung kontrovers
Paris. - Eine Ausstellung des Künstlers Thomas Hirschhorn im Centre Culturel Suisse in Paris sorgt für Aufregung: Unter anderem meldeten Radio DRS und «Blick», ein Schauspieler pinkle dabei auf ein Bild von Bundesrat Christoph Blocher und erbreche in eine Wahlurne. Brisant dabei ist, dass die Kulturstiftung Pro Helvetia die Schau mit 180 000 Franken unterstützt.
Hirschhorn selbst und seine Galeristin betonen jedoch, dass in der Ausstellung weder erbrochen noch uriniert werde. Die Schauspieler hätten lediglich Andeutungen gemacht. Entsprechend zurückhaltend reagierte Kulturminister Pascal Couchepin: Es sei kleinlich, über den Beitrag der Pro Helvetia an die Ausstellung zu streiten. Politiker «sollten nicht wie politische Kommissare über alle Details wachen», sagte Couchepin, der sich vor wenigen Monaten noch darüber empörte, dass ihn ein staatlich geförderter Film mit einem Wortspiel verhöhnte.
Pro-Helvetia-Direktor Pius Knüsel pocht auf das Recht der Künstler, die Hand zu beissen, die sie füttert: «Nur in einer Diktatur sind die Künstler auf Loblieder verpflichtet.» Die Kulturstiftung sei autonom, um so politischen Druck auf künstlerische Entscheide zu verhindern. (TA)

Hirschhorn in der Weltwoche

Unbenanntes Dokument 9.12.04
Zwischen Ödnis und Grand-Guignol
Von Daniel Binswanger
Thomas Hirschhorn zeigt in Paris seine Anti-Blocher-Schau «Swiss Swiss Democracy». Und serviert kein kritisches Festmahl, sondern nur ein dünnes Süppchen. Trotzdem kocht Bern und will eine Million Kunstfördermittel streichen.
Thomas Hirschhorn nicht zu mögen, ist nicht einfach. Weil er an einer Art Blues-Brothers-Syndrom leidet und sein unruhiger Blick immerfort zu sagen scheint: «I am on a mission.» Weil er seit zwanzig Jahren in Paris lebt und trotzdem einen Schweizer Akzent hat, den man mit dem Brotmesser abschneiden könnte. Weil er gerne von Hand lange Briefe mit vielen Ausrufezeichen schreibt, in denen gegenüber der französischen Grammatik sehr viel demokratische Freiheit waltet. Und weil er mit unglaublicher Kraft monumentale Installationen aus Pappe, Klebeband und anderen Billigmaterialien zusammenbastelt, über deren «unästhetischen» Amateurismus man sich mokieren mag, deren manischer Energie sich aber kaum jemand entziehen kann. Die Kunstwelt vergöttert Thomas Hirschhorn. Er ist ähnlich erfolgreich wie Pipilotti Rist, aber er gilt als avantgardistischer, wegweisender. Der New Yorker Kritikerpapst Benjamin Buchloh stellt ihn in eine Reihe mit Joseph Beuys. Den nach Beuys benannten Kunstpreis hat er grade eben gewonnen.
Im Ausland ist der Berner Künstler ein Star. Mit seiner umstrittenen Ausstellung «Swiss Swiss Democracy» hat er sich allfällige Sympathien der politischen Schweiz nun definitiv verscherzt. Doch nicht nur er. Auch die Kulturförderer von Pro Helvetia haben Bundesbern mächtig gegen sich aufgebracht. Der Ständerat hat eine Budgetdiskussion kurzerhand in eine Bussgeldzumessung umfunktioniert. Weil die Pro Helvetia Thomas Hirschhorns Show in Paris finanzierte, soll ihr nun zur Strafe eine Million gestrichen werden. Welche Eigenschaften auch immer man dem künstlerischen Werk von Thomas Hirschhorn zusprechen mag: Ausgewogenheit und Weitsicht gehören nicht dazu. Die Kleine Kammer stellt sich an, als wollte sie den Künstler in dieser Hinsicht noch unterbieten.
«Dieses Kulturzentrum ist besetzt»
Thomas Hirschhorn ist – hélas – ein politischer Künstler. Auch das gehört zu seiner «mission». Jetzt hält er mit «Swiss Swiss Democracy» das Pariser Pro-Helvetia-Institut Centre Culturel Suisse für zwei Monate «besetzt», wie er in martialischer Sprache verlauten lässt. Ziel der Übung: Widerstand gegen Bundesrat Blocher. Schon vor einem Jahr, kurz nach Blochers Wahl, hat Hirschhorn klar gemacht, dass für ihn die Stunde der gesinnungsethischen Mobilmachung geschlagen hat. «Ich werde nicht mehr in der Schweiz ausstellen», schrieb Hirschhorn mit gewohnter typografischer Emphase in dicken Lettern in einem Communiqué. Es gelte, den «schleichenden Faschismus» zu bekämpfen. Wie viele österreichische Kulturschaffende bei der Wahl von Haider in die Regierung wollte Hirschhorn das eigene Land boykottieren. Der helvetische Überzeugungstäter will es dabei einiges radikaler angehen als seine Wiener Vorbilder: Der Vorsatz soll sogar wirklich eingehalten werden.
Das hat der rastlose Künstler, der heute überall auf der Welt ausstellt und recht schmerzlos auf Schweizer Ausstellungsgelegenheiten verzichten kann, bisher tapfer und folgenlos getan. Erst jetzt, da Hirschhorn im Rahmen der Pro Helvetia seine Blocher-Gegnerschaft zwar weiterhin exterritorial, aber eben doch mit Schweizer Finanzierung austobt, wächst sich sein recht einsamer Résistance-Akt erfolgreich zum kulturpolitischen Skandal aus.
Die Rollen sind verteilt: SVP-Präsident Ueli Maurer stösst mit seinem grantigen «Es reicht» für einmal sogar bei Ex-FDP-Präsidentin Christiane Langenberger auf Verständnis und denkt noch einmal laut über die Abschaffung der Pro Helvetia nach. Derweil macht die Gegenseite um Pius Knüsel geschlossen Front zur Verteidigung von Meinungsfreiheit und künstlerischer Kreativität.
Es ist ja eines jeden Helvetiers Recht, sich in seinen patriotischen Gefühlen verletzt zu sehen. Doch es wäre hilfreich, wenn sich mal ein Volksvertreter in den TGV setzen würde, um vor Ort im Centre Culturel Suisse die Tatsachen zu prüfen. Man könnte dann leicht feststellen, dass die vielbeschworene Einladungskarte, die ein Folteropfer aus Abu Ghraib zeigt, an der ganzen Sache das Provokativste ist. Doch auch Kunstfreunde und Verteidiger der Meinungsfreiheit dürften nach einem Ausstellungsbesuch ziemlich ernüchtert sein. Hirschhorns Pariser Kunstshow vermag künstlerisch schlicht nicht zu überzeugen.
Besonders schlau hat es Pascal Couchepin gemacht. Er kam am Dienstag nach Paris, um ein Abkommen zur Filmproduktion zu unterzeichnen – und er hütete sich, dem Centre Culturel einen Besuch abzustatten. Als verantwortlicher Kulturminister hätte er ja Informationsbedarf verspüren können, doch an einer Pressekonferenz unterstrich er bestens gelaunt, er werde das liberale Prinzip der Meinungsfreiheit hochhalten und sich in innere Belange der Pro Helvetia unter keinen Umständen einmischen. Als am letzten Filmfestival von Locarno ein unflätiger Schweizer Film dem Kulturminister einiges Ungemach verursachte, zeigte er sich sehr viel autoritärer. Es geschieht halt nicht alle Tage, dass die Verteidigung der hohen Grundsätze liberaler Kulturpolitik so harmonisch mit den niedereren Bedürfnissen der bundesrätlichen Zwistigkeiten zusammenfällt.
Anstössig wie der «Music Star»
Um die tiefschürfendste Frage, an der dieser Tage die kulturelle Selbsteinschätzung der Schweiz zu hängen scheint, gleich vorab noch einmal zu klären: Der Urinstrahl, an dem sich das Lager der Patrioten und der Subversiven scheidet und der nach wiederholten Medienberichten auf ein bundesrätliches Konterfei gerichtet worden sein soll, hat niemals existiert. Es stimmt zwar, dass bei der Tell-Verulkung, die als theatralisches Nebenprogramm fester Bestandteil der Ausstellung ist, irgendwann mit einer grossen Blocher-Abbildung hantiert wird und dass irgendwann einer der Schauspieler wie ein Hund das Bein hebt und pantomimisch andeutet, auf das Bild zu pinkeln. Das ganze wirkt jedoch etwa so anstössig wie Chris von Rohrs Kommentare als «Music-Star»-Experte. Und etwa auch so geistreich.
Wer sich am Samstagabend unter das Pariser Vernissagen-Publikum gemischt hat, wäre niemals auf die Idee gekommen, dass der gutbesuchte Kunstevent einen voralpinen Föhnsturm der Entrüstung nach sich ziehen könnte. Michel Ritter, der Direktor des Centre Culturel Suisse, meinte beim Aperitif gemütlich, er habe schon einige politische Ausstellungen fern der Heimat und vollkommen unbeachtet über die Bühne gehen lassen und auch diesmal werde es nicht anders kommen. Selbst der Dauerprovokateur Thomas Hirschhorn war über die Medienlawine, die am Montag über ihn hereinbrach, nicht nur sehr erfreut, sondern auch völlig überrascht. Die beiden Komparsen sind zu ihrem Skandal gekommen wie die Jungfrau zum Kind: ein Mirakel.
Michel Ritter wäre auch wirklich ein Narr gewesen, wenn er es nicht ausgenutzt hätte, dass einer der international bekanntesten Schweizer Künstler seit Jahren in Paris lebt und bereit ist, aus politischem Engagement ohne persönliches Honorar eine Ausstellung auf die Beine zu stellen. Hirschhorns Name zieht. Wer in Paris mitreden will, muss wissen, wer gemeint ist, wenn von «Thomas» gesprochen wird. Und wer wirklich dazugehört, der spricht Thomas sogar à l’allemande aus, mit ausgesprochenem «s» am Ende. Nur wenigen Sterblichen ist es hier gegönnt, auf diese Weise ihre Herkunft respektiert zu sehen.
Ein ganz anderes Unkenntnisproblem kam mir während der Vernissage mindestens dreimal zu Ohren: «Mais qui est Christoph Blocher?» Die Pariser Anteilnahme an Schweizer Innenpolitik stösst recht schnell an Grenzen. Während Haider im öffentlichen Bewusstsein Frankreichs zum Schreckgespenst des Rechtspopulismus wurde, blieben Blocher solche Ehren erspart. Hirschhorn hat das nicht veranlasst, seine Gleichsetzung von Haider und Blocher noch einmal zu überdenken. Doch all diejenigen, die befürchten, es könnte Imageschaden für die Schweiz entstehen, dürfen sich trösten. Eine Hirschhorn-Ausstellung erhöht das Ansehen des Centre Culturel Suisse im Pariser Kulturbetrieb. Die endlose Blocher-Polemik wird aber garantiert auch zukünftig eine rein schweizerische Angelegenheit bleiben.
Allerdings legt das auch die Unsinnigkeit von Hirschhorns Protest-Verrenkungen an den Tag. Weshalb sollen die Franzosen, die sich darum wirklich nicht scheren, eine Schweizkritik vorgesetzt bekommen, während die Schweizer sich mit der Bundesratswahl offenbar so schwer versündigt haben, dass sie nicht einmal mehr Anspruch auf die herbe Segnung künstlerischer Belehrung haben? Und was für ein archaisches Staatsverständnis verleitet Hirschhorn dazu, Kulturinstitute auf schweizerischem Territorium mit seinem Bannstrahl zu belegen, aber nicht die Finanzmittel der Pro Helvetia?
Leere statt Feinsinn
Es ist ein bisschen müssig, darüber zu spekulieren. Konzeptuelle Stringenz war nie der hervortretendste Zug von Hirschhorns Schaffen. Es ist die überbordende Energie, der haltlose Assoziationsreichtum seiner Collagen und Patchwork-Werke, die seinen Installationen ihren Reiz verleihen. Umso erstaunlicher wird der Eindruck, den «Swiss Swiss Democracy» hinterlässt. Hier herrscht beklemmende Ödnis.
Mit Hirschhorns Demokratiekritik gibt es ein sehr einfaches Problem: Zu Blocher fällt ihm nichts ein. Zu den Schwierigkeiten, Grenzen und Gefahren der Demokratie im Allgemeinen und der direkten Demokratie im Besonderen ebenfalls nicht. Gibt es wirklich keine treffenderen «kritischen» Bilder zu Sinn und Unsinn der Schweizer Demokratie als das Folterfoto aus Abu Ghraib, das Hirschhorn auf der Vernissagen-Einladung abdruckte? Er scheint keine gefunden zu haben.
Schon häufiger hat Hirschhorn politische Themen beackert, indem er ein ausuferndes Papp-Environment kreierte, um es dann mit Collagen von Zeitungsausrissen, Kopien, Zitatfragmenten und Kribbeleien zu überziehen. In einer sehr inspirierten Ausstellung in der Galerie Chantal Crousel hat er beispielsweise letztes Jahr auf den Irakfeldzug reagiert und aus amerikanischen News-Magazinen, Alltagsobjekten, wie man sie auf Bildern von Plünderungsszenen zu sehen bekam, und Tonnen von Hardcore-Pornobildern eine sarkastische Vision dessen entworfen, was er als die gesichts- und geschichtslose Barbarei der heutigen Zeit empfindet. Die Wasserpfeifen, die er für diese Ausstellung aus amerikanischen Bierdosen zusammenbastelte, gehören zu den feinsinnigsten neodadaistischen Objekten, die ich kenne.
Doch von solch einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Kreuz der Demokratie fehlt in der Ausstellung des Centre Culturel Suisse fast jede Spur. An mehreren Orten baut Hirschhorn Modelleisenbahnen in Klebebandlandschaften auf. Doch die Minibahn als Bild für Schweizer Kleingeistigkeit und Enge ist nun wirklich eine eher abgelutschte Angelegenheit, umso mehr, als Hirschhorn 2001 für seine Ausstellung «Wirtschaftslandschaft Davos» im Zürcher Kunsthaus eine Modelllandschaft schuf, die furios und kompromisslos war. Im riesigen Ensemble des Centre Culturel wirken die vereinzelten Installationen verloren und nichtssagend. In einer Ecke läuft ein Video, auf dem aus der Lokführer-Perspektive eine Gebirgsstrecke gefilmt wird. An der Wand sind Baupläne des Gotthardtunnels zu sehen. Auf einem weiteren Schirm flackert eine Art Hooligan-Performance: Zwei junge Männer verprügeln sich hundsjämmerlich. Da und dort spinnt sich ein loser Assoziationsfaden. Doch man sitzt etwas hilflos auf den mit Klebeband abgedeckten Polstermöbeln herum. Es wird einfach ein zu dünnes Süppchen gereicht.
Gibt denn keiner Antwort?
Das Einzige, was Hirschhorn wirklich gelingt, ist die räumliche Gestaltung seines Karton-Universums. Wer das Centre Culturel in seinem Normalzustand kennt, glaubt, sich im Eingang geirrt zu haben. Hirschhorn und seine Assistenten haben alle Räume von Kopf bis Fuss mit mattfarbigen Pappelementen überzogen und durch künstliche Kartonwände neue Raumstrukturen geschaffen. Auch die zahllos an die Wand gekleisterten Presse-Ausrisse können jedoch keine Antwort geben, was sich in diesen beengenden Volumen nun ereignen soll.
Die lediglich Schweizer Zeitungen entstammenden Artikel liefern einen fast beliebigen Querschnitt durch die Medienthemen der letzten Jahre, und wer einen Schwerpunkt wie «Blocher», «Bundesratswahlen» oder Sonstiges herausfiltern will, muss dazu bereits grosse Anstrengungen unternehmen. Ein an dieser Stelle doch zu vermerkendes Detail: Die grosse Mehrzahl der Presse-Ausrisse stammt aus der Weltwoche. Hirschhorn mag Recht haben, wenn er behauptet, dass es ihm, trotz seiner Protesthaltung seit den Bundesratswahlen, nicht primär um die Wahl Blochers gehe. Die bange Frage ist nur: Worum geht es ihm dann? Sie wird wohl offen bleiben müssen.
Richtig ärgerlich wird «Swiss Swiss Democracy», wenn man sich auf das Rahmenprogramm einlässt. Thomas Hirschhorn hat ein gravierendes Outsourcing-Problem. Man kann dem Künstler hoch anrechnen, dass er Respekt hat vor der akademischen Philosophie und dass er die Zusammenarbeit sucht mit Theoretikern, doch leider scheint ihm der Gedanke, er könnte damit seine eigene Arbeit torpedieren, noch nie gekommen zu sein. So hält der noch sehr unbescholtene deutsche Nachwuchsphilosoph Marcus Steinweg an jedem Ausstellungstag im Centre Culturel einen Vortrag über die Philosophie der Demokratie. An der Vernissage trug er eines jener gefürchteten Referate vor, die selbst eine Versammlung abgebrühter Spezialisten sofort in die Flucht schlagen würden: ein superkomplexes Stück, mit vielen gedrechselten Derrida-Periphrasen und Deleuze-Verweisen, dem kein Mensch auf dieser Welt bei einem Vortrag folgen kann. Das tapfere Vernissage-Publikum verfiel schon nach etwa anderthalb Minuten in einen Zustand tiefer Narkolepsie. Das Exerzitium ging dann aber noch knapp eine Stunde weiter.
Und es kommt noch schlimmer. An jedem Ausstellungstag wird von dem Regisseur Gwe-naël Morin und seiner Theatertruppe auch die erwähnte Wilhelm-Tell-Farce aufgeführt. Gespielt wird in einer Squat-Version eines Bühnenraumes im Anna-Viebrock-Stil, was den Vorteil hat, dass die Schauspieler die Birkenstocksandalen gleich anbehalten können. Die Dramaturgie schwebt irgendwo zwischen Amateurstrassentheater und frontalem Grand-Guignol. Wahrscheinlich würden auch die Fünftklässler einer gutgeführten Montessori-Schule so etwas Ähnliches produzieren.
Die im Publikum zahlreich vertretene Altersgruppe zwischen drei und sechs Jahren fand es köstlich. Die Eltern strahlten den Nachwuchs an. Ich sehnte mich zum ersten Mal in meinem Leben nach Christoph Schlingensief. Nach einer menschenverachtenden Geschmacklosigkeit, einer wirklichen Entgleisung, einer echten Provokation. Asylanten in einem «Big-Brother»-Container. Vorbestrafte Skinheads in einer Hamletproduktion. Christoph Blocher mit einem Hitlerschnauz. Irgendetwas, was den SVP-Zorn beschwören, ein Mediengedonner auslösen, einen Skandal provozieren würde. Aber es gab kein Entrinnen: Da war nur helvetisches Kindertheater. Macht nichts. Den Skandal haben wir ja nun doch. Ein Mirakel.
Swiss Swiss Democracy. Centre Culturel Suisse in Paris.
Bis zum 30. Januar 2005


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Leserbriefe:
http://www.weltwoche.ch/forum/threads.asp?AssetID=9483


Kernkompetenzen  
von fujiwara  (verfasst am 09.12.2004 08:46:50 Uhr)
Vielleicht sollte ein Künstler einfach nicht versuchen, Politik zu machen, und die Politiker sollten nicht über Kunst befinden müssen. Ich lasse mir meinen Blinddarm ja auch nicht vom Gärtner rausoperieren, oder? Hätte man sich an diese einfache Gebot der Spezialisierung gehalten, wäre uns diese Peinlichkeit erspart geblieben ... Dass die "Installation" künstlerisch nicht viel hergibt, vermutet man ja schon anhand der Fernsehbilder, die zu sehen waren. Überrascht mich nicht, dass Besucher vor Ort zum selben Schluss kommen. Und wenn der Künstler angeblich nicht mal Honorar bezogen hat dafür, was bitteschön hat denn 180’000 Franken gekostet daran? Die schätzungsweise 100 Rollen Klebeband vielleicht? Paris muss ein teures Pflaster sein, ...


Woher der Irrglaube, Steuerzahler muesse Kultur finanzieren?  
von Sklaven-frei  (verfasst am 09.12.2004 12:10:43 Uhr)
Woher kommt dieser Irrglaube eigentlich?
Denn gute Kultur finanziert sich ja selbst - wie uebrigens alles andere gute auch -, der Steuerzahler finanziert logischerweise nur schlechte Kultur (inkl. Funktionaere).
Gibt es da wirklich noch einen, der ueberrascht sein koennte von der heutigen Dekadenz?

Entartete Kunst  
von stefan di Giovanni  (verfasst am 09.12.2004 12:45:15 Uhr)
Gerade Sie als Liberaler befürworten die Provinzposse des Ständerates ? Ausserdem ist es nun wirklich überflüssig zu diskutieren, was nun "gute" oder "schlechte" Kunst ist.
Staatskunst à la UdSSR kann nun wirklich nicht im Sinne eines liberalen Menschen sein. Wäre der Angepisste übrigens Moritz Leuenberger gewissen, wäre die "Blick"-Klientel (der empörte Bürger und Steuerzahler) wahrscheinlich nur halb so entrüstet gewesen, oder denken Sie nicht ?
Und noch zu den gestrichenen Steuergeldern: Werden Sie als Steuerzahler wegen diesem lächerlichen Milliönchen um nur einen Steuerfranken erlöst? Wahrlich nicht.
Unglaublich, da kann man schön publikumswirksam der Pro Helvetia Gelder streichen, während an anderen Orten die unglaublichste Verschwendung herrscht.


Tatsächlich lächerlich  
von Ginestra  (verfasst am 09.12.2004 13:08:58 Uhr)
Da hast Du recht, wie so oft. Man sollte die vollen 34 Mio. streichen und alle anderen Verschwendungen (Flugzeuge usw.) auch, bis wir einen ausgeglichenen Haushalt haben!


Fertige mischt  
von david2  (verfasst am 09.12.2004 12:52:27 Uhr)
"Gute Kultur finanziert sich selber" - Selten so gelacht, bzw. eben selten so nicht gelacht.
Kultur hat sich noch nie selber finanziert, nicht zu Zeiten der klerikalen Macht, nicht zu Zeiten des Feudalismus, und schon gar nicht zu Zeiten des moral- und kulturlosen Kapitalismus. Die einzige Kultur, die heutzutage gut läuft (und wie geschmiert finanziert wird) ist die Massenware (BigBrother, Retortenpop etc.), sowie alles, was sich im breiten Fundus bereits existierender Kultur mehr oder weniger frei und kostenlos bedienen kann - die Kultur des Plagiats.
"Gute" Kultur - so streitbar schon der Begriff an sich ist - hat es heutzutage so schwer wie immer schon, und ohne aktive Förderung - von wem auch immer - hat sie schlicht keine Chance. Ob privat geförderte Kultur (und nicht etwa versteigerte und dann weggeschlossene Kunstwerke alter Meister) auch nur einen Hauch besser wäre als die öffentlich geförderte, misst sich am besten am status quo, am Unterschied zwischen öffentlich und privat geförderter Kultur (Britney Spears ist beispielsweise privatgefördert, DJ Bobo auch, und viele andere ebenso...)


Wie die Innenstädte sich entwickeln, wenn die Kulturförderung gestrichen wird  von zarathustra  (verfasst am 09.12.2004 13:26:39 Uhr)
...könnt Ihr am Beispiel Detroit als abschreckendes Exempel selbst studieren.
Würde Paris solche Idiotie nachäffen, würde sich kein Tourist mehr dorthin verirren.
Haben die Anti-Staatsfetischisten eigentlich irgend einen blassen Schimmer, um was für Zahlen es da beispielsweise in Paris geht ?


Was sagt der FDP-Christus ?  
von zarathustra  (Heute verfasst um 08:33:06 Uhr)
"""Kultur ist ein ähnliches "Phänomen" wie die "Ästhetik": Die zu erfüllenden Bedingungen, um "kultur" oder eben "ästhetisch" zu sein sind denkbar simpel: Sie brauchen nur ein Bestandteil der Gesellschaft zu sein, und haben prinzipiell keinerlei Qualitätsansprüchen zu genügen."""
Salue C., Du bist doch Experte auf dem Gebiet der Aesthetik, welcher Du, die Evolution betreffend, bekanntlich mehr Bedeutung zumisst als der Ethik. Siehst Du das auch so wie von David formuliert ?


"FDP-Christus" zu Kultur und Ästhetik...  
von Christoph Zehntner  (Heute verfasst um 11:11:37 Uhr)
in kürze:
Unter Kultur verstehe ich die GESAMTHEIT der geistigen und künstlerischen Lebensäusserungen einer Gemeinschaft (z. B. Nation).
Zur Ästhetik
Im allgemeinen:
Ästhetische Aktivität ist wesentlich die Formierung der Welt nach den Gesetzen der Schönheit.
Das heisst konkret :
Schönheit findet sich für mich als Philosoph in liberaler-jüdischer Tradition in allen Bürgerrechten, wie wir sie hier in der Schweiz in geradezu vorbildlicher Art und Weise verwirklicht finden. -
(Soweit sie als solche tatsächlich noch gegeben sind, bzw. so weit ihnen in Praxis tatsächlich auch nachgelebt wird.)
In meinem Heimatkanton Basel-Landschaft, - ich bin nicht nur Jude; ich bin auch Schweizer, Bürger von Reigoldswil, Baselland, - musste ich vor einigen Jahren diesbezügliche Defizite feststellen.
Als Philosoph und Künstler sehe ich mich dadurch gefordert. Durch das, was ich als Missstand wahrnehme, als Rechtsverluderung, als Hässlichkeit.
Ich betone: Was mich fordert, ist keine Sache der Ethik, d. h. der Sittlichkeit und Moral, ist vielmehr eine Sache der Ästhetik.
(Die Moral, das Überlieferte, die Konvention, - das sind Synonyme: Moral und Konvention, - ist oft, nicht immer aber oft - „auf einem Auge blind“, zeigt sich so „mit erhobenem Finger“: „Das tut man nicht!“, wo rechtlich nichts gegen eine Handlung spricht. Die Moral wird so - in einem anderen Bild - zu „einer Hure des Zeitgeistes und der Moden“, oder zur „Steigbügelhalterin“ von „Willkürherrschaft“; sie fördert totalitaristische Tendenzen.)
Ganz anders die Schönheit, sie beinhaltet ewige Werte, wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit / Geschwisterlichkeit.
Sie steht aber auch hier bei uns, in der Schweiz, immer wieder auf dem Prüfstand.
Ich, als Philosoph und Künstler, prüfe in meiner Ästhetik, - mittels meiner ästhetischen Aktivität - explizit, was selbstredend nie selbstverständlich sein wird: MENSCHLICHE LEBEWELT NACH DEN GESETZEN DER SCHÖNHEIT.
Zur Zeit mit meiner Performance CONTRA HELVETIA.


"Denn gute Kultur finanziert sich ja selbst"
von pippi  (verfasst am 09.12.2004 13:37:54 Uhr)
Finanziert sich das Landesmuseum in Zürich selber? Wohl kaum.
Finanziert sich die Landesbibliothek selber ? Wohl kaum.
Finanziert sich das schweizerische Literaturarchiv selber ? Wohl kaum.
Finanziert sich das Schweizer Fernsehen selber ? Wohl kaum.
Finanziert sich das Forum für Schweizer Geschichte in Schwyz selber ? Wohl kaum.
Alles andere Gute finanziert sich selber ????
Die Rüstungsindustrie finanziert sich SEHR gut selber.
Die Drogenmaffia finanziert sich SEHR gut selber.
Die Ölindustrie finanziert sich SEHR gut selber.
Die Pharmaindustrie finanziert sich SEHR gut selber.
Der Zigarettenschmuggel finanziert sich SEHR gut selber.


In welcher Welt leben Sie, lieber Slavenfrei ??

Hans-Ulrich Gerber ist Präsident von CONTRA HELVETIA  
von Christoph Zehntner  (verfasst am 09.12.2004 13:07:32 Uhr)
Ich darf darüber informieren - u. a. auch im Zusammenhang mit dem Ständeratstheater gegen die PRO HELVETIA , das Thomas Hirschhorns Kunst ausgelöst habe - dass wir inzwischen CONTRA HELVETIA gegründet haben.
Zum Präsidenten von CONTRA HELVETIA wurde einstimmig Hans-Ulrich Gerber gewählt, ein Mann, der massgeblich dafür verantwortlich ist, dass es CONTRA HELVETIA gibt. Herr Gerber ist Gerichtspräsident im Gerichtskreis VIII Bern-Laupen und
hat auch in seiner Rolle als Obergerichtssupplenant in Wort und Tat sehr viel für die Kunst getan. Erst kürzlich wieder.
Der langen Rede kurzer Sinn:
Sollte es einmal PRO HELVETIA nicht mehr geben, wird CONTRA HELVETIA dafür sorgen, dass auch in der Schweiz weiterhin Kunst gefördert wird.
Hans-Ulrich Gerber sei Dank!
CHRISTUS, Mitinitiant von CONTRA HELVETIA
(bitte nicht mit CHRISTO verwechseln! Ich packe aus, wo jener lieber einpackt. C.)


Fassungslos ! ! !  
von Geissepeter  (verfasst am 09.12.2004 13:46:10 Uhr)
Kultur in Zentraleuropa ist doch alles was ich sehe, höre, fühle, esse und so weiter und so fort. Meine private Kultur besteht ja darin, jedem in diesem Forum ungeniert ans Bein zu schiffen. Das erst noch ohne jede Rücksicht auf Rechtschreiberegeln.
Vor dem Internetzeitalter hätte ich es auf keine Leserbriefseite geschafft. Dank der Weltwoche weiss ich das Hirschhorn viele Ausrufzeichen verwendet, also schmink ich mir die subito ab. Würden sie etwas taugen hätte Pippi sie mir längst nachgemacht.
Für mich ist die Entdeckung der Schweinefotos auf Kesslers Internetseite, das kulturelle Ereignis der Saison,LEBEN SCHWEINE IN DER SCHWEIZ HEUTE NOCH SO ?


@ geissepeter: pro breiten Kulturbegriff  

von pippi  (verfasst am 09.12.2004 13:53:31 Uhr)
Du darfst mich auch nachmachen, lieber geissepeter. Falls ich denn überhaupt je etwas gescheites "brünzle"...Ein paar deiner Wortkreationen sind einfach genial...
Und zu deinem Kulturverständnis :
"Kultur ist doch alles was ich sehe, höre, fühle, esse und so weiter"
Ist auch genial !!!


FRAGE zum Pro Helvetia-Gesetz  
von nebukadnezar  (verfasst am 09.12.2004 14:27:47 Uhr)
"Das Pro Helvetia-Gesetz vom 17.12.1965 erteilt der Stiftung folgenden Auftrag:
Erhaltung und Wahrung der kulturellen Eigenart des Landes.
Förderung des kulturellen Schaffens, gestützt auf die Verhältnisse in den Kantonen wie in den Sprachgebieten und Kulturkreisen.
Förderung des Kulturaustauschs zwischen den Sprachgebieten und Kulturkreisen in der Schweiz.
Pflege der kulturellen Beziehungen mit dem Ausland."
unter welchen dieser aufträge fällt die eröffnung eines pissoirs in paris?

