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ZUM SYMPOSIUM:
22.- 23. Januar 2005
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Veranstalter [605KB]
P-FAKTOR: Die Kunst der Provokation
im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, 8001 Zürich
Ist Provokation ein legitimes Mittel, um in unserer Gesellschaft etwas zu verändern oder nur eine strategische und verkaufsfördernde Massnahme? Muss man heute provozieren, um noch wahrgenommen zu werden? Was erregt die Menschen im Zeitalter der Tabubrüche noch? Wer lässt sich provozieren, was sind die Regeln und welche Rolle spielen dabei die Kunst und die Medien? Schon für die Dadaisten war Provokation ein gezielt eingesetztes Kommunikationsvehikel und in den letzten 40 Jahren wurde die bewusste Regelverletzung zu einem der beliebtesten, erfolgreichsten, aber auch oft verschmähtesten Werkzeuge in Kultur, Politik und Gesellschaft.
Mit dem Symposium soll versucht werden, den oft rein emotional gebrauchten Begriff
zu objektivieren und zur Diskussion zu bringen. Weiter soll mit dem neu geschaffenen
Terminus P-FAKTOR eine Messgrösse für Provokation
eingeführt und längerfristig als Marke etabliert werden.
ReferentInnen:
Werner de Schepper -- Theologe, Chefredaktor der Boulevardzeitung
Blick, Zürich
Ursula Pia Jauch --Prof. für Philosophie und Kulturgeschichte
Universität Zürich
Güzin Kar --Drehbuchautorin, Filmerin und Kolumnistin,
Zürich
Elke Krystufek -- Künstlerin und Performerin, Wien
Franz Liebl --Prof. für strategisches Marketing, Universität
Witten
David Signer -- Ethnologe und Journalist Weltwoche, Zürich
Wolfgang Ullrich -- Prof. Kulturwissenschaft, Akademie der
Künste München
Das Symposium besteht aus einem öffentlichen Teil (Samstag) und einem geschlossenen
(Sonntag). Der Samstag richtet sich insbesondere an Kunst- und Medienschaffende,
Kulturinteressierte, Wissenschaftler und Betroffene (Provokateure und Provozierte).
Das Symposium und Workshop wurde von der Künstlergruppe COM &
COM (Johannes M. Hedinger und Marcus Gossolt) konzipiert, als Teil
ihrer zweimonatigen Kuratorenschaft am Cabaret Voltaire zum Thema PROVOKATION.
In Ergänzung finden eine Filmreihe und eine Ausstellung statt. Zum Thema
wurde auch eine eigene Website initiiert (www.provokation.ch).
Das Pozess-Design des Symposiums stammt von BEAUTY CASE (John
Bellicchi, Simon Grand und Ruedi Alexander Müller-Beyeler). Beauty Case
ist ein Forschungsprojekt, das sich in immer wieder neuen Kontexten und mit
unterschiedlichen Forschungspartnern (aus Wirtschaft, Wissenschaft, Design und
Kunst) mit der Forschungsfrage beschäftigt, wie interdisziplinäre,
kollektive, multimediale und innovative Gestaltungsprozesse produktiv strukturiert
und inszeniert, und effizient sichtbar und erfahrbar gemacht werden können.
Das Symposium findet im und in Zusammenarbeit mit dem cabaret voltaire
dada zürich statt.
Website und Online-Anmeldung unter: www.provokation.ch
DIE VERANSTALTER
COM & COM
Com&Com, das sind die beiden Schweizer Medienkünstler Johannes M. Hedinger
(1971) und Marcus Gossolt (1969). Sie gründeten 1997 das Kunstlabel Com&Com
(Commercial Communication) und produzieren Filme, Kunst, Theaterstücke,
Musik, Bücher und Denkmäler, die die Grenze zwischen High Art und
Low Culture thematisieren. Parasitär besetzen sie vorhandene Kommunikationswege
der Werbung und Massenmedien für ein Inszenierungsspiel von Original und
Fälschung.
2003 entwarfen sie eine Legende sowie ein Denkmal mit Namen Mocmoc für
das Städtchen Romanshorn am Bodensee. Das bunte Denkmal, die gefälschte
Gründerlegende und die Form der Inszenierung - löste anhaltende Bürgerproteste
und eine veritable politische Krise aus, was in einer Volksabstimmung am 16.
Mai gipfelte. Com&Com's erster Film "C-Files: Tell Saga", ein
perfekt inszenierter Trailer zu einem nicht existierenden Spielfilm, wurde 2001
an die Biennale Venedig eingeladen und ihr Song und Video-Clip "Side by
Side" (2002) landete in den Top 10 der Schweizer Charts. Derzeit arbeiten
Com&Com an der irritierenden Public Art Artbeit GUGUSDADA (2004-05) für
das Cabaret Voltaire sowie an einem Roadmovie in der Wüste zwischen Los
Angeles und Las Vegas. Johannes M. Hedinger und Marcus Gossolt leben und arbeiten
vorwiegend in Zürich und St. Gallen / Schweiz.
