PROVOKATION

Ist Provokation ein legitimes Mittel, um in unserer Gesellschaft etwas zu verändern oder nur eine strategische und verkaufsfördernde Massnahme? Muss man heute provozieren, um noch wahrgenommen zu werden? Was erregt die Menschen im Zeitalter der Tabubrüche noch? Wer lässt sich provozieren, was sind die Regeln und welche Rolle spielen dabei die Kunst und die Medien? Schon für die Dadaisten war Provokation ein gezielt eingesetztes Kommunikationsvehikel und in den letzten 40 Jahren wurde die bewusste Regelverletzung zu einem der beliebtesten, erfolgreichsten, aber auch oft verschmähtesten Werkzeuge in Kultur, Politik und Gesellschaft.



Begriffsdefinition

Die Provokation (von lateinisch provocare von pro (hervor) und vocere (rufen)) ist eine gegenüber bestimmten gesellschaftlichen Normen und Sitten oppositionelle Aktion oder Äußerung, oft eine Regelverletzung, bewusstes Abweichen, Manipulation oder Reizen, das als Ziel hat, bei dem Gereizten eine (meist übermäßige) Reaktion hervorzurufen, das Verhalten des Provozierten zu ändern oder die Gleichgültigkeit zu beseitigen.

Provokationen können dazu eingesetzt werden, um Situationen eskalieren zu lassen, etwa bei Demonstrationen, Streiks etc.

Provokation spielt mit denselben Mitteln, die die Gesellschaft zur Verfügung stellt. Provokation ist vergänglich, orts- und kulturbedingt.

Ob Provokation für die Gesellschaft funktional oder dysfunktional ist, hängt allein von der eingenommen Perspektive des Betrachters ab.

P. stellt meist intendierte, zielgerichtete Kommunikation dar, zu deren Gelingen Reaktion in einer eingespielten, kulturell gewachsenen Weise vonnöten ist. Entscheidend sind die Komponenten Beziehung, Inhalt und Form, Intention und Funktion, Kanal bzw. Medium, Grad der Öffentlichkeit, Raum-Zeit-Kontinuum, Kapital, Situation und Kontext, gesehen im jeweiligen Grossraster des jeweiligen gesellschaftlichen Rahmens.

Vor allem im Deutschen Sprachgebrauch gilt der Terminus ‚Provokation’ oder ‚Provokateur’ allein schon als Reiz(wort), bevor überhaupt geklärt ist, was und ob überhaupt etwas hervorgerufen wird. Im Allgemeinen werden Provokationen als negativ angesehen, weil sie den Kommunikationspartner oft durch schlechte Argumente oder Beleidigungen unfair behandeln, und dadurch zu unproduktiven Konflikten führen.