@nebukadnezar  
von Christoph Zehntner  (verfasst am 09.12.2004 14:56:18 Uhr)
Was für eine Frage, nebukadnezar! Was für eine Frage!
Natürlich fällt die Eröffnung eines Pissoirs in Paris unter den letztgenannten der Aufträge.
Wir Schweizer liefern Pissoirs nach Paris, wie auch ganz anderes: Schokolade, Alphörner, Fengshuisteine, Heidibücher, Emmentaler usw., dafür schicken die Franzosen uns Pariser.
Und unter Verwendung von diesen vögeln dann Schweizer Brasilianerinnen, Russinnen, Philipinas usw. usw.
Und all solches, nebukadnezar, nennen wir Pflege der kulturellen Beziehungen mit dem Ausland. Klar?
Mit PRO HELVETIA hat es allerdings überhaupt nichts zu tun.
Ich verstehe Ihre Frage nicht. Und ich vermute, dass ich mit meinem Unverständnis nicht alleine stehe.


Dank Blick und Deinen Beiträgen
von Geissepeter  (verfasst am 09.12.2004 15:09:08 Uhr)
las ich WeWo- Hirschhornreport, merke, diesen Hirschhorn müsste ich mir tatsächlich ansehen. Emu weni ono überne wet afa quake !
Also werde ich mich hüten auch noch meinen Senf zu Hirschhorn zu sagen.
Aber, die müde Million die der Ständerat als Busse verhängt, dürfte in einer zünftigen langfristigen Erhöhung des Kulturbuget enden. Die Politiker werden sich noch mal reuig sein, diese Diskussion aufgeblasen zu haben.
Enttäuscht hat mich der Couchpin, an seiner Stelle hätte ich die Austellung gründlich angeschaut. Dann eine Gitanes Papier Mais ohne Filter angezündet und vermutlich wie ein Verrückter gelacht.
Politiker sind alles Langweiler, c’est tout


mio. busse

von nebukadnezar  (verfasst am 09.12.2004 15:27:43 Uhr)
natürlich ist die aktion des ständerats absoluter blödsinn.
dafür hat er sich den aufwand gespart, die längst überfällige überprüfung von auftrag und leistung von "pro" helvetia durchzuführen.
P.S.:
kenne viele talentierte jugendliche, die ihre musikinstrumente und auftritte mit dem knappen sackgeld finanzieren. offenbar fällt jugendmusik in der schweiz nicht unter den auftrag von pro helvetia, die offenbar 1/3 der staatsgelder gleich selbst konsumiert.

Hirschhorn zum Zweiten  
von luchsinger  (verfasst am 09.12.2004 15:31:14 Uhr)
Meine Stellungnahme zu HH im letzen Forum, gestützt auf Fernsehen DRS und ein ca 25 minütiges Interwiev DRS 1 mit HH:
neu:
Medien: Kultursendung des 3-Sat !!
NZZ vom 9.12.2005 !!
WW aktuell !!
Tages-Anzeiger: Wie immer politisch korrekt, betroffen und nicht fähig zu einem Urteil
Es gibt nichts mehr beizufügen.
Hirschorn sieht nicht nur aus wie ein Elch, er spricht wie ein Elch und seine "Kunst" ist eine "Elch - Kunst". Sein Publikum sind "Kultur - Elche", die von Demokratie und von Kunst gerade soviel verstehen, wie man von "Elchen" eben erwarten kann.
Euer Alt-Ehren-Klo-Editor und (-) Beisserchen


Halleluja, Weihnachten ist gerettet !  

von Geissepeter  (verfasst am 09.12.2004 17:01:40 Uhr)
Die CVP will von Pro Helvetia 1 Million Franken um die unbefleckte Empfängnis zu Feiern. Ein Denkmal für die schwarzen Heuchler. Jetzt wirds langsam lustig. Um Schweiz Tourismus bekannt zu machen, hat man in Bern 200 mio aus dem Fenster geworfen - Pro Helvetia schafft das locker gratis.

Wie der Walti.....  
von Kegelbruder  (verfasst am 09.12.2004 19:26:36 Uhr)
Was ich immer nur vermutet habe, hat sich bestätigt. Diese Ständeratsköpfe benehmen sich und handeln nicht intelligenter als der Walti in unserem Kegelclub. Ihr solltet mal hören was der alles sparen und abschaffen würde, wenn er denn könnte.
Also das passiert meistens dann, wenn er, wie üblich, einen über den Durst getrunken hat. Die schwarzen Heuchler im Ständerat brauchen um ihre Blödheit umzusetzen nicht mal erhöhte Promille.


Aus der NZZ  
von Mark  (verfasst am 09.12.2004 20:54:40 Uhr)
http://www.nzz.ch/2004/12/09/fe/page-articleA1RQZ.html
Man fragt sich tatsächlich, ob der Staat nicht Geld für Gescheiteres ausgeben könnte.
Aber was soll man dem selbsternannten Künstler vorwerfen: Er tut nur das, was rechte und linke Politiker schon lange tun, nämlich Provokation anstatt Gehalt zu liefern. (Die Moralisten - diesmal ausnahmsweise auf der rechten Seite des politischen Spektrums - schiessen das Eigentor noch so gerne.) Das steigert bekanntlich die Wähleranteile resp. den Marktwert des dauerpubertierenden "Künstlers", da er sich dann als Märtyrer aufspielen ja sogar auf die künstlerische Freiheit berufen kann (als ob es ein Recht gäbe, jeden Gugus von der Allgemeinheit bezahlen lassen zu können).


Freiheit des Künstlers  

von Dolores  (verfasst am 09.12.2004 23:08:17 Uhr)
Kunst hat sich durch die gesamte Geschichte hindurch selten selbst finanziert und war und ist auf materielle und ideelle Unterstützung angewiesen. Über den direkten und unmittelbaren Nutzen von Kunst für den Einzelnen kann sich streiten, doch unbestritten ist der gesellschaftliche Nutzen. Ich wage zu behaupten, dass eine Gesellschaft, die glaubt, auf Kunst verzichten zu können, kläglich untergehen würde. Wieviel künstlerisches Schaffen sich eine Gesellschaft leisten will, ist eine Grundsatzentscheidung. Diese darf nicht bei jedem etwas unangenehmeren Einzelwerk in Frage gestellt werden. Die Freiheit des Künstlers ist ein Gut, das ähnlich verteidigt gehört wie die Meinungsfreiheit. Ein Beispiel: So schlecht ich die Kunst eines Theo van Gogh und so anstössig ich seine antisemitischen Äusserungen fand, so sehr wäre ich dafür eingestanden, dass auch diese Kunst ihren Platz bekommt. Und so sehr verurteile ich den Mord an ihm. Hirschhorn darf sich auf dieselbe Freiheit beziehen. Damit ist noch nichts darüber gesagt, ob ich seine Kunst gut oder schlecht finde. Nun zu Hirschhorns aktueller Ausstellung: Ich stütze mich auf TV-Beiträge, da ich die Ausstellung nicht gesehen habe. Was genau macht er eigentlich, das so anstössig wirkt? Er lässt auf Christoph Blocher pissen? Falsch! Er lässt auf ein Portrait Blochers pissen? Auch falsch. Tatsächlich hat Hirschhorn einen Schauspieler engagiert, der vor einem Blocher-Bild das Bein hebt, als würde er pinkeln. Das heisst: Niemand wird angepinkelt, nicht einmal ein Bild!!¨Es wird nur die entsprechende Vorstellung geweckt. Das ist ein riesigier Unterschied. Und interessant ist doch, dass offenbar allein die Vorstellung, also Frage, was wäre, wenn einer öffentlich auf ein Foto von Blocher urinieren würde, die Emotionen so hochkochen lässt. Und vor allem bei vielen zur Verkürzung führt: Hirschhorn pisst auf Blocher.
Es grüsst euch Dolores.


Freiheit des Künstlers oder Freiheit der Kunstkritik ?  
von luchsinger  (Heute verfasst um 00:23:04 Uhr)
Liebe Dolo
Du hast wahrscheinlich meine beiden Beiträge ganz zum Schluss des letzten Forums nicht mehr gelesen.
Fazit war, das es mir völlig wurst ist, wer auf wen virtuell oder theaterrealistisch (gefärbtes Wasser) pinkelt. Ob das, was HH macht, eine Verletzung der Persönlichkeit von CB ist (ZGB 28), wage ich zu bezweifeln, Blocher wird nicht im Traume daran denken, zu klagen. Auch strafrechtlich relevant wird das "Theäterchen" kaum sein, das hat bisher auch niemand behauptet.
Weiteres Fazit war, dass ich als unabhängige und urteilsfähige Privatperson (nicht ex cathedra bzw. hoheitlich hinter den Schranken) behauptet (von:Haupt: mit der Uebersicht des erhobenen Hauptes und des Verstandes) - also behauptet habe, nur Banausen seien nicht fähig, zur Kunst im Allgemeinen und zu HH im speziellen kein Urteil abgeben zu können.
Es geht nicht um die Freiheit der Kunst (BV 21), es geht um die Kunst an sich, um den lächerlichen Beitrag des Elches Hirschhorn, und es geht auch um die Bundesverfassung Art. 69: Kultur:
Meines Wissens war das Gesetz "Pro Helvetia" in den 60zigerjahren verfassungswidrig, der Bund hat in seiner Geberlaune damals einfach Gelder ausgeschüttet, obwohl die Förderung der Kultur an sich damals wie im Grundsatz heute noch eine Angelegenheit der Kantone war bzw. ist.
Nach BV 69 Ziff. 2 kann (muss nicht !!) der Bund "kulturelle Bestrebungen von gesamtschweizerischen Interesse unterstützen (...).
Nun denkt alle einfach einmal ein bisschen nach und denkt auch an die Budgethoheit des Parlamentes. Persönlich wünsche ich die Pro Helvetia schon lange ins Pfefferland, ich kenne Institutionen, die viel weniger bürokratisch Kunst und Kultur fördern. Biseln und Onanieren, meinetwegen, ist mir wurst, es gibt nicht nur die Freiheit der Kunst, es gibt - was immer vergessen geht, auch die Freiheit der Kunstkritik und es gibt auch die Freiheit, sich nicht jeden Schmarren ansehen zu müssen und es gibt auch die Freiheit des Parlamentes, nicht jeden Schmarren unterstützen zu müssen.
wie immer mit Faktenkenntnissen und Biss
dein (-) Beisserchen !!


MON COLONEL
von Geissepeter  (Heute verfasst um 01:14:59 Uhr)
signor professore
lieber 100 Millionen für die Kunst, als 1 Milliarde fürs Militär !
Was macht Dein Buchprojekt, ist es wenigstens verfassungstreu,sonst wollen sie es dann nicht in der Brockenstube. Wenn Du es mit den selben Ausdrücken spickst, die Du für denkende Nationalrätinnen brauchst, nimmt es der Hirschhorn es für seine Collagen.
Wo waren eigentlich die schlauen Cheiben von der HSG, als SWISSAIR , ASCOM, ABB und Co in die Scheisse fuhren ?
Oder ist Kunstkritik etwa die einzige Kernkompetenz der HSGler ?


@ Uebermensch  
von zarathustra  (Heute verfasst um 08:49:06 Uhr)
"""Es geht nicht um die Freiheit der Kunst (BV 21), es geht um die Kunst an sich, um den lächerlichen Beitrag des Elches Hirschhorn,...."""
Hast Du das Werk gesehen, Luchsi ? Oder gehörst Du auch zu jenen übermenschlichen Wesen, die eine kompetente Kritik zu verfassen in der Lage sind, OHNE das Werk mit EIGENEN Augen betrachtet zu haben ?Werk gesehen ?

Nein, aber ...  
von luchsinger  (Heute verfasst um 11:57:35 Uhr)
Lieber Zara
Wie erwähnt, HH ist mir von früheren Austellungen vage bekannt, offenbar hat er mich nie so tief beeindruckt oder gar erschüttert, dass er bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hätte.
Ich kenne ihn persönlich auch nicht, ganz im Gegenteil etwa zu "ach wie gut dass Niemand weiss, dass ich das Pippilöttelchen heiss", der ich ihre internationale Anerkennung sehr gut gönnen mag. Auch über ihre Kunst kann man natürlich geteilter Meinung sein, aber ich lasse sie gelten. Ihre Bedeutung, und das wird auch für HH gelten, lässt sich ohnehin erst in Jahrzehnten würdigen.
Ich habe aber verschiedene Medienbeiträge (früher erwähnt) gesehen. Entscheidend war aber das Interwiev von DRS 1 vor einigen Tagen mit HH. Es dauerte etwa 25 Minuten, ich habe es aufgenommen und es mir zweimal angehört. Es war geradezu körperlich erfassbar, wie auch der sehr gutmeinende Interviewer nach 25 Minuten erschüttert war über die unsägliche Einfältigkeit des Herrn HH.
Einen guten Kommmentar zu HH habe ich heute im Tagi gelesen (S. 3), Patrick Frey würdigt mit viel Sachverstand und viel dadaistischem Augenzwinkern HH, die Politiker, das Umfeld. Alles und alle sind peinlich.
In diesem Sinne peinliche Grüsse aus dem Fettnäpfchen meiner bürgerlich-avantgardistisch-gutmeinend-naiven Kunstkritik
Dein (-) Beisserchen

Und überhaupt  
von Geissepeter  (Heute verfasst um 01:23:02 Uhr)
LAST 1000 KUENSTLERINNEN BLUEHEN
statt über Scheininvalide zu stöhnen
ch-künstler und ihre sponsoren  
von nebukadnezar  (Heute verfasst um 08:55:18 Uhr)
behring, der performance-künstler
mit einer performance von über 50% hat er sein publikum während den ersten akten zu begeisterungsstürmen hingerissen. der überraschende schlussakt bleibt unvergessen.
sponsoren: pro facile und private
hirschhorn (genannt "abu pinkel"), der grosse illusionist
durch metaphorische verschmelzung von politik und geographie zauberte er abu ghraib an den vierwaldstättersee. die tiefschürfenden politischen analysen haben ihm erlaubt, die statische pissoir-kunst eines beuys zu dynamisieren und in eine höhere ebene zu transformieren. in einer weiteren epoche beabsicht er, die anale phase aufzuarbeiten.
sponsoren: pro helvetia
pro helvetia, die illusionisten truppe
der gesellschaft gelingt es jährlich, millionenbeträge zum verschwinden zu bringen, ohne dass sechs millionen zahlende zuschauer etwas davon merken.
sponsoren: der idiot auf der strasse

Unglaublich  
von zarathustra  (Heute verfasst um 09:35:52 Uhr)
Wieviele Kunst- und Hirschhorn- und Van Gogh-Experten plötzlich aus dem Nichts auftauchen.
Hätte Pro Helvetia die Schach-Weltmeisterschaft gesponsert, würde kein einziger es wagen, irgend einen Kommentar zum Spiel abzugeben, da jeder instinktiv spürt, dass er kein einziges Prozent des Werks zu verstehen in der Lage ist.
Ist ein Kunstbereich jedoch nicht ganz so einfach messbar, hat jeder die Illusion, er verstehe das Werk hundertprozentig, und das erst noch, OHNE es gesehen zu haben.
Verrückte Welt...


 So wie der Hirschhorn die Geister weckt,
von Geissepeter  (Heute verfasst um 09:48:32 Uhr)
das lupft heute Morgen sogar die Börse - am Schluss müssen wir dem Kerl noch ein Denkmal bauen wie für die Morgartenschlacht


En démokratie on a le droit....
von Christoph Zehntner  (Heute verfasst um 10:45:16 Uhr)
>>"Wieviele Kunst- und Hirschhorn- und Van Gogh-Experten plötzlich aus dem Nichts auftauchen."<<
Ja, die Schweiz ist ein Land von Kunstexperten. Halleluja! Man hat hier halt das Recht, - Recht u. a. auch dazu, sich in der Rolle eines Kunstexperten zu üben.
Apropos: "En démokratie on a le droit....", das ist so zu lesen im Rahmen von Thomas Hirschhorns "Swiss-Swiss Democracy" im Centre Culturel Suisse (CCS) in Paris:
"En démokratie on a le droit d’avoir tort", um Hirschhorns Satz vollständig zu zitieren.
Das betrifft selbstverständlich nicht nur Ständeräte, sondern ALLE "Kunstexperten" überhaupt.
Und selbstredend hat man nicht nur in einer Demokratie das Recht, sich zu irren. In jeder Diktatur hat man DIESES Recht genau so.
Es lebe die Kunst!
CHRISTUS


et aussi le devoir ...  
von nebukadnezar  (Heute verfasst um 11:30:23 Uhr)
die irrtümer der pro helvetia und der hirschhörner zu finanzieren.
auch diesbezüglich sind sich demokratie und diktatur gleich.
es lebe die bauernfängerei!


Prohelvetia?  
von ouioui  (Heute verfasst um 11:57:15 Uhr)
Ne sert à rien,
depuis que l’état entretien ces parasites, pas un seul artiste de valeur n’a reçut une aide de l’honnorable société...
Ce n’es pas de la malchance c’est dû au niveau des promoteurs...( Compétence null)
Il serait préférable de faire comme aux USA... laisser les personnes privées acheter librement ce qu’ils veulent chez les artistes, et soustraire les sommes des achats des impôts...
Cela fonctionne en partie en déclarant (frais de décoration!)


works every single time...  
von Bice  (Heute verfasst um 10:47:15 Uhr)
Zwei Gruppen von Clowns hauen im Ring auf sich ein, und das Publikum nimmt "Stellung"...


@ bice  
von pippi  (Heute verfasst um 11:27:23 Uhr)
Und die intelligenten Leute, so wie du, liebe Bice, können mit Freude die Clowns und die selbsternannten Experten beobachten....
Ich hätte eine kleine Frage, liebe Bice : hättest du allenfalls Lust, in näherer Zukunft die Verantwortung für das ominöse "Ko-Editorial" zu übernehmen ? Es gibt nicht viel zu tun, und die Spesenrechnungen kannst du der WeWo-Redaktion zuschicken (behauptete jedenfalls Luchsi, ich hab allerdings bisher keine Einladung an die WeWo Redaktionssitzung erhalten,aber vielleicht weiss Ringo mehr).
Du kannst einfach regelmässig ein wenig durch die verschiedenen Themenforen surfen und dazu deinen Kommentar im Editorial abgeben. Ganz nach deinen Zeitkapazitäten und deinen persönlichen Interessen.
Du kannst dir die Sache ruhig ein wenig überlegen. Bedingung ist einzig, dass du genug Zeit hast und diese "Ehrenamt" nach einigen Wochen wieder abgibst an jemanden deiner Wahl.


Du bisch Eini vo dene
von Geissepeter  (Heute verfasst um 11:31:58 Uhr)
wo der Gring geng e so schön grad uf hei, nid das ne öppe no d’Bschütti ids Mu louft.
Gäu
Aber mängisch düechts mi sigsch chli elei
U Tanke de eiwäg für di Stellignahm, mir si weisgott um jedi froh
Es isch mer scho bau leid das i Dolores chli gneckt ha
Di Name isch ja o usem Süde. Aebe Bice. Mängisch lauereni barfuss dür Gäget, öppe no Richtig Senda dei Fioccit. U nähr zischts plötzlich vor mine blutte Füess, e klassischi Vipere. Ig erchlüpe totau, erstarre zu Stei. Aber d’Schlange luget mi nid e Mau mit em Füdle a u gleitet majeschtätisch dervo - so wie Du im Forum.
Chumm - mir mache mau zämme e Performangs - ds Parigi - zeige mer mau dene Schweizer was Kunscht isch.


Les totos au pouvoir!  
von ouioui  (Heute verfasst um 11:45:20 Uhr)
Sur Pisa examen vous aurez sûrement la première place mon pauvre Geissepeter...Gäu...
Les faiseurs d’expositions favorisent les pseudo artistes qui sont à leurs niveau?
La seule chose qui compte, la vraie valeur, c’est la facture...
Succès garanti seulement si l’on montre son cul dans les millieux artistiques...

Hirschhorn in der WOZ (Wochenzeitung)

Unbenanntes Dokument

09.12.2004

Hirschhorn-Skandal
Massiver Eingriff

Das ist wahrhaftig ein Hammer. Für die Pro Helvetia. Für die Kunst. Für Thomas Hirschhorn. Und für die Schweiz. Der Ständerat hat am Dienstag auf Antrag von Peter Bieri (CVP, Zug) der Schweizer Kulturstiftung das Budget 2005 um eine Million Franken gekürzt. Trotz engagierten Gegenvoten - unter anderen von Ernst Leuenberger (SP, Solothurn): «Unsere Demokratie ist gefestigt genug, dass wir auch Hirschhorn verkraften können» - hat die Kleine Kammer mit einem Stimmenverhältnis von 24 zu 13 Stimmen Bieris Antrag gutgeheissen. Damit ist zwar noch nichts entschieden, denn auch der Nationalrat müsste dieser Entscheidung noch zustimmen.
Was bedeutet dieser massive Eingriff in die Souveränität der Kunst für die politische Schweiz? Immerhin bezieht die Kulturstiftung Pro Helvetia ihre Legitimation genau daraus, dass die Kunstförderung von der politischen Willkür geschützt werden muss. Man mag dem Ständerat zugestehen, dass die Entscheidung in einem Moment gefallen ist, als die Empörung über den «Hirschhorn-Skandal» in Paris ihren Höhepunkt erreichte. Eine Entschuldigung ist das nicht. Im Gegenteil. Es steht vielmehr zu befürchten, dass der Rechtsrutsch in der Schweizer Politik nun auch die staatsrechtlich verbriefte Unabhängigkeit des kulturellen Schaffens ernsthaft bedroht.
Thomas Hirschhorn Provokation mag kalkuliert gewesen sein oder nicht, die Tatsache, dass sie auf so fruchtbaren Boden fiel, zeigt von der angespannten, ja gefährdeten Situation, in der sich die Schweizer Demokratie als politisches System zurzeit befindet. Geradezu seismografisch hat Thomas Hirschhorn mit seiner Ausstellung im Centre Culturel Suisse diese Gefährdung zum Thema gemacht. Bisher als unanfechtbar gehaltene Abmachungen sind massiv in Frage gestellt. Nur mit der Gewissheit, das latente Misstrauen einer kulturkonservativen, schweigenden Mehrheit gegenüber der Kunst auf ihrer Seite zu haben, kann es sich die Rechte - unterstützt von einem kulturfeindlichen Teil der politischen Mitte - erlauben, solch einschneidende Massnahmen zu ergreifen. Die Symbolik dieser «Strafaktion» sollte auf keinen Fall unterschätzt werden.
Edith Krebs

Hirschhorn im Facts

Unbenanntes Dokument

09.12.2004
Erregung in drei Akten
Applaus, Applaus. Im Skandal um die Pariser Ausstellung des Künstlers Thomas Hirschhorn spielten bisher alle Protagonisten ihre Rolle tadellos. Erstaunlich, denn die Erfahrung zeigt: Keiner darf mit einem sicheren Happyend rechnen.

Sehr viel Pappe, sehr viel Altpapier, viele bunte Fotokopien. An die Wände hat einer ein paar Graffiti geschmiert, und irgendwo zieht eine Modelleisenbahn langsam ihre Kreise. Im Centre Culturel Suisse in Paris sieht es aus wie in einem Montessori-Kindergarten, in dem wieder einmal keiner aufräumen wollte. Die dekorierte Rumpelkiste an der Rue des Francs-Bourgeois kostet 1 180 000 Franken.
Mit 180 000 Franken hat die Kulturstiftung Pro Helvetia das Plaste-und-Pappe-Projekt unterstützt; es heisst «Swiss-Swiss-Democracy», erschaffen vom Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn, 47. Und wegen dieser 180 000 Franken muss sich Pro Helvetia nun vielleicht eine Budgetkürzung von einer Million gefallen lassen; dies jedenfalls beschloss der Ständerat am Dienstag. Das Kunstwerk im Centre Culturel Suisse sei keinesfalls kindergartenharmlos, befand der Zuger CVP-Ständerat Peter Bieri, der die Strafaktion beantragte. Im Gegenteil: «Wenn intimste Bereiche der menschlichen Existenz verschandelt werden», sagt Bieri, «soll das hinterfragt sein.»

Helvetische Folkore
Erwähnt werden muss, dass Hirschhorn die Schweiz in «Swiss-Swiss-Democracy» mit dem US-Foltergefängnis Abu Ghraib im Irak vergleicht. Und in einer Performance tun Schauspieler so, als würden sie auf ein Konterfei von Bundesrat Christoph Blocher pinkeln. Die Meinungen, ob es sich hier um Hirschhorns[90] bestes Werk handelt, gehen auseinander. Aber falls der Nationalrat dem Ständerat folgt, wird «Swiss-Swiss-Democracy» definitiv sein teuerstes Stück.
Nun denn. «So etwas gehört zur helvetischen Folklore», sagt Hans-Ulrich Jost, der Lausanner Geschichtsforscher. «In ihrer Inkonsequenz hat die Schweizer Kulturpolitik immer wieder solche Aufwallungen geboten.» Unterm weiten Blick des Historikers steht die Causa Hirschhorn in einer langen Tradition. Diese greift zurück bis ins Jahr 1914, als der Ständerat allen Ernstes über die Darstellung von Pferden in der abstrakten Kunst debattierte (wobei einzelne Räte angesichts des galoppierenden Volkszorns der Kunstkommission das Geld kürzen wollten). Seither lassen sich Politiker stets aufs Neue von künstlerischen Frechheiten ärgern; unvergessen die Inschrift, mit welcher Ben Vautier 1992 an der Expo Sevilla die Besucher begrüsste: «Suiza no existe», stand da, mehr nicht - Grund genug dafür, dass Bundesrat Jean-Pascal Delamuraz die drei Fremdwörter im Nationalrat rechtfertigen musste.
Im Jahr 2004 aber sehen sich Parlamentarier bemüssigt, einen künstlerischen Inhalt - respektive die Institution, die ihn gefördert hat - zielgenau abzustrafen. Das wäre eine Wende. Gewiss, schon immer tat die Rechte reflexartig beleidigt, wenn Kunst sich ätzend zum helvetischen Selbstverständnis äusserte und dabei zu sehr von der Albert-Anker-Idyllik abwich; schnell fiel dann das Wort «Nestbeschmutzer». Diese Beschimpfung mussten sich Filmemacher Richard Dindo und Journalist Niklaus Meienberg gefallen lassen, als ihr Dokumentarfilm «Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.» den Skandal des Jahres 1976 auslöste. Das Werk, mit 50 000 Bundesfranken subventioniert, zeichnete ein mieses Bild von der Schweiz im Zweiten Weltkrieg und enthüllte die Affinität hoher Armeeoffiziere zur Nazi-Ideologie. Trotz heller Empörung im bürgerlicher Lager - Dindo und Meienberg wurden gar als «Landesverräter» tituliert - entschied Innenminister Hans Hürlimann, in Zukunft solle nicht mehr der Bundesrat, also die Politik, über die Vergabe einzelner Kultursubventionen entscheiden, sondern die betreffenden Ämter. Es war ein Entscheid, der eine politische Zensur der Kunst abfedern sollte. Weitere Kunstskandale verhinderte der Beschluss natürlich nicht - aber er stand für ein liberales Kulturverständnis: Kunst soll möglichst frei sein. Selbst wenn sie unbequem ist, verdient sie Unterstützung. Und gewisse Politiker äusserten zuweilen sogar die Klage, die Kunst reflektiere nicht genügend das eigene Land, die Heimat - sie kreise vielmehr nur noch um sich selbst; selbstgefällig, unverständlich fürs breite Publikum.

Eigene Logik, eigene Dramaturgie
Ein unpolitischer Zeitgenosse zu sein - das zumindest konnte man Thomas Hirschhorn nie vorwerfen: Mit viel Pathos verkündete er nach Christoph Blochers Wahl in den Bundesrat, er werde nicht mehr in der Schweiz ausstellen. Schon 2001 hatte der Künstler im Zürcher Kunsthaus ein durchaus allgemein verständliches Statement zum WEF abgegeben: In einem Relief stilisierte er Davos zur Hochsicherheitszone, ein Sinnbild der paranoiden Welt. Vor etwas mehr als einer Woche erhielt Hirschhorn übrigens den renommierten Joseph-Beuys-Preis 2004; es gibt Experten, die seine Arbeit schätzen.
Doch Skandale wie jener um «Swiss-Swiss-Democracy» scheren sich nicht um die Urteile von Kunstsachverständigen. Sie haben ihre eigene Logik. Sie haben ihre eigene Dramaturgie, ähnlich einer Theateraufführung, inklusive bewährten Rollen-Sets. Erster Akt: Der Skandalierer (hier: die SVP) demaskiert oder diffamiert den Skandalisierten (Hirschhorn). Zweiter Akt: Die Medien treten auf den Plan (zuerst «Le Matin» und «Blick», dann der Rest), und schliesslich wird, dritter Akt, ein politisch Verantwortlicher gefunden und öffentlich vorgeführt (Pro Helvetia und ihr Chef Pius Knüsel).
Um die Kunst geht es in solchen Stücken zuletzt. Die Skandalierer zielen vielmehr auf den politischen Gegner (SVP gegen Pro Helvetia) und wollen die eigene Weltsicht propagieren (die Schweiz ist ein nettes Land). Besonders skandalisierungsträchtig sind dabei Werke, welche die Schweiz im Ausland anders darstellen, als ihre glühendsten Verehrer sie sehen wollen: Klar, gereichte es zum Staatsaffärchen, als Friedrich Dürrenmatt 1990 in seiner Rede für den tschechischen Präsidenten Vaclav Havel die Schweiz als Gefängnis voller gemütlich-verängstigter Insassen ausmalte. Und klar, wurde es als skandalös betrachtet, dass Ben Vautier die Schweiz an einer Weltausstellung als nicht existent beschrieb, als Nonvaleur. Heikel sind Auslandsaktionen à la Vautier und Hirschhorn, weil sie eine Nebenfunktion der Kunst sabotieren - nämlich der nationalen Repräsentation zu dienen. «Der Schweizer», sagt Historiker Hans-Ulrich Jost, «möchte im Ausland halt gern den Musterknaben spielen.» Obendrein sei die Sichtbarkeit im Ausland oft grösser: «Hätte Hirschhorn sein Werk im Genfer Paquis-Quartier ausgestellt - die Deutschschweizer hätten es gar nicht bemerkt.»

Zoff-Faktor Steuergelder
Bei der Installation in Paris kommt noch ein Zoff-Faktor hinzu: Es geht um öffentliche Gelder - ein Stoff, der einem Skandal erst vollen Schub verleiht. Denn was die breite Öffentlichkeit an der Kunst interessiert, ist weniger ihr Inhalt als ihr Preis. «Bei solchen Entgleisungen ärgert sich das Volk, dass es dafür noch Steuern bezahlen muss. Da soll das Parlament seine Aufsichtsaufgabe wahrnehmen»: So erklärt CVP-Ständerat Peter Bieri seine Intervention; auch er spielt seine Rolle im Hirschhorn-Stück perfekt.
Geld, Macht, Kampf. Die Kunst alleine hat kaum die Kraft, einen Skandal loszutreten. Wenn ein Regisseur eine Wagner-Oper zur Trashcollage verdreht, so folgt allenfalls eine Debatte, die im Reservat des Feuilletons stecken bleibt (Christoph Schlingensief, «Parzifal» in Bayreuth, 2004). Zum Skandal taugt selbst ein provokatives Werk erst, wenn sich die Politik einschaltet und die Subventionsfrage in die Diskussion hineinspielt (Christoph Schlingensief, «Hamlet» in Zürich, 2001).
Wie gut für alle Beteiligten, dass Skandale einen hohen Unterhaltungswert haben, sie helfen, im Kampf um das knappe Gut Aufmerksamkeit zum Lager der Sieger zu gehören. Jeder Politiker, aber auch jeder Künstler kennt diese Mechanik.
«Die Diktatur: halts Maul. Die Demokratie: red nur», verkündet ein Graffito in Thomas Hirschhorn Installation. Es fragt sich, was an der Sache rufschädigend ist. Vielleicht wird sich der Nationalrat, wenn auch er über die Strafaktion gegen die Pro Helvetia zu befinden hat, an die Reaktionen in Frankreich erinnern. Denn wie würdigten die Medien des Gastgeber- landes die ach so peinliche Installation im Centre Culturel Suisse? Bislang gar nicht.