"Der Künstler muss wieder vermehrt die Verantwortung für
Manipulation und Verführung übernehmen: Kunst muss eine ebenso große
politische Wirkung haben wie die Unterhaltungsindustrie, der Film, die Popmusik
und die Werbung. Es gab eine Zeit, da brauchten Künstler nur in das Ohr
des Königs oder des Papstes zu flüstern, um politische Wirkung zu
haben. Heute müssen sie in die Ohren von Millionen Menschen flüstern.
Da muss man halt auch die Form und das Medium anpassen."
Com&Com
www.com-com.ch
www.mocmoc.ch
www.gugusdada.ch
BEAUTY CASE
Das Prozess-Design des Symposiums stammt von Beauty Case (John Bellicchi, Simon
Grand und Ruedi Alexander Müller-Beyeler). Beauty Case ist ein Forschungsprojekt,
das sich in immer wieder neuen Kontexten und mit unterschiedlichen Forschungspartnern
(aus Wirtschaft, Wissenschaft, Design und Kunst) mit der Forschungsfrage beschäftigt,
wie interdisziplinäre, kollektive, multimediale und innovative Gestaltungsprozesse
produktiv strukturiert und inszeniert, und effizient sichtbar und erfahrbar
gemacht werden können.
Durch systematische Wechsel in den räumlichen Settings, den zeitlichen
Strukturen und den medialen Möglichkeiten werden etablierte Routinen, Konventionen
und Muster, die viele Kreativprozesse kennzeichnen, systematisch hinterfragt,
verändert, variiert. Die zentrale Zielsetzung von Beauty Case ist, Designprozesse
und Innovationsprozesse effizienter, effektiver, kreativer und nachvollziehbarer
zu machen, indem neuartige Erfahrungen und überraschende Einsichten ermöglicht
und effizient dokumentiert und laufend reflektiert werden.
Beauty Case integriert Kochen und Essen als paradigmatische Referenz für
einen Kreativprozess. Durch den Einsatz unterschiedlicher Medien ermöglicht
Beauty Case, persönliche Reflexionen, parallele Kreativprozesse, intuitive
Reaktionen und visuelles Denken sichtbar und Innovationsprozessen zugänglich
zu machen. Beauty Case ist ein Designprozess, der sich systematisch selber dokumentiert
und reflektiert und die Spuren des Prozesses über das Internet synchron
und kontinuierlich öffentlich und der weiteren Auseinandersetzung zugänglich macht. Beauty Case
CABARET VOLTAIRE
Das Cabaret Voltaire wurde erstmals am 5.2.1916 in der Züricher Altstadt
als Kunstsalon und "Protest gegen den Wahnsinn der Zeit" eröffnet.
Die Idee zur Gründung des Cabaret Voltaire stammte von dem deutschen Dichter
und Regisseur Hugo Ball und seiner Gefährtin Emmy Hennings, die mit ihm
aus Deutschland emigriert war. Ihnen schlossen sich als erste der Dichter und
Maler Hans Arp und Sophie Täuber an. Täuber war Lehrerin in der Züricher
Kunstgewerbeschule und trat immer nur maskiert auf, um ihre Anstellung nicht
zu verlieren. Im Juni 1916 erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift “Cabaret
Voltaire”. Die im Cabaret Voltaire tätigen Künstler, zu denen
auch Richard Hülsenbeck, Tristan Tzara und Marcel Janco zählten, wendeten
sich mit einer so genannten Anti-Kunst gegen gültige bürgerliche Wertmaßstäbe.
Zum Ausdruck des Protests gehörte u. a. das Deklamieren unzusammenhängender
Silben und Wörter in Form so genannter Lautgedichte, häufig auch in
Verbindung mit theatralischen Aktionen, Lärm-Musik und die Präsentation
provokativer Collagen.
Wiederauferstanden im Oktober 2004, mit dem baulichen Eingriff der Architekten
Rossetti + Wyss und unter der künstlerischen Leitung von Philipp Meier
beginnt an der Spiegelgasse 1 in der Altstadt von Zürich eine neue Dada-Ära.
Die für die Kunstgeschichte so prägende Bewegung des Dada und sein
Gründerhaus soll der breiten Öffentlichkeit wieder zugänglich
gemacht werden. Neben halbjährlich stattfindenden Ausstellungen zur Geschichte
des Dadaismus, werden im zweiten Ausstellungsraum vor allem junge und umstrittene
Positionen gezeigt, die im Zweimonatsrhythmus von wechselnden Kuratoren ausgewählt
und inszeniert werden. Neben weiteren periodisch stattfindenden Veranstaltungen,
wird eine dadalogische Reihe installiert, die das Cabaret Voltaire zu einem
Kompetenzzentrum für den Dadaismus werden lassen soll.
„Das Cabaret Voltaire ist ein lebendiger Kulturort, der einerseits
als non-disziplinäre Plattform vorhandene Themen, Täter und Tendenzen
bündelt, von dem andererseits aber auch kultur- und gesellschaftspolitische
Impulse, Innovationen und Interventionen ausgehen, die weit über die räumliche
Begrenzung des eigentlichen Spielortes reichen. Ein Haus, dessen Kriterien sich
systeminhärenten ästhetischen und spartenlimitierenden Spielregeln
entziehen, sich orientieren an Wirkungspotential, Virulenz und den sensibilisierten
Fühlern der Macher.“
Philipp Meier, künstlerischer Leiter Cabaret Voltaire, Dadahaus