Hirschhorn auf Radio DRS

Unbenanntes Dokument

 

Radio DRS

10. Dezember 2004

Alles nur Provokation, oder was? Der Auftritt von Thomas Hirschhorn im Centre Culturel Suisse in Paris
rpd. Der streitbare Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn besetzt das Centre Culturel Suisse, die kulturelle Vertretung der Schweiz in Paris. Was als künstlerische Aktion geplant war, ist mit tatkräftiger Unterstützung der Medien und des Ständerats zum handfesten Politikum geworden. Seit Ben Vautiers «La Suisse n'existe pas» 1992 in Sevilla hat kaum eine künstlerische Inszenierung mehr so hohe Wellen geschlagen wie Hirschhorns angebliche Verunglimpfung von Bundesrat Blocher. Was ist dran an seiner Provokation? Gabriela Christen hat sich Hirschhorns Ausstellung in Paris angesehen und mit dem Künstler gesprochen. Audio File unter:
http://www.drs.ch/index.cfm?gbAction=89AFE749-051C-449F-8310A276D6F33BF2&CategoryNodeID=0D6F3A9B-4824-4A07-86A8055E759AA7AA&prg=DRS2

Auszüge aus dem Interview von Gabriela Christen mit Thomas Hirschhorn
CH: Sie sind ein Meister der Provokation..
HH: ich will bissig sein, Kunst muss angreifen, Kunst ist nicht passiv
ich wollte nie provozieren, (das machen andere)
meine Arbeit provoziert, weil die Fragen stören.
Ich will keinen Skandal machen, wenn er aber da ist, stelle ich ihm
ich will einen Dialog machen zum Betrachter.
...
HH: Blocher kann nicht durch direkte Demokratie gezähmt werden.
CH: Was kann die Kunst machen?
HH: Kunst kann die Welt verändern. Kunst will das Unmögliche.
Kunst will Exzess, Kunst will auch genau sein.
Für mich ist Kunst ein Werkzeug, um mich mit der Welt auseinander zu setzen. Ein Werkzeug um mich mit der Realität auseinander zu setzen, mich mit der Zeit in der ich lebe zu befassen.
....
HH: Kunst kann eine Waffe sein. Mir geht es in der Kunst um Angreifen.
....
HH: Ich kann gut mit den Missverständnissen leben. Ich als Künstler habe meinen Auftrag, meine Mission. Es ist nicht meine Aufgabe als Künstler etwas zu machen was alle verstehen. Als Künstler ist es meine Aufgabe frei zu sein.
Ich kann das erklären. Ich habe das plastische Wissen, die plastische Kraft dem Form zu geben. Ich geben Form.
....
HH: Ich mache meine Arbeit als Künstler, auch wenn ich kein Geld kriege. Natürlich hilft Geld. Aber wenn ein Künstler abhängig ist vom Geld, dann ist es geschehen.
.....
HH: ich fülle mich nicht zensuriert. Ich kann machen was ich will.
Ich habe kein schlechtes Gewissen. Ich habe meine Arbeit gemacht.
Niemand braucht mich auszustellen. Niemand muss meine Kunst kaufen.
CH: ist Kunst antidemokratisch?
HH: Kunst geht an die Fronten der Demokratie und übersteigt deren Grenzen.
die Kunst ist nicht antidemokratisch, aber sie ist a-demokratisch. Die Kunst hat nichts zu tun mit diesem demokratischen System. Ich will doch kein System, kein anderes System einführen. Aber ich will das Tabu Demokratie
hinterfragen. Demokratie ist immer Realisation, darum darf und muss ich sie immer kritisieren.

FORUM (Leserbriefe)

Politik und Kunst
 
Statt zu vermitteln, wiegeln Politiker auf
Datum 10.12.2004 17:18:50
AutorIn Leander Eisenmann  leander@dplanet.ch
Schweizer Kunstschaffende geniessen zu Recht weltweites Renommee. Der Staat als grosszügiger Förderer zeitgenössischer Kunst hilft mit, diese Qualität zu bewahren.
Die Akzeptanz im Lande selbst lässt jedoch zu wünschen übrig: Leserbriefschreiber/innen ereifern sich rotgesichtig über Kunst als "letzten Dreck", über Künstler als Parasiten eines ausgebluteten Staates, als hätten sie nur darauf gewartet, losschlagen zu dürfen: Dafür sind sie selbst weniger verantwortlich zu machen als die aktuelle Politik einiger Volksvertreter, die in den vergangenen Tagen solche Verurteilungen gewissermassen vorgebetet haben:
Auslöser dieser Polemik sind Herr Peter Bieri und diejenigen Vertreter des Ständerates, welche keine Debatte geführt, sondern Ressentiments geschürt, bestehende Gräben vertieft, Vorurteile bedient haben, welche ihre Aufgabe - vermittelnd und sachlich zu argumentieren - in keiner Weise erfüllten. Im Gegenteil: Der Ständerat hat wider besseres Wissen verzerrte Halbwahrheiten kolportiert und sein Handeln im Nachhinein auf "Unzufriedenheit in Teilen der Bevölkerung" abgestützt: Eine verantwortungslose, gefährliche und ignorante Handlungsweise. Denn jegliche Form von Kunst vermag zu provozieren - sei es das Portrait König Philips IV von Spanien des Altmeisters Rubens, welches in den 1980er Jahren im Kunsthaus Zürich abgefackelt wurde, seien es die Sexdarstellungen des Künstlers Jeff Koons oder frühe Werke Jean Tinguelis. Dies legitimiert jedoch keinesfalls eine offizielle, vom Parlament betriebene Hexenjagd, wie sie augenblicklich stattfindet.
Kunst ist niemals mehrheitsfähig, sondern immer radikal subjektiv. Dies sollten Politiker und Teile der Bevölkerung bedingungslos anerkennen.
Leander Eisenmann
 
Künstler als Seismographen der Gesellschaft
Datum 10.12.2004 15:14:30
AutorIn Marie-Marthe Aebischer  aebischermm@bleuwin.ch
ich habe Lust aufzurufen zu einer Grossdemo in Bundesbern: "für die Freiheit in der Kunst". Wie oft wurde ich als Bürgerin dieses Landes vor Jahren durch die Pamphlete der AUNS (ungewollt vorgefunden in meinem Briefkasten)  vom damaligen noch Nationalrat C. Blocher, beschämt und beleidigt in meinem demokratischen Verständnis von Toleranz gegenüber Fremden in diesem Land. Warum huldigt jetzt der Ständerat genau diesem Bundesrat mit einer solchen Vehemenz? Es ist mir unverständlich. Christof Blocher hat in seinem Leben nicht gespart mit Aktionen und direkten Angriffen auf seine Mitbürger und Mitbürgerinnen und so scheint mir, dass er. unsere Ständeräte, Nationalräte und -rätinnen so eine gegenwartsträchtige Ausstellung verkraften könnten. Und wenn nicht, ja dann wehren wir den Anfängen, denn Künstler- und Künstlerinnen sind die Seismographen der Gesellschaft.

Hirschhorn
Datum 10.12.2004 12:17:30
AutorIn Rosemarie Primault  primrose@gmx.ch
das Blut, das im Ausland fliesst, hat sehr wohl einen Einfluss auf unser Denken auch im Appenzell. Hirschhorn macht ein Kunstwerk um dem Betrachter Zusammenhaenge aufzuzeigen — er sollte sie nicht in Worten erklaeren muessen.

Hirschhornausstellung: qunatité négligable . . .
Datum 10.12.2004 12:10:31
AutorIn Beat Eberle  b.eberleatbluewin.ch
Warum so ein "Gschiss" um diese Hirschhornausstellung? Wenn schon ist es doch toll, dass der Künstler sein Elaborat im Ausland installiert hat. Die Schweiz ist für den europäischen Mann/Frau von der Strasse - von den anderen wollen wir gar nicht reden - ohnehin nicht mehr  als eine "quantité négligable" mit, wenn`s hoch geht leicht exotischem Anstrich. Ergo ist auch die Wahrnehmung dieser Ausstellung vernachlässigbar.
 
Dikdaktur
Datum 10.12.2004 11:55:58
AutorIn Raphael Urweider  schattenhalb@gmx.net
Leider Argumentiert Hirschhorn auf einer Ebene mit Stammtischpolitikern oder verkifften Gymnasiasten. Er verwechselt Demokratie mit einem religiösen Heilsversprechen: Wenn es nicht überall Demokratie gibt,  hat sie ihr Ziel verfehlt. Wenn es in dem Amerikanischen Lügensystem Folter gibt, ist die Demokratie schuld. In einigen Diktaturen steht für Folter die Todesstrafe, das wäre doch was!
Vielleicht könnte er einen "philosophischen Vortrag" zum Thema Todesstrafe halten, mit dem Inhalt, dass die Todesstrafe überall wieder eingeführt werden soll, da es immer noch Länder gibt, in denen sie exisitert, das käme seiner Argumentation nahe.
Es verwundert mich nur, dass er in der Reflexe-Sendung das Wort "Dikdaktur" zweimal verwendet. Was das sein soll, muss er mir noch erklären.
Weiter setzt er den Begriff Indien mit Arabien gleich - Pisageografie!
Es geht ja gerade darum, dass wir Schweizer Künstler einen Riesenvorteil haben durch die stille und effiziente Unterstützung der Pro Helvetia. Anstatt sich mit Dünkel oder schlechtem Gewissen daran zu stossen, sollte Herr Hirschhorn weiterhin versuchen, diese Unterstützung für Projekte mit anderen Künstlern oder auch nur Menschen - vielleicht aus Indien oder Arabien :) - zu verwenden, anstelle einer äusserst schweizerischen Ausstellung in Paris, auf Schweizer Terrain, die die Franzosen oder Europäer wirklich nicht interessiert. Er könnte, da er ja nicht mehr in der Schweiz ausstellen will, im Centre Le Pompidou dem Herrn LePen oder Chirac in den Kopf p...ssen. Auch dass würde die Pro Helvetia möglicherweise noch unterstützen. Und zu Recht!
Es ist schade, dass nicht nur in der Politik, sondern auch in der Kunst die Dümmsten am lautesten Schreien.
 
Verantwortung wahrgenommen
Datum 10.12.2004 08:00:20
AutorIn M. Schatzmann  mescha@hispeed.ch
Unser Parlament ist unter Anderem auch verantwortlich für die Verteilung der Gelder. Ich selber bin kein Kunstverständiger, vor allem nicht von dieser neuen Kunst. Aber ich bezahle Steuern. Und da hätte ich überhaupt kein Verständnis, wenn mein sauer verdientes Geld einem solchen Schwachsinn zufliessen würde. Da Leute wie ich, so glaube ich, ein ernst zu nehmender Teil unserer Bevölkerung sind, hatte unser Parlament auch uns gegenüber eine Verantwortung, die es mit diesem mutigen Entscheid wahrgenommen hat.
 
Der röhrende Hirsch
Datum 10.12.2004 16:32:37
AutorIn Adrian Hürlimann  adrianhuerlimann@bluewin.ch
lieber Herr Schmassmann,
sind Sie sicher, dass diese Ausstellung nur ein Schmarren ist? Könnte es nicht sein, dass mit ssehr zeitgemässen Mitteln gearbeitet wird, auch wenn die Sache einem Pfadiabend gleicht? Peter Bieri machte sich in der Zuger Presse darüber lustig, dass sich jemand an die Nazizeit erinnert gefühlt habe. Nicht ohne Grund:
Der röhrende Hirsch in Paris
Nein, Herr Bieri, an die Nazizeit fühlen wir uns nicht erinnert, aber an die Tatsache, dass die Pro Helvetia als Grundpfeiler der Geistigen Landesverteidigung von Ihrem Parteikollegen Philipp Etter initiiert worden ist, lange vor der AHV. Etter wusste noch zu unterscheiden zwischen Sport und Kultur, er hätte die Beiträge an die Kultur nicht zu Gunsten der Physischen Landesverteidigung einschränken wollen.
Von diesem Respekt ist bei Ihnen nichts mehr zu spüren. Als Pädagoge müsste Ihnen klar sein, dass man sich als Politiker nicht in den Lehrplan einzumischen hat, auch wenn man «die Oberaufsicht» behalten muss. Schon gar nicht aufgrund von Presseberichten und E-Mails «besorgter» Bürger, die dank «Blick» zum ersten Mal erfahren haben, dass Kunst nicht mit dem röhrenden Hirsch im Wohnzimmer identisch ist.
Dass Sie einem weiteren Zuger im Bunde, Pius Knüsel, Konsequenzen in Bezug auf das Kulturförderungsgesetz androhen, bestätigt meinen Verdacht, dass Ihre Kompetenz derzeit nicht ausreicht, um die «Oberaufsicht» in Sachen Kultur wahrzunehmen. Der röhrende Hirsch in Paris kann mit Ihrer Kritik wohl gut leben – weniger gut mit Ihrem Ressentiment. Gehen sie doch hin und schauen Sie sich diese interessante Ausstellung mal an, sie dauert bis 30. Januar. Thomas Hirschhorn freut sich sicher, wenn Sie ihm Ihre Bedenken vor Ort darlegen.  
Ich wiederum freue ich mich über die Reaktion der «Oberaufsicht der Oberaufsicht», Pascal Couchepins, und hoffe auf eine kompetentere Diskussion im Nationalrat.
Adrian Hürlimann, Zug
 
"...keiner sagt, was er will."
Datum 10.12.2004 01:10:19
AutorIn Horst Batschkus  horst.batschkus@gmx.ch
In meinen Augen spiegelt die politische Reaktion vielfach Hilflosigkeit in Bezug auf das Ereignis in Paris wider, ein gar nicht wissen, wie umgehen mit dieser Form der Auseinandersetzung und des Anstosses. Höre ich beispielsweise Ständerat Peter Bieri in "Reflexe" im Gegenueber mit Martin Heller und Pius Knuesel, so wurde mir einmal mehr deutlich, dass die Werte eines Landes, ausgedrueckt in nach aussen getragener kuenstlerischer Praesenz mit dem Ziel des Anstosses ueber die eigene Position nachzudenken, sich nicht mit Paragraphen und Gesetzen bewerten und sich nicht dahinter verstecken lassen - unabhaengig davon, ob man von dem Dargebotenen begeistert ist oder nicht.
Die Heftigkeit der Reaktionen sowohl in Richtung rein verbaler Ablehnung bis hin zur Kuerzung der finanziellen Unterstuetzung von Pro Helvetia machen unmissversatendlich deutlich, dass zunaechst das eingetreten ist, was sich jeder Kuenstler wuenscht: Reaktionen, die ueber das bekannte Mittelmass zur Sicherung eines bequemen Status Quo hinausgehen. Und hiermit hat er sein Anliegen in der Regel schon mehr wie erreicht. Dass in weiterer Sicht das kulturelle Engagement in und ausserhalb der Schweiz aus finanzieller Sicht unter dem politischen Entscheid leidet, steht wohl ausser Frage und ist sehr zu bedauern.
Ich persoenlich gewinne anhand dieses Beispiels einerseits den Eindruck, dass die Bewertung kuenstlerischen Ausdrucks fuer viele anhand "wissenschaftlich messbarer" Erkenntnisse zu erfolgen scheint, ein schier unmoegiches Unternehmen. Denn gluecklicherweise sind die Geschmaeker entgegen aller bisherigen wissenschaftlichen Kenntnisse unterschiedlich, und Kunst hat nicht erst seit Hirschhorn Anlass zur Kritik gegeben. Andererseits verdeutlicht das Beispiel, was waehrend der Matinee "Basislager Schweiz 2/7" vom 05.12.2004 im Schauspielhaus Zuerich ausgesprochen wurde: "Alle sagen, was sie nicht wollen, doch keiner sagt, was er will." Und diese ist fuer eine Standortbestimmung wohl unerlaesslich.
In diesem Sinne hat Hirschhorn aus meiner Sicht im Rahmen seiner kuenstlerischen Moeglichkeiten  ueberlebenswichtige Reaktionen hervorgerufen. Die politische Antwort zeigt mir jedoch, dass der Weg zur Standortbestimmung steiniger ist, wie vermutet, denn sie hat durch ihr Verhalten zum Ausdruck gebracht, was sie nicht will.
 
La Suisse n'existe pas...
Datum 09.12.2004 21:24:36
AutorIn CM  beachandsnow@bluewin.ch
... das war auch mal ein künstlerisches Projekt, das Diskussionen ausgelöst hat. Nein, dies ist nicht meine Schweiz, die Kunst nicht mehr als Herausforderung betrachtet, sondern als plumpe Werbefläche (Zusammenschluss zwischen Präsenz Schweiz, Pro Helvetia und den Tourismus- und Wirtschaftsverbänden, das wäre doch was!), die Zensur ausübt, sich in unreflektierter Weise über Kunst und Künstler äussert und in plumper Weise an den durchaus berechtigten Grundsatzfragen nach der Rolle von Kunst in unserer (politischen) Gesellschaft vorbeischlittert. Wenn die jungen wilden Künstler nicht so tun, wie es Väterchen Staat will, dann wird sofort eine Million abgezogen - in welchem psychologischen Film sind wir hier? Wenn die Schweiz schläft (ob den Schlaf der Wohlgenährten im Gefängnis Schweiz oder als marginalisierte Working Poor in der Depression), dann lässt sie sich eben höchstens noch mit Pinkelspielen aufwecken - aber nicht einmal dieser Ironie und Provokation ist sie gewachsen. Traurig, dass vermutlich und voraussichtlich einige Künstler unter dieser pubertären/autoritären Strafaktion werden leiden müssen. Traurig, dass wir zu keiner wirklichen Debatte fähig sind. Traurig, dass wir uns nicht mehr wirklich herausfordern, einlassen, hinterfragen und berühren lassen. Cette Suisse  n'existe pas....
 
Zahlen und wegschauen - spielt Qualität wirklich keine Rolle?
Datum 09.12.2004 20:15:51
AutorIn Walter Helbling  whelb@bluewin.ch
Vorweg soviel:
- Zur Ausstellung: Ich habe sie nicht selber gesehen. Aufgrund der ersten Medienberichte schien mir offensichtlich, dass sie zum Thema Demokratie keinen substantiellen Beitrag leisten würde. Nachdem ich mir nun noch das Tagesgespräch mit dem Künstler angehört habe, bin ich über mein schnelles Urteil doch ein wenig erschrocken. Zum Wert der Ausstellung möchte ich mich daher nicht äussern.
- Zur Meinungsfreiheit: Staatliche Repression (d.h. Folter, Gehinwäsche, Einsatz von Todesschwadronen etc.) gegen Urheber provozierender Äusserungen ist in jedem Fall abzulehnen.
Was mich nun aber echt schockiert, ist die Oberflächlichkeit, mit der über diese (an sich spannende) Thematik diskutiert wird. So scheinen einige allen Ernstes der Kunst einen Dienst erweisen können zu glauben, wenn sie die Frage der Qualität für irrelevant erklären.
Ob Kunst objektiven Qualitätsmasstäben unterworfen werden kann, darüber liesse sich trefflich streiten. Solange diese Frage aber nicht eindeutig mit ja beantwortet werden kann, müsste man sich meines Erachten ans Prizip der 'freien', d.h. nicht staatlich subventionierten Kunst halten. Entschliesst man sich umgekehrt, Steuermittel - d.h. Geld, das unter Androhung von Polizeigewalt bei den Einwohnern eingetrieben wird - für eine staatliche Kulturförderung einzusetzen, so müssen die verantwortlichen Instanzen für die Qualität der Ergebnisse garantieren können.
 
Demokratie Kunst Freiheit
Datum 09.12.2004 12:19:47
AutorIn Klaus Born  kkborn@datacomm.ch
Es geht nicht nur um Thomas Hirschhorns Ausstellung im CSS in Paris. Diejenigen, die Swiss-Swiss-Democracy zum Anlass nahmen um im Namen der Demokratie Kunst und Kultur an die Kandare zu nehmen, haben endlich eine  Möglichkeit gefunden ihr Verständnis, oder mit den Worten  Hugo Loetschers, ihr Nicht-Verständnis von Kultur zu demonstrieren und über den Geldhahn zu regeln. - Sie sagen: die Grundwerte der Gesellschaft seien in Gefahr. - Die Pfeiler der liberalen Gesellschaftsordnung sind freie Meinungsäusserung und freie Kunstausübung! Wenn Staat und Politik sich da einmischen, verlassen wir das Feld der Demokratie.
  Es sind die gleichen Herren, die lauthals nach mehr Freiheit und weniger Staat rufen, die sofort bereit sind, wenn es um Kunst und Kultur geht, den Staat vorzuschicken, um den Kulturinstituten den Geldhahn zuzudrehen. Sie haben weder einen Begriff von Kultur noch einen Begriff von Demokratie und Freiheit. Sie scheren sich einen Deut um die Kernpunkte einer demokratischen Ordnung.
Hirschhorn hat mit seiner Aufforderung zur Hinterfragung unserer Demokratie voll ins Schwarze getroffen.
Klaus Born, Künstler
 
Kurator Internetmuseum
Datum 09.12.2004 12:15:58
AutorIn Hannes Keller  hk@visipix.com
Fatale Signale für junge Künstler, die Geld brauchen für ihren Traumberuf, irgendwann zur Ernährung einer Familie usw. Sie lernen von Hirschhorn und Schlingensief dass es eine beträchtliche Nachfrage gibt nach medienwirksamen Skandalen, nach Fäkalien und Beleidigungen. Dass man selber keineswegs tolerant sein muss, als Künstler jedoch unbeschränkte Toleranz einfordern kann.
Das banale Vorkommnis zu ignorieren wäre für alle das Beste gewesen.
OK, man darf die Hand beissen, die einen nährt. Aber der Nährer hat umgekehrt das Recht, seine Hand zurückzuziehen.
 
prüfung nicht bestanden
Datum 09.12.2004 11:32:58
AutorIn matthias bürcher  matti@belle-nuit.com
der künstler hat eine frage gestellt: "was ist demokratie?" der ständerat hat versucht, sie zu beantworten und ist daran gescheitert. seine unwirsche strafaktion ist menschlich verständlich, aber kindisch. ich glaube nicht, dass es die jüngere schweizer politik und insbesondere die ayatollahs der SVP legitimiert sind, lektionen in sachen anständigkeit zu erteilen.
das verhalten der bundesversammlung hat geschichte. vor ein paar jahren wurde der filmkredit um eine million gekürzt, nur weil jean ziegler, notabene damals mitglied dieses gremiums, in einem schweizer film auftrat.
auf hinterfragung wird mit zensur geantwortet. und die schweiz verkrustet weiter...
 
designer/ MA gender studies

Datum 08.12.2004 18:36:33
AutorIn tobias markus strebel  tobi@robidog.com
hirschhorn hat ein bild gemacht, das bild ist angekommen. der rahmen des bildes (die ausstellung/ die mediale diskussion) wird durch die im bild widergegebenen (politiker, machtexponenten) einerseits gesprengt und gleichzeitig weitet sich das bild bis in die ratskammer.
alle, jetzt ueber das bild (das sie z.b. nicht gesehen haben) reden, werden teil des bildes. das bild ist das was gesehen wird. es wird sichtbar, dass der staenderat fuer demokratische begriffe unreif reagiert. er stellt sich selber in frage, d.h. seine inkompetenz, die nicht vor einer signaletischen aktion (erzuernt-affektive kuerzung des kulturfoerderungskredites) zurueckweicht, inszeniert sich selber. der staenderat ist somit ein politischer akteur, der sich der bedeutung seiner aktion sehr wahrscheinlich nicht bewusst ist.  die peinlichkeit, in die sich gewisse exponenten hineinmanoevrieren, kann nur mit lernprozessen aufgehoben werden. sind die betreffenden nicht faehig zu lernen, und fehler zuzugeben, so muessen sie sich zurueckziehen. (die einsamkeit des diktators waere das perfekte bild fuer die kommunikationsunfaehigkeit der macht). dieser rueckzug waere der tod der demokratie.
george bush postuliert demokratie als DIE kulutrelle errungenschaft, die ueber die welt verbreitet werden soll, und tut dies in widerspruechlicher weise. der widerspruch weist auf die mediale spannung zwischen dem was gesagt wird und dem was gemeit wird. bilder sind weniger kausal als die sprache, und deshalb derart komplex, dass man sich schnell in bilder verstricken kann. dieses problem fuehrt zur ikonoklastie. einfach gesagt: was ich nicht sehen/hoeren will, bekaempfe ich – die klassisch absolutistische (also absolut nicht liberale) haltung. bilderverbrennungen, verpruegelung des ueberbringers schlechter botschaften. traditionelle denunziationspolititik, wie sie uns der erklaerte kuenstler hitler als bild vorgefuehrt hat (– und dies ist eine eher nuechterne betrachtung, die in diesem zusammenhang vielleicht auch nur am rande verhandelt werden kann).
der staenderat ist ein kunstprodukt. er (und die anderen macht-exponentInnen) sind das kunstwerk, das es zu betrachten gilt. seine aktionen werden in ein bild eingeschrieben, das wir noch lange betrachten koennen werden. ein hirschhorn kommt selten allein...
good luck
:-)
 
che penible ! :-)
Datum 08.12.2004 18:39:34
AutorIn tobias markus strebel  tobi@robidog.com
einen titel braucht es natuerlich nicht, das waere nichts als unnoetige hierarchisierung....
undemokratisch
:-)
 
Bravo Ständerat
Datum 08.12.2004 18:15:48
AutorIn Markus Weidmann  weidmannmarkus@hotmail.com
Der Ständerrat hat absolut richtig und völlig durchdacht auf das Versagen von "Pro Helvetia" reagiert. Es kann nicht sein, dass eine Organisation mit Steuergeldern Projekte unterstützt, die der Mehrheit der Bevölkerung zuwider ist und damit rein gar nichts anfangen kann. Seien wir doch ehrlich: Thomas Hirschhorn ist ein "Blocher-Hasser" und Linkspropogandist. Er ist tief in der linken Kulturszene verwurzelt und gestaltet seine Austellungen dementsprechend. Das ist sein gutes Recht. Allerdings hat Pro Helvetia nicht das Recht, solche Projekte so freigiebig zu unterstützen und hat somit ihren Auftrag nicht wahrgenommen. Ich hoffe, dass dieser Entscheid des Ständerates eine Signalwirkung haben wird, wodurch Pro Helvetia sich in Zukunft besser überlegt, wozu die Steuergelder zu verwenden wären.
 
Strafaktion gegen Pro Helvetia
Datum 08.12.2004 13:40:37
AutorIn Dr. PETER André  andre-peter@freesurf.ch
Sehr geehrte Damen und Herren
man glaubt seinen Ohren kaum, wenn man hört, was da für ein Strafgewitter gegen die pro Helvetia losgeht.
Es sei erlaubt zu fragen:
- Ist jede kritische Reaktion zu unserem Zeitgeschehen der politischen Zensur unterworfen?
- Wodurch unterscheidet sich das Vorgehen des Ständerates von politischen Aktionen in Amerika, wo rigoros allzu offene kritische Äusserungen gegen Bush geahndet werden? Gegen solche amerikanische Repressalien wendet sich doch auch der Ständerat vehement. Warum sollen andere Massstäbe gelten, wenn Kritik das eigene Land trifft?
- Es muss unbedingt Gewaltentrennung herrschen zwischen Kunst und Politik. Alle andern Zustände zeichnen autoritäre, rechtsgerichtete undemokratische Länder aus!!! War ich allzu naiv, zu glauben, die Schweiz sei ein freies, demokratisches Land?
- Wenn man schon gegen einen Künstler etwas einzuwenden hat, warum richtet man sich nicht gegen ihn persönlich und greift zu Kollektivstrafen?
Kommentar zu all dem: im höchsten Grad peinlich und der Schweiz nicht würdig. Gewisse Herrschaften im Rat sollten dringend den Hut nehmen oder schleunigst zu einem anderen Verständnis von Demokratie kommen, sonst werden sie garantiert abgewählt.
So nebenbei: ich kann mich persönlich auch nicht vereinbaren mit dem "künstlerischen" Ausdruck der besagten Ausstellung von Thomas Hirsch...(?), aber das gibt mir nicht das Recht, ganze Korporationen zu bestrafen. Kunst ist immer sehr persönlich, und über Geschmack lässt sich streiten, aber Geschmack sollte nicht politisch geahndet werden.
Mit freundlichen Grüssen
Dr. phil.  PETER André  
Säntisstr. 7
CH - 9034 Eggersriet
Tel. 071/877 13 21
oder 079/355 65 28
wenn keine Antwort
Tel. 071/891 59 09
e-mail: andre-peter@freesurf.ch 

überwachen und strafen*
Datum 08.12.2004 14:32:43
AutorIn sascha reichstein  sascha.reichstein@sare.sil.at
Was hätte Thomas Hirschhorn besseres passieren können, als genau diese Reaktionen bei Angehörigen der Regierung und des Ständerats auszulösen, die er dabei ist zu hinterfragen? Seine Strategie ist zu 100 % aufgegangen und seine Kritik bekommt genau so ihre Legitimation. Hätte sich die offizielle Seite der Schweiz, durch die Hinweise eines Künstlers, welcher als eine Art Mediator gesellschaftlicher Entwicklungen verstanden werden kann, einer selbstkritischen Betrachtung gestellt, wäre das grosse Medienspektakel vermutlich ausgeblieben.
Das „Überwachen und Strafen“, welches der Ständerat nun auf die Pro Helvetia ausübt,  weist jedoch auf eine große Wissenslücke demokratischer Rechte und Pflichten einer (demokratischen) Gesellschaft hin. Es wird argumentiert, dass Pro Helvetia nicht in der Lage sei ihr Geld sogenannt sachgerecht zu verteilen um ein image- gemäßes Bild des Landes zu verbreiten. Ich glaube, es gibt in der Schweiz genug kompetente Werbeagenturen um das Land so zu vermarkten wie es bereits seit eh und je im Ausland gesehen wird. Nämlich als das sauberste, organisierteste, reichste, bilderbuchhafteste Schockoladeland der Welt. Es kann also weder die Aufgabe von Pro Helvetia und schon gar nicht der KünstlerInnen sein, dieses einseitige Bild unserer Gesellschaft unhinterfragt fortzuführen.
Ist ein Künstler/eine Künstlerin in der Schweiz wirklich nur gefragt, um die Dekoration zum Sofa zu gestalten? Hat im Schweizer Kunstverständnis nur dieses kulturelle Bild seinen Platz? Wenn dies wirklich so ist, was ich (noch nicht) glauben will, dann ist es höchste Zeit die Schweizer Gesellschaft neu zu politisieren und den Anfang scheint Thomas Hirschhorn bravourös zu schaffen. Das politische Aufgebot ist ein klares Zeichen der Hilflosigkeit dessen, dass Hirschhorn anscheinend den wunden Punkt der Schweizer Gesellschaft getroffen hat.
Es ist nur zu hoffen, dass durch die entfachte Diskussion, die Wichtigkeit des kulturellen Lebens, dessen Aufgabe es nun mal ist, die gesellschaftlichen Strukturen zu hinterfragen, umso mehr erkannt und das Budget von Pro Helvetia dementsprechend erhöht wird. Das wäre aus meiner Sicht der Steuerzahlerin mehr als gerecht und notwendig und nicht die Finanzierung selbstherrlicher Politiker.
*von michel foucault, ein literaturhinweis für politiker
 
demokratie und zensur
Datum 08.12.2004 13:13:24
AutorIn corinne schatz  corinne.schatz@bluewin.ch
Das Verhalten des Ständerates ist im ersten Moment einfach lächerlich. Doch das Lachen bleibt  bald im Halse stecken, denn es verbirgt sich hinter diesem Entschluss ein Verrat an den elementarsten demokratischen Grundsätzen. Es kommt der Einführung einer diktatorischen Zensur gleich und bestätigt letztendlich die Kritik Thomas Hirschhorns an der Entwicklung der Schweiz unter dem Einfluss der SVP und ihrer Einstellungen. Dass nun aber die Mehrheit des Ständerates in dieses Fahrwasser gerät, ist bedauerlich und besorgniserregend. Zumal keine/r der Damen und Herren die Ausstellung und Aufführung gesehen hat.
Die Qualität und Provokation der Kunstperformance von Thomas Hirschhorn steht dabei überhaupt nicht zur Diskussion. Die Kunst muss frei sein, damit sie die PRobleme der Zeit aktiv und kritisch aufgreifen kann. Provokation gehört zu den wichtigen Strategien sozial und politisch engagierter Kunst. Wir brauchen dringend kritische Künstler.
 
einverstanden...
Datum 09.12.2004 13:57:40
AutorIn Silvio Sispele  silviosispele@bluewin.ch
Diese Einschätzung teile ich voll und ganz. Es stellt sich die Frage, WER denn überhaupt legitimiert wäre, den Warnfinger zu heben oder eben gar einzuschreiten. Dieses Recht nehmen sich einige Herren Ständeräte, die vom sogenannten Skandal nur vom Hörensagen wussten. Sie erheben sich zu Richtern, die sich zumuten, zu wissen, wo Grenzen gesetzt werden müssen. Dabei reden sie dauernd von Steuergeldern, als ob dies wirklich ein Kriterium sei. Sie benehmen sich selbst skandalös.
 
urin&kunst&politik
Datum 08.12.2004 11:11:14
AutorIn catrin huber  hubercati@bluemail.ch
urinieren auf politiker ist geschmacklos - sonst nichts. ABER: Kunst muss doch provozieren, muss diskussionen auslösen. Sie ist es doch gerade, die uns dazu anregt über unsere gesellschaft und über unsere kultur nachzudenken. politiker die wie kleine buben töipelen und strafaktionen durchziehen haben das leider nicht begriffen.
 
Mut zur Selbstkritik...
Datum 08.12.2004 13:48:03
AutorIn Milos Mihajlovic  milosmihajlovic@bluewin.ch
"J'accuse."* Der Ständerat hat einen Fauxpas gegen unsere Verfassung getan.
Ich fühle mich in keiner Weise von "unserem" Ständerat vertreten sondern betreten.
Was tut der Ständerat eigentlich? Sein Handeln erinnert an weinerliche Schulmeisterei.
Ist das Demokratie so wie sie sein sollte? Wieder einmal hat sich die Schweiz mit der Machtverteilung vertan. Wieder sitzen die falschen Leute am falschen Ort zur falschen Zeit und drücken auf die falschen Knöpfe.
Die Kürzungsaktion des Ständerats ist oberpeinlich.
Unserer Demokratie scheint es wirklich schlecht zu gehen wenn der Ständerat mit der willkürlichen Schildbürgerhaften Kürzung des Budgets der ProHelvetia sich strafbar macht.
Was ist eine Million? Ein Vielfaches eines durchschnittlichen Jahreseinkommens, einige Jahre Arbeit eines einzelnen Menschen gestrichen.
Ein Verstoss gegen die Meinungsfreiheit und ein Affront gegen das Kulturwesen.
Ein Vorschlag zur Auflösung dieses Vorfalles wäre: Der Ständerat entschuldigt sich auf souveräne Art und Weise für sein Versehen und zahlt eine Busse wie jedeR andere BürgerIn auch, der/die gegen die Verfassung verstösst.
So wahrt der Ständerat sein Gesicht.
Die Kürzung wird rückgängig gemacht und dazu wird das Budget der ProHelvetia erhöht.
Mit diesem Budgetzusatz wird per schweizweiter Ausschreibung das Errichten einer Installation zum Thema "Machtmissbrauch im Bundeshaus" vor dem Bundeshaus finanziert und gekürt.
Die Jury würde dann von der ProHelvetia zusammengestellt werden.
Dies als Andenken vom Kulturdepartement an den Ständerat und künftige Delinquenten.
Kultur ist unser nationales Reflexionsorgan, das international verknüpft ist -die Zukunft und zugleich das Gesicht der Schweiz- und dieses hat seinen Wert.
Bis heute wird Kultur in der Schweiz unter seinem Wert gehandelt.
Künftig: Wer wird sich für eine unserer Zeit entsprechenden Kulturpolitik einsetzen?
*Zitat von Emile Zola
 
Betrachtungen über ein Kunst-Wort
Datum 10.12.2004 00:49:03
AutorIn Philipp Obertüfer  phobertuefer@bluewin.ch
Hallo Bürger da drausssen im Land
Es klingt interessant und anregend, was ich in diesem Forum zu lesen bekomme. Aber ich möchte mal eine Grundsatzfrage stellen: Was ist das eigentlich, Kunst ?  
Oder um die Sache umzudrehen, was ist eigentlich  k e i n e  Kunst...hm.!  
Ich habe die Idee, dass Diskussionen über nicht definierte Worthülsen sehr schwierig zu führen sind. In diesem besonderen Fall wäre es vielleicht besser, von einem anderen Ansatz auszugehen, z. B.
Thomas Hirschhorn hat die vielschichtigen Mechanismen der schweizerischen Demokratie auf seine Weise visualisiert. Er hat also (vielleicht >ich habe die Installation nicht real gesehen) dasselbe gemacht wie ein kritischer Journalist oder Dokumentarfilmer, nur eben mit anderen Werkzeugen. Ist er deshalb ein Künstler, in dieselbe Wort-Schublade einzuordnen wie einE BildermalerIn etc.? Oder einfach unter anderem ein beobachtender, mitdenkender, aktiver Zeitgenosse.
Die entschiedende Unterscheidung von Tätigkeiten liegt doch in der persönlichen Motivation und den Möglichkeiten diese umzusetzen und es wäre ratsam, mithilfe von korrekteren und präziseren Begriffen die Absicht einer Person zu lokalisieren.
So würde die Angelegenheit auf eine sachliche Ebene getragen und nicht im Kunst-Dunst vernebelt.
Jetzt schneidet sich nämlich jeder nach Möglichkeit ein Stück vom Publizitäts-Kuchen ab, doch keiner weiss genau, wovon er spricht. >Ist es nun Kunst---oder nicht?!  Darf Kunst das---oder was...
P.S. Kurzes Statement:  Die SR-Reaktion finde ich ziemlich daneben.

Hirschhorn im BLICK

Unbenanntes Dokument

10.12.2004
CVP fordert Untersuchung
Wird Hirschhorn Pro Helvetia zum Verhängnis?
von Urs Moser
BERN. Der Skandal um die Hirschhorn- Ausstellung setzt die Kulturstiftung Pro Helvetia immer mehr unter Druck. Die CVP setzt ihr Powerplay gegen Stiftungspräsidentin Yvette Jaggi fort und fordert eine Untersuchung.
Unter den Fittichen der CVP war die Welt in Ordnung: Vor der ehemaligen Lausanner Stadtpräsidentin und SP-Ständerätin Yvette Jaggi war die Pro Helvetia in CVP-Hand. Jaggi löste die ehemalige Ständerätin Rosemarie Simmen als Stiftungspräsiden-tin ab.
Wenig erstaunlich, dass die CVP nun den Wirbel um die Hirschhorn-Ausstellung im Pariser Centre Culturel Suisse als Beweis für das Versagen der Simmen-Nachfolgerin darstellt.
Ein alter Machtkampf soll nun zum Pyrrhussieg für Jaggi werden: Vor anderthalb Jahren wies sie ihren Direktor Pius Knüsel erfolgreich in die Schranken. Knüsel wollte Michel Ritter, den Leiter des Pariser Centre Culturel, feuern. Ritter durfte bleiben, dafür lief sein ganzes Team davon. Und jetzt hat er den Schlamassel um Skandal-Künstler Thomas Hirschhorn zu verantworten, der die Pro Helvetia eine Million Budgetkürzung kosten soll.
Nachdem BLICK gestern unter dem Stichwort «Kopfgeld» vom CVP-Plan berichtete, die Millionenkürzung vom Rücktritt Jaggis abhängig zu machen, wurden etliche CVPler kopfscheu.
Fraktionschef Jean-Michel Cina mag das Ultimatum weder offiziell aussprechen noch dementieren. Was so viel heisst wie: Kurzfristig wird aus dem Putsch wohl nichts, dafür wird man die Strafaktion des Ständerats im Nationalrat unterstützen.
Das Powerplay gegen die Spitze von Pro Helvetia geht auf einer anderen Ebene weiter: CVP-Nationalrat Pierre Kohler wird in der Sitzung der Finanzkommission am nächsten Montag eine unabhängige Untersuchung der Aktivitäten der Kulturstiftung und der gesetzeskonformen Verwendung der Bundesgelder verlangen. Kohler selbst ist gegen die Disziplinierung durch eine Budgetkürzung. Klar ist für ihn aber: «Das Parlament muss wissen, wie öffentliche Gelder von den Empfängern eingesetzt werden.»

10.12.2004

Jürg Ramspeck
Fälschlich ein Skandal
Die Mutter des Skandals ist das Missverständnis, das im Falle des Hirschhorn-Skandals ein doppeltes ist.
Das erste Missverständnis besteht darin, die Entweihung des Blocher-Bildes mit dem Argument zu verneinen, dass «ja kein Urin floss». Dieses Argument muss zurückgewiesen werden. Auf der Bühne ersticht Othello Desdemona zwar lediglich mit einem Karton-Dolch, aber Shakespeare lässt keinen Zweifel am Handlungselement des Gattenmordes. Desgleichen verübt der Hund am Konterfei des Bundesrates zweifelsfrei den Akt der Bewässerung, der eben gerade dadurch zur Kunst wird, dass er mit ausschliesslich schauspielerischen Mitteln zustande kommt.
Noch gravierender ist das zweite Missverständnis, das die Besprühung des Porträts als Schändung interpretiert. Hier wird völlig verkannt, dass der Hund niemals sein Bein hebt, um ein Missfallen zum Ausdruck zu bringen. Im Gegenteil. Bäume, Laternenpfähle, mitunter auch Statuen, die der Hund markiert, wählt er als Projektionsflächen seiner Persönlichkeit aus. Er ernennt das Objekt, dem er seine intimste Aufmerksamkeit widmet, zum Botschafter der Individualität, die er kundgibt. Haushälterisch verteilt er die Substanz, die ihm zu diesem Zweck zur Verfügung steht, auf örtliche Gegebenheiten, die für die nachhaltige Weitervermittlung seiner Wesenheit am geeignetsten sind.
Hirschhorns Hund erweist also Blocher seine Reverenz. Jede andere Deutung ist kynologisch unzulässig.

10.12.2004
Chefs der Museen irren nicht


Ist Thomas Hirschhorn ein Künstler? Ist das, was er macht, Kunst?
Natürlich ist Hirschhorn ein Künstler und dazu noch einer, dessen Kunstwerke zu Recht die internationale Wertschätzung der Fachwelt geniessen. Dies belegen nicht nur seine grossen Einzelausstellungen in den wichtigsten Ausstellungsinstitutionen der Welt, von Zürich, Paris, Stockholm bis Chicago und New York.
Können Politiker, die heute so undifferenziert gegen Hirschhorn polemisieren und seine Installationen als «primitive und menschenverachtende Machwerke» bezeichnen, wirklich glauben, dass sich die vielen Direktoren dieser renommierten Museen irren?
Wohl kaum. Vielmehr muss man annehmen, dass die inkompetente Kritik solcher Politiker auf Unwissen beruht. Dies ist nicht weiter neu. Erschreckend ist jedoch die schnelle Dreistigkeit des Versuchs, Hirschhorns Ausstellung als willkommenen Anlass zu nutzen, in Zukunft der unbequemen zeitgenössischen Kunst die finanzielle staatliche Unterstützung zu entziehen.
Die Anfeindungen gegen kritische und politische Kunstwerke sind so alt wie die Kunst selbst. So lösten schon im 18. und 19. Jahrhundert die Bilder von Künstlern wie Jacques-Louis David oder Edouard Manet, die heute zu den Meisterwerken der Kunstgeschichte zählen, öffentliche Skandale und bisweilen gerichtliche Prozesse aus.
Dabei sind es aber häufig gerade die äusseren politischen Umstände, die Werke von eindringlicher Schönheit hervorbringen. In diesem Sinne ist es auch zu verstehen, dass Picasso, als er von einem deutschen Besatzungssoldat gefragt wurde, ob er das heute legendäre Antikriegsbild Guernica gemalt habe, antwortete: «Nein. Sie!»
Es ist nicht verwunderlich, dass in Zeiten, in denen demokratische Grundwerte wie freie Meinungsäusserung umkämpft sind, Arbeiten wie Thomas Hirschhorns Installation «Swiss-Swiss Democracy» entstehen.


10.12.2004
Thomas Hirschhorns Ausstellung in Paris
Chaotisch wie eine WG
VON ANNEMARIE MAHLER
PARIS. Die Ausstellung «Swiss-Swiss Democracy» mutet chaotisch an wie eine Studenten-WG. Von Skandal keine Spur.
Am Mittwoch um die Mittagszeit irrten fünf oder sechs Besucher durch die wild beschrifteten Kartonwände. Wo beginnen, wo aufhören? Es gibt so viel zu lesen.
Im oberen Stock fahren kleine Schweizer Modelleisenbahnen durch mit Scotchtape verkleidete Tunnels. Grausam viele Arbeitsstunden muss das Auskleiden des ganzen Hauses mit dem Scotchtape gekostet haben.
Auf Fernsehschirmen flimmern Videos. Man fährt im Lok-Führerstand durch die Schweiz. «Das kann ich nicht lesen, das ist Deutsch», sagt eine ältere Französin - oder vielleicht Englisch oder Italienisch? Die Zeitungsausschnitte mit gescheiten Sätzen über Demokratie gibt es in mehreren Sprachen.
«Wir sind zum ersten Mal im Schweizer Kulturzentrum»: Zwei Baslerinnen, die in Paris wohnen, kamen wegen des Skandals, können ihn aber nicht entdecken.
Das Theaterstück «Guillaume Tell», frei nach Schillers Wilhelm Tell, stellt sich als junges Kabarett heraus. 50 Zuschauer, der Saal ist voll. Am Schluss frenetischer Applaus.
Als ein Schauspieler Wolfshund spielt und vor einem zerknitterten Blocherplakat (niemand kennt ihn) sekundenschnell das Bein hebt, realisiert kein Mensch, dass dies ein Affront gegen einen Bundesrat ist.
Ein junger Franzose findet es toll von der Schweiz, so eine Ausstellung zu unterstützen. «Ich glaube nicht, dass die französische Regierung das Gleiche tun würde, wenn eine Ausstellung in einem anderen Land auf die geringste Weise Frankreich angreifen würde. Das ist wirkliche Freiheit.»

10.12.2004

Kunst Der Mut zum eigenen Urteil
Ist Kunst politisch? Der Schweizer konkrete Künstler Gottfried Honegger (87, Bild) antwortet.
BLICK Sie sagen, die Kunst hat einen Auftrag, und der ist immer politisch?
GOTTFRIED HONEGGER «Kunst ist Politik, nicht links oder rechts, sondern in dem Sinne, dass sie der Gesellschaft dienen muss. Das ist der Auftrag. Die Gesellschaft erfindet die Kunst, diese ist ihr Abbild und ihren Ausdruck. Ohne Kunst hätten wir keine Geschichte, keine Identität, keine Harmonie, kein Selbstbewusstsein.»
Sie sagen, Kunst, die nicht von der Gesellschaft herkommt, ist keine Kunst: Wie unterscheidet man?
«Die Demokratie hat auch die Kunst demokratisiert in dem Sinne, dass der Betrachter selber urteilen kann. Wir können heute zwischen Max Bill und Hirschhorn wählen. Max Bill war im Gemeinderat Zollikon, Nationalrat in Bern, er hat das Bauhaus in Ulm gegründet und war bis zum Tod Präsident der Bauhausstiftung in Berlin, er hat ein Riesenwerk als Maler und als Bildhauer hinterlassen und niemals einen Auftrag von der Pro Helvetia bekommen.»
Kunstkritiker, Kuratoren, Galeristen, Kunsthistoriker loben Thomas Hirschhorn als grossen Künstler.
«Sie erfüllen alle ihre Aufgabe nicht, weil sie das Publikum nicht aufklären und sagen, worum es wirklich geht, nämlich um den Kommerz.»
Hirschhorn behauptet, sich in seiner Kunst mit der Demokratie auseinanderzusetzen.
«Hirschhorn greift die Demokratie an. Aber er greift nicht das System an, sondern die Menschen, die sie vertreten, arbeitende, Menschen, die eine Leistung vollbringen. Demokratie ist kein fixer Begriff, Demokratie wie wir sie heute haben, ist eine Entwicklung von hunderten von Jahren.»
Interview: Lilith Frey


09.12.2004

Skandal-Künstler Thomas Hirschhorn
«Gemeinheit gegenüber der Schweiz»
Im Schweizer Kulturzentrum in Paris provoziert Star-Künstler Thomas Hirschhorn unter anderem mit Folter-Bildern aus dem Irak und zieht Parallelen zur Schweiz. Unterstützt wird er auch mit Bundesgeldern der Stiftung Pro Helvetia.

Chaot
«Was sich Thomas Hirschhorn erlaubt, ist eine Gemeinheit gegenüber der Schweiz und deren Bürgerinnen und Bürgern. Er wird als Künstler bezeichnet, Chaot würde aber besser passen! Aus Protest will er nicht mehr in der Schweiz ausstellen. Es sollte ihm auf jeden Fall verboten werden, eine Ausstellung zu organisieren, in der es auch nur den kleinsten Hinweis gibt, dass die Schweiz betroffen ist. Es ist zudem ein Skandal, dass Steuergelder auf diese Weise verpulvert werden, umso mehr, da in allen Bereichen die Ausgaben gedrosselt werden müssen.»
Max Haller, Yverdon-Les-Bains VD

Nestbeschmutzer
«Ich finde es eine bodenlose Frechheit, was dieser «Künstler» in Paris über die Schweiz auf Papier bringt. Die Schweiz ist auf humanitärem Gebiet sehr angesehen. Dieser Nestbeschmutzer will aber alles zerstören, was der Schweiz Sympathien bringt.»
Martin Studer, Oberbuchsiten SO

Geschicktes marketing
«Bei Künstlern wie Thomas Hirschhorn oder etwa Christoph Schlingensief geht es nicht um Kunst, sondern um geschicktes Marketing und Provokation. Die bewundernswerte Leistung liegt doch darin, einen Dummen (Pro Helvetia) zu finden, der 80 000 Franken dafür springen lässt, ein Kulturzentrum mit Wellkarton zu tapezieren.»
Adrian Meier, Beckenried NW

Pass abgeben
«Es ist eine Schande, dass sich solche Leute Schweizer nennen. Ich möchte Hirschhorn den Vorschlag machen, sich in einem Land einbürgern zu lassen, das für ihn besser ist als die Schweiz, und den Schweizer Pass abzugeben.»
Stefan Jetzer-Gisler, Nussbaumen AG

Blossstellung
«Die Art und Weise, wie Thomas Hirschhorn unser direktdemokratisches Staatsverständnis im Ausland der Lächerlichkeit preisgibt, schlägt dem Fass den Boden raus! Dass das Ganze auch noch indirekt von uns Steuerzahlern getragen wird, macht den Skandal perfekt. Es kann nicht angehen, dass unsere direkte Demokratie von derart unsinnigen und völlig deplatzierten Äusserungen eines Skandal-Künstlers blossgestellt wird.»
Bernhard Diethelm, Vorderthal SZ

07.12.2004
Bundesrat Couchepin: «Schön ist, was gefällt»
BERN. Bundesrat Pascal Couchepin (62) amüsiert sich sichtlich über die Hirschhorn-Kontroverse. «Als schön gilt heute, was provoziert», sagt der Kulturminister.
BLICK Herr Bundesrat, gefällt Ihnen Hirschhorns Werk, das auch Ihren Kollegen Christoph Blocher bildlich ins Visier nimmt?
PASCAL COUCHEPIN: «Sagen wir es so: Ich habe nicht die Absicht, sein Werk für mein Wohnzimmer zu kaufen.»
Warum nicht?
«Mir fehlt das nötige Kleingeld. Und ich habe keine Lust, mein Wohnzimmer zu verschandeln.»
Und was sagen Sie allgemein zum Streit um Hirschhorn?
«Die ganze Welt scheint sich zu fragen: Was ist Kunst? Ich halte mich an die alte Definition, die besagt: Schön ist, was gefällt. Heute gilt als schön, was provoziert. Das ist die neuere Tendenz, schon seit Joseph Beuys. Zudem erlaubt mir meine Ausbildung nicht zu beurteilen, was Kunst ist. Das liegt in der Verantwortung von Pro Helvetia.»
Böse Zungen sagen: Die Hirschhorn- Plakate sind im SVP-Stil gehalten.
«Sie wollen doch nicht etwa behaupten, dass die SVP-Plakate Kunst sind? Wenn Hirschhorn Kunst ist, dann sind die SVP-Plakate ungehobelte Kunst.»
Sind Sie jetzt sauer auf Pro Helvetia?
«Sehe ich etwa sauer aus? Überhaupt nicht!»
Dann werden Sie Pro Helvetia den Kredit nicht kürzen?
«Sicher nicht. Ich bin durch und durch liberal. Auch wenn mir etwas nicht gefällt, führe ich nicht gleich irgendwelche Strafaktionen durch.»
Sie sind heute in Paris. Schauen Sie sich die Ausstellung an?
«Ehrlich gesagt: Dazu habe ich weder Lust noch Zeit.»
Henry Habegger

06.12.2004
Skandal um Schweizer Star-Künstler Thomas Hirschhorn - 3 Bundesräte betroffen
Er vergleicht die Schweiz mit Foltergefängnis!
VON GEORGES WÜTHRICH
PARIS/BERN. Grosse Aufregung um eine Ausstellung des Schweizer Star-Künstlers Thomas Hirschhorn (47) in Paris. Er vergleicht die Schweiz mit einem Folter-Gefängnis und lässt ein Blocher-Foto anpinkeln. Pikant: Die Provokation wird vom Staat bezahlt.
Das Schweizer Kulturzentrum in Paris ist seit Donnerstag nicht mehr zu erkennen. Der international angesehene Bündner Künstler Thomas Hirschhorn hat es total umgekrempelt. Tausende von Zeitungsausschnitten sind auf die Wände gepappt, Unmengen von Wellkarton schaffen neue Räume.
Hirschhorns politische Aussage: «Ich möchte die Schweizer direkte Demokratie desillusionieren.»
Und das tut er mehr als provokativ:
Schon die Einladung ist eine einzige Provokation. Unter einer Folterszene aus dem berüchtigten irakischen Gefängnis Abu Ghraib sind die Wappen der drei Urschweizer Kantone aufgeklebt, versehen mit dem Kommentar «Ich liebe Demokratie».
In einem Theaterstück pinkelt ein Darsteller - in der Pose eines Hundes - gegen ein Bild von Bundesrat Christoph Blocher (63).
Auf Blocher hat sich der gefragte Künstler ohnehin eingeschossen: Seit der Wahl des SVP-Mannes in den Bundesrat stellt Hirschhorn aus Protest nicht mehr in der Schweiz aus. Begründung: Er akzeptiere die Wahl Blochers nicht!
Die Pinkel- und die Folter-Szene sind jetzt auch ein Fall für den Bundesrat. Der Schweizer Botschafter in Paris, François Nordmann (62), alarmierte die Zentrale in Bern, berichtete die Westschweizer Zeitung «Le Matin dimanche». Aussenministerin Micheline Calmy-Rey (59) sandte sofort Boten in die Departemente Blocher und Couchepin aus.
Kulturminister Pascal Couchepin (62) ist der oberste Schirmherr der Stiftung Pro Helvetia, welche die Verantwortung für die Ausstellung trägt. Sie zahlt dem Pariser Kulturzentrum jährlich 600 000 Franken für Schweizer Ausstellungen, davon 80 000 Franken direkt an Hirschhorn.
Couchepin-Sprecher Jean-Marc Crevoisier erklärt gegenüber BLICK: «Im Moment sagt der Chef noch nichts.» Im Übrigen müsse Pro Helvetia das Departement nicht fragen, ob sie eine solche Ausstellung machen dürfe.
Dafür setzt sich der Direktor von Pro Helvetia, Pius Knüsel (47), ein: «Klar stellt sich die Frage, ob ein Künstler in die Hand beissen darf, die ihn füttert», sagte Knüsel gestern zu BLICK. Auch wenn er den personifizierten Angriff auf Blocher heikel finde, könne man nicht einzelne Teile aus der Ausstellung herausbrechen: «Das wäre nicht glaubwürdig.»
Das sieht man in der nationalrätlichen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) anders. Präsident Theophil Pfister (62), SVP-Nationalrat aus St. Gallen, will den Kunst-Skandal morgen in der Kommission besprechen: «Künstlerische Freiheit ja, aber nicht auf Staatskosten.» Das provoziere nur Stimmen, die die Auflösung der Pro Helvetia verlangen. Das ist bereits geschehen. SVP-Präsident Ueli Maurer (53) fordert einmal mehr, der Stiftung sämtliche Mittel zu streichen.

Hirschhorn im Blick, 1. Teil

Unbenanntes Dokument

6.12.04:
Mit Steuerfranken bezahlt
Urin über Blochers Haupt
BERN – Die Schweiz wird verhöhnt. Von einem Schweizer! Er lässt Blocher bepinkeln, Urnen bekotzen und die Eidgenossenschaft als Gefängnis dastehen. Nach allen Regeln der Kunst.
Es passiert im Schweizer Museum in Paris. Finanziert von Pro Helvetia, die noch nie so viel Geld investierte: 180´000 Franken stellte sie dem Berner Künstler Thomas Hirschhorn zur Verfügung. Auf das er Werbung für die Eidgenossenschaft mache. Bezahlt von Herrn und Frau Schweizer – mit den Steuern.
Der Schweizer räumt in Paris mit allem auf, was uns mehr oder weniger heilig ist: Eine Schauspielerin kotzt in eine Abstimmungsurne und ein Darsteller uriniert wie ein Hund über ein Bild von Blocher.
Wer davon nicht genug hat, kann sich noch die Bilder in der Ausstellung ansehen. Hirschhorn sammelte ganz viele Zeitungsausschnitte, die er zu grossen Collagen zusammenklebte. Mann man dabei müde wird, kann man sich in Helvetias Schoss setzen: in Sessel, die über und über mit braunem, glänzendem Klebband überzogen sind, das normalerweise für Schachteln oder ähnliches gebraucht wird.
«I love Democracy». Das klingt gut, oder? Doch auch das hat der Berner auf ganz besondere Art interpretiert. Oben das irakische Folter-Gefängnis Abu Ghraib – unten die drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden.
SVP-Präsident Ueli Maurer zeigte sich gegenüber Radio DRS auch entsetzt über die Ausstellung. Pro Helvetia habe den Auftrag, Werbung für die Schweiz zu machen. Und nicht das Gegenteil. Maurer wird dabei von Ex-FDP-Präsidentin Christiane Langenberger unterstützt: Sie nannte die Hirschhorns Werk «fragwürdig» und «geschmacklos».

7.12.04:
Ständerat bestraft die Pro Helvetia
BERN – Die Kleine Kammer goutierte die Ausstellung des Schweizer Künstlers Thomas Hirschhorn in Paris gar nicht und griff deshalb zum Rotstift. Ist das angebracht?
Wenn ein Darsteller in einer Ausstellung an ein Bild von Bundesrat Christoph Blocher uriniert (Blick Online berichtete), so ist das bestimmt nicht jedermanns Sache. Besonders dann nicht, wenn es sich um einen Schweizer Künstler handelt, der dafür von der Kulturstiftung Pro Helvetia 180´000 Franken an Steuergeldern erhalten hat.
Der Ständerat hat heute eine Strafaktion gestartet. Und der Pro Helvetia für das Budget 2005 glatt eine Million gestrichen. Der Zuger CVP-Abgeordnete Peter Bieri sprach im Namen der bürgerlichen Mehrheit: Mit der Kürzung auf 33 Millionen Franken soll ein klares Zeichen gegen dieses mit Steuergeldern unterstützte «primitive und menschenverachtende» Machwerk gesetzt werden.
Eine Minderheit hingegen warnte – erfolglos – vor einer emotionalen Strafaktion im Rahmen einer Budgetdebatte. Die Ausstellung von Hirschhorn sei zwar geschmacklos, «unsere Demokratie ist jedoch gefestigt genug, dass wir auch einen Hirschhorn verkraften können», meinte etwa der Solothurner SP-ler Ernst Leuenberger.
Pro Helvetia wollte nichts zu dem Entscheid des Ständerates sagen. Ohnehin sei die Entscheidung noch nicht definitiv, auch der Nationalrat müsse das noch absegnen, sagte Direktor Pius Knüsel.
Dafür bedauerte es David Streiff, Direktor des Bundesamtes für Kultur, umso mehr. Die Verärgerung über Thomas Hirschhorns Ausstellung sei verständlich. Aber die Kreditkürzung treffe die Falschen, nämlich die Kulturschaffenden und die interessierte Öffentlichkeit. Die Freiheit der Kunst halte er für ein wichtiges Gut, so Streiff.
«Politischer Druck gehört sich nicht in der Kulturarbeit. Ich hoffe, Pro Helvetia kann diesem Druck wiederstehen.» Markige Worte – von Adolf Muschg. Pro Helvetia sei nicht dazu da, für die Schweiz Werbung zu machen. Als Land werde man nur ernst genommen, wenn man selbstkritisch sei.

7.12.04:
«...hat die Schweiz wirklich ein Problem»
Gefährdete Demokratie?
PARIS – Wer hat hier ein Problem: die Schweizer Politiker mit ihrer Demokratie oder Thomas Hirschhorn mit seiner provokativen Kunst? Sicher ist, letztere ist sehr erfolgreich.
«Wenn mit einer solchen Ausstellung von Paris aus eine Staatsaffäre ausgelöst werden kann, hat die Schweiz wirklich ein Problem», ist die deutliche Antwort des Berner Künstlers. Seine Ausstellung in Paris hat in der Schweiz für hitzige Diskussionen gesorgt.
Und nicht nur das: Der Ständerat hat sogleich eine Strafaktion gestartet und will der Kulturstiftung Pro Helvetia das Budget um eine Million Franken kürzen.
Damit hat auch Hirschhorn nicht gerechnet. Grundsätzlich habe er gegen Budgetkürzungen im Rahmen von Sparmassnahmen nichts einzuwenden. Wenn es sich jedoch um eine Strafaktion handle, welche die Künstler kollektiv treffe, dann sei die Demokratie in Gefahr, kritisiert er aber den Schritt der Kleinen Kammer.
Die Schweizer stünden zu sehr unter dem Druck des Geldes. Sie seien zu besorgt und nicht souverän. Sehr schnell fühlten sie sich angegriffen und reagierten weinerlich, sagte Thomas Hirschhorn weiter.
Er stellt in seiner Ausstellung die Demokratie in Frage. Er wolle darauf aufmerksam machen, dass alles mit diesem Wort gerechtfertigt werde, sagte er in Interviews. Er sei nicht gegen die Demokratie, sondern wolle Probleme aufzeigen.
Die nächsten Ausstellungen des Künstlers finden im Centre Pompidou in Paris sowie in München und Chicago statt. Es handle sich dabei um andere Arbeiten, sagte Hirschhorn. Ob die Zuschauer wiede in Massen kommen? Seit Samstag wollten sich bereits über 2000 Personen mit Hirschhorns Sicht der Demokratie auseinandersetzen

7.12. Leserbriefe:


Hirschhorn einliefern
Nehmt diesem Hirschhorn das von uns Steuerzahlern sauer verdiente Geld wieder ab, aber subito! Es ist eine unglaubliche Frechheit, unser Land so darzustellen. So einer gehört eigentlich dorthin, wo die Wände gut gepolster sind!
Rolf Dolder, Recherswil


Geld sperren
Es kann ja Leute geben, denen Hirschhorns Kunst gefällt. Aber das Land und unsere Magistraten verhöhnen, das geht nicht. Natürlich muss das Geld für Pro Helvetia gesperrt werden. In Bern werden sicher die nötigen Schritte unternommen, dass die Künstler in Zukunft besser überlegen, was tolerierbar ist.
MAx Sulzberger, Kreuzlingen.


Säue auf Hirschhorn
Anstand ein Thema? Offenbar nicht. Tausend urinierende Säue auf ihn. Auf dass es ein "Kunstthema" werde.
Peter Hunziker, Uster


Aus für Hirschhorn
Es ist aus, Herr Hirschhorn, mit ihren Fäkalienspielen. Einem Nestbeschmutzer wird jegliche Zuwendungen zu streichen. Mancher Mitbürger kann nur mit Mühe seine Steuern bezahlen. Mit unserem Geld können solche "Schweinereinen" bequem finanziert werden. Streicht sofort der Pro Helvetia alle Subventionen.
Andreas Kaufmann, Bremgarten


Bravo Ständerat
Ich gratuliere dem Ständerat für die Kürzung der Beiträge an Pro Helvetia! Es hätte auch etwas mehr sein können. Diese Million sollte bei den Salären der Verantwortlichen gekürzt werden! Solche "Künstler" wie Hirschhorn sollten lebenslang aus öffentlichen Arbeiten ausgeschlossen werden!
P.L. Buchs

Leserbriefe 6.12.
Mut zum Ausmisten
Was sich da Pro Helvetia im Schweizer Museum in Paris erlaubt, ist eine Schande für unser schönes Land. Solche Institutionen darf man nicht mehr unterstützen. Wie lange wird noch zugewartet und welcher Politiker hat den Mut, endlich mit solchen Machenschaften aufzuräumen.
Andreas Huber, Wilderswil


Unterstützung streichen
Als Steuerzahler kommt mir das Kotzen, wenn ich sehe, wie solche «Künstler» mit Steuergeldern den Staat beleidigen, der ihnen ihr Tun ermöglicht. Lasst diese Kulturschaffenden doch ohne finanzielle Unterstützung eine Ausstellung organisieren!
Heinz Mühlebach, Fällanden


Auf unsere Kosten!
Über Kunst lässt sich bekanntlich streiten. Aber dass solch abscheuliche und verwerfliche Kreationen dann noch in Paris und mit Steuergeldern unterstützt werden, entbehrt jeglicher Grundlage. Falls sich dieser «Künstler» mit seinem Schaffen mal einen Namen gemacht hat, kann er solchen Mist selber Promoten.
Geiger Bruno, Warth


Dummen gefunden
Grundsätzlich muss man wissen, dass es bei «Künstlern» wie Hirschhorn oder etwa Schlingensief (Theater) nicht um Kunst, sondern um PR, geschicktes Marketing und Provokation geht. Die bewundernswerte Leistung liegt doch darin, einen Dummen zu finden (Pro Helvetia), der 80´000 Franken dafür springen lässt.
Adrian Meier, Beckenried


Kulturbeiträge streichen
In Bern wird über Streichungen im Budget gesprochen. Warum nicht die Kulturbeiträge? Es ist bei Gott nicht das erste Mal, dass Kulturbeiträge (Steuergelder) an Nestbeschmutzer gesprochen wurden.
Emmi Widmer, Oberriet


Einfach nur eklig
Eklig, ganz einfach nur eklig. Um in der Ausdrucksweise des Steuergelddiebs von Pro Helvetias Gnaden zu bleiben: Ich könnte kotzen, auf Hirschhorn und auch auf diejenigen, welche so was mit Steuergeldern fördern.
Ernst Ebert, Ebikon

Hirschhorn in 20min

Unbenanntes Dokument

20min


«Ce n'est pas une provocation»
http://www.20min.ch/community/forum/topic.tmpl?topic=1791&type=thread

Pinkeln als Kunst?
Der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn lässt in einer Installation in Paris einen Schauspieler in der Pose eines Hundes an ein Bild von Bundesrat Blocher pinkeln - nicht in echt, sondern nur markiert. Pro Helvetia hat sich inzwischen zum umstrittenen Projekt am Centre Culturel Suisse geäussert. Die Stiftung distanziert sich von allfälligen persönlichen Angriffen auf Bundesrat Christoph Blocher, steht aber zum Projekt.
Was halten Sie von dieser Art Kunst? Was vom Skandal? Oder ist es für Sie gar keiner? Darf man, was sich Hirschhorn erlaubt, weil in der Kunst alles erlaubt ist?

Beitrag von Schwiizer (08.12.04; 16:45)
eine ärbärmliche Reaktion der Landesregierung!
Dass der Ständerat den Kredit für die Stiftung Pro Helvetia nicht ganz gestrichen hat, enttäuscht mich sehr. Der Landesregierung scheint nicht viel an dem Ansehen der Schweiz im Ausland zu liegen. Hier müssen die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden! Wo sind die Politiker die noch für unser Land einstehen, die Souveränität als höchstes Gut pflegen und stolz sind Schweizer zu sein?

Beitrag von LandFloh (08.12.04; 14:20)
Kunst
Es gab vor n paar Jahren mal einen, der hat eine tote Kuh aus einem Heli geworfen - bestückt mit Feuerwerksraketen im A**** des Tieres, welche unterwegs losgehen sollten.
Die Diskussion damals ging von "Tierhasser" über "Moral" zu "Ethik", und man fragte sich auch damals, was denn daran "Kunst" sein soll.
Ein wesentlicher Bestandteil der Kunst ist, zum DENKEN anzuregen. Denkt man über ein Kunstwerk nach, hat man ein wesentliches Ziel des Künstlers bereits erreicht.
In diesem Falle gehts um die Politische Kunst. Politisch herrscht nicht uneingeschränkte Meinungsfreiheit, da muss man aufpassen was man von sich gibt. Durch politische Kunst kann aber das, was nicht salonfähig ist, trotzdem zum Ausdruck gebracht werden. Früher wurden Könige via Fabeln kritisiert.
Es handelt sich also um etwas, was schon lange betrieben wurde, und was sein Ziel erreicht hat:
wir diskutieren darüber - sprich, denken somit darüber nach.
Vom künstlerischen Aspekt her nicht ganz astrein - weiss man ja jetzt nicht, ob das Interesse politischer oder künstlerischer Natur ist.

Beitrag von gegenteil (08.12.04; 13:47)
Da pisst ja gar keiner
Also das ist ja gar nicht so schlimm, ich dachte schon die Pissen wirklich auf ein Blochersche Portrait und kotzen in eine Wahlurne. Das wäre ja wirklich gruusig gewesen.
Also die sind ein Bisschen hysterisch in Bern. Wer das Bild vom König von Thailand respektlos behandelt, wird ja auch bestraft. Schliesslich leben wir hier ja auch in einer Monetokratie.

Beitrag von Saekular (08.12.04; 12:23)
hirschhorn warnte vor den gefahren der demokratie
und es hat nur 2 tage gedauert, bis er den handfesten beweis dafür bekommen haben. die bürgerliche mehrheit im ständerat hat wieder kräftig zugelangt, um "entartete" kunst zu bestrafen und dabei wie üblich tüchtig daneben gelangt (leiden werden darunter alle jene künstler, die in zukunft nicht mehr unterstützt werden, dem international bekannten hirschhorn dürfte das auf seine persönliche situation bezogen ein gähnen wert sein). und das natürlich im namen der demokratie, auch wenn die ständeräte alles andere als repräsentativ für die bevölkerung sind. wisst ihr was? ich mache meinen 1-mann-kanton auf, dann bin ich automatisch ständerat und kann mitbeschliessen, wem wir auf die finger hauen. gut, nicht?
Saekular

Beitrag von _maryjane_ (08.12.04; 12:29) Autor
hehe...
ja, ich musste heute morgen lachen, als ich den tagi gelesen habe. der SR macht sich sowas von läächerlich, hoffentlich publiziert das hirschhorn noch irgendwo in der ausstellung, wie die reaktion von unseren alten herren (welcher nicht einen fuss in die ausstellung gesetzt haben) ausgefallen sind ^.^ hehe...
_maryjane_

Beitrag von Reo187 (08.12.04; 12:36) Autor
Niemand wurde bestraft!
Eine Busse wäre eine Strafe. Wenn man aufhört Geld zu verschenken kann man das nicht seriös als Strafe bezeichnen. Bitte aufhören mit dieser billigen Tagi-zitiererei.
- Danke!


Beitrag von Hannity (07.12.04; 22:46) Autor
33 Millione
Die Frage ist, was man mit 33 Millionen sonst machen könnte.
Als die NR/SR Wahlen waren gab es in Berlin einen Schweizer-Pavillion. Dort gabs Infos über die Schweiz, kleine Häppchen und Wahlresulatate.
Mit solchen Ideen machen wir uns beliebt im Ausland. Aber nicht mit total abstrakter Kunst. Anker ist auch KUNST!


Beitrag von airmail (08.12.04; 11:53) Autor
konservative und kunst..
Natürlich ist Anker AUCH Kunst, aber wenn für die Weiterentwicklung der Kunst die Meinung der Konservativen als Massstab genommen würde, dann wäre z.Bsp. selbst ein Picasso heute noch nicht als Künstler anerkannt. Das ist ja das Wesen der Konservativen, dass sie neue Denk- und Sichtweisen aus Prinzip ablehnen. Wenn du dich über die Ausstellung informiert hättest wüstest du auch, dass es sich nicht um abstrakte Kunst handelt, sondern im gegenteil um sehr konkrete Kunst, die offenbar den Besuchern in Paris grösstenteils gefallen hat, was ja auch wieder ein postitives Image für die Schweiz bewirkt..
airmail


Beitrag von _maryjane_ (08.12.04; 12:05) Autor
ja
muschg sagte es richtig "als land werde man nur ernst genommen, wenn man selbstkritisch ist"
_maryjane_


Beitrag von dhimmi_ (07.12.04; 21:49) Autor
das foto von hirschhorn
mit der hornbrille erinnert mich irgendwie an bert brecht (aus max frisch's veröffentlichen tagebücher). brecht ist heute noch in vielen kreisen ein hoch geachteter künstler - ein hirschhorn wir es nie soweit bringen. ist eben und vorallem eine kunst, bei politischen gegnern respektiert zu werden.
dhimmi_

Beitrag von charon_ (07.12.04; 21:36) Autor
Armutszeugnis
ich glaube, jetzt sind wir tatsächlich soweit, dass wir von 'unserer' schweiz als von einem uns nazionalsozialistischen staat sprechen dürfen. wir haben es endlich fertiggebracht, die zensur wieder einzuführen. endlich haben wir einen führer der in keiner weise antastbar ist.
ich würde mich nicht wundern, würde in der kommenden nacht die polizei bei mir vorsprechen und mich aus dem verkehr ziehen, denn ich stehe dazu: leute wie blocher und das was sich das parlament heute geleistet hat, gehören verboten! egal ob sie nun von der svp oder einem anderen verein sind, sie sind gefährlich. wie das beispiel von hirschborn, die reaktionen darauf und nun die strafaktion zeigen, sind wir tatsächlich soweit, wie es im reich in den 30er jahren war. herzliche gratulation liebe schweiz, du hast es weit gebracht, hast echt was aus der geschichte gelernt. was aber das schlimmste ist: das volk steht ganz offensichtlich hinter blocher. ja, es ist die svp die ich angreiffe, denn es ist auch die svp, welche die schweiz zum nationalsozialistischen staat macht.
was braucht es noch, bevor die menschen in diesem land erwachen und sehen, was hier passiert?
charon_


Beitrag von LandFloh (08.12.04; 09:45) Autor
@charon
hab ich mich auch schon gefragt, erst grad gestern, anderswo, in ähnlichem zusammenhang.
wir wachen morgens auf, gehen zur arbeit, verrichten unser tagessoll und lassen so die zeit vor sich hinstreichen. das leben ist anstrengend, schnell, kurzzeitig und irgendwie zu formlos, um sich an irgend einen zustand zu gewöhnen, ausgenommen an den der stetigen veränderung.
die gesellschaft, das volk, der pöbel, bedeuten die triebfeder eines jeden staates. wir sind das - ohne uns geht es nicht.
eigentlich mühsam, denn wir sind ein launenhafter haufen.
um uns bei laune zu halten werden wir mit scheinwelten und scheinwünschen bombardiert, die in scheinerwartungen dem schicksal oder sonst irgend einer instanz gegenüber münden.
gebet dem volke brot und spiele, heissts ja so schön. (anders ausgedrückt: sei besorgt, dass das volk wünsche und bedürfnisse hat, die deine macht nicht gefährden, sondern sie unterstützen)
doch was ist hinter der fassade? man braucht nicht allzu lange zu graben, im wulst der informationen, und man stösst bald auf ungereimtheiten, die sich mit den uns gelehrten mitteln nicht erklären lassen.
dass wir verarscht werden sei nun mal nicht genauer umrandet sondern einfach frech als tatsache hingestellt. (genauere informationen würden sich in konzentrierter form im 1. kapitel des buches "auf ein wort" (wehwehweh.zurwahrheit.de) finden )
doch wie geht es euch dabei? ich glaube nicht, dass ihr "keine ahnung" habt, wovon ich spreche. es geht euch ebenso auf den sack. wem noch? wieviele brauchts von "uns"? und was braucht es, um solche "kräfte" zu mobilisieren, wenn sie - jetzt rein hypothetisch - eine gewisse grösse erreicht haben könnten? was müsste getan werden?
mir geht das, was ich täglich höre, zunehmend auf den sack, es nervt mich das scheinheilige getue dieser ar$chlöcher, die uns wirklich, wirklich nur scheisse gebracht haben. angefangen bei der staatsverschuldung über den verfall des soz. netzes, und die ständige konstanthaltung der arbeitslosenziffern - ist doch irgendwie einfach zum k0tzen.
es geht mir auf den SACK
das wollt ich mal loswerden.
°h°

Beitrag von X2_Iceman (07.12.04; 20:51) Autor
Hmm
Naja, pinkeln ist keine Kunst, das ist wirklich arm.
Andererseits, Blocher ist ein fertiges Ar*******, ihn in einer Kunstausstellung zu kritisieren wäre mal eine gute Sache, allerdings sollte es doch noch Niveau behalten!
Aber ich denke, viele, die jetzt so entrüstet sind, würden nicht so reagieren, würde der Hund auf George W. Bush pinkeln, dann wäre es natürlich für alle Kunst und man würde sich aufregen, warum Leute dagegen protestieren, es sei schliesslich "Kunst" und "Meinungsfreiheit"


Beitrag von Edisa (07.12.04; 21:12) Autor
Mh, ja so.
--------- X2_Iceman schrieb: ---------
Naja, pinkeln ist keine Kunst, das ist wirklich arm.
Tss, pinklä isch nid arm. Das isch normal. Was isch normal? Mhh, normal isch standard. Aber so idr öffentlichkeit pinklä, isch unseriös. Aber da denki gern a diä werbig " tu nicht so erwachsen".
Wöit ihr all sones gschnigläts Läbä ha? So ohni Skandal? Sones voller Perfektionismus usgfüllts Läbä? "Wie langweilig", sagte der Cowboy mit der Schusswunde im Herzen und gab seine Geist auf.
Standaaard sukkt. Mh, ussergwöhnlich. Abnormal. Nid dä Mehrheit entsprechend. Abwegigi Idee ha. Fantasie usläbä. Ja bitte.

Beitrag von Edisa (07.12.04; 19:39) Autor
Fresh
haha..
Ist ja der Knüller. Ich finde diese Art von Kunst nicht schlecht. :)
Neue Sphären werden erschaffen. Neue Art von Kunst. Wurde auch mal Zeit. Dieser Mann hat eine witzige Vorstellung von der Kunst. Die Menschen haben etwas worüber sie lästern können.
Na? Freut euch doch.. Gesprächsstoff puuuuuuuuur.

Beitrag von DeThomson (07.12.04; 19:52) Autor
@Fresh jaja, voll der Knüller
Ich weiss beim besten Willen nicht was Kotzen und Urinieren mit Kunst zu tun haben soll, sowas gehört auf ein WC. Hätte der Künstler nicht Steuergelder dafür verschwendet, wäre es gar nie zu dieser Diskussion gekommen.
Lästern ist manchmal vielleicht lustig aber nicht auf unsere Kösten!
Falls das mit der Millionen-Kürzung durchkommen sollte wird das Geld übrigens in die Sport und Jugendförderung fliessen (war in den Medien zu hören), na das nenne ich einen sinnvollen Einsatz unserer Steuergelder.
noch ein kleines Beisspiel: Geht mal zu euren Arbeitsgebern (in diesem Fall wars unser Bund) und scheisst oder uriniert ihm auf den Tisch. Wenn sich nun einer wunder wieso er danach seinen Arbeitsplatz räumen darf und somit auch kein Lohn mehr kriegt, hat in unserer Gesellschaft was verschlafen.


Beitrag von ZeitgeistM (07.12.04; 18:59) Autor
so en seich!
Für so en Seich sed me für Kunst sämtlichi Millione striche und die Millione für öbis gschieders isetzte!

Beitrag von Stachel03 (07.12.04; 18:45) Autor
In England wurde ein umgedrehtes Pissoir als Kunstwerk gekürt
Mist = Kunst, ist doch egal. Hoffentlich bleibt Blocher viele Jahre im Bundesrat. Solange bleibt dieser Hitschhorn-Stümper in der Pariser "Racaille". Das hat er uns wenigstens versprochen.


Beitrag von aend (07.12.04; 18:34) Autor
kürzungen am richtigen platz!!!!
so hat die kunst eine budget kürzung definitiv verdient! was hirschhorn in paris geboten hat ist peinlich und daneben! da ist jeder rappen verschwendet!


Beitrag von rastamaik (07.12.04; 18:30) Autor
was ist kunst ?????????????????''
Auch erbricht eine Schauspielerin in eine Abstimmungsurne, und ein Schauspieler uriniert auf Bilder von Christoph Blocher.
das ist für mich keine kunst...........


Beitrag von Lazarus (07.12.04; 18:40) Autor
Bei solcher Kunst kommt mir auch das Kotzen ...
... vielleicht hat die Schauspielerin wegen Hirschhorns sogenannter "Kunst" gekotzt ... ;)


Beitrag von Lazarus (07.12.04; 18:24) Autor
Kunst ist was gefällt ...
... sei's noch so idiotisch ! Die "wahren" Künstler sind doch sowieso schon alle tot. Die "Künstler" und Schmierfinke von heute sind nicht fähig durch echte Kunst und Können zu überzeugen, sondern müssen dies mit extremen und idiotischen Messages bewerkstelligen. Es sollte bei der "Kunst", welche keine mehr ist angefangen werden zu sparen !


Beitrag von DeThomson (07.12.04; 16:24) Autor
und immer noch 33 Millionen an die Pro Helvetia
Wo sollen wir sparen frag sich der Bund...genau hier (und natürlich beim Militär). Da bezahlt man einem angeblich Weltberühmten Künstler die Ausstellung um die Schweiz im Ausland zu repräsentieren. Wenn er Weltberühmt ist, was er auch zu sein scheint, wird er wohl in der Lage sein, eine solche katastrophale Ausstellung auch selbst zu bezahlen. Ausserdem lebt der gute Mann nicht ein mal in der Schweiz sondern in Paris! Nun hat man der Pro Helvetia 1 Million von unseren Steuergeldern gestrichen und noch immer erhalten sie Jährlich 33 Millionen und unsere Politker Sprechen vom Sparen. Wie klug wären wohl unsere Schüler, bei welchen man jetzt massiv spart, wenn dieses Geld ihnen zugute käme? Wohin verschwinden diese Millionen Jahr für Jahr?
Es ist an der Zeit das unsere Kasperli-Regierung uns endlich offen legt wohin das ganze Bundes-Buget jährlich verlocht wird! Die Gemeinden können es ja auch.
An die, welche jetzt sagen werden "sowas kann man nicht in Papierform an jeden Schweizerbürger bringen", wir leben im Internetzeitalter.

Beitrag von Tom_ato (07.12.04; 16:45) Autor
DeThomson: Ja eben...
... , typisch, du weisst nicht wozu das Geld verwendet wird und bezeichnest die Regierung als Kasperlis, nichtwissend, dass das Geld auch und vor allem der Jugend zugute kommt. Kunst ist Bildung.
Aber klar, manche kaufen mit den Steuergeld lieber Jodtabletten fürs Volk.


Beitrag von Momo (07.12.04; 19:13) Autor
Pinkeln als Kunst?
Ich bin für leben und leben lassen + sehen und sehen lassen.
Jede nach sein Geschmack.


Beitrag von Yllor (07.12.04; 16:19) Autor
staatliche Unterstützungen oder Kunst nicht überbewerten
Ein Staat der Kunst, gleichgültig welcher Form und Sparte, unterstützt, OHNE "Führer"gehorsam vorzuschreiben, oder propagandistischen Missbrauch damit zu betreieben ist nicht hoch genug zu schaetzen!
Kritik, kuenstlerisch verpackt - selbst geschmacklose Kritik ist doch immer noch mehr Rezipientenangelegenheit.
Wenn Hirschhorn bepinkeln lässt und kein anderes Beispiel seiner Ver-oder Missachtung findet, so ist das wohl eher sein Problem. So wie sich dieser Bundesrat durch Leben brachte und bringt, hält er das ohne Schaden aus - er wird daraus wahrscheinlich noch seinen Gewinn zu ziehen wissen. Pintscherbeschimpfungen seitens Politiker haben den Künstlern jeweils auch nicht wirklich geschadet, weshalb sollen es dann Künst"beschimpfungen"?
Kunst und Einfluss? eine magere Sache!
Zudem sind Kunstaktionen eine Beurteilungssache
der Kunstkritik - im Zweifelsfall der Justiz
erst hier zeigt sich doch wie gut Gesetze eines Staates wirklich sind - oder wenigetens wie gut seine Executive
und wie Persoenlichkeitsschaedigend die jeweilige Aktion ...
aber selbt Ohrfeigen direkt verteilt hatten nicht so viel Einfluss, soweit man sich erinnern kann
und diese ewigen Nazivergleiche zeigen auch nur wie wenig differenziert immer wieder wird. Die Naziaktionen wurden polisch motiviert ausgeführt durch folgsame Meuten und waren keine kuenstlerisch eingebaute Symbolhandlungen ...
ob nun im Einzelfall die Symbole tauglich oder nicht.
Hirschhorn ruft ja nicht auf den Bundesrat zu bepinkeln. Wieviele Wahlplakate auch schon immer zu solchen Aktionen herhalten mussten, daran ist Demokratie noch nie gescheitert - im Aufruf zum Hass werden auch Muslimschulen nicht gehindert, weshalb so ein im Ausland sitzender Schweizer Kuenstler der so weit ja gar nicht geht!
Zudem tut es dem Schweizer Institut Paris sicher nur gut, was davon in Erinnerung bleibt ist doch: wie offen die Schweiz mit Kunst umgeht, im Gegensatz zu Ideologischen Systemen und Diktaturen -
zudem so ein Skandal: schnell gefeiert - schnell vergessen
zur Erinnerung ...
n'existe pas ? ;-))) sie existiert ja trotzdem die CH ...


Beitrag von Haimax (07.12.04; 15:46) Autor
Kunst ist aber auch:
Geld aus allen Institutionen zu Pressen, ob als Künstler, Manager oder Politiker. Wer es fertigbringt mit möglichst wenig einzubringen, viel Profit herauszuholen (dies lernt man zB. an der HSG, vieleicht machen angehende Künstler auch ein oder zwei Semester in St.Gallen ?)ist wirklich ein Künstler!!

Beitrag von _maryjane_ (07.12.04; 15:53) Autor
haimax
meistens sinds ja schon tod, wenn der profit kommt. ist bei den meisten künstler (ob jetzt musikalisch, zeichnen usw.)


Beitrag von Haimax (07.12.04; 15:57) Autor
Es ist ja gerade dies die Kunst
das Geld zu machen solange man lebt!
Wenn ich so auf die Show-"Künstler" sehe, gibts doch etliche die im Geld schwimmen!
Zugegeben die richtigen Künstler leben meist als arme Kirchenmäuse.


Beitrag von _maryjane_ (07.12.04; 15:37) Autor
mal zur info, um missverständnisse zu beseitigen:
Die von Couchepins Departement alimentierte Pro Helvetia, die für die Ausstellung 180'000 Franken gesprochen hat, «versteht, dass sie heftige Reaktionen auslöst». Doch das Projekt sei keine Ausstellung über Bundesrat Blocher, sondern «ein zwei Monate dauerndes Kolloquium über Demokratie», schreibt die Stiftung in einer Stellungnahme.
Eine Demokratie beweise Stärke, indem sie auch kritische Künstler unterstütze. Ausserdem sei die Freiheit der Kunst in der Schweizer Verfassung verankert.
«Ce n'est pas une provocation» schreibt der soeben mit dem Joseph Beuys-Preis ausgezeichnete Berner Künstler Hirschhorn in seinem Manifest zur multimedialen Installation. Er wolle durch die «Besetzung» aller Räume des CCSP «gegen die Ausnützung der Demokratie, die Absurdität der direkten Demokratie und die Wahl von Christoph Blocher» revoltieren.
Die Ausstellung sei keine Polemik, betonte auch CCSP-Leiter Michel Ritter. Hirschhorn zeige nur ein «wahres Problem» auf. Er habe die ausgestellten Materialien über Demokratie und Meinungsfreiheit - darunter Collagen aus Presseartikeln -«nicht gemacht, sondern vorgefunden».
Die Szene aus der Theater- Rahmenveranstaltung «Guillaume Tell», in der ein Schauspieler wie ein Hund ein Konterfei von Christoph Blocher bepinkle, sei von der Presse aus dem Zusammenhang gerissen worden. Die Szene wolle zeigen, dass Bürger keine Angst vor Mächtigen haben sollten, sagt Ritter.
Entgegen anderslautender Medienberichten sei die Ausstellung auch nicht seine teuerste. Die relativ hohen Kosten entstünden vor allem durch Gagen für neun Leute, die täglich Performancen bestreiten, neben der Theatercompagnie Gwenaël Morin etwa auch der Philosoph Marcus Steinweg.
Dass Hirschhorn persönliche Animositäten gegen Bundesrat Blocher hege, stellt Ritter in Abrede. In den für die Schau verwendeten, realen Presseberichten würden alle Bundesräte kritisch beleuchtet. Bis jetzt habe sich das Publikum auch nicht provoziert, sondern interessiert und beeindruckt gezeigt. Allein am Eröffnungstag seien 1000 Besucher gekommen.


Beitrag von paco6174 (07.12.04; 15:37) Autor
Früchte der Politik der Extreme
Vor ein paar Wochen diskreditierten die Rechtsbürgerlichen mit den Bin-laden Plakaten sich selbst und heute setzt ein genervter linker Künstler mit einer ähnlich peinlichen Affiche gegen die Rechten an. Der politische Dialog in der Schweiz wird nicht nur populistischer sondern fällt meiner Meinung nach immer häufiger als unangenehm peinlich auf. Ich bin kein Experte aber ich glaube Steuergelder kann man besser einsetzen.
Wir haben die Extreme gewählt und jetzt schiessen sie sich hoffentlich gegenseitig ab.


Beitrag von catyyy (07.12.04; 15:17) Autor
ähämm, sowas nennt sich Kunst?
Ehrlich gesagt, was heute alles unter dem Namen "Kunst" verkauft wird, ist meiner Meinung nach einfach nur Müll. Man sagt, es sei die Idee, doch meiner Meinung nach ist es nur der gute Verkäufer, der hier wirklich Kunst macht und den Rammsch auch noch an den Mann bringt.
Was dieser Hirschhorn geboten hat, ist nur wieder ein Zeichen dafür, dass das Label Kunst viel zu schnell verteilt wird. Ich bin für freie Meinungsäusserung, jederzeit! Aber wann dann bitte mit Anstand.. und nicht mit einer solchen primitiven Art..
schönen abend.

Beitrag von Tom_ato (07.12.04; 15:16) Autor
...
--------- tom-ato schrieb: ---------
Schon um 1800 herum wusste man: Lern im Leben die Kunst, im Kunstwerk lerne das Leben. Siehst du das Eine recht, siehst du das andere auch.
--------------------------------------
jetzt fängt der Skandal erst an, offenbar war man damals
mit dem Kulturverständnis weiter als Heute, wo ein Detail aus einer wichtigen Msg zum Anlass einer unerklärlichen Reaktion wird. Na gut , Msg nicht verstanden, was soll man da noch mehr dazu sagen.


Beitrag von baji32 (07.12.04; 14:48) Autor
Wehret den Anfängen!
Diese ganze Dikussion und diese Polemik erinnern mich an ein trauriges Kapitel der Menschheitsgeschichte. Fehlt nur noch dass jemand sagt, dies sei "entartete Kunst" wie es damals bei den Nazis gang und gäbe war.
Und dann noch das Geld streichen. Sorry, finde ich etwas zu "braun".
Und ich bin kein Fan von BLocher -und dass er da cool bleibt, finde ich überraschend und vorbildlich. Darum: Wehret den Anfängen!

Beitrag von Bialystock (07.12.04; 14:10) Autor
Ständerat straft sofort !
Soll mal noch einer behaupten die CH-Künstler beteiligten sich nicht aktiv am Sparprogramm:)
Tagi-online:
Wegen der umstrittenen Ausstellung «Swiss-Swiss Democracy» in Paris hat der Ständerat den Kredit für Pro Helvetia um eine Million gekürzt. Mehrere Votanten hatten zuvor vor einer «Strafaktion» gewarnt.
Den Kürzungsantrag stellte Peter Bieri (CVP/ZG). Er protestierte damit gegen die von Pro Helvetia unterstützte Pariser Ausstellung von Thomas Hirschhorn, bei der intimste Werte der Schweiz unflätig in den Dreck gezogen würden. Wo eine kulturelle Organisation nicht zum Rechten sehen könne, müsse das Parlament als Oberaufsicht eingreifen. (lbl/sda)


Beitrag von test20 (07.12.04; 14:43) Autor
13 Seichkünstler
Wo stehen die 13 Ständeräte. ????? die für Seich Steuergelder verbrennen wollen. Unnd eine grauenhaften angeblichen Künstler ????? unterstützen.?''Wenn das Kust sein soll !!!! ist Kuhmist auch Kunst.
Und die wollen schweizer sein ....????
Aber die 13 vestehen vermulich von Kunst nichts sondern nur von Steuergelder verbrennen.(Abwählen )
Wo steht nun der BR Deiss wo spricht der ein Wort ???
schön still ist er !!!!!Ist er etwa noch mit dieser scheiss Kunst einverstanden ????


Beitrag von Reo187 (07.12.04; 12:42) Autor
SVP Plakat pinkelt Asylbewerber an!!!
Würde mich wundern, wie die Reaktionen ausfallen würden, wenn die SVP ein solches Plakat veröffentlichen würden.
Erneut scheint mir: Alles ist erlaubt - solange es gegen Rechts geht. Denn das ist ja sehr chick. Lustig nur, dass sich der "Freisinnige" Politiker Couchepin über das Wortspiel couche-pîne sehr echauffieren konnte (welches im Übrigen auch von Pro Helvetia in den Raum gestellt wurde) und dann sogar in Aktivismus innerhalb des Schweizer Kulturfilzes verfiel, von der Pinkel Attacke gegen Blocher jedoch weitgehend unberührt blieb.
Hoffentlich treibt Maurer nun sein Vorhaben voran, der Pro Helvetia sämtliche öffentlichen Gelder zu entziehen.


Beitrag von VanGoch (07.12.04; 14:38) Autor
Steuergelder für Brunzereien werden um 1 Million gestrichen!
Soeben hat der Ständerat mit 26 gegen 13 Stimmen beschlossen, die 'Brunzaffäre von Hirsch' , Pro Helvetia mit 1 Million Schweizerfranken abzustrafen. Bravo!.


Beitrag von Haimax (07.12.04; 12:42) Autor
Vieleicht ist Kunst auch
was Provoziert? Wenn ja ist es Herr Hirschhorn gelungen, provoziert fühlen sich viele und Diskutiert wird mächtig, aber wird im Sinne des Künstler diskutiert? Oder wollte er eine andere Diskusion anregen?
Vielleicht solte man das zum Thema machen?


Beitrag von Hannity (07.12.04; 13:05) Autor
Provozieren?
Toll, ich kehre meinen Stoffwechsel um (auf ein Foto von Walter Angst) und nehme das ganze auf Video auf.
Krieg ich jetzt Steuergelder?
Dies soll die gegensätzlichen Ströme unserer Gesellschaft demonstrieren.... Nein Spass beiseite
Hirschi ist ein Feind der Demokratie. Auch wenn Petri in den Bundesrat gewählt wird, ich muss es akzeptieren.

Beitrag von Saekular (07.12.04; 13:19) Autor
blödsinn
hirschhorn zeigt die gefahren der "demokratie" (so wie sie momentan existiert) auf. die diskussion die daraus entsteht (oder entstehen würde wenn sich eine von euch hohlköpfen mit dem thema der ausstellung auseinandersetzen würde), wäre nur fruchtbar für die demokratie.

Beitrag von mrcoffee (07.12.04; 12:40) Autor
Was für einen Scheiss finanziere ich da als Steuerzahler eigentlich?
34 Mio Franken an eine Stiftung der Assozialen? Damit würde man gescheiter im Rahmen einer Weihnachtsaktion einigen Working-Poor schöne Ferien finanzieren

Beitrag von Saekular (07.12.04; 12:04) Autor
das ist dann geschmackssache!
und sofern man sich dessen bewusst ist, ist das überhaupt nicht elitär! elitär ist es einen objektiven anspruch auf die definition von "echter/unechter" kunst abzugeben (vgl. göbbels, mao usw.. )


Beitrag von Saekular (07.12.04; 11:58) Autor
es gibt keinen massstab was kunst ist und was nicht
jeder darf kann und soll alles als kunst bezeichnen was ihm ausserordentlich gefällt oder er/sie respekt davor empfindet. von mir aus auch blochers bauernfänger-strategie. darüber zu diskutieren was kunst ist und was nicht ist nur müssig und zeugt von einem elitären bewusstsein.


Beitrag von Hannity (07.12.04; 13:02) Autor
Sag das dem Steuerzahler
Das Kunsthaus finanziere ich gerne, wenns nicht zu exterem ist!

Beitrag von test20 (07.12.04; 11:53) Autor
KUNST ?????
Pinkeln als KUNST ??? so ist Scheissen auch KUNST
Das Hirschhorn ist halt veraltet uns stösst sich bald ab.


Beitrag von Megatron (07.12.04; 11:51) Autor
Die Kunst
Das Problem an der Kunst ist, egal wie abstrackt, primitiv oder unangebracht sie ist. Es gibt immer Leute die da etwas hineininterpretieren um sie zu berechtigen. Solche Angelegenheiten dürfen meiner Meinung nach aber nicht Landesregierung oder Bevölkerungen in ein zwielicht stellen.


Beitrag von _maryjane_ (07.12.04; 11:41) Autor
also...bevor mir da all...
usrasten, find ich sött da jeder mal kunst uf sini art definiere, will kunst wirklich alles chan sii...aber so ficke mer eus nume di ganz ziit aa und das isch nöd sinn vo dä gschicht. was halten ihr vo dadaismus? isch das für eu kunst oder nume sinnlosi kacke, diä mer sött abschaffe? was genau isch kunst für eu?

Beitrag von _maryjane_ (07.12.04; 10:29) Autor
tja...kunst kann alles sein...
--------- CuchuLainn schrieb: ---------
cool, dann bin ich per sofort künstler und mach nur noch was mir gefällt ;-)
--------------------------------------
natürlich...dadaismus ist auch kunst, obwohl sich viele menschen fragen, was das nun darstellen sollte.
ohne kunst wäre das leben langweilig und kunst sollte provozieren!

Beitrag von elmaster (07.12.04; 09:31) Autor
Schade, dass diese Ausstellung in Paris ist....
Ich hätte mir diese Ausstellung gern angesehn, leider hab ich bis am 30 Jan. keine möglichkeit nach Paris zu Reisen..
Diese Ausstellung sollte ebenfalls in der Schweiz zu sehen sein .. Kunst darf Schokieren Kunst darf ebenfalls Laut heraus Scherien was man leise denkt! Kunst darf nicht zensiert werden ..... Was wäre passiert wenn man Piccasso oder Miro umgebracht hätte weil man diese Bilder als zu Skandalös eingestuft hätte??????
Die SVP sind wie klein Kinder, sobald nicht nach ihrer Pfeiffe getanzt wird, fangen sie an zu jammern..


Beitrag von trainman (07.12.04; 11:23) Autor
Und wenn der Internationali-Kunstmarkt en...
...plattdrückte Huffe Schissdräck als Kunst deklariert hänkschders an d'Wand, oder was?


Beitrag von _maryjane_ (07.12.04; 10:44) Autor
trääänmann
--------- trainman schrieb: ---------
...Ifluss uf irgendwelchi Wahle in der Zuekunft... Also völlig sinnlos eigetlich. Denn chönemer dä Thread jo beände.
--------------------------------------
also sorry...was häsch du dir denn vorgstellt? oder isch das eifach ä futzblödi bemerkig vo dir? es sött, wiä kunst halt isch, mensche dezue aarege naazdenke. aber wege dem werde mer nlöd s'bundeshuus stürme und dä blocher ufem bundesplatz lynche...


Beitrag von airmail (07.12.04; 10:49) Autor
kunst
lueg maryjane.. kunst isch ahlt nöd für alli s gliiche: die wo gern selber denked erwartet vo de kunst, dass sie eim zum denke aaregt, die wo nöd gern selber denked, erwartet vo de kunst, dass sie eifach nume schö zum aaluege isch..

Beitrag von VanGoch (07.12.04; 10:59) Autor
Revanchismus beginnt mit Pinkeln auf irgend etwas!
Der Schweizerkünstler (ist das wirklich ein Künstler?) Hirschhorn rechnet in seiner Ausstellung der 'Pro Helvetia' in Paris mit Christoph Blocher ab - und sorgt für einen Kulturskandal, - so im 20 Min zu lesen. Als Steuerzahler erwarte ich, dass unverzüglich sämtliche Kultur-Subventionen an 'Pro Helvetia' eingestellt werden. Sinnreicher wäre das Geld für hungernde Kinder angeleg!..

Auf Petri pissen?
Was wäre wohl wenn ein Künstler auf ein Bild von Gabi Petri urinieren würde?
Die Linken dürfen provozieren, aber die Rechten nicht?


Beitrag von airmail (07.12.04; 14:07) Autor
Leitkultur
--------- VanGoch schrieb: ---------
Ausländer in Deutschland die sich nicht unsere Leitkultur, unseres Rechtsstaates, und unseren Gesetzen nicht anpassen, haben in Deutschland nichts zu suchen. Frage: Sollte die Schweiz änliche Gestze auch für Ausländer erlassen?..
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Den Gesetzen und dem Rechtsstaat müssen sich alle anpassen, sowohl die Ausländer, wie auch die Inländer (z.Bsp. Antirassismusgesetz). Dazu braucht es aber keine neuen Gesetze, das muss sowieso jeder machen, weil er sonst gegen das Gesetz verstösst. Auch ist es in Ordnung, wie es bereits geschieht, Ausländer die sich nicht an unsere Gesetze halten wollen, wieder auszuschaffen.
Aber dass sie sich an unsere 'Leitkultur' anpassen sollen, was soll das eigentlich heissen? Willst du Afrikaner sehen, die jodeln, Fahnen schwingen und Hornussen.. obwohl ja eh nur noch eine Minderheit der Schweizer sich mit dieser Art der schweizer Kultur identifiziert. Oder sollte man Schweizer, die nicht jodeln ausbürgern? Was ist denn überhaupt eine Leitkultur? Und wenn wir daas wissen: Welches ist unsere? Die Mehrheit der Schweizer ist gegen Blocher. Ist das also unsere Leitkultur? Nur Ausländer sind integriert die gegen Blocher sind? Heute gibt es so etwas wie eine Leitkultur in der Schweiz gar nicht mehr: Oder wie willst du bei den Jungen alle Fussballfans, Jesus-Freaks, Neo-Nazis, Punks, Skater, Boarder, MissSixty-Label-Fetischistinnen, Jodler, Schwinger, Leichtathleten, Raser, HipHopper, etc. etc. unter einer 'Leitkultur' zusammenfassen? Am Ende definierst du die Leitkultur ja doch nur über die Hautfarbe, denn solange du einen Schwarzen auf der Strasse siehst, so lange wirst du denken, dass es zu viele schlecht integrierte Ausländer gibt..

Beitrag von trainman (07.12.04; 10:17) Autor
Und well die einte "ummepisse"....
...müens jetzt die andere natürlich au mache. Verdammts Chindergarte Links/rächts Gerangel.
trainman

Beitrag von orbiter (07.12.04; 00:06) Autor
Kunst ist, ...
...was gefällt. Aber man muss nicht immer und überall die Hose herunter lassen, auch im Namen der Kunst nicht. Trotzdem, Kunst ist frei und bleibt frei, der Begriff der "entarteten" und daher zu verbietenden Kunst wurde von den Nazis geprägt. Das ist das eine.
Das andere ist: Wer sich öffentlich exponiert wie Christoph Blocher, nimmt mit dieser Öffentlichkeit einiges in Kauf, u.a. auch, dass über das Konterfrei im Rahmen einer künstelrischen Veranstaltung uriniert wird.
Wer so polarisiert und austeilt wie Blocher und seine Claque - man denke an die primitiven Plakat-Kampagnen der Zürcher SVP, eines Bundesrats unwürdig - muss erst recht damit rechnen, in der Öffentlichkeit u.a. auch auf wenig schmeichelhafte Art dargestellt zu werden.
Oder: wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück.

Beitrag von xenophanes (07.12.04; 09:00) Autor
So ist es...
Die SVP ist aber mit ihren politischen und ideologischen Gegnern auch nicht unzimperlich - die lassen - bildlich gesprochen - regelrecht die Hosen runter und pinkeln auf die Andern.
Man kann es "genial" nennen, wenn die kommunale Bezuschussung eines Kontaktnetzes für Kosovo-Albaner in Zürich mit Plakaten bekämpft wird, auf denen "Nein" und "Kosovo-Albaner" im Vergleich zum übrigen Text derart gross geschrieben wird, dass sich auch in mir erst der Verdacht regte, da läuft eine Abstimmung gegen Kosovo-Albaner. Man kann auch ein Plakat "genial" finden, wo ein offensichtlich "Asylsuchender" als krimineller Mafioso stilisiert eine Schweizerfahne aufreisst und sich so in unser "schönes Schweizerland" Zutritt verschafft. Und man kann auch "genial" finden, wie auf einem Plakat ein sichtlich angestrengter Löwe mit Zürcher Wappen einen Karren zieht, in dem ein fauler Berner Bär sitzt, der offensichtlich ein bisschen zu viel Honig geschlemmert hatte. Und man könnte diese Serie an "genialen" Plakaten unendlich fotsetzen, aber ist das nicht auch - bildlich gesprochen - das Anpinkeln der Anderen, der anders Denkenden, der "Andersartigen"?
So gesehen macht Hirschorn nichts anderes, als der Gesellschaft den Zerrspiegel vorzuhalten: "Schaut her, von solchen Leuten lasst ihr euch an der Nase herumführen!" Und das ist letztendlich die Aufgabe der Kunst: Die Realität abbilden, gesellschaftskritisch sein und provozieren.

Beitrag von lozzi (06.12.04; 21:06) Autor
Es ist ganz einfach
Das ist der letzte Versuch, eines erfolglosen Künstler, auf sich aufmerksam zu machen. Und wie macht man es am besten?!? Man schleimt sich bei der linken Kulturszene mächtig ein (von dort fliessen ja schliesslich auch die Subventionen) und das geht natürlich am Besten wenn man über den Blocher pisst. Und die linken Naivlinge merken nicht einmal, dass sie vom Hirschhorn verscheissert werden und frohlocken über solche unsäglichen "Kunst"-Ergüsse. So endlos dumm!
lozzi


Beitrag von dhimmi_ (06.12.04; 18:00) Autor
kunst kommt von können
wenn's so einfach wäre, dann könnte sich jeder gute handwerker als künstler bezeichnen. so ist es aber nicht, da muss einer schon mehr können und in pose gut pinkeln damit er ein künstler ist.


Beitrag von Fritz_Cat (06.12.04; 17:34) Autor
nun
künstlich provoziert hat sie, die .... häämm .... "KUNST" die überigens nicht von können kommt sondern von künstlich. art --> artificial also vom künstlichen schaffen.


Beitrag von xenophanes (06.12.04; 17:03) Autor
Thomas Hirschhorn…Thomas Hirschhorn…
…hat aus seiner Verachtung gegenüber Herrn Blocher nie einen Hehl gemacht. – Infolge eben jener Bundesratswahl und dessen Ausgangs hat er sich von der Schweiz 'gen Paris verabschiedet und hat nicht vor zurückzukehren, so lange dieser Bundesrat am Werke ist.
So war damit zu rechnen, dass er früher oder später seine Unmut und sein Missfallen «künstlerisch» verarbeiten wird. Das darf er. Und im Sinne der Meinungsfreiheit darf ihm auch niemand dieses Recht nehmen. Genau so darf ihn nun Herr Blocher anzeigen, wenn er sich verletzt fühlt.
Allerdings eine solche künstlerische Äusserung mit Mitteln der Pro Helvetia zu unterstützten, halte ich für äusserst fragwürdig. Obschon ich nicht der Meinung bin, dass das Image der Schweiz Schaden nehmen wird – man wird nun die Schweiz eher als ein tolerantes Land betrachten, in der die Meinungs- und Äusserungsfreiheit tatsächlich gelebt wird. Notabene: Für die Liberalität in puncto Cannabis werden wir sogar von den «liberalen» Holländern beneidet. Ich glaube daher, seit Hirschorns Akt hat die Schweiz ein paar Fans mehr…
Und last but not least: Wenn man mit einem Christoph Marthaler und seiner Stephanie Carp und den Auftritten eines Christoph Schlingensief zu Rande gekommen war, was kann doch noch ein Hirschorn für Probleme bereiten?
xenophanes


Beitrag von Gillian (06.12.04; 16:57) Autor
wo ist...
die minimalste menschenachtung? wo bleibt die würde des bundesrats? ob einem die politik der betroffenen person passt oder nicht, aber die achtung eines menschen soll bewart bleiben. diese "kunst" ist zu primitiv.

Beitrag von Saekular (06.12.04; 16:06) Autor
wer nämlich bilder von diktatoren
schändet, wird im normalfall mit gefängnis bestraft. wer bilder von diktatoren aus einem brennenden haus rettet, als held ausgezeichnet. und für die patrioten: wer nicht for gesslers hut kniet, muss um sein leben fürchten. begreift ihr jetzt? arschkriecher der macht....


Beitrag von trainman (06.12.04; 16:18) Autor
Blocher ist kein Diktator....
...Und an Fotos Pinkeln zeugt von einfallslosem Kleingeist. Begreifst Du nun? Arschkriecher der möchtegern Revolution...


Beitrag von Gillian (06.12.04; 16:52) Autor
so eine "kunst"
ist einfach zu primitiv


Beitrag von Saekular (06.12.04; 15:57) Autor
schön wäre es
wenn all jene, die sich jetzt das maul über herrn hirschhorn zerreissen, sich einmal informieren würden, was seine aussage ist und um was es in seiner ausstellung geht. die kleine pinkel-szene in einer theater-vorstellung ist nämlich nur der allerkleinste teil, und hat mit dem gesamt-thema (direkte demokratie) nur metaphorisch etwas zu tun.

Beitrag von chicca_4 (06.12.04; 15:42) Autor
KUNST?! KUNST!!!
es ist traurig, aber heutzutage kann ich ein gebrauchtes Kaugummipapier zerreissen und es Kunst nennen. Pinkeln ist so ziemlich das einzige (mit atmen zusammen natürlich ;-) ) was jeder (fast jeder) Mensch schon von Geburt an kann! Das muss nicht erst gelernt werden. Für mich hat sowas schon jeglichen Kunstsinn verloren.
Das ist mal das eine... und dann getraut sich so ein "gernegross" seine "Sponsoren" zu verhöhnen und nennt das Kunst? Da wird mir einfach übel! So ein A....loch!

Beitrag von Haimax (06.12.04; 15:37)
Kunst oder unverschämtes absahnen von unseren Steuergeldern ?
Man darf alles und jedes Kritisieren und in Frage stellen. Ich persöndlich habe schon lange den Verdacht, dass die Pro Helvetia einfach eine gigantische Geldvernichtungsmaschine ohne kulturellen Hintergrund ist. Einige Beamten-Manager der ProHelvetia mit Megagehälter aber kulturlos, wirken in einem luftleeren Raum und sind niemandem Rechenschaft schuldig.
Herr Hirschhorn kann seine Kunst überallhin Pikeln lassen mich lässt's kalt, was aber wenn Herr Otto Normalverbraucher seine Kunst auf Herr Scharon pinkeln lässt? Was für Aufschreie und Anisemitismusvorwürfe würde das Hageln?

Beitrag von Bialystock (06.12.04; 15:28)
Was wäre wenn...
..Joseph Beuys recht hätte und alles wäre Kunst ? Dann wäre selbstverständlich auch "Nichts" Kunst, soll heissen, die Kunst als solche existierte demzufolge nicht. Na ja, jedem das seine, für mich sind die Exponate (oder zumindest was ich bis anhin davon gesehen habe) nun wirklich reichlich trivial.
Was mehr ärgert ist die Aussage: "Ich akzeptiere die Wahl von Christoph Blocher nicht". Offenbar ist Herr Hirschhorn ein überzeugter Anhänger des Totalitarismus. Der "Künstler" disqualifiziert sich damit selbst.

Beitrag von Bobby2 (06.12.04; 14:13)
Kunst!?
Das ist doch typisch! Jeder "SEICH" wird als Kunst dargestellt!Beitrag von test20 (06.12.04; 15:54)
Bobby2
Und wird noch mit Steuergelder subventioniert,
und noch von SCHWEIZER die er ja nur auslacht.
Die Pro Helvetia soll keinen Franken mehr aus dem Steurgeld erhalten.Und sich bei SEICHBÜDER das Geld eintreiben.
Pro HELVETIA ist eine Skandal Seichbude.Und soll die Bezeichnung Helvetia weglassen.!!! Und ev. 1939 bezeichnen.

Beitrag von Haimax (06.12.04; 15:46)
Kunst kommt von können und soll etwas konstruktives Aussagen!
Ich kenne diesen Artist nicht und kann ihn deshalb auch nicht beurteilen, glaube aber nicht, dass er zur politischen Avandgarde gehört, deshalb traue ich ihm auch keine fundierte politische Aussage mit seinem Werk zu.
Kunst allgemein im weiteren Sinn ist die Anwendung angeborener oder erworbener Fähigkeiten in hoch entwickelter, spezialisierter Form als "Können" oder Kunstfertigkeit und das Resultat dieser Betätigung (Kunstwerk), sofern es durchschnittliche Leistungen übersteigt; im engeren Sinn jedes schöpferisch-ästhetische Gestalten und dessen jeweiliges Ergebnis auf den Gebieten der einzelnen Kunstarten und -gattungen. Genauere Definitionen, besonders über das Wesen dieses ästhetischen Schaffens, sind schwierig, da sie von der Beantwortung einer Reihe von Vorfragen abhängen, die die Wurzeln des künstlerischen Tuns, die Definition des Schönen, die Aufgabe der Kunst u. Ä. betreffen. Diese Vorfragen wurden in allen Epochen aufgrund der unterschiedlichen Anschauungen vom Wesen des Menschen verschieden beantwortet

Beitrag von xenophanes (06.12.04; 16:45)
«Kunst kommt vom Können»
«Kunst kommt vom Können» – mein Lieber, du weisst wohl nicht, dass du dich da in Göbbelssche Rhetorik verheddert hast. Oder willst du ein Standpauke in puncto «entartete Kunst» etc.? Denk noch mal über diese Aussage nach – von einem Künstler kommt es nicht, sehr wohl aber von einem Menschen, der darüber bestimmt, was genehm und nicht genehm ist. Wie gesagt: Göbbels.

Beitrag von sdfgds (06.12.04; 14:03)
Kunst, die neue Form von Krankheit
Bedauerlich ist: Die Künstler (Patienten) werden unterstützt statt geheilt.Eine Heilung würde das so arg angeschlagene Staatskässeli um einigens entlasten. Anderseits ist es Kunst der Matemathik die täglichen Mehraufwände in Stunden der Steuerzahler zu summieren um überhaupt das Staatsdefizit zu tilgen. Weiterhin goutiert
man diese Verbrechen unserer Finanzpolitik mit der Ausrede "Kunst"

Beitrag von trainman (06.12.04; 13:42)
Wenn das Kunst ist....
...dann ist ein Pissoir eine Kunstgalerie.

Beitrag von leander (06.12.04; 13:56)
@trainman
deine aussage ist gar nicht mal so dumm... denn das piossoir das ist der wohl einzige ort wo sich alle kulturen treffen, und niemand fernbleiben möchte... und ein jedermann sämtliche eigenarten der kultur in dem augenblick voll und ganz akzeptiert... wo gibts das sonst noch??? ;-)))
*breitgrins*

Beitrag von charon_ (06.12.04; 13:40)
Wenn nicht die kunst, wer dann?
Die Idee ist nicht nur gut.
Sie ist genial und müsste gefördert werden, denn, wenn wir damit beginnen, Künstlern eine Aussage zu verweigern, und sei sie noch so abstrus, dann nehmen wir unse und unserer Gesellschaft eine Möglichkeit der Kritik. Bei den Objekten um die es hier geht, sollten dieselben Regeln gelten, wie bei der Satire. Ich finde, der Künstler zeigt sehr deutlich was er, und nicht nur er, von Herrn Bloher und der SVP hält.
Er ist ehrlich.
Aber wer will schon eine ehrliche Aussage?
Wohl die wenigsten.
Man ist immer sehr schnell mit Ausdrücken wie 'Primitivling' zur Stelle, wenn ein Künstler / Satiriker seine Meinung nicht so ausdrückt, wie es erwartet wird. Dabei brauchen wir gerade in der jetztigen Zeit Leute, die sich offen äussern, die mit ihren Bildern, SChriften oder Theaterstücken sagen was Sache ist, ohne dafür bestraft zu werden.
Heute wird viel Aufsehen um Hirschborns WErk gemacht. Wie wird man in zwanzig, dreissig hundert Jahren über das in Paris heute gebotene sprechen? Wird dann der Tenor ein anderer sein? Wird dann, wie es in der Vergangenheit schon öfter vorkam, plötzlich die Meinung vorherrschen, dass man auf Hirschborn hätte hören sollen? Werden sich zukünftige Generationen fragen, weshalb wir das Offensichtliche nicht mal sahen, als die Kuns uns geradezu mit der Nase voran hinein gestossen hat?
Ich glaube, dass Werke wie Hirschborn sie geschaffen hat zum Nachdenken anregen sollten und dass wir uns einmal fragen müssten, weshalb wir uns von solchen Werken distanzieren und sie verurteilen. Aber bitte, ehrlich bleiben, zumindest sich selber gegenüber. Es könnte ja sein, dass man, ob all dem Nachdenken irgendwann feststellt, dass man nur deshalb so wehement gegen Hirschborns Aktion ist,weil sie eine Wahrheit zeigt, die man selber nicht sehen will...
Ich finde, genau solche Künstler wie Hirschborn sollte man fördern und unterstützen. Dass pro helvetia nun einen Rückzieher macht und sich distanziert ist eine Enttäuschung für mich. Ich habe bereits zu hoffen begonnen, es könnte endlich ein freier, ehrlicher und frischer Wind wehen. - Zumindest in Kunstkreisen.


Beitrag von charon_ (06.12.04; 14:07)
SVP oder SP?
ob svp oder sp, wer keine kritik verträgt, sollte sich überlegen, ob er sich in der Öffentlichkeit präsentieren will.
Was ich sage hat mit Parteipolitik nichts zu tun, sondern ist eine Ansicht gesellschaftspolitischer Art.

Beitrag von Hannity (06.12.04; 13:51)
Andere Seite
Und was wenn man statt Blocher jemand von der SP genommen hätte?

Beitrag von charon_ (06.12.04; 14:08)
Was wohl?
ob svp oder sp, wer keine kritik verträgt, sollte sich überlegen, ob er sich in der Öffentlichkeit präsentieren will.
Was ich sage hat mit Parteipolitik nichts zu tun, sondern ist eine Ansicht gesellschaftspolitischer Art.

Beitrag von Laolala (06.12.04; 13:58)
er hat's doch nicht anders verdient
er ist ja selber sehr provokativ und verletzend in seiner argumentation, dann muss er sich nicht wundern, was er in den wald ruft, das kommt zurück!!!

Beitrag von airmail (06.12.04; 16:01)
domi
aber im ernst: seht ihr denn nicht, dass dieser 'künstler' genau das erreicht hat, was er will: pubicity!
er spielt doch genau damit, dass blochers anhänger ihn verehren, als wäre er ein halbgott, der erlöser höchstpersönlich. diese heftigen reaktionen der blocher-gläubigen war ja nicht schwer vorher zu sehen. früher mussten 'künstler' um zu provozieren noch religiöse symbole in den dreck ziehen, damit die massen aufheulen und er endlich bekannt wird. heute muss er dazu in der schweiz einfach den blocher anpi..en, weil der blocher für viele in der schweiz einfach den stellenwert eines messias hat.. in dem sinne hat der 'künstler' uns das gekonnt vorgeführt.

Beitrag von Wolfy (06.12.04; 13:24)
Kunst ist..
..im Grunde alles erlaubt, jedoch wenn man ein Zeugnis erschafft, sollte man immer auch die Kritik von allen beherzigen. Jedoch wenn man Bilder von Personen verwendet will, sollte immer eine rücksprach des Betroffen/e einholen und um Erlaubnis bitten. Ausser es ein Foto oder ein Bild dessen Natur verbunden vom Augenblick ist (Ohne etwas zu ändern).
Centre Culturel Suisse äusserungen, distanziert sich von allfälligen persönlichen Angriffen auf Bundesrat Christoph Blocher, steht aber zum Projekt. Was soll das jetzt schon wieder?
Entweder steht man dazu oder man lässt so was in Zukunft es bleiben.

Beitrag von Ruffneck27 (06.12.04; 13:22)
In der Kunst sollte alles erlaubt sein
...solange sie sich selbst finanziert!
Pinkeln auf Blocher find ich ja auch lustig, aber ich habe was dagegen wenn wir Steuerzahler Kunst (= meistens Schrott) finanzieren.
Die Stiftung Pro Helvetia hat über hundert Mitarbeiter die es anscheinend nicht schaffen zu überwachen wofür Steuergelder verschwendet werden.
Also ich weiss wo wir Ausgaben senken könnten...

Beitrag von dhimmi_ (06.12.04; 13:18)
gut
nur weiter so, dank solchen primitivlingen wird die svp noch mehr zulauf bekommen. hoffentlich lässt sich festellen ob dieser entartete künstler irgendwann mal mit staatliche gelder unterstützt wurde.

Beitrag von LaNice (06.12.04; 13:12)
:-D
kunst hin oder her, die message ist geil!

Beitrag von _maryjane_ (06.12.04; 13:08)
es ist seine art...
kritik zu zeigen und er hats geschafft, alle sind darauf aufmerksam geworden! aber wie immer, wenn man kritik erhält, stellt man sich stur und denkt nicht mal darüber nach!

Hirschhorn in der BAZ

Unbenanntes Dokument 10.12.2004
Politsturm über dem Kartondach
Hirschhorn-Affäre: Der Skandal ist ein Privileg der Kunst - vor allem der schlichten

von Hans-Joachim Müller
· Man pinkelt keinen Bundesrat nicht an, nein, das tut man nicht. Man zieht nicht die «intimsten Werte in den Dreck», das schon gar nicht. Oder doch?
Wenn ein Künstler derart provoziert wie eben Thomas Hirschhorn, dann hat er sich sehr, sehr unanständig benommen und muss sich nicht wundern, wenn sie ihm gleich tüchtig auf den Bürzel geben. Und es nützt ihm auch nichts, wenn andere «Achtung, Kunst!» rufen, weil ein Blödsinn halt ein Blödsinn ist, da hat Christoph Blocher vollkommen Recht.
Allerdings bedarf es zur medien- und politikwirksamen Mobilisierung des verletzten Geschmacks ja doch eines soliden Kunsttitels. Irgendeine anonyme Magistratenbespritzung hätte dem Zuger CVP-Ständerat Peter Bieri schwerlich zum patriotischen Auftritt verholfen. Und wegen eines Bubenstücks wäre niemand der Pro Helvetia ans Leder. Der «Skandal» musste schon einer kunstbetrieblichen Vereinbarung entstammen, um die Öffentlichkeit zu bekommen, auf die er es abgesehen hatte.
ZUMUTBARKEIT.
Das allein ist das Spannende an der Verhandlungssache Hirschhorn/Schweiz, dass es kein Kinospektakel gewesen ist, keine Fernsehzumutung, kein Hardcore-Video, keine Schocknachricht vom Elendsrand der Gesellschaft, worüber sich Politiker zur Verteidigung der «Würde eines Menschen» ermannt so gut wie erweibt haben, sondern eine ziemlich powere Kunstaktion, deren Kunstcharakter umso stabiler erscheint, je entschiedener er bezweifelt wird.
Was hat die Kunst, was andere Medien nicht oder nicht mehr haben? Was provoziert an ihr, wo sich doch alle Provokation längst verbraucht zu haben scheint? Dass nicht jedermann Thomas Hirschhorn kennt, ist nicht verwerflich. Anker-Sammler Blocher hat, das klingt plausibel, weder Blick, Zeit noch Lust, jeder abgeschmackten Gegenwartskunstbehauptung auf den Grund zu gehen. Dem passionierten Schweiz-Kritiker Hirschhorn hätte er aber schon vor der Pariser Harn-Attacke das eine oder andere Mal begegnen können.
Der 1957 geborene Berner hat, was man einen internationalen Ruf nennt, er gehört zur nicht allzu üppig besetzten Schweizer Gruppe, für die sich der globalisierte Ausstellungsbetrieb verlässlich interessiert. Und das nicht nur um spektakulärer Urin- oder anderer Mutproben willen.
ERKENNBARKEIT.
Hirschhorns[90] Arbeiten sind gut erkennbar. Es sind meist Modelllandschaften mit eigentümlichem Verwahrlosungscharme, die sich in comicartigen Schlaufen über teils riesenhafte Tische erstrecken. Man guckt wie die Kinder auf überfüllte Miniaturen oder klemmt sich in Kartonmöbel vor Wänden voller Sprühschrift-Transparenten und Zeitungsausriss-Tapeten. Alles schlicht, provisorisch, roh, ohne viel handwerklichen Anspruch, mal eben zusammengeklebt, schnellgeheftet, gefaltet, gedrückt, gezerrt. Übertrieben untertrieben, das ist das Programm.
Ein Programm, mit dem Hirschhorn nun wahrhaft nicht alleine ist, dessen verstörende Wirkung sich aber bei ihm besonders intensiv erleben lässt. Mehr noch als die Enttäuschung der formalen Erwartung irritiert der spürbare Bedeutungsdruck, der in dieser Spielzeugwelt waltet und sich in den «schlechten», unzureichenden Formen kaum entladen kann. Nie sind es deutliche Zeichen, die man bloss zu lesen bräuchte, um wie jetzt in Paris die ganze oppositionelle Wucht der «Swiss-Swiss Democracy» zu verstehen. Immer ist da ein Überschwang an Abständigkeit, ein offensichtlich kaum beherrschbares Potenzial an kritischer Energie, das sich in den armseligen Dingen, grotesken Räumen und überzogenen Gebärden mehr tarnt als sich verrät.
REIZBARKEIT.
Vielleicht hat ja auch der pathetische Politsturm, der da aus gänzlich primitiver Kunstgestik entstanden ist, keine andere Ursache als eben jene Überreiztheit, mit der diese Kunst den anständigen Diskurs verweigert und nichts mehr und nichts weniger als ihre intakte Reizbarkeit ausstellt. Reizbarkeit ist ein wunderbarer infantiler Rest. Er löst wunderbar infantile Affekte aus. Affektgenauer, spielträchtiger als die ständerätlichen Strafprediger hätte man auf die Hirschhorn’sche Pinkelei gar nicht reagieren können. Das schafft eben doch nur die Kunst. Und das ist es, was wir über den argumentativen Nullsummenspielen in der TV-«Arena» fast schon vergessen haben. Dabei hat die Pro Helvetia bedauerlicherweise eine Million verloren, und wir sind um eine Erfahrung reicher.

«Die Kunst an sich würde bestraft»
Sabine Schaschl über Provokation, Reaktionen und angedrohte Kürzungen
Interview: Alexander Marzahn
baz: Thomas Hirschhorn versteht sein Werk als Kritik an der direkten Demokratie. Nach dessen Provokation will nun der Ständerat das Budget der Stiftung Pro Helvetia im Schnellverfahren um eine Million Franken kürzen. Hatte Hirschhorn also doch Recht?
Sabine Schaschl-Cooper: Das politische System in der Schweiz hat tatsächlich genau so reagiert, wie es der Künstler - vielleicht auch unbewusst - anstrebte; Hirschhorn hat vieles auf Provokation hin angelegt. Die Reaktion des Ständerats aber ist für ein demokratisches Land eine Bankrotterklärung. Die Politik darf keine Budget-Entscheidungen auf Grund von Inhalten eines einzigen Künstlers machen.
Der Budget-Entwurf geht weiter an den Nationalrat, alles ist noch offen.
Es wird sich nun weisen, ob sich die fürs Funktionieren eines demokratischen Staats so notwendigen Schutzmechanismen bewähren. Alles andere als eine Revidierung des Entscheids würde mich schockieren. Denn hier würde nicht ein Künstler, sondern die Kunst an sich bestraft. Das hat Hirschhorn bestimmt nicht angestrebt. Seine Demokratie-Debatte allerdings hat er nun tatsächlich, wobei ich mir wünschte, er hätte sie allein mit seinem Werk ausgelöst.
«Der Skandal fängt an, wenn die Polizei ihm ein Ende macht», hat Ihr Landsmann Karl Kraus einst gesagt. Gilt das auch in diesem Fall?
Wenn der Pro Helvetia tatsächlich aufgrund einer Ausstellung eine Million gekürzt würde, wäre das tatsächlich ein politischer Skandal. In der Kulturszene kann das zurzeit gar niemand richtig glauben.
Hat denn die Kunst Narrenfreiheit?
Natürlich gibt es auch für die Kunst Grenzen, wenn etwa Gesetze verletzt werden; und die Gilde der Kunstkritiker hat manchmal die Tendenz, Dinge weisszuwaschen, die unter dem Deckmantel der Kunst ausgetobt werden. Ich denke an den Künstler Otto Mühl, der in seiner Kommune Jugendliche gegen ihren Willen in die Sexualität «einführte». Völlig zu Recht wanderte er später dafür ins Gefängnis.
Sind nicht längst alle Tabus gebrochen?
Nein, es gibt Dauerbrenner des Skandals; politische, sexuelle oder religiöse Tabus können immer zu Protesten führen, das hängt von der jeweiligen Befindlichkeit der Gesellschaft ab. Der erschlagene Papst von Maurizio Cattelan löste in Basel keine Empörung aus; als er im katholischen Polen gezeigt wurde, war der Aufruhr gross. Es geht um Werte, die einer Gesellschaft Sicherheit vermitteln und die durch eine Kunst-Intervention gestört werden können.
Wird sich der Marktwert von Thomas Hirschhorn nun erhöhen?
Das glaube ich nicht; meistens haben am Ende eines Skandals alle ihre Lektion gelernt, ohne dass es klare Gewinner und Verlierer gäbe. Ich schätze Thomas Hirschhorn sehr; er ist ein herausragender Künstler. Doch fand ich seine Äusserung, er wolle nie mehr in der Schweiz ausstellen, so lange Christoph Blocher Bundesrat ist, problematisch. Was ist denn das Centre culturel suisse in Paris anderes als ein Schaufenster in die Schweiz? Wer einen Staat boykotiert, darf konsequenterweise von ihm auch keine Steuergelder annehmen.
Fühlt sich die Schweiz derart angegriffen, weil der «Nestbeschmutzer» ausserhalb ihres Territoriums agiert?
Das ist eine gute Frage. Die Distanz und damit die Unmöglichkeit, direkt einzugreifen, hat sicher dazu beigetragen, dass sich die Politik zu einer derartigen Demonstration ihrer Aufsichtshoheit hinreissen liess. Im Ständerat gab es ja keine inhaltliche Diskussion, statt dessen wurde beklagt, jemand besudle das Image der Schweiz im Ausland. Steuergelder müssen in den Augen der Politik eine gewisse Funktion zum Wohle des Landes erfüllen, auch in der Kunst.
Hat Sie der Skandal überrascht?
Nein, ich habe eher gedacht: Nun ist es wieder einmal so weit. Solche Skandale kommen immer wieder, der Mechanismus ist uralt, nur die Auslöser und die Argumente ändern sich.
Hat Hirschhorn denn auf die Provokation hingearbeitet?
Ich kaufe ihm einiges ab, nicht aber, dass die Einladungskarte mit den Kantonswappen unter dem Folterbild aus Abu Ghraib keine Provokation sein soll. Wobei ich mich zuerst fragte, ob er damit nicht der irakischen Bevölkerung am meisten unrecht tut. Doch generell lässt sich ein Skandal nicht programmieren. Ihm wohnt stets ein Moment des Unvorhersehbaren inne. So kann es auch zum Skandal kommen, wenn ein Thema schon längst erledigt scheint. Das Orgien-Mysterien-theater von Hermann Nitsch etwa provoziert in Österreich immer noch; für irgendwen im Publikum ist es immer das erste Mal.
Gibt es ein Grundmuster für den Kunstskandal?
Die auslösenden Faktoren lassen sich nicht auf einen Nenner bringen. Stets aber ist er Resultat eines offensiven Vorgangs: Jemand greift an und lenkt die ganze Aufmerksamkeit, auch die der Medien, auf ein Werk. Der Angegriffene setzt sich so gut es geht zur Wehr und sucht Verbündete, wobei die Angreifer mit ihrer Polemik die Öffentlichkeit oft schnell für sich gewinnen. Eines der grössten Reizworte ist dabei das Verschleudern von Steuergeldern. In dieser Phase befinden wir uns im Moment; entscheidend wird sein, wer sich besser verteidigt.
Eine Debatte zur direkten Demokratie wäre ganz im Sinne von Hirschhorn. Viele aber kennen nur die Pinkelszene.
Im Kunstskandal geht es selten um das Kunstwerk selbst, viel öfter spielen externe Faktoren eine Rolle. Es gab einen Fall in New York, bei dem sich ein Hund zufällig in eine Skulptur verirrte. Der Bürgermeister wollte das Werk zerstören, um das Tier zu befreien, der Künstler wehrte sich. So löste ein Zufall eine öffentliche Debatte aus, bei der die Kunst in den Hintergrund rückt. Es ist ja bezeichnend, dass die Pinkelszene nur einige Sekunden dauert.
Hätte die Pro Helvetia oder die Leitung des Centre culturel suisse schon im Vorfeld intervenieren müssen?
Thomas Hirschhorn hat immer provokative Elemente in seinem Werk. Allenfalls hätte der Kurator Michel Ritter die Einladungskarte überdenken müssen. Die Erfahrung zeigt, dass bei Kunstskandalen der Künstler meist mit einem blauen Auge davonkommt, während auf der administrativen Ebene schon mal die Köpfe rollen. Als Andres Serrano seinen «Piss Christ» in Melbourne ausstellte, eine Fotografie eines in Urin eingelegten Kruzifixes, musste der Kurator gehen, während der Künstler sein Stipendium behalten konnte. Auch dort wollte man den Institutionen die Gelder streichen; schliesslich wurden sie unter Beobachtung gestellt. Das Werk war übrigens vorher an anderen Orten schon mehrfach ohne Folgen gezeigt worden.
Wie kann es nun weitergehen?
Ich denke, dass die Politik den Entscheid korrigiert und danach wieder der bewährte Schweizer Konsens herrscht. Sollte aber die Kürzung tatsächlich beschlossen werden, hat die Schweiz in der Perspektive des Auslands ein viel grösseres Problem. Die französischen Medien berichten ja heute schon mit süffisantem Lächeln über den Fall. So etwas nagt viel mehr am Image eines Landes, als dies ein Kunstwerk zu tun vermag.

Verführerisches Skándalon
Skandal (mask.), «anstoss-, aufsehenerregendes Vorkommnis». Griech. skándalon, «Anstoss, Verführung», eigentl. «ein aufgehängtes oder frei herabhängendes Holz, Auslösevorrichtung einer Tierfalle, losschnellendes Gerät», in der Bibel die «Versuchung, die der Teufel dem Menschen in den Weg legt», übernehmen die Kirchenväter als kirchenlat. scandalum «Fallstrick, Ärgernis, Verführung zum Bösen» (Matth. 18, 7). Daraus wie aus afrz. scandale wird Skandal, «anstosserregender Vorgang, Ärgernis, Aufsehen» ins Dt. entlehnt (Ende 16.Jh.).
Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, Berlin 1989.
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08.12.2004

«Eine unannehmbare Beschimpfung»
Nach Hirschhorns Kunst-Attacke: Ständerat streicht Kulturstiftung Pro Helvetia eine Million
Auf Antrag des CVP-Ständerats Peter Bieri strich der Ständerat Pro Helvetia gestern eine Million Franken. Die FDP-Politikern Christiane Langenberger forderte in einem Vorstoss ebenfalls eine Kürzung. Die baz dokumentiert die Debatte um das Budget 2005 in Auszügen.
Peter Bieri (CVP, ZG): Ich beantrage Ihnen, den Kredit für die Stiftung Pro Helvetia um eine Million Franken gegenüber dem bundesrätlichen Vorschlag zu kürzen und mit dieser Million wiederum den Kredit für die Förderung von Jugend und Sport zu erhöhen. (...) Wenn die Pro Helvetia hingeht und ihren Auftrag der Werbung um das Verständnis für das schweizerische Gedanken- und Kulturgut so interpretiert, dass sie unsere ureigenen Wurzeln, unser historisches Selbstverständnis, unsere gesellschaftlichen Werte, die den meisten Schweizer Bürgerinnen und Bürgern noch immer teuer sind, und unsere staatlichen Institutionen mit primitivster Anfeindung preisgibt, dann ist es infolge der offensichtlichen Unfähigkeit der Stiftungsorgane Sache des Parlamentes, über die finanzielle Steuerung einzugreifen.
Christiane Langenberger (FDP, VD): Ich halte es für vollkommen normal, dass man in der Schweiz unser Land kritisieren kann. (...) Allerdings bin ich nicht bereit, die Auswüchse von Seiten eines renommierten Schweizer Künstlers im Rahmen einer staatlich subventionierten Ausstellung im Ausland zu akzeptieren (...). Wir haben eine vollendete Kunst, Selbstkritik zu betreiben. Während die ganze Welt unser System der direkten Demokratie beneidet und andere Staaten sich schlagen, um eine ganz kleine Ecke dieser Demokratie zu erhalten, finde ich es abwegig, dass diese Demokratie beschmutzt und entstellt wird. Besonders schwer wiegend finde ich die Einladungskarte, welche eine Folterszene aus einem traurig berühmten Gefängnis im Irak mit den Wappen der drei Urkantone unseres Landes vereinigt. Diese Vermengung ist eine unannehmbare Beschimpfung der Bevölkerung dieser Kantone.
Christoffel Brändli (SVP, GR): Stossend ist vor allem die Tatsache, dass der Künstler das erreicht hat, was er wollte: Aufmerksamkeit. Ich meine, darum geht es heute vielen so genannten Künstlern in erster Linie. In der Tat nicht Leistung, geschickte Provokation ist heute die Zielsetzung vieler Auftritte.
Anita Fetz (SP, BS): Die Bilder, die ich in den Medien gesehen habe, gefallen mir nicht, ja, ich persönlich finde sie sogar geschmacklos. (...) Die Schweiz, meine ich, ist demokratisch genug stark, um auch sehr provozierende Auseinandersetzungen, insbesondere im Kulturbereich, zu ertragen. Darum sollten wir uns nicht hinreissen lassen, hier eine moralische Strafaktion zu führen, sondern sollten gelassen bleiben. Die Strafkürzung scheint mir eines gelassenen Parlamentes unwürdig und schmeckt auch ein bisschen nach Zensur. Das wäre jetzt doch «tant de bruit pour une omelette».
Fritz Schiesser (FDP, GL): Die Szene, in der ein Bild einer hohen Persönlichkeit aus diesem Land mit Urin bespritzt werden soll, also das Urinieren auf eine Person, ist für mich die Verletzung der Würde eines Menschen, das hat mich schockiert. Das sind Szenen, wie wir sie aus den Foltergefängnissen im Irak gesehen haben.
Peter Bieri (CVP, ZG): Sie sagen, man solle gelassen bleiben, Frau Fetz. Ja, sollen wir denn ewig gelassen bleiben? Wir können doch nicht bis zum Gehtnichtmehr einfach schweigen, alles schlucken, alles einstecken.
Bundesrat Hans-Rudolf Merz: Diese spannende kulturpolitische Debatte muss jetzt leider wieder auf das Budget zurückgeführt werden.
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«Ich nehme das nicht so ernst»
Blocher ärgert sich nicht über Künstler Thomas Hirschhorn


baz: Herr Bundesrat Blocher, in Paris uriniert ein Künstler auf ein Foto von Ihnen. Was sagen Sie dazu?
Bundesrat Christoph Blocher: Ich weiss nicht, ob der Mann Künstler ist oder nicht. Aber ich weiss, dass ein Blödsinn ein Blödsinn ist.
Regen Sie sich darüber nicht auf?
Ich habe es ja nicht gesehen. Es handelt sich offenbar um eine Provokation. Und das kann mich nicht treffen.
Sie sammeln selber auch Kunst. Kannten Sie den Künstler Thomas Hirschhorn?
Nein, er war mir bisher nicht bekannt. Ich habe allerdings gehört, er habe einmal an der ETH alte Schuhschachteln aufeinander geschichtet und das dann als Kunstwerk bezeichnet. Es hat jedermann das Recht, sein Werk als Kunstwerk zu bezeichnen. So gesehen, bin ich auch Künstler.
Und provokative Kunst stört Sie nicht?
Nein. Das Einzige, was mich in diesem Falle stört, ist die Tatsache, dass wir Schweizer es offenbar noch mit bezahlt haben. Alles andere ist mir gleich.
Sie werden also nichts unternehmen?
Nein. Wissen Sie, ich nehme diese Leute nicht so ernst. Ich habe allerdings gehört, dieser Künstler habe gesagt, er werde nicht mehr in der Schweiz ausstellen, solange ich im Bundesrat sei. Das ist ein Grund, möglichst lange im Bundesrat zu bleiben.
Interview: Niklaus Ramseyer


8.12.04

Bern/Paris. AP/baz. Der Künstler Thomas Hirschhorn hat den Entscheid des Ständerates, das Budget der Pro Helvetia zu kürzen, scharf kritisiert. Skandalös sei nicht die Budgetkürzung selber, sondern deren Legitimation mit seiner Ausstellung «Swiss-Swiss Democracy» im Centre Culturel Suisse in Paris, sagte Hirschhorn im «Tagesgespräch» von Radio DRS 1 am Mittwoch.
Wenn Politiker ihre Entscheide auf Grund von Zeitungsberichten fällten, ohne die Ausstellung selber gesehen zu haben, sei dies schlimm und werfe ein schlechtes Licht auf die Schweizer Demokratie. Hirschhorn kritisierte gewisse Zeitungsberichte über seine Ausstellung als ungenau. Weder in der Ausstellung noch im Theater flössen Körpersäfte: «Ich mache kein Pipi-Kaka-Theater», sagte er.
Ansonsten übernahm er die volle Verantwortung für Ausstellung und Theater, auch für allfällige Fehler, Mängel oder Billigkeiten. Sein Ziel sei es, einen Dialog mit dem Betrachter zu eröffnen. Er wolle zeigen, dass die Rede über die Demokratie vielerorts selbstgefällig geworden sei. Im Namen der Demokratie würden Kriege geführt und werde gefoltert, sagte Hirschhorn.


7.12.
Ständerat mit Strafaktion gegen Pro Helvetia
Bern. SDA/baz. Schweizer Kulturschaffende und Kulturverbände sind entsetzt darüber, dass der Ständerat mit einer Budgetkürzung die Kulturstiftung Pro Helvetia zu disziplinieren versucht.
«Politischer Druck gehört sich nicht in der Kulturarbeit. Ich hoffe, Pro Helvetia kann diesem Druck widerstehen», meinte Adolf Muschg dazu gegenüber der sda. Pro Helvetia sei nicht dazu da, für die Schweiz Werbung zu machen, sondern «die Schweiz darzustellen», das heisse, «alle Seiten der Schweiz zu zeigen». Als Land werde man nur ernst genommen, wenn man selbstkritisch sei.
Schritt zurück Richtung Staatskultur
Mathias Knauer, Präsident von Suisseculture, dem Dachverband der professionellen Kulturschaffenden der Schweiz, ist ob des Ständeratsentscheids und seiner Begründung entsetzt. Pro Helvetia sei als sogenannte «staatsferne Institution» gerade dafür da, künstlerische Wertentscheidungen vom Staat fern zu halten. Als Reaktion auf die Staatskultur der Nazis gegründet, sei Autonomie für Pro Helvetia elementar.
Auch die Geschäftsführerin des Berufsverbands der visuellen Künste visarte, Roberta Weiss, ist schockiert. Von Budgetkürzungen betroffen seien viele, auch ihr Verband. Aber die als Strafaktion daherkommende Massnahme gegen Pro Helvetia entspreche einem Eingriff in die verfassungsmässig garantierte Kunstfreiheit, und das sei inakzeptabel.
Kohler: Im Zweifel für die Kunstfreiheit
Die Freiheit der Kunst sei ein hohes Gut, kommentierte Georg Kohler, Professor für politische Philosophie an der Universität Zürich gegenüber der sda. Eine freie Gesellschaft schütze zudem die Provokationen der Künstler.
Trotzdem sei die Freiheit der Kunst nicht grenzenlos. So könne man sich - in anderem Zusammenhang - die Frage stellen, ob der ermordete niederländische Künstler Theo van Gogh nicht auch religiöse Gefühle verletzt habe.
Behörden müssten ihrerseits den zu erwartenden populistischen Empörungswellen widerstehen können. Zu einer freien Gesellschaft und einer selbstbewussten Demokratie gehöre auch eine recht hohe Toleranz. «Im Zweifel sollte man sich für die Freiheit der Kunst entscheiden», sagte Kohler.
Pro Helvetia kommentiert nicht
Keine Stellungnahme abgeben wollte am Dienstag Pro Helvetia- Direktor Pius Knüsel. Zum einen sei die Kürzung noch nicht definitiv - der Nationalrat muss ihr noch zustimmen. Wenn zudem die politisch Verantwortlichen keine unabhängige Kulturstiftung wollten, sei das Sache der Schweiz, nicht der Pro Helvetia.
Ansonsten bleibe Pro Helvetia bei ihrer Stellungnahme vom Montag: Sie verstehe, dass die Ausstellung heftige Reaktionen auslöse. Doch eine Demokratie beweise Stärke, indem sie auch kritische Künstler unterstütze. Ausserdem sei die Freiheit der Kunst in der Schweizer Verfassung verankert.

6.12.
Pro Helvetia distanziert sich vom Angriff auf Blocher
Zürich. AP/baz. Die Kulturstiftung Pro Helvetia hat am Montag das umstrittene Projekt des Künstlers Thomas Hirschhorn am Centre Culturel Suisse (CCSP) in Paris verteidigt. Sie distanzierte sich aber von allfälligen persönlichen Angriffen auf Bundesrat Blocher. Bundesrat Couchepin plädierte für eine gesamtheitliche Sicht und verurteilte «Politkommissare».
In seiner Installation «Swiss-Swiss Democracy» zeigt der 47-jährige Schweizer Künstler Hirschhorn unter anderem eine Szene, wo ein Darsteller in der Pose eines Hundes an ein Bild von Justizminister Blocher pinkelt. Ebenso provokativ fiel die Einladungskarte zur Ausstellung aus, wo eine Folterszene aus dem irakischen Gefängnis Abu Ghraib mit den Wappen der Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden kombiniert wird. Pro Helvetia ermöglichte die Ausstellung mit 180.000 Franken.
«Pro Helvetia steht zu diesem Projekt; von allfälligen persönlichen Angriffen auf Christoph Blocher distanziert sie sich», heisst es in einer Stellungnahme. Es sei eine der grossen Errungenschaften der demokratisch verfassten Gesellschaft, dass sie auch Künstler unterstütze, die eben diese Gesellschaft kritisierten. Die Kunstfreiheit sei überdies in der Verfassung verankert. Pro Helvetia sei per Gesetz verpflichtet, die Vielfalt der Kulturen und Positionen zu berücksichtigen und verstehe sich nicht als Zensurbehörde. Denn die Furcht vor der politischen Debatte beraube die Kunst ihrer Wirkung.
Pro Helvetia zeigte zugleich Verständnis, dass das Projekt heftige Reaktionen auslöst. Hirschhorn gehöre zu jenem Dutzend Schweizer Künstler, die weltweit anerkannt und gefragt seien. Nicht zuletzt verdanke dieser seinen Ruf der politischen Dimension seines Werkes, dem provokativen Ton und dem kompromisslosen Einsatz gegen alles, was er als ungerecht, unterdrückend und anti-demokratisch ansehe. Hirschhorn bezeichne sich als überzeugter Schweizer. Sein Projekt sei im weiteren keine Ausstellung über Bundesrat Blocher. Es gleiche vielmehr einem zwei Monate dauernden Kolloquium über Demokratie. In Hunderten von Presseausschnitten und Zitaten aus Reden und Büchern beleuchte Hirschhorn alle Facetten der Demokratie und lade zum Nachdenken ein. Hirschhorn selbst sei jeden Tag in der Ausstellung anwesend.
Bundesrat Pascal Couchepin sagte im «Echo der Zeit» und im «Forum» von Radio DRS, gemäss seinen Informationen werde nicht das demokratische System kritisiert. Vielmehr würden positive und negative Aspekte aufgeführt. Er plädierte dafür, die Probleme gesamtheitlich zu diskutieren und nicht wie ein Politkommissar dauernd jedes Detail auf seine Konformität zu überprüfen. «Es scheint, dass er ein grosser Künstler ist, geht ihn schauen», sagte der Kulturminister.

Debatte im Ständerat

Unbenanntes Dokument

Auszug aus der Sitzung des Ständerates vom 7.12.04

Antrag zur Kürzung der Gelder für Pro Helvetia


Bieri Peter (C, ZG): Ich beantrage Ihnen, den Kredit für die Stiftung Pro Helvetia um eine Million Franken gegenüber dem bundesrätlichen Vorschlag zu kürzen und mit dieser Million wiederum den Kredit für die Förderung von Jugend und Sport zu erhöhen.
Ich begründe meinen Antrag wie folgt: Ich habe im Jahre 2003 als damaliger Präsident Ihrer WBK den Zahlungsrahmenkredit für die Jahre 2004 bis 2007 zur Annahme empfohlen. Dieser Kredit liegt ganze 7 Millionen Franken höher als in den vergangenen vier Jahren. Ich habe damals dargelegt, welche gesetzlichen Aufgaben die Pro Helvetia zu erfüllen hätte. Zu ihnen gehört gemäss Zweckartikel des zuständigen Gesetzes "die Pflege der kulturellen Beziehungen mit dem Ausland". Ich lese Ihnen Artikel 2 Absatz 1 Buchstabe d vor. Die Tätigkeit der Stiftung umfasst insbesondere folgende Aufgaben - ich bitte Sie, gut zuzuhören -: "die Pflege der kulturellen Beziehungen mit dem Ausland, insbesondere durch Werbung um das Verständnis für schweizerisches Gedanken- und Kulturgut".
Unser Rat und insbesondere unsere vorberatende Kommission haben damals bei der Beratung darauf hingewiesen, dass die Pro Helvetia künstlerisch unabhängig sein soll. Wir haben gleichzeitig aber auch mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass wir mit der Überlassung der hohen Summe von über 30 Millionen Franken an Bundesmitteln je Jahr der Stiftung auch eine hohe Verantwortung übertragen. Die Pro Helvetia steht im Rahmen der für die Kultur vorhandenen Mittel im Verteilkampf mit anderen Institutionen wie etwa mit dem Bundesamt für Kultur sowie neuerdings in einem vermehrten Masse mit der im Ausbau begriffenen Kulturförderung des EDA. Wir haben diese nicht unproblematischen Doppelspurigkeiten, die mit entsprechendem Finanz- und Personalverschleiss verbunden sind, schon wiederholt kritisiert und bemängelt. Wir haben hingegen nie dagegen opponiert, dass gerade die Kulturförderung im Ausland ein wichtiges Anliegen unserer Aussenpolitik ist.
Wenn nun jedoch die Pro Helvetia hingeht und ihren Auftrag der Werbung um das Verständnis für das schweizerische Gedanken- und Kulturgut so interpretiert, dass sie unsere ureigenen Wurzeln, unser historisches Selbstverständnis, unsere gesellschaftlichen Werte, die den meisten Schweizer Bürgerinnen und Bürgern noch immer teuer sind, und unsere staatlichen Institutionen mit primitivster Anfeindung preisgibt, dann ist es infolge der offensichtlichen Unfähigkeit der Stiftungsorgane Sache des Parlamentes, über die finanzielle Steuerung einzugreifen.
Sie werden die Bilder in den Medien gestern selbst gesehen haben und sich dazu Ihre eigenen Gedanken gemacht haben, etwa den, welcher Zusammenhang zwischen den Urkantonen und dem Folterbild aus dem Abu-Ghraib-Gefängnis in Irak hergestellt werden kann. Und sollten Sie sich von dieser Widerlichkeit noch nicht angesprochen fühlen, so lese ich Ihnen gerne drei Sätze aus der "Neuen Zürcher Zeitung" von gestern vor: "Dazu wird die Schweiz in einem Theaterstück auf die Schippe genommen. So erbricht eine Schauspielerin in eine Abstimmungsurne, und ein Darsteller uriniert - in der Pose eines Hundes - gegen ein Bild Blochers. Hirschhorn sagte, er wolle damit eine Diskussion über die Demokratie eröffnen." Wenn das Kulturförderung in Sinne der Werbung für das Verständnis des schweizerischen Gedanken- und Kulturguts ist, dann müsste ich mein Verständnis für Kultur tüchtig revidieren.
Kunst darf durchaus aufrütteln. So habe ich selber etwa den Spruch "La Suisse n'existe pas" stets für einen anregenden, durchaus interpretierbaren Gedanken gehalten. Wenn jedoch die intimsten Werte und das persönliche Befinden unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger auf eine derartige Weise mit Füssen getreten wird, so hat das Parlament im Sinne der Oberaufsicht und im Sinne der Budgethoheit seine Verantwortung wahrzunehmen. Ich habe mir in all den Jahren, in denen ich in der WBK gewesen bin, stets darüber Rechenschaft gegeben, dass sich die Politik nicht inhaltlich in die Kulturpolitik einmischen darf. Hingegen kann dieses Nichteinmischen nicht so weit gehen, dass die tiefsten Werte unseres Volkes mit verbalem Dreck beworfen und mit Füssen getreten werden. Wenn die verantwortliche Führung der Pro Helvetia nicht einsichtig und nicht selbst fähig ist, solchem Unsinn Einhalt zu gebieten, dann ist es Sache der Oberaufsichtsbehörde - das ist das Parlament -, hier einzugreifen. Das kann sie nicht mit einer staatlichen Kulturzensur tun; sie kann jedoch eingedenk des Gesetzesauftrages die vorhandenen finanziellen Ressourcen so einsetzen, dass diese einen besseren Nutzen erbringen. Ich beantrage Ihnen, den Kredit der Pro Helvetia um 1 Million Franken zu kürzen. Im Übrigen möchte ich den Bundesrat an dieser Stelle einmal mehr bitten, sich sehr wohl zu überlegen, welche Institutionen er im neuen Kulturförderungsgesetz wie einbettet und welche Aufträge er welcher Institution geben wird.
Im weiteren Sinne - und dies besonders beim Jugendsport - gehört eben auch Breitensport zur Kultur einer Gesellschaft. Im Gegensatz zur Pro Helvetia, welcher der Zahlungsrahmenkredit erhöht wurde, hat man bei Jugend und Sport den Kredit um 1,5 Millionen Franken gekürzt. Ich habe den Direktor des Bundesamtes für Sport gefragt, was die Folgen wären. Er hat mir gesagt, dass folgende Massnahmen notwendig würden: Erstens wäre eine Kürzung der Entschädigung der jugendlichen Leiter nötig, was im Übrigen nicht sehr motivierend ist, auch wenn das Geld beim Engagement dort nicht im Vordergrund steht - ich war selber einmal Jugend-und-Sport-Leiter; zweitens könnten rund 15 000 Jugendliche nicht mehr gleichermassen in den Genuss sportlicher Förderung kommen, und drittens müssten gewisse Sportarten von der Förderung ausgenommen werden.
Da das Bundesamt für Sport bekanntlich ein Flag-Amt ist, muss es gewisse Kürzungen, die ihm vorgegeben werden, innerhalb des eigenen Budgets selbst vornehmen. Der Direktor des Bundesamtes hat mir auch gesagt, dass sein Amt bis zum Jahre 2008 67 Millionen Franken sparen muss.
Geben wir doch diese Million Kinder und Jugendlichen, die durch ihren Bewegungs- und Tatendrang sowie durch ihre Bereitschaft für sich und die Gesellschaft etwas Positives leisten, und nehmen wir sie dort, wo Dekadenz und Miesmacherei unsere Gesellschaft und ihre Institutionen zerstören will. Als Parlamentarier, der sich hier während Jahren für die Kultur eingesetzt hat, kann ich das mit gutem Gewissen verantworten.

Langenberger Christiane (RL, VD): Ma proposition s'inscrit aussi dans le cadre de l'exposition du Centre culturel suisse de Paris. Je dois en tout premier lieu préciser deux points: j'ai toujours soutenu jusqu'à présent le travail de Pro Helvetia; je trouve parfaitement normal que l'on puisse critiquer en Suisse notre pays, notre démocratie, nos responsables politiques, surtout dans les milieux artistiques qui doivent pouvoir compter plus que tout sur la liberté d'expression.
Cela ne me permet pas d'accepter certains excès, de la part d'un artiste suisse renommé, dans le cadre d'une exposition à l'étranger subventionnée par l'Etat, donc par les impôts de nos contribuables. Nous avons un art consommé de faire de l'autocritique. Alors que le monde entier envie notre système de démocratie directe, que certains pays aujourd'hui même se battent pour obtenir une toute petite part de cette démocratie, je trouve déplacé de voir cette démocratie salie, dénaturée. J'estime particulièrement grave que l'on envoie un carton d'invitation réunissant une scène de torture émanant d'une prison tristement célèbre d'Irak et les emblèmes des trois cantons à l'origine de notre pays. Cet amalgame est une insulte inadmissible envers la population de ces cantons. Que dire d'une scène animée où l'on vomit dans une urne, où l'on fait semblant d'uriner sur le portrait d'un conseiller fédéral? Est-ce vraiment de l'art? Est-ce à Pro Helvetia de promouvoir ce type de message politique? Je trouve cela d'un goût plus que douteux. Même si, depuis quelque temps, la vie politique suisse est rythmée par des messages visuels provocateurs et dommageables pour la démocratie, il est d'autant plus regrettable que de telles dérives trouvent leur expression dans la sphère culturelle.
Alors, on pourra me dire que je n'ai pas vu l'exposition; on pourra me reprocher que ce sont des éléments plutôt isolés dans cette exposition. Mode ou pas mode, grand artiste ou pas, je souhaite donner un signe d'un certain ras-le-bol.
Je demande donc, pour ma part, une réduction symbolique du budget de Pro Helvetia, correspondant à un montant qui représente ce que Thomas Hirschhorn doit, semble-t-il, recevoir comme rétribution pour cette exposition.

Gentil Pierre-Alain (S, JU), pour la commission: La commission s'est brièvement penchée ce matin sur les propositions qui viennent de vous être soumises et, compte tenu de l'heure matinale et du peu de temps à disposition puisque nous avons siégé entre 7 heures et 8 heures, elle n'a pas eu le temps de mener un intense débat culturel. Je ne voudrais donc pas me faire le porte-parole d'un débat plus ample que celui qui a eu lieu en commission.
Simplement, plusieurs représentants de la commission, ce qui fait que je peux m'exprimer en leur nom, ont estimé qu'il serait tout à fait contestable que le Parlement, dans le cadre d'une décision budgétaire, prenne des décisions qui sont typiquement des décisions de mauvaise humeur, émotionnelles et plus guidées par la lecture des journaux à sensation que par ce que l'on est en droit d'attendre d'élus qui défendent les intérêts supérieurs de l'Etat.
Vous avez dit vous-même, Madame Langenberger, que nous avions à préserver l'esprit de la critique artistique, et c'est un point de vue que la commission partage. Ce qui est un peu étonnant, c'est qu'après avoir affirmé cette vérité générale, vous vous empressez de dire que dans le cas particulier, vous n'entendez pas la respecter, puisque vous entendez sanctionner un artiste. Il faut être clair: du point de vue de la commission, les goûts et les couleurs sont toujours discutables. Si nous trouvons que telle exposition, tel livre, tel film financés par des fonds publics prêtent à discussion, il y a d'autres terrains sur lesquels nous pouvons discuter le contenu de ces films, de ces livres et de ces expositions; mais venir ici, en séance de budget, avec une espèce d'opération de représailles, est quelque chose qui a peu trait à la politique culturelle au sens large qu'on entend voir mener de la part d'un Etat.
Nous avons à définir des principes. Nous avons d'autres moyens d'interpeller les gens qui interprètent librement ou trop librement, à notre goût, cette autonomie du goût et de la pensée. Le monde politique a démontré, lui aussi - vous l'avez relevé, chère collègue - ces derniers temps que le mauvais goût avait aussi en son sein ses lettres de noblesse, et il est assez inconvenant pour nous, politiciens qui cédons de cas en cas à la polémique en dessous de la ceinture, de prétendre faire la morale à des artistes ou des auteurs qui, de temps en temps, font de la provocation, ce qui, de toute éternité, est la vocation des artistes.
Nous vous proposons en conséquence de ne pas tirer prétexte d'une exposition et de son contenu pour réduire les prestations versées par la Confédération à Pro Helvetia, de maintenir ce budget en répétant que si d'aucuns ici pensent que Pro Helvetia a une politique discutable, il y a tout un tas d'autres moyens de demander des comptes à cette institution plutôt que de s'attaquer à son budget.
C'est la raison pour laquelle je vous propose, au nom de la commission, de vous en tenir au projet du Conseil fédéral.

Leuenberger Ernst (S, SO): Ein absolutistischer französischer König hat gesagt: "On n'arrête pas Voltaire" - man verhaftet Voltaire nicht. Voltaire hat sich diesem absolutistischen König gegenüber ungefähr alle Unflätigkeiten zuschulden kommen lassen, die nur vorstellbar sind. Er war kein Liberaler, dieser französische König, und auch der Zweite, den ich zitieren will, war kein Liberaler. Der grosse Preussenkönig hat zu Voltaire gesagt: "Ich bin mit Ihnen überhaupt nicht einverstanden, in keiner Art und Weise einverstanden, aber ich würde Ihr Recht auf Meinungsäusserungsfreiheit verteidigen."
Das Votum, das ich hier halten will, müssten grosse Liberale in diesem Saal halten. Ich habe sie bisher noch nicht gehört. Ich wünschte mir, dass sie noch zu hören wären. Herr Gentil hat es schon gesagt: Wir sind hier in einer Finanzdebatte, wir haben Mittel zuzuteilen, an Organisationen beispielsweise, die gewisse Aufträge haben. Wir haben andere Instrumente, um zu überprüfen, ob diese Mittel so eingesetzt sind, wie wir uns das wünschen.
Zu diesem inkriminierten Künstler ein Bekenntnis eines Banausen: Bis vor drei Tagen habe ich diesen Namen nicht gekannt. Die Ringier-Presse hat mich auf diesen Namen aufmerksam gemacht. Ich muss Ihnen sagen: Was ich gesehen und gelesen habe, das gefällt mir nicht, gefällt mir wirklich nicht, und ich würde hingehen und mich bei allen im Namen dieses mir unbekannten Herrn entschuldigen, die er beleidigt hat. Aber ich würde sagen: Diese Demokratie, diese offene Gesellschaft Schweiz ist gefestigt genug, dass sie auch einen erträgt, der wie Voltaire alle Unflätigkeiten, die ihm in den Sinn kommen, serviert.
Wir haben es knurrend zur Kenntnis genommen, als Friedrich Dürrenmatt in seiner Havel-Rede die Schweiz mit einem Gefängnis verglichen hat, das aus Gefangenen und Gefängniswärtern besteht, wo gelegentlich Rollentausch stattfindet, indem die Gefangenen zu Wärtern werden. Einige von uns haben sich amüsiert, andere haben sich geärgert. Das ist die Freiheit eines jeden. Wir haben uns geärgert, als Max Frisch die Schweiz als verluderten Staat bezeichnet hat. Ich gebe Ihnen gegenüber zu: Mir als Politiker, der sich auch verantwortlich fühlt für dieses Land, hat das wehgetan. Aber ich habe damals gesagt, und ich sage es heute, er möge die Freiheit gehabt haben, das zu sagen. Wir nehmen uns die Freiheit, solche Aussagen eben zu werten und nicht alles zu glauben.
Wenn von Dekadenz die Rede ist, dann wird mir ganz komisch zumute, weil - und das ist jetzt heikel, was ich sage - für mich ein Äquivalenzbegriff zu Dekadenz dann der Begriff Inquisition ist. Das ist keine gute Geschichte, in diesem Land nicht, im alten Europa nicht. Es gibt Dinge, die es gibt. Wir haben uns aufgeregt über "Suiza no existe"; aber wir existieren; und ob wir existieren - dieses Land mit seinen sieben Millionen Bewohnerinnen und Bewohnern -, da kann einer lange "Suiza no existe" sagen! Wir haben uns darüber aufgeregt; ich auch. Wir haben uns auch einmal aufgeregt, als ein Film gemacht wurde, in dem ein Genfer Professor, der auch einmal im Parlament sass, zu Wort kam. Daraufhin ist der Nationalrat hingegangen und hat damals die Filmkredite gekürzt. Der Ständerat hat das wieder in Ordnung gebracht.
Wir dürfen hier keine Strafaktionen veranstalten. Ich sage es Ihnen - und ich bin ein temperamentvoller Mensch, der sich gelegentlich sehr ärgert, bis zur Weissglut -: Zorn ist hier, in diesem Zusammenhang, der falsche Ratgeber! Ich werde gerne bereit sein, diesem Herrn, wenn jemand Unterschriften sammelt, einen Brief zu schreiben, um ihm unser Unbehagen über seine Äusserungen kundzutun. Ich bin auch bereit, mich bei jenen zu entschuldigen, die sich beleidigt fühlen. Aber wir dürfen hier keine Strafaktion vom Zaun reissen! Ich bitte Sie dringend darum: Nehmen Sie meinetwegen, wenn es nicht anders geht, einen absolutistischen französischen König als Vorbild, oder nehmen Sie den Preussenkönig als Vorbild, wenn Republikaner nicht mehr genügen.

Brändli Christoffel (V, GR): Der Auftritt der Schweiz in Paris macht einmal mehr deutlich, dass im Ausland verschiedene Organisationen mit unterschiedlichen Botschaften und unterschiedlichen Konzepten auftreten - alles mit Steuergeldern finanziert. Dabei wäre klar, dass der gesetzliche Auftrag für alle formuliert ist - nur kümmern sich einzelne Organisationen nicht um diesen Auftrag. Unsere Aufgabe ist es aber, den Einsatz der Mittel zu überprüfen und dafür zu sorgen, dass die Mittel gesetzeskonform eingesetzt werden. Es geht hier nicht um die Meinungsfreiheit, wie es Herr Leuenberger dargestellt hat, sondern es geht um die Finanzierungsfragen. Ich sage Ihnen, Herr Leuenberger: Ich setze diese Mittel lieber für arme Leute ein als für einen derartigen Unsinn.
Die Kommentare in den Medien zum von Pro Helvetia finanzierten Auftritt in Paris sind typisch. Ich zitiere zwei Sätze aus der "Berner Zeitung". Der erste Satz lautet: "In einer demokratischen Gesellschaft geht es nicht an, nur eine Kultur zu fördern, die allen genehm ist." Der zweite Satz lautet: "Allenfalls versucht die SVP, im Budget 2005 die Mittel von Pro Helvetia zu kürzen." Das sind zwei interessante Sätze.
Zum ersten Satz: Es geht hier nicht um die Frage einer Kultur, die genehm ist. Man kann darüber diskutieren, welchen kulturellen Wert die bildliche Darstellung des Anpinkelns eines Bundesrates hat. Ich habe mich masslos darüber geärgert, als ich heute das Interview von Pro-Helvetia-Direktor Pius Knüsel gelesen habe. Er sagte: "Das geht an die Grenze des Anstandes." Also ist es noch anständig. Und er sagt: "Ausserdem ist es eine moderne Interpretation eines Stichs von Johann Heinrich Füssli, auf dem ein Hund an die Stange mit Gesslers Hut pinkelt." Also wird Gessler mit einem unserer Bundesräte gleichgesetzt. Mit diesen Äusserungen wird dieser Fall nicht zu einem "Fall Hirschhorn" - dieser Fall wird zu einem "Fall Pro Helvetia" und zu einem "Fall Knüsel". Ich meine, dass es für dieses Parlament eine Zumutung ist, wenn Pro Helvetia Künstlern, die öffentlich sagen, dass sie in der Schweiz aus Protest nicht ausstellen, im Ausland eine mit Steuergeldern finanzierte Plattform bietet.
Der Künstler sagt in dieser Situation: ".... wenn das so ein Ding gibt, dann muss irgendwo ein Problem sein." In der Tat besteht ein Problem, wenn wir Provokation und die Vermittlung billigster Botschaften als Ausdruck unserer schweizerischen Kultur im Ausland präsentieren und wir dies nicht einmal kritisieren dürfen. Auch das gehört zu unserer Demokratie. Stossend ist aber vor allem die Tatsache, dass der Künstler das erreicht hat, was er wollte: Aufmerksamkeit. Ich meine, darum geht es heute vielen sogenannten Künstlern in erster Linie: In der Tat nicht Leistung, sondern geschickte Provokation ist heute die Zielsetzung vieler Auftritte.
Zum zweiten Satz: Allenfalls - das wurde gesagt - würde die SVP-Fraktion versuchen, im Budget 2005 die Mittel von Pro Helvetia zu kürzen. Auch das ist ein zu einfaches Schema: "Die populistische SVP versteht nichts von eigentlicher Kultur und wird in bewährter Schwarz-Weiss-Manier eine Strafaktion durchführen." Ich bin deshalb sehr froh, dass die Anträge aus Kreisen der FDP und der CVP kommen.
Es geht also um Grundsätzliches. Worum eigentlich? Letzte Session haben wir eine umfassende Diskussion über den Auftritt der Schweiz im Ausland geführt. Unzählige Organisationen mit unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Botschaften prägen das Bild. Das Chaos ist offensichtlich so gross, dass sogar externe Büros beauftragt werden, dieses Chaos zu entwirren. Ziel der eingeleiteten Massnahmen ist es, zu einem effizienten und einheitlichen Auftritt der Schweiz im Ausland zu gelangen. Im Hinblick auf dieses Ziel tun wir gut daran, klare Zeichen zu setzen. Mit einer Unterstützung des Antrages Bieri bringen wir zum Ausdruck, dass sich auch die kulturellen Organisationen, sofern sie Steuermittel in Anspruch nehmen, einem Gesamtkonzept unterordnen müssen.
Ich meine, der Antrag Langenberger geht zu wenig weit, denn mit Annahme dieses Antrages finanzieren Sie diesen Auftritt in Paris mit. Er kostet 180 000 Franken, und Frau Langenberger will nur einen Teil davon kürzen. Der Antrag Bieri hat nichts damit zu tun, dass wir den kulturellen Organisationen nicht Narrenfreiheit zugestehen. Die Frage sei aber gestellt, ob wir Narren in jedem Fall mit Steuergeldern fördern sollen.
In diesem Sinne bitte ich Sie, den Antrag Bieri zu unterstützen.

Fetz Anita (S, BS): Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten. Ich habe diese Ausstellung in Paris nicht gesehen, ich habe die Medienberichte gesehen und ziehe daraus den Schluss, dass es sich um eine äusserst provozierende Auseinandersetzung mit der Demokratie handelt. Die Bilder, die ich in den Medien gesehen habe - das kann ich offen sagen -, gefallen mir nicht, ja, ich persönlich finde einzelne sogar geschmacklos. Ich bin mir aber bewusst, dass ich damit nicht die Gesamtausstellung gesehen habe. Soviel muss auch einmal gesagt sein. Diese Bilder geben natürlich einen sehr eingeschränkten Einblick, aber, wie gesagt, ich persönlich habe einzelne Bilder, die ich gesehen habe, geschmacklos gefunden.
Dennoch halte ich daran fest: Die Demokratie zeichnet sich dadurch aus, dass es eben Meinungsfreiheit gibt, dass es Debatten gibt, ja dass es sogar Streit gibt. Gegenüber dem Argument von Kollege Brändli, dass das die künstlerische Freiheit zwar in Ordnung ist, aber dann nicht noch mit Steuergeldern bezahlt werden soll, bin ich ambivalent eingestellt. Ein gewisses Verständnis habe ich dafür, aber nicht in Bezug auf diese Frage. Mit meinen Steuergeldern werden dutzendweise Sachen finanziert, die ich persönlich nicht unterstützen würde. Das liegt nun einmal in der Natur von Steuern: Man bezahlt sie sozusagen als Ganzes und bestimmt als Individuum nicht mehr mit, wo sie eingesetzt werden.
Ich würde dem Gremium empfehlen: Bleiben Sie gelassen, lassen Sie sich eben nicht provozieren, sonst wäre ja die Provokation erfolgreich. Denken Sie daran: Wir leben in einer offenen Gesellschaft, ja ich sage, in einer republikanischen Gesellschaft, die eben keine Könige mehr braucht. Wir leben in einem Staat, der eine radikalfreisinnige, liberale Tradition hat. Und die Schweiz, meine ich, ist unter demokratischem Aspekt genug stark, um auch sehr provozierende Auseinandersetzungen, insbesondere im Kulturbereich, zu ertragen. Darum sollten wir uns nicht hinreissen lassen, hier eine moralische Strafaktion zu führen, sondern sollten gelassen bleiben. Die Strafkürzung scheint mir eines gelassenen Parlamentes unwürdig und schmeckt auch ein bisschen nach Zensur. Das wäre jetzt doch "tant de bruit pour une omelette". Lassen Sie sich nicht provozieren: Das ist eigentlich meine Hauptbotschaft.

Schiesser Fritz (RL, GL): Ich möchte eine kurze Erklärung zu meiner Stimmabgabe abgeben. Herr Kollege Leuenberger, jetzt spricht ein zweiter Banause: Ich kannte diesen Künstler auch nicht, ich habe gestern den Namen wohl zum ersten Mal gehört. Ich habe gestern Abend einige Bilder von dieser Ausstellung gesehen, von der ich vorher keine Notiz genommen hatte, und kann diese Ausstellung auch nicht als Ganzes beurteilen. Die Bilder, die ich gesehen habe, sind kommentiert worden, dazu muss ich nichts mehr sagen. Ich habe mir nur etwas dabei gedacht: Unsere Demokratie ist viel zu stark, viel zu gut, viel zu fest verankert, als dass sie durch solch provozierende Ausstellungen in irgendeiner Weise beeinträchtigt werden könnte. Das war für mich die Erkenntnis aus diesen Bildern, die ich gesehen habe.
Eines möchte ich aber mit aller Deutlichkeit festhalten: Die Szene, in der ein Bild einer hohen Persönlichkeit aus diesem Land mit Urin bespritzt werden soll, also das Urinieren auf eine Person, ist für mich die Verletzung der Würde eines Menschen, das hat mich schockiert. Das sind Szenen, wie wir sie aus den Foltergefängnissen im Irak kennen. Das kann ich nicht akzeptieren, das ist eine Verletzung der Würde eines Menschen. Ob es sich dabei um ein Mitglied des Bundesrates handelt oder um einen anderen Menschen, spielt für mich keine Rolle. Ich habe mir bestätigen lassen, dass diese Szene offenbar so dargestellt wird.
Ich werde dennoch den Auffassungen von Herrn Leuenberger folgen: Ich möchte jetzt nicht aus dieser Überlegung heraus den Kredit für Pro Helvetia kürzen. Es ist besser, wenn wir uns in der WBK mit Pro Helvetia an einen Tisch setzen und über diese Würdeverletzung und die anderen Vorfälle einmal gründlich diskutieren und uns auch überlegen, was der Auftrag von Pro Helvetia wirklich ist, dies in aller Offenheit und mit freier Meinungsäusserung für Künstler. Aber auch die Meinungsäusserungsfreiheit von Künstlern hat Grenzen.
Ich überlege mir aber ernsthaft, den Antrag Bieri zu unterstützen. Hier geht es um etwas anderes, das möchte ich ganz klar verstanden haben. Das ist für mich nicht eine Strafaktion, sondern es ist für mich eine Interessenabwägung zwischen zwei öffentlichen Interessen. Da kann ich durchaus die Auffassung vertreten, dass eine Verschiebung von einem Posten auf einen anderen erfolgen kann. Ich werde also dem Antrag Bieri zustimmen. Das zu meinem Abstimmungsverhalten.

Langenberger Christiane (RL, VD): Je suis persuadée que le débat a eu lieu ici, qu'il y a eu une première discussion. Nous avons pu manifester aussi notre révolte par rapport à certaines images que nous avons vues. Pour ma part, je retire ma proposition - puisqu'elle est aussi interprétée comme quelque chose qui n'est pas digne d'une libérale - en faveur de la proposition Bieri. Le succès de cette démarche dépendra du vote du conseil.


Präsident (Frick Bruno, Präsident): Der Antrag Langenberger ist zurückgezogen worden.

Marty Dick (RL, TI): Je comprends l'indignation que ces images parues dans la presse ont provoquée, bien qu'aucun d'entre nous, sauf erreur, n'ait vu l'exposition au Centre culturel suisse à Paris - non seulement je comprends cette indignation, mais encore je la partage. Je me demande si on n'est pas en train de faire un trop grand honneur à l'artiste en cause et d'en faire un martyr. On a parlé de Voltaire, de Dürrenmatt, de Frisch, peut-être qu'on exagère! Les artistes n'ont pas toujours été reconnus par leurs contemporains: je pense à Gauguin, mort non seulement dans l'indifférence, mais aussi objet du mépris de ses contemporains, bien qu'il n'ait jamais bénéficié de subsides publics.
Je pense qu'il serait faux de réagir aujourd'hui sur la base d'émotions, aussi justifiées soient-elles. Alors, on doit se demander quelle est la meilleure façon de réagir. En coupant dans le budget de Pro Helvetia, on ferait une faute: on contribuerait à transformer cet artiste en martyr; on serait accusé de censure. Je crois que ce que vient de dire notre collègue Schiesser est tout à fait juste: il faut que notre commission compétente en matière de culture s'occupe de cela, qu'on demande un rapport précis au Département fédéral de l'intérieur, qu'on entende les responsables de Pro Helvetia, qu'on contrôle quelle est la politique culturelle de cette institution. Si on coupe dans le budget de Pro Helvetia aujourd'hui, ce n'est pas l'artiste Thomas Hirschhorn qu'on va punir, mais d'autres artistes, d'autres manifestations culturelles, dont la majorité est certainement valable. Je trouve que ce serait une faute de punir ceux-ci et celles-ci à cause d'un artiste.
Qu'on ne vienne pas me dire tout à coup que la proposition Bieri de transférer un crédit n'a rien à voir avec l'exposition de Paris! Tout le développement de Monsieur Bieri était fondé sur ce qui s'est passé à Paris. Cela me paraît un peu populiste de dire: "Alors, on va donner l'argent à la jeunesse." Pourquoi ne pas prendre l'argent ailleurs? Je trouve qu'on devrait réagir avec un peu plus de calme et, comme l'a très bien dit Monsieur Schiesser, on vit dans une démocratie qui ne se laisse quand même pas ébranler par un artiste qui fait des imbécillités à Paris! C'est déplorable que cela soit subventionné par de l'argent public. Je suis d'accord qu'on examine à fond cette affaire, mais pas en punissant d'autres artistes comme on le ferait en coupant dans le budget de Pro Helvetia.

Bieri Peter (C, ZG): Nach dieser Diskussion, bei der auch mein Votum diskutiert wurde, möchte ich kurz eine Antwort geben. Herr Leuenberger, Sie haben beim Budget gesagt, Sie hätten viele Briefe erhalten. Ich habe auch Briefe und Telefonate erhalten, wo zum Ausdruck kam, dass sich die Leute nun wirklich in ihren innersten Werten verletzt gefühlt haben. Auch das müssen Sie zur Kenntnis nehmen!
Ihr Bild von Voltaire stimmt bis zum letzten Punkt; aber der König hat den Voltaire nicht noch bezahlt. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied bei diesem Bild, das leider nicht ganz zu hundert Prozent stimmt. Die Meinungsfreiheit soll gelten; im Rahmen unserer Wertordnung darf sich auch jeder nach seinem Gusto darstellen, aber ich bin dagegen, dass dort, wo intimste Werte des Menschen verletzt werden, der Staat dies auch noch finanzieren muss.
Zur Frage der Dekadenz und der Möglichkeit, das mit der Inquisition zu vergleichen: Was ist denn Dekadenz, wenn nicht das, wenn mit den Fäkalien des Menschen auf andere losgegangen wird? Tiefer kann man wahrscheinlich nicht mehr sinken.
Ein nächster Punkt: Wir sollen nicht im Zorn handeln. Ich bin gestern über die Bücher gegangen und habe die Botschaft des Rahmenkredites 2004-2007 der Pro Helvetia nochmals studiert. Ich habe das Gesetz betreffend die Pro Helvetia hervorgenommen und habe dort die Aufträge studiert, die per Gesetz vorhanden sind. Ich habe nachgelesen, welche Zielsetzungen die Pro Helvetia für die kommenden Jahre festgelegt hat und zu denen wir letztlich ohne Abstriche Ja gesagt haben. Dass diese Ziele damit nicht erfüllt wird, leuchtet auch Ihnen ein.
Sie sagen, man solle gelassen bleiben, Frau Fetz. Ja, sollen wir denn ewig gelassen bleiben? Wir können doch nicht bis zum Gehtnichtmehr einfach schweigen, alles schlucken, alles einstecken. Irgendwie gibt es auch in unserem Auftrag als Parlamentarier den Auftrag, für eine Gesellschaft zu sorgen, in der sich die Menschen in ihren privatesten Bereichen verstanden, akzeptiert und nicht verletzt fühlen. So verstehe ich meinen Auftrag. Gelassenheit ja, aber nicht bis zum Gehtnichtmehr und nicht ohne Grenzen.
Ich leite meinen Antrag aus meiner Verantwortung ab, dass wir hier im Parlament erstens die Oberaufsicht und zweitens die Budgethoheit haben. Ich nehme den Betrag der Kultur nicht einfach weg, sondern will ihn einem anderen Zweck zuführen, wo auch ein Beitrag zur Kultur geleistet wird. Man kann darüber streiten, wie viel dort noch zugefügt werden muss; Herr Bundesrat Merz wird das noch sagen. Aber ich meine, auch das wäre eine gelungene Kulturförderung.
Ich bitte Sie deshalb, meinem Antrag zuzustimmen.

Merz Hans-Rudolf, Bundesrat: Diese spannende kulturpolitische Debatte muss jetzt leider wieder auf das Budget zurückgeführt werden, und ich gestatte mir, in ganz trockener Weise einfach noch einmal die finanzpolitischen Aspekte in Erinnerung zu rufen.
Beim Bundesamt für Kultur geht es um die Pro Helvetia. Der Bundesrat schlägt Ihnen mit 34 Millionen Franken gegenüber dem Voranschlag des Vorjahres eine Kürzung um 700 000 Franken vor. Sie wissen - und Herr Bieri hat das in Erinnerung gerufen -, dass diese Stiftung mit einem mehrjährigen Zahlungsrahmen finanziert wird. Er endet im Jahr 2007. Im Grunde hat die Pro Helvetia jedes Jahr 34,2 Millionen Franken zugute von diesen 137 Millionen, die Sie bewilligt haben. Er hat auch mit Recht auf die Botschaft aufmerksam gemacht, wo der Auftrag von Pro Helvetia geschildert ist. Wir sind zum Schluss gekommen, dass man die Kürzung auf 34 Millionen Franken, wie wir es vorschlagen, mit Priorisierung der Förderbereiche erzielen kann. Das Bundesamt für Kultur war damit einverstanden, und der Bundesrat beantragt Ihnen diesen Betrag.
Der zweite Punkt ist ein Thema, das mich ein bisschen ärgert. Wir sind dabei, mit diesen Entlastungsprogrammen wirklich in allen Bereichen Bündnisse zu suchen und mit allen Ämtern zu sprechen, und es kommt einfach immer wieder vor, dass dann im Nachhinein von einem Amt gejammert wird. Auch hier im Zusammenhang mit dem Bundesamt für Sport (Baspo) habe ich ein gewisses Unbehagen, muss ich sagen. Diese Kürzung von 1,5 Millionen müssen Sie messen an dem, was dem Baspo frei zur Verfügung steht. Das sind 55,5 Millionen, das sind 3 Prozent. Wenn jetzt da zuhanden von Parlamentariern gesagt wird, es hätten 14 000 oder 15 000 Jugendliche dann keinen Unterricht mehr, dann ist das alles Unsinn. Das ist alles reiner Unsinn! Das ist eben genau die Art und Weise, wie man nicht budgetieren darf. Man sieht irgendwo eine Lücke und sagt, man könne jetzt die 1,5 Millionen wieder aufbauen. Das haben wir alles mit dem Baspo besprochen. Das Baspo soll wie andere Bereiche auch an dieses Entlastungsprogramm bzw. an das Budget beitragen.
Die Mittel zur Umsetzung des sportpolitischen Konzeptes des Bundesrates - an dem uns sehr viel liegt, denn viele von uns sind mit dem Sport sehr verbunden - sind vom Baspo mit dieser Kürzung ausdrücklich ausgenommen worden. Deshalb möchte ich Ihnen empfehlen, dass Sie den Antrag Bieri wenn möglich untergliedern, obwohl er ja eine Einheit bildet; aber vielleicht kann man doch einen Weg finden, zwei getrennte Abstimmungen durchzuführen. Mich ärgert diese Aufstockung. Sie hat einen präjudiziellen Charakter. Wir haben eine ganze Menge von Positionen, bei denen man nachher ähnlich argumentieren könnte.
Damit möchte ich schliessen und Sie bitten, die finanzpolitischen Überlegungen wieder in den Vordergrund zu stellen und entsprechend zu befinden.

Abstimmung - Vote
Für den Antrag Bieri .... 24 Stimmen
Dagegen .... 13 Stimmen